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BundestagswahlDiese Grüne will Friedrich Merz in seinem Wahlkreis ärgern

Frau gegen Mann. Grün gegen Schwarz. Sandra Stein gegen Friedrich Merz im Hochsauerland. So will sich die Familienunternehmerin profilieren.Cordula Tutt 22.02.2025 - 11:25 Uhr

Tritt im Wahlkreis gegen Friedrich Merz an: Grünenpolitikerin Sandra Stein.

Foto: PR

Nein. „Ich bin Herrn Merz noch nicht begegnet.“ Sandra Stein ist eifrig durch den gemeinsamen Wahlkreis, den Hochsauerlandkreis, getourt. Bei Diskussionsrunden mit Bürgerinnen und Bürgern lasse sich der Kanzlerkandidat der CDU aber vertreten, sagt die Familienunternehmerin und Grünen-Kandidatin. Ein erster, kleiner Stich.

In den Schützenhallen ist Friedrich Merz aufgetreten, vor größerem Publikum. Die Vereine sind eine sichere Bank, wenn es um konservative Werte und Traditionen geht. Aber dazu später mehr.  

Die 38-Jährige ist eine dünne, drahtige Frau, die ständig in Bewegung ist. Jetzt also Stein gegen Merz. Jung und Alt. Frau und Mann. Grün und Schwarz. Zur Politik ist sie erst 2021 gekommen, als es darum ging, wieder einen Dorfladen im Örtchen Hagen zu eröffnen, von den Einheimischen der Landwirtschaft wegen auch Kuhschisshagen genannt. 

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Das gelang und ihre politische Karriere entwickelte sich rasch. Sie führt inzwischen den Kreisverband der Ökopartei und schickt sich an, auf dem aussichtsreichen Platz 19 der Landesliste NRW in den Bundestag einzuziehen. Da würde sie den CDU-Kanzlerkandidaten dann sicher treffen.

Sandra Stein hat wie Merz die Wirtschaft in den Mittelpunkt ihrer Politik gestellt. Doch darüber hinaus scheint fast alles anders zu sein als beim rund 30 Jahre älteren CDU-Chef. Er wird den Wahlkreis erringen. Sie verkörpert die nächste Generation in der ländlichen Gegend der langen Wege und traditionellen Werte. Und anders als der Rechtsanwalt Merz ist Sandra Stein, die Familienunternehmerin, ein Buiterling. So nennen sie hier die Zugezogenen, egal ob sie vom nächsten Tal oder von weither kommen.

Ihren Mann Stefan Appelhans lernte sie im Studium in Bochum kennen, die beiden wollten danach raus aus dem Ruhrgebiet und landeten in der Start-up-Szene Berlins. „Wir hatten uns in die Stadt verliebt.“ Kleine Teams, viel Verantwortung und immer wieder improvisieren – das bestimmte die Jobs für die Marketing- und Digitalfachfrau und den Ökonomen. 2017 wagten sie erneut etwas ganz anderes. Das Ehepaar Stein/Appelhans zog in seine Heimat, nach Sundern- Hagen. 

Die beiden bilden nun die fünfte Generation im Familienbetrieb Sorpetaler Fensterbau mit mehr als 80 Angestellten und sie teilen sich mit den Schwiegereltern die Geschäftsleitung des Handwerksbetriebs. Seit Oktober 2021 ist Stefan Appelhans Geschäftsführer. Familienunternehmen und Familienpflichten mit inzwischen drei Kindern von zehn, sieben und fünf Jahren lassen sich im Dorf vereinbaren. Auch wenn der nächste Schritt ansteht – wieder zurück nach Berlin. Diesmal als Politikerin und mit einer durchaus bodenständigen Agenda.

Mittelstand im Blick

Stein hat die Brille der Mittelständlerin auf. Zuviel Bürokratie sei im Alltag der Betriebe aufgelaufen. Da sind die vielen Berichtspflichten, auch die zur Nachhaltigkeit im Unternehmen, beklagt sie. „Das ist nicht zu machen, kleine und mittlere Unternehmen haben keine Spezialabteilung, die das übernimmt.“  Die Energiepreise?  Zu hoch! Stromsteuer und Netzentgelte müssten runter, sonst seien die Betriebe nicht mehr konkurrenzfähig. Die Infrastruktur? Kaputt und grade im ländlichen Raum viel zu lückenhaft!  „Wenn mir Unternehmerinnen sagen, dass die maroden Brücken oder das nicht vorhandene Glasfasernetz ihr Geschäft bedrohen, dann müssen wir in diese Dinge investieren“, meint sie. Deshalb brauche Deutschland auch eine Reform der Schuldenbremse.

Sandra Stein betont, dass Handwerker und Mittelständler wie die Sorpetaler Fensterbau innovativ und findig seien. Auf Tropenhölzer wolle man künftig weitgehend verzichten. Höchstens solche aus zertifizierten Plantagen sollten es noch sein. Und Fenster ließen sich durchaus aufarbeiten statt immer nur neue herzustellen. Fürs denkmalgeschützte Telegrafenamt in Gießen liefen 800 alte Fensterflügel durch die Produktion, um danach runderneuert wieder eingesetzt zu werden. „Wir hätten erst selbst nicht gedacht, dass das funktioniert.“

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Deshalb würde Stein auch gerne im Wirtschaftsausschuss im Bundestag mitarbeiten, ihre Praxiserfahrung einbringen. Und ein Spezialthema, das aus Steins Sicht für Mittelständler immer wichtiger wird. Die Sorpetaler Fensterbau zählt – wie auch einzelne große Unternehmen wie Bosch und Zeiss – zu den Unternehmen in Verantwortungseigentum. Diese besondere Form des Eigentums wollte die gescheiterte Ampelregierung bereits in ihrem Koalitionsvertrag rechtlich absichern. Eine solche Gesellschaft mit gebundenem Vermögen (GmbH-gebV) bedeutet, dass die Eigentümer und Eigentümerinnen zwar Stimm- und Teilhaberechte haben, jedoch nicht die Gewinne ausgeschüttet bekommen. Damit sollen langfristige Unternehmenszwecke umgesetzt, Betriebe mit mehreren Familienteilen stabil aufgestellt und leichter in die nächste Generation geführt werden.

Den Wahlkreis wird Sandra Stein nicht direkt holen gegen den prominenten Konkurrenten. Das letzte Mal erlangten die Grünen im Hochsauerlandkreis acht Prozent der Erststimmen und zehn Prozent der Zweitstimmen. Doch „Kuhschisshagen“ und den Landstrich ringsum wird sie wohl in der Hauptstadt vertreten. Das letzte Mal schickten die Grünen aus NRW deutlich mehr als 20 Abgeordnete nach Berlin. 

Also wieder Berlin, diesmal mit Handwerksthemen und dörflichen Anliegen im Gepäck. Wie sehr sie dort angekommen ist, zeigt ein Foto vom vorigen Jahr. Stein ist amtierende Schützenkönigin, mehr Tradition geht kaum. Auf dem Bild vom August trägt sie ein langes rotes Ballkleid und hat sich bei ihrem Mann untergehakt. Der steht etwas abgekämpft mit Hut und Schützenkette im Abendlicht, als frisch gekürter König der Schützenbruderschaft St. Sebastian Hagen.

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