Tesla: Konzern von Elon Musk wird für Chip-Hersteller zum Problem
Ein Tesla Showroom in New York.
Foto: imago imagesFür zwei der weltweit wichtigsten Hersteller von Autochips wird die Absatzflaute von Tesla immer mehr zum Problem. Der amerikanische Elektroautopionier sei „eine Belastung für STMicroelectronics und Onsemi“, sagt Jefferies-Analyst Janardan Menon.
Als es bei Tesla Quartal für Quartal aufwärtsging, waren die beiden Halbleiterkonzerne auf der Überholspur. Denn sie beliefern die Firma von Elon Musk mit Stromsparchips aus dem innovativen Material Siliziumkarbid (SiC). Mit derartigen Bauelementen erzielen Elektroautos höhere Reichweiten oder kommen mit kleineren Batterien aus.
Vergangenes Jahr indes lieferte Tesla zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt weniger Fahrzeuge aus als im Vorjahr. Den französisch-italienischen Chiphersteller STMicroelectronics (ST) sowie den US-Rivalen Onsemi trifft das besonders.
Umsatz und Gewinn der Unternehmen sind in den vergangenen Monaten abgestürzt, die Aktienkurse als Folge dessen stark gesunken. Die Papiere von STMicroelectronics haben binnen Jahresfrist fast 40 Prozent an Wert verloren, bei Onsemi beträgt das Minus mehr als 30 Prozent.
Tesla hat vergangenes Jahr eigenen Angaben zufolge knapp 1,79 Millionen Autos ausgeliefert. Das sind zwar nur 19.000 weniger als 2023. Da bei Chips die Preise aber üblicherweise Jahr für Jahr fallen, mussten diese zwei Halbleiterkonzerne Umsatzeinbußen bei einem ihrer Schlüsselkunden hinnehmen.
Was Infineon anders als seine Konkurrenten macht
Ganz anders dagegen Infineon. Bei dem weltgrößten Autochiphersteller läuft das Autogeschäft stabil. Für den Dax-Konzern ist Tesla lange nicht so bedeutend wie für die Konkurrenten.
Die Münchener beliefern stattdessen in großem Stil aufstrebende chinesische Autohersteller wie BYD, Xpeng und Xiaomi, so die Analysten von Jefferies. Deren Geschäft entwickelt sich sehr dynamisch. So hat BYD den lange Zeit dominierenden Wettbewerber Tesla als weltweit größten Anbieter von Elektroautos im vergangenen Jahr fast eingeholt.
Das hat auch die Börse registriert. Im vergangenen halben Jahr ist der Aktienkurs der Bayern um rund ein Fünftel nach oben geklettert. Unter den Autochipherstellern sei Infineon die bevorzugte Aktie, urteilte jüngst Analyst Johannes Schaller von der Deutschen Bank. Mit einigen neuen Aufträgen habe Infineon seine Führungsposition im wichtigen chinesischen Markt gestärkt.
Der Umsatz in China sei im jüngsten Quartal „stärker als erwartet“ ausgefallen, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck Anfang des Monats. Auch sei es Infineon gelungen, neue, mehrjährige Verträge mit BYD über den Einbau von Infineon-Chips in weitere Automodelle zu schließen.
Starkes China-Geschäft bringt Infineon Vorteile
Durch das starke Geschäft in China werde Infineon Jefferies zufolge 2025 erneut besser abschneiden als die Rivalen, die stärker von Tesla abhängig sind. „Das erwartete starke Wachstum von BYD, Xiaomi, XPeng, Hozon, Li Auto, Chery und vielen Saic-Modellen dürfte auch in diesem Jahr eine wichtige Rolle für die Outperformance von Infineon im Automobilbereich spielen.“
Inzwischen hätten auch ST und Onsemi einige chinesische SiC-Abnehmer, so die Analysten von Jefferies. Tesla ersetzen könnten sie aber auf absehbare Zeit nicht: „Selbst wenn die Lieferungen an diese chinesischen Kunden zunehmen, wird das Wachstum der Konzerne noch einige Jahre lang durch das hohe Tesla-Engagement gebremst werden.“
Tesla war lange ein Segen für die Chiphersteller
Tesla war für seine Chiplieferanten jahrelang ein Segen. Denn die Kalifornier setzten die teuren SiC-Chips viel früher ein als die meisten Wettbewerber. Schon seit 2017 baut das Unternehmen SiC unter anderem in Wechselrichter ein. Das sind elektronische Steuergeräte, die im Elektroauto die Energie von der Batterie zum Motor lenken. Der wichtige Infineon-Kunde Hyundai setzte als zweiter großer Hersteller auf SiC. Inzwischen folgen auch alle anderen Marken.
Doch es gibt Hoffnung für ST und Onsemi. Tesla-Chef Musk versprach zuletzt ein starkes Geschäft für dieses Jahr. 2025 wolle Tesla wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren und die Produktion um 60 Prozent steigern. Musk: „Wir bereiten uns auf ein meiner Meinung nach episches Jahr 2026 und besonders gute Jahre 2027 und 2028 vor.“
Ob es tatsächlich so kommt? Augenscheinlich kümmert sich Musk derzeit mehr darum, amerikanische Behörden zu schleifen, als um Tesla.
Gleichwohl, seit Mitte der Woche empfehlen die Analysten von Jefferies die Aktien von ST wieder zum Kauf.
Die Lager in der Autoindustrie seien nun nach einer langen Bestandskorrektur endlich leer, die Kunden müssten nachbestellen: „Automobilchip-Lieferanten werden in den nächsten fünf bis sechs Quartalen beschleunigt wachsen und bis Anfang 2026 ein zweistelliges Plus erreichen.“ Die Investoren nahmen das begeistert auf: Am Mittwoch legte der Aktienkurs von ST mehr als sieben Prozent zu.
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Dieser Artikel ist ursprünglich beim Handelsblatt erschienen, das wie die WirtschaftsWoche zur Handelsblatt Media Group gehört.