Briefträger und Postboten: Warum die Deutsche Post die Gehälter erhöht und gleichzeitig Stellen abbaut
Von dem Stellenabbau ist der Brief- und Paketbereich von DHL in Deutschland betroffen.
Foto: imago imagesBereits Ende September 2024 kündigte DHL-Chef Tobias Meyer Veränderungen beim Bonner Logistik-Riesen an. Mit der Strategie 2030 soll es ein Umsatzwachstum von 50 Prozent im Vergleich zu 2023 geben. Zudem versprach er damals, die komplexe rechtliche Struktur des Konzerns neu zu ordnen. So soll eine eigenständige Gesellschaft für das Post- und Paketgeschäft in Deutschland – also für die Deutsche Post – geschaffen werden. Eine Abspaltung solle es nicht geben, hieß es damals.
Nun erfolgt ein Stellenabbau in der Sparte. Von den rund 187.000 Beschäftigten im Brief- und Paketgeschäft in Deutschland sollen 8000 wegfallen – also etwa vier Prozent. Der Grund: Der Konzern wolle sich schlanker und effizienter aufstellen.
Für die Beschäftigten kommt die Ankündigung des Jobabbaus kurz nach der Meldung des Tarifabschlusses. Erst vor zwei Tagen hatte Verdi rund 170.000 Briefträgern, Paketboten und anderen Logistik-Mitarbeitern ein Gehaltsplus von zunächst zwei Prozent und im zweiten Jahr um weitere drei Prozent vor. Außerdem bekommen alle Beschäftigten einen Extra-Urlaubstag und langjährige Beschäftigte einen weiteren Urlaubstag.
Bereits nach der Einigung am Dienstag hatte die für Post & Paket Deutschland zuständige DHL-Vorständin Nikola Hagleitner gesagt, man werde wegen des wirtschaftlichen Umfelds und wegen des Tarifabschlusses „Kostensenkungsmaßnahmen konsequent erweitern und beschleunigen müssen“. Nähere Angaben machte sie zunächst nicht. Nun gab der Konzern den Stellenabbau bekannt.
Das Sparprogramm betrifft auch andere Bereiche des global operierenden Logistikers DHL. Denn gestiegene Kosten machen dem gesamten Konzern zu schaffen. Im vergangenen Jahr konnte er seinen Umsatz zwar um 3 Prozent auf 84,2 Milliarden Euro steigern, das Betriebsergebnis (Ebit) sackte aber um 7,2 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Die Sparmaßnahmen sollen die Kosten um mehr als eine Milliarde Euro drücken.
Briefgeschäft als Sorgenkind
Doch das Sorgenkind bleibt das Stammgeschäft der Post in Deutschland. Der Konzernbereich kam Firmenangaben zufolge auf einen Umsatz von rund 17,3 Milliarden Euro, was einem Plus von 2,7 Prozent entspricht. Das Betriebsergebnis sank um 5,6 Prozent auf 821 Millionen Euro.
Andere Geschäftsfelder sind lukrativer – etwa die Express-Sendungen, die vor allem Firmen fürs Verschicken zeitkritischer Waren und Dokumente nutzen. Auch Lieferketten-Dienstleistungen und das Frachtgeschäft bringen mehr Profit.
Denn die Briefmenge nimmt im Digitalzeitalter stetig weiter ab. Im vergangenen Jahr war die Menge der Werbepost deutlich rückläufig, wie das Unternehmen es formulierte. Die Paketmengen legten hingegen zu.
DHL-Aktie reagiert auf Stellenabbau
Auf den angekündigten Stellenabbau reagierte die Aktionäre positiv. Die Aktie legte um gut elf Prozent zu und liegt bei knapp 43 Euro. Damit erholt sich der Kurs von ihrem 27-Monats-Tief von Mitte Januar und liegt jetzt bei knapp 43 Euro.
Zudem fiel der operative Gewinn des Konzern besser aus als von Analysten erwartet. Die Dividende für 2024 will Meyer stabil bei 1,85 Euro je Aktie halten.
Bei Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr bleibt die Konzernführung zaghaft. Man rechne weiterhin „mit einem gedämpften makroökonomischen Umfeld“, hieß es. „Wir erwarten auch für 2025 eine volatile weltpolitische und weltwirtschaftliche Lage“, sagte Konzernchef Meyer. In diesem Jahr erwarten das Unternehmen nun einen operativen Gewinn (Ebit) von sechs Milliarden Euro oder mehr. Allerdings sind in der Prognose potenziellen Effekte aus Änderungen in der Zoll- und Handelspolitik nicht berücksichtigt.
Einen Lichtblick liefert auf die Erhöhung des Briefportos. Zum Jahreswechsel wurde das um 10,5 Prozent angehoben. Die Post wollte eigentlich noch stärker an der Preisschraube drehen, allerdings untersagte das die Bundesnetzagentur.
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