Schweden, Polen & Co.: Euro – nein, danke!
H&M-Chef Karl-Johan Persson orientiert sich mit immer weiter weg von Europa. Zwar ist Deutschland der wichtigste Markt für Hennes & Mauritz, doch die größten Zuwachsraten verbucht der Textilriese längst in Übersee.
Foto: dapd
Die größte Gefahr für H&M ist nicht die Euro-Krise, sondern der Sommer. Regen- und Gewitterwolken hängen nun schon seit Wochen über Deutschland, Skandinavien und Osteuropa. Selbst in Asien ist das Wetter überwiegend mies. Die Folge: Die bunten Tops und kurzen Shorts des zweitgrößten europäischen Textilherstellers finden kaum Abnehmer. Die Bikini-Werbung mit den übermäßig stark gebräunten Models sorgte zwar für Aufregung, aber nicht für steigende Absatzzahlen.
Vor wenigen Wochen noch, im Mai, strahlte der Konzern mit der Sonne um die Wette. Aufgrund der frühen sommerlichen Temperaturen stiegen die Umsätze bei Hennes & Mauritz im zweiten Quartal überraschend um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr, auf 31,7 Milliarden Schwedische Kronen (knapp 3,6 Milliarden Euro) – trotz der Euro-Krise.
Suche nach neuen Partnern
"Wir sind gut in das Jahr gestartet", sagt Geschäftsführer Karl-Johan Persson. "Unsere Frühjahrskollektion wurde sehr gut angenommen und zwar in allen 44 Ländern, in denen wir aktiv sind." Egal ob in den Metropolen oder in Kleinstädten. Und vor allem: "Wir haben sowohl in stark wachsenden Ländern gut abgeschnitten, aber auch in Ländern, deren Volkswirtschaften in Schwierigkeiten sind", so Persson. Es gebe immer wieder Unsicherheiten in der Branche, das Wetter sei eine schwer kalkulierbare Größe. Aber grundsätzlich seien die Risiken für sein Unternehmen gut händelbar.
H&M und die Hautkrebsgefahr
Knackig braun gebrannt räkelt sich Model Isabeli Fontana im Mai 2012 auf dem Plakat des Bekleidungsherstellers H&M. Neidvoll erblasste Kundinnen sollten so zum Bikini-Kauf animiert werden. Für die Kampagne mit der unnatürlich braunen erscheinenden Haut gab es Ärger von Gesundheitsschützern: Sie kritisierten die Werbung als "tödliches Schönheitsideal". Das Unternehmen entschuldigte sich: "Es war nicht unsere Absicht, für ein bestimmtes Ideal zu werben oder zu gefährlichem Handeln anzuregen."
Knutschen für den Weltfrieden
Mit der Kampagne "Unhate" handelte sich das italienische Modelabel Benetton Ende 2011 Ärger ein. Auf den Plakaten waren nicht nur knutschende Größen aus der Politik zu sehen, wie hier US-Präsident Barack Obama, der seine Lippen auf die von Venezuelas Präsident Hugo Chavez presst. Eines der Plakate zeigte Papst Benedikt XVI. mit dem Imam von Kairo in einen innigen Kuss vertieft. Der Vatikan fand das allerdings nicht witzig. Nach scharfem Protest aus Rom zog Benetton das Bild zurück.
Foto: dpaDie Kanzlerin kann auch sexy
Von wegen Hosenanzug: Im Mai 2009 macht der Unterwäschekonzern Bruno Banani auf sich aufmerksam, indem er Angela Merkel und weitere Spitzenpolitiker wie Guido Westerwelle oder Gregor Gysi in Dessous abbildete. Das Unternehmen warb damals mit der Aktion "Wir geben alles, um die Nachfrage anzukurbeln" um eine Abwrackprämie für Unterwäsche. Merkel und Co. zeigten allerdings wahre Größe und nahmen die kleine Frechheit gelassen hin.
Foto: dpaMagersüchtige schockt Italien
Riesige Werbebanner mit der nackten, magersüchtigen Isabelle Caro schockieren 2007 die Italiener. Star-Fotograf Oliviero Toscani schoss das Bild für eine Anti-Magersucht-Kampagne des Modelables "Nolita". Hilfsgruppen für Magersüchtige reagierten allerdings skeptisch auf die Schock-Aktion. ABA, die italienische Gemeinschaft gegen Anorexie, Bulimie und Fettsucht, äußerte die Befürchtung, dass das Bild Nachahmer auf der Suche nach öffentlicher Aufmerksamkeit finden könnte. Die italienische Werbeaufsicht lässt die Bilder verbieten.
Foto: dpaSchöner föhnen mit Sixt
Und noch einmal Angela Merkel: Im Mai 2001 wird die CDU-Politikerin auf einem Werbeplakat veräppelt, diesmal durch den Autovermieter Sixt. Bereits damals zeigte Merkel sich lässig: "Ein interessanter Vorschlag für mein Haar-Styling!", kommentierte sie.
Foto: APVivas verpatzter Börsengang
Unglücklich lief die Kampagne, mit der der Musiksender Viva für seinen Börsengang im Juli 2000 warb. Eine junge Frau sitzt aufreizend und gelangweilt mit gespreizten Beinen vor dem Fernseher, der Slogan "Kauf mich" steht fett darüber gedruckt. Das Plakat rief den Deutschen Werberat und die Katholische Kirche auf den Plan. Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung und der Beanstandung als "ehrverletzend" durch den Werberat zog Viva das Plakat zurück. Die Aktie lag am Ende des ersten Handelstages unter ihrem Ausgabepreis von 17,14 Euro.
Foto: APHysterie um Tyra Banks
Im Mai 1996 rollen Helfer in Brüssel H&M-Werbeplakate mit Topmodel Tyra Banks in sexy Posen auf, um sie zu verschenken. Das Unternehmen war dazu verdonnert worden, die Poster zu verschenken, nachdem hysterische Fans damit anfingen, die Glaskästen an Bushaltestellen, in denen die Werbung ausgestellt wurde, in Scherben zu schlagen um an die Bilder heranzukommen.
Foto: REUTERSDas Nipplegate von Perrier
Zoff mit der European Women's Lobby (EWL) handelte sich der französische Mineralwasser-Hersteller Perrier 1996 ein. Stein des Anstoßes: Dieses Plakat von Pin-Up-Mädchen mit Perrier-Flaschenverschlüssen auf den Brüsten. Die EWL drohte mit einem weitreichenden Boykott von Perrier-Produkten, sollte das Unternehmen die "sexistische"Kampagne nicht zurückziehen. Perrier beugte sich dem Protest und ließ die Plakate einstampfen.
Foto: REUTERSHIV-Schocker von Benetton
Für einen der bekanntesten Werbeskandale sorgte das Textilunternehmen Benetton. Die Poster eines nackten Gesäßes mit dem Stempel "H.I.V. positive", die 1994 veröffentlicht wurden, wurden in mehreren deutschen Gerichtsurteilen verboten und wieder erlaubt. 1996 versuchte zudem ein Benetton-Händler vor dem Oberlandesgericht Kassel Schadenersatzzahlungen zu erwirken. Der Händler begründete seine Klage damit, die Schockwirkung der Kampagne habe ihm erhebliche Gewinneinbussen bereitet. Das Gericht wies die Forderung aber zurück.
Foto: APDer Hauptgrund dafür: Hennes & Mauritz sind zunehmend global aufgestellt. Die Schweden kehren Kern-Europa zwar nicht komplett den Rücken, sie schauen sich aber verstärkt nach neuen Partnern um. So wurden die größten Zuwachsraten im ersten Halbjahr 2012 in den USA (+36 Prozent), Südkorea (+56 Prozent), China (+60 Prozent) und Kroatien (+319 Prozent) verzeichnet. Auch, weil die Zahl der Geschäfte dort massiv ausgebaut wurde. In diesem Jahr sollen erstmals H&M-Läden in Bulgarien, Mexiko, Lettland, Malaysia und Thailand eröffnet werden.
Europa hat an Attraktivität verloren
Die Euro-Krise kann dem Geschäft des Textilriesen damit eine Delle verpassen, gefährden kann es den Konzern nicht mehr. Dass die Nachfrage in den Euro-Ländern Niederlande, Luxemburg, Spanien und Portugal mehr oder weniger stagniert, ist für die Schweden verkraftbar. Zumal, wenn der wichtigste Markt, Deutschland, weiter wächst.
Europa hat an Attraktivität verloren, in Schweden hat ein Umdenken stattgefunden. Bei H&M, dessen Unternehmer-Kollegen, aber auch bei der politischen Klasse.
Schwedens Finanzminister Anders Borg will sein Land so unabhängig wie möglich von den Folgen der Euro-Krise machen und bereitet sich auch auf mögliche Austritte aus der Währungsunion vor. "Natürlich können die Griechen Glück haben", sagt Borg, aber er könne nicht ausschließen, "dass das Land am Ende Bankrott geht".
Foto: REUTERS
"Europa wird weniger wichtig für uns und wir müssen uns sehr bewusst neu orientieren", sagt Schwedens Finanzminister Anders Borg. Wolle Schweden weiter wachsen, müsse es sich vom Euro-Raum lösen und sich stärker auf die Schwellenländer konzentrieren.
Die Einführung der Gemeinschaftswährung ist in Schweden kein Thema mehr. Vielmehr versuchen die Skandinavier, auf alle Fälle vorbereitet zu sein – auch auf ein Auseinanderbrechen des Euro-Raums. "Natürlich können die Griechen auch Glück haben. Sie können das Tor noch treffen, und alles wird gut. Aber so, wie sie die Lage bisher gehandhabt haben und mit den Schulden kann ich nicht ausschließen, dass das Land am Ende Bankrott geht", sagt Borg.
Rufe der Unternehmer nach dem Euro werden leiser
Seit dem Ausbruch der Schuldenkrise sind auch die Rufe der schwedischen Unternehmer nach dem Euro deutlich leiser geworden. Noch vor einigen Jahren bildeten Konzerne wie Volvo, Ericsson und Electrolux Netzwerke, die für die Gemeinschaftswährung ins Feld zogen. Doch in der Finanzkrise hat die exportabhängige Wirtschaft von der damals schwachen Nationalwährung profitiert. Inzwischen ist die Schwedische Krone an den Euro gekoppelt und hat deutlich angezogen. Das spürt auch die exportabhängige Wirtschaft. Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt um starke 3,9 Prozent. In diesem Jahr soll die Wirtschaft laut Prognosen aber nur noch leicht wachsen, um 0,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag Ende 2011 bei 7,5 Prozent.
Polen
Mit im Schnitt 504 Punkten (nur knapp hinter Deutschland) gehört der Nachbar zu den bei PISA so starken östlichen EU-Ländern - dank einer ruhigen, konsequenten Bildungspolitik. „1999 wurde eine große Schulreform eingeleitet. Die wurde dann ein Jahrzehnt lang, über Parteigrenzen hinweg und trotz Regierungswechseln, Schritt für Schritt umgesetzt“, lobt OECD-Fachmann Schleicher. „Da wusste jeder Lehrer, was kommt.“ Der Erfolg wird auf die vor 17 Jahren eingeführten Mittelschulen zurückgeführt. Das Leistungsniveau wurde angehoben und die Chancengleichheit auf ein gutes Abitur erhöht, heißt es. Doch nun sehen Experten die Erfolge durch eine hastig vorangetriebene neue Schulreform bedroht: Polens Nationalkonservative wollen die Mittelschulen zum nächsten Schuljahr wieder abschaffen.
Foto: dpaPlatz 26: Griechenland
Der Pleitestaat bekam 2009 gut drei Milliarden Euro aus den EU-Töpfen. Pro Kopf waren das 267,20 Euro. „Vergleicht man die Nettopositionen Deutschlands und Griechenlands und ihren jeweiligen Anteil an Nettozahlern und -empfängern, so ergeben sich daraus allein im Jahr 2009 effektive Zahlungen von Deutschland an Griechenland in Höhe von 865 Millionen Euro“, unterstreicht Heinen.
Foto: dpaPlatz 25: Ungarn
Das osteuropäische Land konnte sich 2009 über Nettozuwendungen aus Brüssel in Höhe von 2,66 Milliarden Euro freuen (265 Euro pro Kopf). Neben den Agrarsubventionen hat Budapest vor allem Geldmittel bekommen, um gegen die Kriminalität vorzugehen und den Justizapparat zu stärken. Knapp 30 Prozent oder 798 Millionen Euro flossen dafür gen Osten.
Foto: dpaPlatz 24: Portugal
Kräftig subventioniert wurde im Jahr 2009 auch Portugal. Netto flossen knapp über Milliarden Euro ins südwestlichste Land der EU. Umgerechnet zahlte die Staatengemeinschaft 196,40 Euro für jeden portugiesischen Staatsbürger.
Foto: dpaPlatz 23: Rumänien
2007 trat Rumänien der Staatengemeinschaft bei. Mit etwa 21 Millionen Einwohnern ist es das sechsgrößte Land der Union. Die Wirtschaft allerdings hinkt der Entwicklung im Euro-Raum hinterher. Um die Strukturen zu reformieren, flossen in den ersten beiden Jahren Milliardenhilfen nach Bukarest. Gut 1,6 Milliarden Euro waren es beispielsweise 2009. Die Zahlungen der Vorjahre hatten zunächst Erfolg: Die Wirtschaft wuchs jährlich zwischen sechs und acht Prozent. Doch dann kam die Finanzkrise, Rumänien geriet in Schwierigkeiten: Der IWF musste dem Land 2009 Kredithilfen in Höhe von 13 Milliarden Euro bereitstellen, die EU-Kommission verlieh dem Land fünf Milliarden Euro aus ihrem Notfallfonds.
Foto: dpaPlatz 22: Tschechien
Tschechien erhielt im gleichen Jahr netto 1,575 Milliarden Euro von der Europäischen Union. Das macht 150,40 Euro pro Staatsbürger. Zwei Drittel der Summe wurden als Subventionen für die Landwirtschaft und Fischerei ausgestellt. Wachstumsfördernd sind diese Mittel nicht, sagt Deutsche-Bank-Analyst Nicolaus Heinen. „Während Mittel der Regionalpolitik etwa über Infrastrukturmaßnahmen wachstumsfördernd wirken können, dienen Maßnahmen der Landwirtschaftspolitik noch immer tendenziell der Abfederung des Strukturwandels: Wirtschaftswachstum schaffen sie nicht.“
Foto: dpaPlatz 21: Litauen
Litauen ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union. Finanziell profitierte das Land 2009 vom Beitritt. 1,468 Milliarden netto erhielten die Osteuropäer an Transferleistungen. Rechnet man das Geld auf die Bevölkerungszahl herunter – Litauen hat nur gut 3,2 Millionen Einwohner – landet das Land auf dem zweiten Platz. Stolze 438,20 Euro erhielt Litauen pro Staatsbürger.
Foto: rtrPlatz 20: Luxemburg
Größter Profiteur in Zentraleuropa ist Luxemburg. Mehr als eine Milliarde Euro erhielt das Land von Regierungschef Jean-Claude Juncker 2009. Oder anders: 2364,50 Euro pro Staatsbürger. Viel für die Wirtschaft bleibt dem zweitkleinsten Mitgliedsstaat der EU von dem Geld allerdings nicht über. 87 Prozent der Zahlungen sind an Verwaltungskosten gebunden. Schließlich ist das Großherzogtum Sitz des Europäischen Gerichtshofs, des Europäischen Rechnungshofs, der Europäischen Investitionsbank und des Sekretariat des Europäischen Parlaments. Gebäudekosten, Infrastrukturausgaben, sowie Ausgaben für Technologie- und Sicherheitsdienste soll Luxemburg mit den EU-Zahlungen decken.
Platz 19: Belgien
Belgien ist Gründungsmitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dem Vorgänger der Europäischen Union. 968 Millionen Euro erhielt das Land aus den EU-Töpfen im Jahr 2009. Pro Kopf sind das 90 Euro.
Foto: APPlatz 18: Bulgarien
Das osteuropäische Land ist das Armenhaus innerhalb der Europäischen Union. Bulgarien weist das niedrigste BIP je Einwohner, sowie 2009 eine der höchsten Armutsquoten von 21,8 Prozent innerhalb der EU auf. 589 Millionen Euro erhielt Sofia netto von der Gemeinschaft.
Fast ein Drittel der Zahlungen sollen helfen, dass in Bulgarien in der Zukunft ähnliche Lebensbedingungen herrschen wie in den anderen Mitgliedsstaaten.
Platz 17: Estland
Estland erhielt 2009 558 Millionen Euro von der EU. Betrachtet man die absoluten Zahlen, liegt das osteuropäische Land auf Rang 11 der größten Nutznießer. Heruntergerechnet auf die Pro-Kopf-Unterstützung allerdings belegt Estland gar Rang drei. 416,20 Euro zahlt die Gemeinschaft für jeden estnischen Staatsbürger.
Foto: dpaPlatz 16: Lettland
Eine Erfolgsgeschichte ist die Entwicklung der lettischen Wirtschaft im vergangenen Jahrzehnt. Sie wuchs jährlich zwischen sechs und 11,9 Prozent im Jahr 2006. Noch ist Lettland Nettoempfänger, 2009 erhielt das Land 490 Millionen Euro. Doch wächst die Wirtschaft weiter, wird das Land schon bald mehr zahlen müssen. Denn der EU-Haushalt speist sich vor allem aus zwei Einkommensquellen: In der Regel werden 0,3 Prozentpunkte des Mehrwehrsteuersatzes der Mitgliedstaaten abgeführt. So finanziert die EU gut elf Prozent ihrer Ausgaben. „Zudem werden Eigenmittel als Anteil des Brutto-Nationaleinkommens in jährlich variablen Sätzen von den Mitgliedstaaten abgeführt. Sie umfassen etwa 75% der Einnahmen“, erklärt Heinen. Je stärker eine Wirtschaft, desto höher die Abgaben.
Foto: dapdPlatz 15: Slowakei
Auch die Slowakei gehört zu den Nettoempfängern innerhalb der EU. 481 Millionen Euro flossen 2009 Richtung Bratislava. Pro Kopf immerhin 88 Euro.
Foto: dpaPlatz 14: Spanien
Mittelfeld-Platz für das Land des Fußball-Weltmeisters: Spanien hat 2009 netto 444 Millionen Euro von Brüssel überwiesen bekommen. 47,1 Millionen Menschen besitzen die spanische Staatsbürgerschaft. Würden sich die Bürger die EU-Hilfen untereinander aufteilen, bekäme jeder Spanier gerade einmal 9,70 Euro. Für eine Eintrittskarte zu einem Spiel des Weltmeisters reicht das nicht.
Foto: dpaPlatz 13: Slowenien
189 Millionen Euro erhält Slowenien aus den Fördertöpfen der Staatengemeinschaft. Ein Großteil der Mittel, knapp 60 Prozent, ist für den Agrarsektor vorgesehen. Gefördert werden sollen vor allem die sogenannten benachteiligten landwirtschaftlichen Gebiete, also Anbau- und Viehzuchtflächen, die fernab der Ballungszentrum liegen. Durch die Subventionen soll verhindert werden, dass die ländliche Bevölkerung arbeitslos wird.
Foto: dpaPlatz 12: Malta
Der kleine Inselstaat im Mittelmeer ist in absoluten Zahlen der kleinste Nettoempfänger. Sieben Millionen Euro erhielt Malta 2009. Pro Kopf sind das 17,40 Euro. Hört sich wenig an, aber: Dieser Wert ist fast doppelt so hoch wie der spanische.
Foto: dpaPlatz 11: Zypern
Der erste Staat, der mehr in die EU investieren muss als er herausbekommt, ist Zypern. 27 Millionen Euro überwies die geteilte Insel 2009 netto an Brüssel. Für jeden Bürger zahlte das Land 34 Euro an Brüssel. Brüsseler Subventionen wurden vor allem in den Sicherheitsapparat investiert.
Foto: dpaPlatz 10: Irland
Überraschend: Irland gehörte 2009 noch zu den Nettozahlern in der EU. Grund war das starke Wirtschaftswachstum in den Vorjahren. 156 Millionen Euro zahlten die Iren effektiv an die EU, das sind 35 Euro pro Bürger. Durch die Finanzkrise wurde Irland schwer getroffen. Inzwischen musste das Land unter den EU-Rettungsschirm flüchten.
Foto: dpaPlatz 9: Schweden
Den Euro haben die Schweden nicht, so müssen sie also Schwedische Kronen nach Brüssel überweisen. Umgerechnet hat der Nordstaat 2009 netto 404 Millionen Euro für die Europäische Union bezahlt. Pro Kopf sind das 43,60 Euro. Es hätte schlimmer kommen können. Doch Schweden hat sich – wie Deutschland, die Niederlande und Österreich – einen Rabatt bei der Mehrwertsteuer-Berechnung herausgehandelt. In der Regel werden 0,3 Prozentpunkte des Mehrwehrsteuersatzes der Mitgliedstaaten abgeführt, bei Schweden sind es nur 0,1 Prozentpunkte.
Foto: dpaPlatz 8: Österreich
Auch Österreich hat sich einen Rabatt ausgehandelt, um nach Jahren der Zuzahlung etwas entlastet zu werden. Das Land muss 0,075 Prozentpunkte weniger abführen als der EU-Regelsatz es für die Mehrwertsteuer-Berechnung vorsieht. Dennoch zählt die Alpenrepublik zu den Nettozahlern. 2009 drückten sie 499 Millionen Euro ab.
Foto: dpaPlatz 7: Finnland
Finnland gehört traditionell zu den Nettozahlern der Staatengemeinschaft. 2009 haben sie 606 Millionen Euro gezahlt. Pro Finne sind das 113,80 Euro. In der Pro-Kopf-Berechnung ist das der zweithöchste Wert, noch vor Deutschland. Tiefer müssen nur die Dänen in die Tasche greifen.
Foto: dpaPlatz 6: Dänemark
Kein Land zahlt so viel Geld an die EU gemessen an der Bevölkerungszahl wie Dänemark. 211 Euro netto zahlt das Land für jeden seiner Staatsbürger an die Staatengemeinschaft. Bei den absoluten Zahlen liegt Dänemark auf Rang 6. 1,163 Milliarden Euro zahlte Dänemark im Jahr 2009.
Foto: dpaPlatz 5: Niederlande
Die Niederlande gehören zu den Gründungsmitgliedern der EWG. In Den Haag sitzen Europol, die europäische Polizeibehörde, und die Justizbehörde der Europäischen Union Eurojust. Dennoch fließen kaum Mittel in das Königreich. Netto zahlten die Niederlande 2009 1,488 Milliarden Euro an Brüssel, 90,20 Euro pro Kopf.
Foto: APPlatz 4: Großbritannien
Knapp den Platz auf dem Treppchen verpasst, hat das Vereinigte Königreich Großbritannien. 3,865 Milliarden Euro zahlten sie 2009 an die EU, Rang vier. Bereits 1985 erwirkten die Briten einen Rabatt, den so genannten VK-Ausgleich. Grundlage des Britenrabatts ist der hohe Anteil der Agrarausgaben am EU-Haushalt, von denen Großbritannien kaum profitiert. Dadurch war London jahrelang Europas größter Zahlmeister. Nun wird Großbritannien jährlich mit knapp 3,5 Milliarden Euro begünstigt - und ist nur noch der viertgrößte Nettozahler.
Foto: APPlatz 3: Italien
Italien muss ebenfalls kräftig in die Tasche greifen, um die EU mitzufinanzieren. 6,04 Milliarden Euro zahlte Italien 2009 an das Staatenbündnis. Pro Kopf waren das 100,40 Euro. Zum Vergleich: Deutschland zahlt pro Kopf nur unwesentlich mehr, nämlich 107,30 Euro.
Foto: dpaPlatz 2: Frankreich
Die "grande nation" ist der Vize-Zahlmeister innerhalb der EU. 2009 musste die Regierung um Nicolas Sarkozy 6,46 Milliarden Euro bezahlen. Pro französischen Staatsbürger sind das 100,40 Euro.
Foto: dpaPlatz 1: Deutschland
Betrachtet man die absoluten Zahlen von 2009 ist das Ergebnis eindeutig: Deutschland bezahlt den größten Anteil am EU-Haushalt. 8,797 Milliarden Euro musste Berlin hinblättern. In den Vorjahren schwankte der Beitrag außenhandels- und weltkonjunkturbedingt zwischen 5,9 Milliarden Euro (2002) und 11,5 Milliarden Euro (2000). Würde Berlin die EU-Zahlungen auf jeden einzelnen Bürger verteilen, wären pro Person 107,30 Euro fällig.
Foto: dpaDie Regierung versucht, mit einem Wachstumspaket gegenzusteuern. "Wir sind bereit für ein kurzfristiges Konjunkturprogramm", so Finanzminister Borg. Dabei gehe es um ein Paket in Höhe von etwa einem halben Prozentpunkt gemessen an der Wirtschaftsleistung. Damit soll die Infrastruktur gestärkt, die Forschung unterstützt und die Unternehmen steuerlich entlastet werden. Mit einem derartigen Paket hatte die Regierung schon 2008 die Auswirkungen der Finanzkrise erfolgreich abgemildert.
Keine Börsensteuer, keine Eurobonds
Auch das europäische Wachstumspaket begrüßt die schwedische Regierung, Diskussionen über Eurobonds will sie aber nicht führen. Auch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer kommt für Schweden nicht infrage, da können die Euro-Finanzminister noch so sehr mahnen und warnen. Schweden hat sich von Europa, insbesondere von der Euro-Zone emanzipiert. Das Land geht seinen eigenen Weg. Schweden kann es sich leisten. Die Staatsschulden betrugen Ende 2011 gerade einmal 38,4 des Bruttoinlandsprodukts.
In Polen sieht das etwas differenzierter aus. Zwar ist kein anderes Land in Europa so gut durch die Finanzkrise gekommen wie das nach der Bevölkerungszahl sechstgrößte Europas. Eine Rezession gab es nicht, die Wirtschaft boomt, das deutsche Nachbarland gilt schon als sicherer Hafen in Osteuropa.
Doch Polen ist von Europa und der Euro-Zone abhängiger als Schweden. Das Schwergewicht des Außenhandels hat sich von Januar bis November 2011 zunehmend auf die EU-Länder verlagert (78 Prozent der Exporte und 59,4 Prozent der Importe), wobei Deutschland als mit Abstand größter Handelspartner Polens eine herausragende Stellung einnimmt. 26 Prozent der polnischen Gesamtausfuhr gehen nach Deutschland und etwa 22 Prozent der Gesamteinfuhr stammen aus dem großen Nachbarland.
Größter Nettoempfänger von EU-Geldern
Hinzu kommt: Polen profitiert wie kein zweites Land von der EU-Mitgliedschaft. Die Osteuropäer sind der größte Nettoempfänger europäischer Hilfsgelder. 8,4 Milliarden Euro flossen 2010 aus den EU-Töpfen nach Polen. 2009 waren es 6,4 Milliarden.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und seine kroatische Amtskollegin Vesna Pusic hoffen, dass Kroatiens Wirtschaft von der EU-Mitgliedschaft, die am 1. Juli 2013 beginnt, profitiert.
Foto: dpaPolen wünscht sich daher – mehr aus Eigennutz, denn aus Überzeugung – mehr Europa. "Entweder nehmen wir heute den Kampf auf für das geeinte Europa oder wir werden es morgen nicht aufrechterhalten können", warnt Ministerpräsident Donald Tusk. Daher bedauere er, dass es zunehmend eine Abkoppelung der Euro-Zone von der Europäischen Union gebe und dass etwa Großbritannien "wieder eine Insel geworden ist".
Euro-Beitritt ist vorerst kein Thema
Ein Beitritt zum Euro-Raum ist für Polen dennoch vorerst kein Thema. Zwar gibt es mit Jacek Dominik einen eigenen Spitzenbeamten, der den Beitritt des Landes zur Währungsunion vorbereiten soll. Doch Dominik selbst tritt inzwischen kräftig auf die Bremse. "Wir haben klar gemacht, dass wir unseren Zeitplan zum Euro-Beitritt um ein weiteres Kriterium erweitern: Die Stabilisierung des Euro-Raums." Sprich: Solange sich die Gemeinschaft von Krise zu Krise hangelt, hat das Land kein Interesse an einer Einführung der Gemeinschaftswährung.
Dass Polen mit seiner Beobachterrolle derzeit bestens bedient ist, zeigt der Blick auf die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen. Im zweiten Quartal 2012 forderten Investoren durchschnittlich 5,45 Prozent Zinsen für ihr Geld – und damit deutlich weniger als von den Euro-Krisenländern Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Irland.
Knapp zwölf Millionen Touristen besuchten im vergangenen Jahr Kroatien, vor allem die Küstengebieten der 70 Kilometer langen kroatischen Riviera (im Bild: die Stadt Makarska, zwischen Split und Dubrovnik). Die Osteuropäer fürchten, bei einer Einführung des Euro ihren Preisvorteil und damit Touristen Richtung Türkei zu verlieren.
Foto: ZB
Zudem hat die Warschauer Notenbank mit seiner eigenständigen Geldpolitik das Land gut durch die Krise bugsiert. Als 2009 internationale Investoren ihre Milliarden aus Polen abzogen, wertete der Zloty um ein Viertel ab. Die Folge: Polnische Unternehmen konnten auf dem Weltmarkt ihre Produkte billiger anbieten.
Einer der Profiteure ist Solaris. Der drittgrößte europäischer Bushersteller konnte seine Marktanteile bis heute stetig ausbauen. 2011 verkaufte das polnische Familienunternehmen erstmals über 1200 Busse im Jahr, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz von Solaris kletterte um 17 Prozent auf 370 Millionen Euro. Inzwischen fahren Niederflur-, Hybrid- und Elektrobusse in 24 Ländern Europas, darunter auch Deutschland.
Kampf gegen Vorurteile
Auch der traditionelle polnische Schokoladenhersteller E. Wedel oder der polnische Software-Spezialist Comarch behaupten sich im internationalen Wettbewerb. Die polnische Antwort auf SAP, wie das Unternehmen mit Sitz in Krakau genannt wird, hat mit Coca Cola, Aral oder BNP Paribas namhafte Kunden vorzuweisen. 2008 übernahmen die Polen die Mehrheit an der Münchner Softwarefirma SoftM, um auf dem deutschen Markt seine Marktanteile auszubauen. "Als rein polnische Firma wären wir nicht in der Lage, so viele potenzielle Kunden anzusprechen", erklärt Konzernchef Janusz Filipiak.
Vorurteile also gibt es noch in Europa, doch polnischen Unternehmen und Regierungen arbeiten mit Hochdruck daran, sich Respekt und weitere Marktanteile zu erarbeiten. Bestes Beispiel: Ministerpräsident Donald Tusk hält trotz der hohen Wachstumsrate von 4,3 Prozent im vergangenen Jahr an seinem Reformprogramm fest. Im Mai beschloss das Parlament, das Renteneintrittsalter stufenweisen anzuheben. Künftig sollen die Polen bis zum 67. Lebensjahr arbeiten.
Polen braucht den Euro nicht
Das Haushaltsdefizit, das im vergangenen Jahr bei 5,1 Prozent lag, will Tusk bis 2013 unter die Drei-Prozent-Grenze drücken. Dabei lagen die Schulden der öffentlichen Hand zum Ende des Jahres 2011 bei moderaten 56,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In der Euro-Zone beliefen sich die Schulden 2011 im Durchschnitt auf rund 88 Prozent.
Brüssel hat mit der Öffnung der europäischen Märkte und den hohen Subventionszahlungen Polen assistiert. Das Land hat sich, anders als viele Euro-Pleitekandidaten im Süden, auf den Hilfszahlungen aber nicht ausgeruht. Die Folge: Das Land braucht Europa (als Absatzmarkt), den Euro braucht es nicht.
Flugpreise vergleichen
Fliegen ist nicht billig. Wer dennoch nicht auf die Flugreise verzichten möchte, sollte auf Online-Dienste zum Preisvergleich zurückgreifen. Bei Portalen wie Swoodoo, die den User direkt zum Anbieter weiterleiten, entfällt auch noch die Vermittlungsgebühr, die beispielsweise Expedia dafür verlangt, Kunden und Anbieter zusammenzubringen. Bei einigen Anbietern wie bei Qfly.de können Reisewillige angeben, wie viel sie bereit sind, für einen Flug auszugeben und sich überraschen lassen, wie weit sie damit kommen würden. Die Preisvergleiche lohnen aber nicht nur beim Flieger, sondern auch beim Mietwagen, dem Hotel oder der Ferienwohnung. Da lässt sich einiges sparen.
Foto: dapdWahl des Flughafens
Wer nicht auf einen Flughafen festgelegt ist, sollte sich auch die umliegenden Airports ansehen. Wer beispielsweise statt in Düsseldorf in Dortmund den Flieger besteigt, kann einige hundert Euro sparen. Und das bei gleicher Reisedauer und Zielort.
Günstige Länder und Wechselkurse
So böse es sein mag: Die Schuldenkrise macht Länder wie Griechenland zu einem günstigen Urlaubsziel: Da viele Touristen nun wegbleiben, sind Hotels teilweise um 30 Prozent günstiger als vor Ausbruch der Schuldenkrise. Weitere Rabatte gibts bei den klassischen Badezielen wie der Türkei oder Mallorca. Auch die Wechselkurse können ein Land aus finanziellen Gründen attraktiv beziehungsweise unattraktiv machen: In Kroatien gibt es beispielsweise ein Drittel mehr fürs Geld, in der Türkei ist der Euro das 1,4-Fache wert.
Foto: dpa
Frühbucher- und Last-Minute-Rabatte
Bei aller Individualität lohnt auch ein Blick auf die Pauschalreisen. Das Rund-um-sorglos-Paket kann deutlich günstiger sein, als die selbst zusammengestellt Reise. Auch Last-Minute-Angebote und Frühbucherrabatte sollten genauestens unter die Lupe genommen werden. Mutige fahren mit gepacktem Koffer zum Flughafen und nehmen dort das günstigste Angebot.
Nebensaison und Auktionen
Wer keine Rücksicht auf die Schulferien nehmen muss, sollte auf jeden Fall in der Nebensaison buchen. Die Deutsche Bahn bietet beispielsweise in der Nebensaison Städtetrips mit Hotelaufenthalt für wenig Geld an. Darüber hinaus lohnt sich der Blick auf die Online-Auktionsplattformen: Nicht jeder, der eine Reise oder ein Flug- oder Bahnticket bekommt, möchte die Reise auch antreten. Viele Tickets werden beispielsweise bei Ebay versteigert.
Foto: dpa/dpawebKreuzfahrt
Wer günstig eine Kreuzfahrt machen möchte, kann sich auf verschiedene Agenturen verlassen: Viele Ozeanfrachter bieten an, Passagiere mit auf ihre mehrwöchigen Versorgungstouren durch die Karbik oder Französisch Polynesien zu nehmen. Einige der Frachter haben sogar Pools und Fitnessräume - nur auf das Kapitänsdinner müssen die Passagiere verzichten.
Foto: CLARK/obsCouchsurfen
Wer Lust darauf hat, neue Leute kennen zu lernen und nicht unbedingt auf Luxus besteht, ist mit Couchsurfing gut bedient. Die meisten, die ihren Urlaub auf fremden Sofas, Gästebetten oder Isomatten verbracht haben, haben damit gute Erfahrungen gemacht. Reiseberichte gibt es online oder in gedruckter Form, beispielsweise „Ohne Geld bis ans Ende der Welt“ von Michael Wigge.
Foto: APLogie für Arbeit
Wer es noch ein bisschen hemdsärmeliger möchte, kann sich seinen Urlaub auch im wahrsten Sinne des Wortes verdienen: Diverse Agenturen haben sich auf Touristen spezialisiert, die ein paar Stunden Hilfe bei der Weinlese oder der Olivenernte gegen Kost und Logis. In Deutschland bieten beispielsweise die Aktion Heugabel oder der Deutsche Alpenverein Urlaub gegen Arbeit an. wer es exotischer möchte, kann beispielsweise in Australien Babysitter für Kängurus spielen oder in Afrika Elefanten-Waisen betreuen. Allerdings sind gerade die sozialen Jobs eher rund-um-die-Uhr-Aufträge. Wer nur ein, zwei Stunden am Tag arbeiten und dann die Sonne genießen möchte, sollte vielleicht doch lieber Orangen pflücken als Flüchtlingscamps betreuen.
Foto: dpa/dpaweb
Die Gemeinschaftswährung kann nicht darauf hoffen, dass wirtschaftlich starke Länder der Euro-Zone beitreten und somit die Währung stabilisieren.
Foto: dpa
Vom Euro-Beitritt ist Kroatien derzeit so weit entfernt wie Griechenland von soliden Finanzen. Das Land tritt zum 1. Juli 2013 in einem ersten Schritt immerhin der Europäischen Union bei. Politik und Wirtschaft erhoffen sich einen dringend benötigten Wachstumsschub.
Zwar konnte Kroatien bis 2008 ein langjähriges stabiles Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 4,2 Prozent aufweisen, doch die Finanzkrise schickte die Volkswirtschaft auf Sturzflug. Um 6,0 Prozent nahm das Bruttoinlandsprodukt 2009 ab, 2010 wurde ein Minus von 1,2 Prozent verzeichnet und auch in diesem Jahr soll die Wirtschaft – nach einer Mini-Erholung 2011 – wieder in die Rezession rutschen. In einer Wirtschaftsumfrage der deutsch-kroatischen Industrie- und Handelskammer beurteilt nur jedes fünfte Unternehmen die eigene Geschäftslage als gut.
Hohe Löhne, ineffiziente Verwaltung
Die Ursachen sind vielfältig: Wichtigster Handelspartner Kroatiens ist das Euro-Krisenland Italien, die Infrastruktur sowie die technische Ausrüstung der Betriebe ist vielerorts mangelhaft und die Produktionskosten sind sehr hoch. "Die durchschnittlichen Lohn- und Lohnnebenkosten sind in Kroatien höher als in vielen anderen Transformationsländern beziehungsweise Ländern der Region", sagt Peter Presber, Geschäftsführer der deutsch-kroatischen Industrie- und Handelskammer. Insbesondere in der Hauptstadt Zagreb sei das Lohnniveau sehr hoch. Zudem würde die steuerliche Belastung sowie die ineffiziente Verwaltung von den Unternehmen regelmäßig kritisiert werden. "Verwaltungsverfahren werden leider nur selten zügig abgeschlossen", weiß Presber.
Mit dem Beitritt zur Europäischen Union soll nun alles besser werden. Kroatien hofft auf Unterstützung bei der Belebung der Wirtschaft von Brüssel. Sowohl von fachlicher Seite, etwa bei der Schulung von öffentlichen Angestellten und dem Umbau der Verwaltung sowie beim Kampf gegen die Kriminalität und der Korruption. Vor allem aber aus finanzieller Sicht. Kroatien kann mit Fördermitteln in Milliardenhöhe rechnen. Geld, das die Regierung dringend braucht, aber selbst nicht hat, um Steuerreformen umzusetzen, die Verwaltung umzubauen und in die Infrastruktur zu investieren. Die Auslandsverschuldung des Staates, des Bankensystems, der Wirtschaft sowie der privaten Haushalte lag Ende 2010 bei 46,5 Milliarden Euro (101,3 Prozent des BIP).
Auch von privater Seite sollen ab dem kommenden Jahr reichlich Euros nach Zagreb fließen. "Mit der Unterzeichnung des Beitrittsvertrages ist Kroatien als Investitionsstandort für viele Unternehmen interessanter geworden, weil die Entwicklungsrichtung klar ist", sagt Presber. Für deutsche Unternehmen seien insbesondere Investitionen im Bereich der Erneuerbaren Energien und in der Logistik interessant. "Die erwartete Investitionsbelebung sowie der Nachhol- und Modernisierungsbedarf in verschiedenen Branchen bieten deutschen Ausrüstungsherstellern wieder bessere Lieferchancen", so Presber.
Bislang konzentrierte sich das deutsche Engagement in Kroatien vor allem auf dem Einzelhandel. Sowohl die Metro, als auch Lidl, Kaufland und dm sind zwischen Istrien und Dalmatien mit Filialen vertreten und machen der größten einheimischen Einzelhandelskette Konzum Konkurrenz.
Mit dem Wegfall der Zollgrenze im Juli 2013 werden auch andere Branchen den Konkurrenzkampf mit europäischen Wettbewerbern aufnehmen müssen. "Den kroatischen Unternehmern ist bewusst, dass sie sich auf den europäischen Markt vorbereiten müssen", sagt der Geschäftsführer der deutsch-kroatischen Handelskammer Peter Presber. Die bilaterale Kammer könne die Firmen dabei unterstützen. Doch die klein- und mittelständischen Unternehmen, sowie die Produzenten für den Heimatmarkt hoffen eher auf die kroatische Währung, die Kuna, als auf die Expertise der deutschen Fachleute. So lange es die Kroatische Kuna gibt, kann die Notenbank schließlich flexibel reagieren und den Preisdruck auf die heimische Wirtschaft abmildern.
Zwar hat sich Kroatien im EU-Beitrittsvertrag zur Einführung des Euro bei Erfüllung der Maastricht-Kriterien verpflichtet. Doch in Zagreb verspürt niemand Eile, die Ziele zeitnah zu erfüllen. Ursprünglich wollte die Regierung innerhalb von zwei Jahren Euro-tauglich sein. Doch inzwischen geht keiner in dem osteuropäischen Land davon aus, vor 2017 über den Euro zu spekulieren. "Es besteht bereits jetzt besteht eine enge Bindung der Kuna an den Euro", stellt Presber ohne einen Hauch von Euro-Begeisterung fest.
Angst ums Urlauber-Geschäft
Insbesondere im Tourismussektor haben die Kroaten Angst davor, ähnlich wie Griechenland, ihren Preisvorteil zu verlieren und vor allem deutsche Urlauber an Nicht-Euro-Länder wie die Türkei zu verlieren. Das Urlauber-Geschäft wächst bislang konstant und trägt inzwischen ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei. 2010 haben laut dem Auswärtigen Amt rund 10,6 Millionen Touristen Kroatien besucht, 3,2 Prozent mehr als 2009. Im vergangenen Jahr konnte mit knapp zwölf Millionen Touristen gar ein neues Rekordergebnis verbucht werden. Ohne die Einnahmen aus dem Tourismus würde das Handelsdefizit, das 2010 von -5,1 Prozent auf -1,1 Prozent gesenkt werden konnte, sofort wieder in die Höhe schießen.
Von Europa-Begeisterung in Kroatien kann aus diesem Grund keine Rede sein. Trotz der Aussicht auf einen Geldregen aus Brüssel und den EU-Mitgliedsstaaten haben zwar zwei Drittel der Kroaten in einer Volksabstimmung dem Beitritt zugestimmt. Das Interesse an der Wahl war allerdings erschreckend gering. Die Wahlbeteiligung lag bei gerade einmal 43,6 Prozent.
Welche Erkenntnis also bleibt nach dem Blick auf die Euro-Nachbarn? Einerseits, dass die Europäische Union und der Europäische Binnenmarkt für die Länder Europas nicht wegzudenken ist. Auch Länder wie Kroatien oder Serbien, die noch nicht zur EU gehören, streben nach einer Mitgliedschaft in dem Staatenverbund. Kroatien etwa erhofft sich Stabilität und Wachstumsschübe und jede Menge Geld durch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Große Begeisterung für Europa gibt es im Land trotzdem nicht. Für den Euro erst recht nicht.
Die Gemeinschaftswährung ist derzeit offenbar nur für Staaten interessant, die selbständig kaum auf eigenen Beinen stehen können. So wie Island. Der Inselstaat im Nordatlantik ist nach dem Kollaps seiner Banken auf der Suche nach stabilen Verhältnissen. Gerne hätte man bei der Rettung der maroden Banken – wie Spanien – Hilfe der Euro-Partner angenommen.
In den Ländern aber, die wirtschaftlich stark und für die Zukunft gut aufgestellt sind, hat Europa und insbesondere der Euro an Attraktivität verloren. Staaten wie Schweden, aber auch Dänemark oder die Schweiz, die den Euro stützen könnten, fühlen sich durch den Ausbruch der Krise in ihrer Euro-Ablehnung bestätigt. Die Angst, wie Deutschland, Österreich oder Finnland zur Kasse gebeten zu werden, ist größter als die Furcht, politischen Einfluss in Europa zu verlieren.
Europa koppelt sich von der Eurozone ab
Eine exorbitante Aufwertung der eigenen Währung (Schweiz) lässt sich mit einer Koppelung an den Euro entgegenwirken. Mit der währungspolitischen Flexibilität dank der eigenen Währung (Polen) und die Erschließung neuer Märkte (Schweden) lassen sich wegbrechende Marktanteile im kriselnden Euro-Land egalisieren.
Für Europa bedeutet es, dass das Ziel, ein gewichtiges Wort in der Welt zu behalten, in die Ferne rückt. Je mehr sich die Europäische Union von der Euro-Zone abkoppelt, desto weniger Einfluss haben die 17 Euro-Staaten. Die Gemeinschaftswährung kann darüber hinaus nicht hoffen, dass durch das Hinzukommen neuer, wirtschaftlich starker Länder die Euro-Zone stabilisiert werden kann. Die Lasten bleiben auch in Zukunft auf den Schultern der vier verbliebenen Top-Schuldner der Euro-Zone, darunter Deutschland, hängen.