Schokoladenhersteller: Ritter Sport – konsequent langweilig, aber erfolgreich
Waldenbuch, im Juni 2012 – Waldenbuch ist eine Kleinstadt im schwäbischen Landkreis Böblingen. Sie hat eine historische Stadtkirche, ein Schloss und etwa 8.500 Einwohner. Und Waldenbuch hat Ritter Sport. Seit 1930 produziert das Familienunternehmen seine Schokolade am Rand des Naturparks Schönbuch, was man bei gutem Wetter im ganzen Ort riechen kann. Jeden Tag verlassen 2,5 Millionen Tafeln das Schokoladenwerk in Waldenbuch.
Foto: dpaDie Geschichte des Unternehmens beginnt aber in Stuttgart-Bad Cannstatt – vor genau 100 Jahren. Drei Generationen der Familie Ritter haben der Schokolade in diesem Firmen-Jahrhundert ihre ganz eigene Handschrift verliehen.
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Foto: HandelsblattDer Grundstein für Ritter Sport ist die Liebe: Der Konditor Alfred Eugen Ritter (siehe Bild) und Clara Göttle, Inhaberin eines Süßwarengeschäfts, heiraten 1912 und gründen ihre Schokolade- und Zuckerwarenfabrik in Stuttgart-Bad Cannstatt.
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Foto: HandelsblattSchokolade ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein gefragtes Gut und die Mitarbeiterzahl wächst schnell. 1930 zieht die Firma aus Platzgründen ins ländliche Waldenbuch. Zwei Jahre später entsteht das zentrale Markenzeichen von Ritter Sport:
Clara Ritter hat die Idee, eine Schokolade in Quadratform herzustellen. Sie hat bei den örtlichen Fußball-Anhängern beobachtet, dass die üblichen Schokolade-Langtafeln in ihren Jackettaschen zerbrechen. Deshalb werden die Tafeln in der neuen und damals revolutionären Form „Ritter’s Sport Schokolade“ getauft.
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Foto: HandelsblattNach dem Kriegsende 1945 laufen die Maschinen wieder an und 1950 nimmt die Produktion volle Fahrt auf. Nach dem Tod von Firmengründer Alfred Eugen Ritter übernimmt dessen Sohn Alfred Otto 1952 die Leitung des Betriebes in zweiter Generation. Auf dem Bild: Historische Luftaufnahme der Fabrik in Waldenbuch.
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Foto: HandelsblattIn den fünfziger Jahren macht sich das westdeutsche Wirtschaftswunder auch beim Schokoladeproduzenten in Waldenbuch bemerkbar. 1954 zählt der Betrieb über 100 Beschäftigte. 1960 beschließt das Unternehmen, sich auf die quadratischen Tafeln zu konzentrieren.
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Foto: HandelsblattBundesweit bekannt wird Ritter Sport ab 1970 mit der Erfindung der ersten Joghurtschokolade Deutschlands und der Fernsehwerbung mit dem einprägsamen Slogan „Quadratisch. Praktisch. Gut“.
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Foto: HandelsblattDas Image der Marke ist modern und fröhlich. Diese Entwicklung fördert Alfred Otto Ritter 1974 mit einer Entscheidung, die bei den Mitarbeitern auf Skepsis trifft, heute aber ein weiteres Markenzeichen von Ritter Sport darstellt: Er führt die „Bunte Palette“ ein und ordnet jeder Sorte eine charakteristische Farbe zu.
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Foto: HandelsblattBis heute ist die Ritter Sport Marzipan rot, Joghurt leuchtend weiß verpackt. Die Erfindung der Knick-Pack-Verpackung grenzt Ritter Sport dann vollends von den traditionellen Tafelschokoladen ab.
Auch am Standort Deutschland will Ritter festhalten: Hohe Sicherheit, gute Infrastruktur und motivierte Mitarbeiter sieht Ritter als Vorteile. Dies wiege niedrigere Lohnkosten im Ausland mehr als auf.
Mitarbeiter bezeichnet Ritter als Freunde und er verbessert das Betriebsklima durch Gewinnbeteiligung, Weiterbildungen und Massagen während der Arbeit. Sein Credo: „Bei Schokolade schmeckt man, wie es den Leuten geht, die sie produzieren.“
Foto: dpaNach dem Tod des Vaters treten 1978 Marli Hoppe-Ritter und Alfred Theodor Ritter (auf dem Bild) in das Unternehmen ein. Die Gründerenkel, die heute Beirat und Geschäftsführung von Ritter Sport leiten, führen das Erbe der ersten Generationen weiter: Ritter Sport bleibt quadratisch, bunt und setzt auf Qualität.
Mit 330 Millionen Euro erreichte der Umsatz 2011 einen Rekord. Zum Gewinn und Eigenkapital schweigt Ritter - traditionell.
Dabei konnte sich auch Alfred T. Ritter lange nicht vorstellen, die Geschäfte in der Schokoladenproduktion mit 900 Mitarbeitern selbst zu führen. Der Enkel des Firmengründers wollte mit seiner Schwester die Alfred Ritter GmbH & Co. KG nur vom Beirat aus steuern. Der diplomierte Psychologe, Atomkraftgegner, Ökomanager des Jahres 1997 und Träger weiterer Umweltauszeichnungen, hätte lieber Solaranlagen und andere alternative Produkte statt Schoko-Tafeln verkauft. Doch als 2005 die Ergebnisse nicht mehr schmeckten, musste das Energiebündel das operative Geschäft übernehmen.
Foto: dpaSeit 1990 unterstützt Ritter Sport mit dem Projekt Cacaonica Kakaobauern in Nicaragua. Von deren Weiterbildung und der fairen Bezahlung profitiert auch Ritter Sport selbst: Der hochwertige Kakao wird seit 2008 für das Bio-Sortiment aus Waldenbuch verarbeitet.
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Foto: Handelsblatt1991 ersetzt Ritter Sport als erster Schokoladehersteller Aluminium und Papier durch eine vollrecyclingfähige Einstoff-Verpackung aus Polypropylen. Auf dem Bild: Ritters Bio-Schokoladensortiment.
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Foto: HandelsblattDas Museum Ritter neben dem Firmengelände in Waldenbuch wurde 2005 eröffnet und zeigt die Sammlung „Das Quadrat in der Kunst“ von Marli Hoppe-Ritter. Auch Kinder und Jugendliche sollen für die Kunst begeistert werden, deshalb ist der Eintritt für sie kostenlos.
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Foto: HandelsblattGefeiert wird bei Ritter traditionell am 4. Juli - aber nicht etwa, weil da die Firma tatsächlich gegründet wurde, sondern weil der 4. Juli 1912 der Tag der Eheschließung von Clara und Alfred Ritter I. war. „So gesehen war das der "offizielle" Anfang von allem“, sagte ein Firmensprecher.
Bei all der Traditionspflege in Waldenbuch ist ein Bruch mit der Geschichte schon jetzt absehbar: Seit 100 Jahren heißt der Firmenchef stets Alfred Ritter, der dritte in der Reihe hat aber keinen seiner Söhne Alfred getauft.
Im Grunde müsste sie nach Heu schmecken, ein bisschen Öko vielleicht – nicht zu süß und frech-pfeffrig im Abgang. Mit dieser Geschmacksnote hätte eine Tafel Ritter Sport alles, wofür das Unternehmen derzeit steht. In diesem Jahr haben die Waldenbucher ihren 100-jährigen Geburtstag gefeiert. Ein Jahrhundert, das ist mehr Tradition als viele andere Unternehmen verkraften – das Althergebrachte wird bei ihnen so sehr zum Kern der Marke, dass der Konsument den Staub förmlich auf der Zunge spürt.
Ritter Sport hat es geschafft sich den Knack zu bewahren. Dabei machen die Ritters eigentlich nichts besonderes, im Gegenteil – das Sortiment müsste man genau genommen als konsequent langweilig beschreiben.
In erster Linie gibt es Schokoladentafeln – quadratisch, praktisch gut, immer im selben Format. Manchmal scheint diese Beständigkeit am Firmenchef selbst zu knabbern. Während die Konkurrenz wie Lindt& Sprüngli und Milka die Supermärkte ab Oktober mit Weihnachtspralinen und Schokomännern schwemmt, gibt es von Ritter lediglich zwei spezielle Herbst-Wintergeschmackssorten in diesem Jahr Kokosmakrone und dunkle Nugatcreme. „Im Weihnachtsgeschäft sind wir unterrepräsentiert“, mäkelt Alfred T. Ritter in einem Interview, „aber stellen Sie sich mal einen quadratischen Schokoladen-Weihnachtsmann vor?“. Es muss eben alles ins Schema passen. Ritter ist konsequent, geradlinig, fast schon puristisch und das längst nicht nur, was die akkurat-quadratischen Tafeln betrifft.
Alfred Ritter ist überzeugter Öko-Unternehmer. Der 59-jährige Enkel des Firmengründers, gilt als einer der umtriebigsten Verfechter grüner Energien im Ländle. Als 1986 durch die Atomkatastrophe in Tschernobyl die komplette Haselnussernte verstrahlt wird, entschließt er sich selbst im Geschäft mit erneuerbaren Energien aktiv zu werden. Ein paar Jahre später ist er Mitbegründer der börsennotierten Freiburger Solarfabrik, eines der ersten Unternehmen, das sich in Deutschland mit der kommerziellen Anwendung der Fotovoltaik befasst hat. Zudem gründete der 59-jährige Chocolatier die heutige Ritter Energie- und Umwelttechnik.
Das Unternehmen produziert unter anderem Kollektoren, die Sonnenlicht zur Erwärmung von Wasser nutze; die sogenannte Solarthermie. 2009 erlitt die Ökofirma jedoch einen schweren Umsatzeinbruch, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Grund: Die immer billiger gewordene Fotovoltaik hat der Solarthermie den Rang abgelaufen.
Anders als viele Konkurrenten macht auch die Solar-Fabrik derzeit Gewinn. Doch der Kurs der Aktie ist tief gefallen: Derzeit notiert das Papier bei 2,55 Euro. Im April 2007, auf dem Höhepunkt des Solarhypes, standen die Kurse zeitweise sogar mehr als zehnmal so hoch. Ritters Aktienpaket von 19 Prozent wurde damals mit rund 50 Millionen Euro bewertet. Daran gemessen liegt sein Buchverlust heute bei rund 45 Millionen Euro.
Von solchen Berechnungen will der Solarmäzen aber wenig wissen. Er hält unbeirrbar an seinem Engagement fest, wie er der WirtschaftsWoche sagt: „Solarthermie und Fotovoltaik sind für mich klare Zukunftstechnologien, deren technologische Marktführerschaft derzeit in Deutschland liegt.“
Goldeck-Zetti
Die einstige DDR-Marke wird heute vom Süßwarenhersteller Goldeck Süßwaren GmbH produziert. Goldeck erwarb Zetti 1993. Bis dahin entstanden die Schokoladenwaren im Volkseigenen Betrieb VEB Zetti Schokoladen und Zuckwaren Zeitz. Das Unternehmen hatte zeitweise über 1000 Mitarbeiter und war einer der wichtigsten Süßwarehersteller des Landes. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der 1836 gegründeten F.A: Oehler Fabrik für Kakao, Schokoladen und Zuckerwaren im sächsisch-anhaltinischen Zeitz. Goldeck hat zahlreiche ehemalige Ostprodukte wieder aufleben lassen, wie z.B. die Knusperflocken, Bambina, Schokoladenplätzchen und die Schlager-Süßtafel. Sie gab es zunächst als weiße Schokolade, ab 1974 als Schokoladenersatzprodukt, in dem unter anderem gemahlene Erbsen verarbeitet wurden.
Foto: dpaBerggold "Sturm der Liebe"
Bekannt ist Berggold für seine Pralinenspezialitäten. Seit Februar 2010 stellt das ostdeutsche Unternehmen eine Pralinenauslese zur ARD-Telenovela Sturm der Liebe her. Das Traditionsunternehmen stellt seit 1876 Pralinen und Süßwaren her. Nach der Umwandlung in eine GmbH im Jahr 1990, mit der Treuhandanstalt als Gesellschafter, folgte 1991 die Privatisierung durch die Heinerle Spiel- und Süßwaren GmbH Bamberg. Diese verlegte 1996 ihre Produktionsstätten nach Pößneck. Heute sind dort noch etwas 120 der ehemals 600 bis 900 Mitarbeiter beschäftigt.
Foto: ScreenshotHalloren-Kugeln
Das bekannteste Produkt des ostdeutschen Herstellers sind die Original Halloren-Kugeln, die ihren Namen von den in Halle in früherer Zeit tätigen Salzwirkern, den Halloren, haben. Angeblich weil die aus Sahne und Schokolade bestehenden Pralinen an die Silberknöpfe an den Jacken der Halloren erinnern. Die Halloren Schokoladenfabrik nahm ihren Anfang 1896 in Halle, wo sich noch heute der Hauptsitz des Unternehmens befindet. 2007 wurde das Unternehmen in die Halloren Schokoladenfabrik AG umgewandelt. Das Unternehmen erzielte 2012 89,97 Millionen Euro Nettoumsatz (2011: 68,11 Millionen Euro). Für das laufende Jahr 2013 zeigt sich Halloren durchaus optimistisch: Der Umsatz soll auf 95 Millionen Euro anwachsen.
Foto: dpaRübezahl Schokoladen
Das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Dettingen gehört der Familie Cersovsky - im Bild Vater Peter Cersovsky mit den Söhnen Claus und Oliver. Der Süßwarenhersteller befindet sich in Familienbesitz, Gründer war Josef Cersovsky. Der stammte aus dem Riesengebirge und gab seinem Betrieb den Namen des dort der Sage nach umgehenden Berggeistes Rübezahl. Rübezahl produziert jährlich über 100 Millionen Weihnachtsmann- und Osterhasenfiguren. Eigene Schokoladenprodukte bietet Rübezahl Produkte unter anderem unter der Marke Friedel an. Die Brüder Cersovsky haben sich 2008 die Rechte an der Traditionsmarke Gubor gesichert, die zuvor in Besitz der Stollwerck-Gruppe bzw. deren Eigentümer Barry Callebaut waren. 2010 gründeten die Brüder Cersovsky die Weseke Dragees Gmbh. Damit erwarben die Dettinger das Anlagevermögen, das Warenlager und die Marken des in Insolvenz befindlichen Borkener Drageeherstellers Dragees aus Weseke und weiteten ihr Portfolio damit nochmals aus.
Foto: PresseTrumpf: Edle Tropfen
„Edler Genuss in Nuss“, mit dieser Werbung machte die Marke Trumpf in den 1990 Jahren auf ihr wohl bekanntestes Produkt die „Edlen Tropfen“ aufmerksam – eine mit Weinbrand gefüllte Pralinenmischung. Die Marke Trumpf wird von der Ludwig Schokolade GmbH & Co KG hergestellt, die ihrerseits zur Krüger-Gruppe gehört. Bei Schokofreunden sind auch die kleinen gefüllten Schogetten und die Luftschokolade Aero beliebt. Trumpf beliefert die Discounter Aldi und Lidl und zählt mit rund 1500 Mitarbeitern zu den größten Herstellern für preiswerte Schokolade in Deutschland.
Foto: ScreenshotMoser Roth: Die Aldi-Marke
Moser Roth ist heute ein Tochterunternehmen der Storck-Gruppe, die unter anderem auch Knoppers, Werthers Echte und Merci herstellt und auf Platz neun der weltweit größten Süßwarenhersteller liegt. Moser Roth ist seit 2007 als Premium-Marke des Discounters Aldi bekannt. Die Marke Moser Roth wurde 1902 geschützt und geht zurück auf die Firma Roth, die Konditormeister Wilhelm Roth 1841 in Stuttgart gründete. 1948 kaufte der Stuttgarter Schokoladenfabrikant Karl Haller die Marke, danach wechselte sie mehrfach den Besitzer, war zwischenzeitlich unter dem Dach der Melitta-Gruppe bis sie 2007 an Storck ging.
Foto: WirtschaftsWocheStollwerck-Gruppe: Die Markensammler
Stollwerck zählte in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu den größten deutschen Schokoladenherstellern in Deutschland. Der Firmenname geht auf Gründer Franz Stollwerck zurück, der 1839 mit der Produktion von Hustenbonbons begann. Stollwerck übernahm zahlreiche Traditionsmarken wie Sarotti mit dem berühmten Mohren-Motiv, Sprengel sowie die beiden Stuttgarter Schokoladenfabrikanten Staengel & Zeller, bekannt für die Eszet-Schnitten (dünne Schokoblättchen die als Belag für Brote und Brötchen gedacht waren) und Waldbaur – bekannt für seine Katzenzungen. Die Ostmarke Rotstern ging nach der Wende in Stollwerck auf. Die Pralinenmarke Gubor (Silbernuss) zählte zwischenzeitlich ebenfalls zur Gruppe bevor sie 2008 an die Brüder Cersovsky verkauft wurde (siehe Rübezahl Schokolade). Seit 2002 gehörte die Stollwerck-Gruppe zum Schweizer Schokoladenhersteller Barry Callebaut. Nun soll sie an die belgische Baronie Gruppe verkauft werden. Der ausgehandelte Vertrag mit dem Familienunternehmen Baronie soll nach der Prüfung durch die Kartellbehörden im Herbst unter Dach und Fach sein. Stollwerck beschäftigt aktuell 1700 Mitarbeiter und kommt mit Marken wie Sarotti, Alprose und Alpia auf einen Umsatz von 500 Millionen Euro.
Foto: dapdRitter Sport
Im Jahr 2010 hatte Ritter einen Marktanteil von 17,3 Prozent auf dem deutschen Tafelschokoladenmarkt. Damit steht die Alfred Ritter GmbH & Co KG an zweiter Stelle hinter dem derzeitigen Marktführer, dem US-amerikanischen Unternehmen Kraft Foods mit der Marke Milka.
Bekannt wurde die Schokoladentafel in den 1970 Jahren mit den Slogan „Quadratisch.Praktisch.Gut“. Aufgrund dieser Werbemaßnahmen wurde der Marktanteil für Tafelschokolade auf zehn Prozent gesteigert. Das Unternehmen Alfred Ritter geht auf die 1912 von Clara und Alfred Eugen Ritter gegründete Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik in Stuttgart-Canstatt zurück.
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Eine große Portion Gutmensch steckt unbestritten in Alfred Ritter – aber eben auch der knallharte Geschäftsmann. 2005 setzten die Geschwister Ritter den langjährigen Geschäftsführer Olaf Blank überraschend ab – angeblich ist man sich über die Expansionsstrategie des Unternehmens nicht einig. Alfred Ritter regiert das Schokoimperium fortan selbst.
Die ersten Jahre als Chef sind kein Zuckerschlecken. 2007 schreibt Ritter Sport Verlust, erst 2008 gelingt der Turnaround. Die Schwaben fahren sogar einen Rekordumsatz von 330 Millionen Euro um. Wie es um den Gewinn steht, darüber macht Ritter traditionell keine Angaben. 2010 solle eine schwarze Null gestanden haben, fette Gewinn wird es sicher nicht gegeben haben.
Schokoladenliebhaber spüren den Überlebenskampf des Mittelständlers am eigenen Geldbeutel. 2008 steigt der Preis für eine Tafel Ritter Sport um 20 Prozent, 2012 hebt Ritter die Preise nochmals von 95 auf nun 99 Cent an. Die Preise habe man nur deshalb anheben müssen, wiederholt Alfred Ritter gebetsmühlenhaft, weil die Rohstoffpreise in dieser Zeit so stark gestiegen seien. Die Preiserhöhungen sind für ihn zum Reizthema geworden - aus verständlichem Grund.
2010 berichteten Medien von einem Schokoladenkartell. Ritter, Mars, Haribo und Nestlé sollen sich 2006 und 2007 regelmäßig zu informellen Gesprächskreisen getroffen haben. Dabei sei auch über die Rabattforderungen des Einzelhandels und die geplanten Reaktionen darauf gesprochen worden. Im August hat das Bundeskartellamt deshalb gegen Haribo eine Geldbuße von rund 2,4 Millionen Euro verhängt. Gegen die anderen Süßwarenhersteller wird noch ermittelt.
Platz 7
Chocolatier: Hussel Confiserie
Name: Edelbitter-Schokolade Haselnuss
Preis: 3,98 Euro
Zum gleichen Preis gibt es auch die Vollmilch-Schokolade Konfetti oder die weiße Schokolade Cranberry.
(Preise und Angaben von Hussel und Chocolats de Luxe)
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Platz 6
Chocolatier: Domori
Name: Guasare 70 %
Preis: 5,40 Euro
Foto: PRPlatz 5
Chocolatier: Pacari
Name: Raw 70 %
Preis: 5,80 Euro
Foto: PRPlatz 4
Chocolatier: Madre Chocolat
Name: Triple Cacao
Preis: 9,50 Euro
Foto: PRPlatz 3
Chocolatier: Amedei
Name: Porcelana
Preis: 11,20 Euro
Es handelt sich nach Herstellerangaben um die einzige Schokoladensorte, die auf us-amerikanischen Boden angebaut wird: auf Hawaii.
Foto: PRPlatz 2
Chocolatier: Clement
Name: Cru Sauvage
Preis: 12,50 Euro
Foto: PRPlatz 1
Chocolatier: Pralus
Name: Trois Cru d'Excellence 75 % Chuao, Porcelana, Guyana
Preis: 19,90 Euro
Foto: PRRitter bestreitet die Vorwürfe, es habe keine Preisabsprachen gegeben. In einem Interview prophezeit er den drohenden Untergang des Unternehmens, sollte die Kartellbehörde ein Bußgeld in Höhe von 30 Millionen Euro verhängen. Diese Höhe wäre theoretisch möglich. „Das wäre das Ende. Die Firma wäre zwar nicht von heute auf morgen zahlungsunfähig, aber so sterbenskrank, dass ich sie nicht fortführen würde“, sagte Ritter damals. Soweit wird es kaum kommen, denn auch das Bundeskartellamt würde im Falle einer Strafe das Maß wohl deutlich niedriger anlegen. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Bis auf das Endprodukt ist das Schokoladengeschäft weit weniger süß als Naschkatzen glauben.
Das drängendste Problem sind die schon erwähnten steigenden Rohstoffpreise. Seit Hedgefonds mitmischen, sei der Markt für Kakao uneinschätzbar geworden, klagt Ritter. Die alten Regeln gelten nicht mehr, weil Spekulanten große Mengen Kakao einkaufen, einlagern und bei Knappheit zu hohen Preise verkaufen. „Man bräuchte im Prinzip eine Glaskugel“, sagt Ritter. Bei Haselnüssen – hinter Kakao der zweitteuerste Rohstoff – sieht es kaum besser aus.
Binnen zweieinhalb Jahren haben sich die Preise verdoppelt. Allein im Jahr 2012 hat der Haselnusseinkauf Ritter sieben Millionen Euro mehr gekostet als geplant. Als reiner Chocolatier kann der Mittelständler die Mehrkosten nicht quersubventionieren. Ein Konzernriese wie Milka-Produzent Kraft Foods etwa kann in einem solchen Fall die Preisen bei anderen Warengruppen wie Frischkäse ebenfalls leicht anheben, um bei Schokolade nicht plötzlich 20 Prozent aufschlagen zu müssen.
Ritter versucht daher, sich zumindest einen Teil des benötigten Kakaos zu kalkulierbaren Preisen zu sichern - sozialverträglich und nachhaltig versteht sich. In Nicaragua fördert Ritter Sport seit 1990 den nachhaltigen Anbau von Kakao nach Bio-Standards. Die Bauern erhalten für die Bohnen eine Abnahmegarantie zu einem höherem als dem Weltmarktpreis. Immer mehr Bauern verkaufen an Ritter Sport. Die Konsumenten danken es Ritter Sport mit traumhaften Imagewerten. Im Markenmonitor BrandIndex des Kölner Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov erreicht Ritter Sport 90 von 100 möglichen Punkten. „Ein so hohes Ansehen genießen branchenübergreifend nur sehr wenige Marken, etwa Canon, Audi oder Google“, ordnet Holger Geißler von YouGov den Wert ein.
Aber wie der gemeine Konsument nun einmal ist – er meint es nicht immer gut. Als Ritter Sport seine Fans aufrief, Vorschläge für neue Geschmacksorten einzureichen, folgten die Nutzer nicht ganz wie geplant. Ritter flatterten zu Hauf fies-kreative Ideen ins Haus, wie z.B. „Döner Kebab - mit ein bisschen scharf“, „Blutwurst – mit 50 Prozent Blut“ oder „Zwiebelmett“. Das Unternehmen reagiert gelassen und macht den Spaß mit. In einem Blog fasste das Social-Media Team des Schokoproduzenten die Vorschläge zusammen. So gut hat die Sozialen Medien derzeit keine andere Schokoladenmarke im Griff. In der Studie der Marktforschungsberatung researchtool 2011 liegt Ritter Sport mit seiner Social Media-Strategie nämlich ganz vorn.
Zu „Döner - mit ein bisschen scharf“ konnte man sich bei Ritter Sport dann aber doch nicht durchringen. Die Sorte des Jahres 2013 dürfte ganz nach Geschmack des Chefs sein: klassisch, pur und einen Hauch modern: Kokos.