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Serie - Geheimnis meines Erfolgs (II)Titus Dittmann ist der Skateboard-König

Sei stur, bleib authentisch – und steh immer wieder auf: Mit striktem Skaterhabitus wurde Titus Dittmann vom Studienrat ohne jegliche Wirtschaftskenntnisse zum millionenschweren "Lord of the Boards". Nach missglücktem Börsengang bringt er die Freiheit auf dem Brett, das ihm die Welt bedeutet, heute Kindern in Afghanistan und Afrika nahe.Manfred Engeser 20.01.2013 - 06:00 Uhr

"Wie Jesus' Jünger": Mit dem Nachwuchs im Skateboardcamp.

Foto: Privat

Beide Enden sind abgefahren, in der Mitte ist das Brett provisorisch zusammengenagelt. Die Kugellager haben sich längst verabschiedet, die Rollen hängen lose auf den Achsen: "Geiles Teil", sagt Titus Dittmann mit glänzenden Augen. Und hält das demolierte Skateboard wie eine Trophäe in die Höhe. Aus Afghanistan hat er es mitgebracht, eine Erinnerung an seinen letzten Besuch im vergangenen Oktober. "Die Kids dort fahren einfach immer weiter, die lassen sich nicht aufhalten."

Dort – das ist Karokh, ein Dorf nahe der Provinzhauptstadt Herat. Dort, im tiefen Westen Afghanistans, hat Dittmann über seine Stiftung vor zwei Jahren begonnen, Jugendlichen das Skateboardfahren nahezubringen. Erst auf der Straße, schließlich auf einem kleinen Beton-Parcours, den 40 Afghanen vor Ort unter Dittmanns Anleitung in sechs Wochen auf dem Schulgelände aufbauten. Regelmäßig versorgt er die Kinder seitdem mit neuen Brettern – Jungen und Mädchen, Paschtunen und Tadschiken, Sunniten und Schiiten, Vollwaisen und Kinder aus der Oberschicht.

60 Dollar hat Dittmann dem Schuldirektor zum Abschied dagelassen. Zement soll er damit besorgen und mit den Schülern die Löcher auf der Bahn ausbessern. "Im Frühjahr komm ich wieder", sagt Dittmann. "Dann schau ich nach, ob die Renovierung erfolgreich war."

Karrieretipps von Titus Dittmann
Wer die Welt erobern will, muss träumen. Businesspläne dagegen sind Schwachsinn. Wer sich nur an starren Zielen orientiert, kann sie nie übertreffen. Spring lieber durchs Fenster, wenn es auf ist, statt darauf zu warten, wenn dein Langfristplan es vorsieht – das spart viele Scherben.
Lernen kann nur, wer sich in Gefahr begibt und den Schritt aus der Komfortzone wagt. Doch nie Kopf und Kragen riskieren – das Risiko muss immer noch weitgehend kontrollierbar bleiben.
Nur wer für eine Sache brennt, macht sie überdurchschnittlich erfolgreich. Nur wer selbst begeistert ist, reißt auch andere mit, ganz mühelos. Such dir einen Beruf, den du liebst, empfahl schon Konfuzius – dann musst du nie mehr arbeiten.
Mach dein Ding, lass dir nicht reinquatschen. Vertrau dir, denn in der Not hast du keine Freunde. Aber steh zu deinen Fehlern und übernimm die Verantwortung, wenn etwas schiefgeht.

Von Kabul über die tansanische Hauptstadt Dodoma bis ins westfälische Datteln: 20 Projekte in 13 Ländern weltweit hat Dittmanns Stiftung seit ihrer Gründung angeschoben – mit rund 150.000 Euro und jeder Menge Enthusiasmus. "Wir zeigen den Jugendlichen nicht nur die ersten Tricks auf dem Brett", sagt Dittmann. "Wir vermitteln, ganz nebenbei, Know-how für eigenes Business statt bloßer materieller Hilfe – und geben einer Generation in der Orientierungsphase mit dem Skateboard ein identitätsstiftendes Werkzeug an die Hand."

Irgendwie die Welt retten und dabei genug Geld verdienen, um die Jugend mit immer neuen Projekten zu unterstützen – so hat es Titus Dittmann schon gehalten, als er noch Chef der Firma war, die er nach seinem Spitznamen aus Kindertagen benannte, der heute auch offiziell sein Vorname ist. Mit der er die Skateboardkultur in Deutschland prägte wie kein Zweiter – und dabei innerhalb von gut 30 Jahren alle Höhen und Tiefen des Unternehmertums auskostete. Von den ersten Skateboardverkäufen in der Küche seiner Sozialwohnung Anfang der Achtzigerjahre bis zu einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro und dem gescheiterten Börsengang 2002, gefolgt vom Niedergang bis kurz vor der Insolvenz 2007, dem Neuanfang 2008 und dem Aufbau der Stiftung – "Triumphe und Niederlagen für drei Leben", wie Dittmann in seiner Biografie "Brett für die Welt" bilanziert.

Renzo Rosso, Gründer von Diesel, hat es vom Bauernhof in die Chefetage geschafft.

Foto: REUTERS

Titus Dittmann

Über den Gründer des Skateboard-Labels Titus kam 2012 sogar ein Film ins Kino

Foto: dpa

James Dyson

Der britische Erfinder und Unternehmer wurde durch seinen beutellosen Staubsauger berühmt

Foto: dpa

Günther Fielmann
Der Vorstandsvorsitzende von Fielmann eröffnete 1972 sein erstes Fachgeschäft

Foto: dpa

Eike Batista

Der Unternehmer ist der reichste Mann Brasiliens

Foto: REUTERS

Erich Sixt

Der 68-Jährige machte Sixt zur größten Autovermietung Deutschlands

Foto: dapd

Richard Branson

Der Airline-Gründer will mit seinem Unternehmen Virgin Galactic Privatleute ins All schicken

Foto: REUTERS

"Ich bin ein Wadelbeißer", sagt Dittmann, der Skateboarden als sein "mentales und emotionales Zuhause" bezeichnet. Und für den auch "Unternehmertum nichts anderes als Skateboardfahren" ist. "Man hat Erfolge, fliegt ständig auf die Schnauze – und lernt dabei, immer wieder aufzustehen. Hauptsache, man kann sein eigenes Ding machen."

Ossi Urchs

Ein auffälliger und gefragter Experte für Web Strategien ist ohne Zweifel Ossi Urchs mit seiner Medienagentur FFT. Als Buchautor und Moderator vermarktet er auch sich selbst erfolgreich.

Foto: Presse

Yvon Chouinard

Auf den Privatjet und andere bequeme Fortbewegungsmittel verzichtet der Gründer von Patagonia ebenso wie auf Anzug und Krawatte. Wie es sich für einen Hersteller von Bergsteigerausrüstung gehört, ist er am liebsten zu Fuß unterwegs - und in der bequemen Kleidung seines eigenen Unternehmens. „Ich hänge lieber mit Surfern und Herumtreibern ab als mit Geschäftsleuten“, sagt der 73-Jährige.

Foto: Presse

Gerald Hörhan

Sein Image als Bunter Hund des Investmentbankings pflegt der 37-jährige Österreicher nicht nur durch sein Buch  „Investment Punk“. Der frühere JP Morgan-Banker tingelte mit provokanter Frisur und ebensolchen Thesen - "Warum ihr schuftet und wir reich werden" - auch durch manche Talkshow.

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Klaus Zapf

Er hat keinen Führerschein und fährt dennoch als Gründer von „Zapf Umzüge“ seit 1975 auf Erfolgskurs. Mit Zottelbart und Trainingsanzug wird der ehemalige Chef des größten Umzugsunternehmens in Europa auch gerne in Talkshows eingeladen.

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Renzo Rosso

Um den echten Diesel Look zu erzeugen, rieb der Gründer des Mode Labels seine Jeans auf hartem Betonboden. Mittlerweile ist der Modeunternehmer - hier mit Sängerin Anastacia - nicht nur in der Welt der Stars angekommen, sondern auch als Autor erfolgreich: "Mach doch mal was Verrücktes!: Be stupid", heißt sein Buch.

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Richard Branson

Er ist der klassische Business Punk und noch nie mit Krawatte gesichtet worden. Der Gründer der milliardenschweren Plattenfirma Virgin Group erregt immer wieder mit fliegerischen und anderen Rekordversuchen Aufsehen. Ansehnlich ist auch seine 30 Hektar große Privatinsel in der Karibik.

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Rick Rubin

Vielseitig sind die Stilrichtungen, die der wohl einflussreichste amerikanische Musikproduzent - hier mit seiner Partnerin Muriel Hurtado Herrera - vermarktet. Unverwechselbar ist dagegen Rubins langer Bart.

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Robert Geiss

Die Doku-Soap „Die Geissens – eine schrecklich glamouröse Familie“ machte den Mitgründer des Mode Label "Uncle Sam" endgültig berühmt. Weniger bekannt ist, dass Robert Geiss die erfolgreichste Fitnesshose aller Zeiten vertrieb.

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Rustam Tariko

Vom einfachen Hausmeister zum Gründer der am schnellsten wachsenden Wodkabrennerei der Welt "Russian Standard". Rustam Tariko hat seinen "Russian Dream" wahr gemacht. Dafür darf er sogar mit der amerikanischen Fernsehpersönlichkeit Martha Stewart posieren.

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Tom Szaky

Der 30-jährige Unternehmer mit dem markanten Strubbelkopf sammelt tonnenweise Abfälle und fertigt daraus Produkte aller Art. Sein Unternehmen Terracycle machte ihn in den USA zum Star.

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Kopfüber ins Glück: Dittmanns erste Versuche auf dem Skateboard am Aasee in Münster (1977).

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Foto: Privat

Ein Gefühl, das er schon als Fünfjähriger spürt – wenn er, im Frühherbst, im Kohlenkeller seines Elternhauses sitzt und Briketts stapelt. Tagelang, rund 5.000 Stück. "Keiner störte mich, keiner redete mir rein, keiner wusste alles besser, während ich austüftelte, wie aus dem unordentlichen Haufen ein sauber geschichteter Stapel wurde", erinnert sich Dittmann. "Ich hatte mir das Ziel selbst gesucht, konnte meine Ideen ausprobieren, scheitern, neu starten, mein Ding durchziehen."

Keine Selbstverständlichkeit, damals, Anfang der Fünfzigerjahre, in Kirchen, einem kleinen Städtchen am Fuße des Westerwalds. Wo sich Dittmann junior von kirchlichem Muff, verklemmter Moral und strengem Elternhaus zunehmend in die Zange genommen fühlt. Und als Sohn eines selbstständigen Elektromeisters schnell lernt: Unterm Weihnachtsbaum steht zwar oft die neueste Modelleisenbahn – doch wenn ein Kunde exakt danach sucht, ist sie genauso schnell wieder weg. "Das Geschäft ging immer vor."

In der Schule markiert Klein-Titus oft den Klassenkasper. Seinen Vornamen Eberhard hat er da schon gegen den Spitznamen eingetauscht, den ihm sein älterer Bruder verpasst hatte, weil er ihn an den gleichnamigen römischen Kaiser erinnert. Titus rebelliert gegen Lehrer, beharrt auf seiner Meinung. Klein beigeben, wenn er sich im Recht fühlt? Kommt nicht infrage. "Lieber bekomme ich noch eins aufs Maul."

Er kämpft sich durchs Gymnasium, entdeckt aber seine Begabung für Zahlen und Formeln. Und lernt, sich "außerhalb normaler Denkgewohnheiten" zu bewegen. Fängt mit 15 an, sich die Bewegungsabläufe beim Autofahren vorzustellen und diese abends immer wieder nachzuvollziehen – unter seiner Bettdecke. Der Führerschein mit 18 ist ein Klacks, seitdem weiß er: "Ich kann etwas anpacken, wenn ich es vorher im Geiste oft genug durchgegangen bin."

1973 legte Günther Fielmann den Grundstein für sein Optiker-Imperium. Der gelernte Augenoptikermeister eröffnete - nach beruflichen Ausflügen in die Industrie - seine erste Filiale in Cuxhafen. Heute ist Günther Fielmann Vorstandschef und Mehrheitsaktionär der Fielmann AG, die 1994 an die Börse ging. 2009 verkaufte Fielmann mit 644 Niederlassungen 6,4 Millionen Brillen und erwirtschaftete einen Umsatz von 1,11 Milliarden Euro. Derzeit betreibt die Optik-Kette 655 Niederlassungen, davon 559 in Deutschland, 31 in der Schweiz, 31 in Österreich.

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Foto: WirtschaftsWoche

Im Jahr 1974 eröffnete Willi Verhuven, damals 23-jährig, im niederrheinischen Kleve ein Reisebüro. Schon im ersten Jahr seiner Selbständigkeit begann er, eigene Reisen zu organisieren. Mit 500 Gästen ging es zunächst auf die griechische Insel Mykonos. Im Jahr 1999 verreisten zum ersten Mal über eine Million Gäste mit alltours. 2005 flogen mehr als 1,5 Millionen Urlauber mit alltours in die Ferien.

Bis heute ist Verhuven  Geschäftsführer und Alleingesellschafter von Alltours. Die Zentrale des Unternehmens hat Verhuven vor zehn Jahren allerdings verlegt: Im September 2001 zog Alltours von Kleve in den Duisburger Innenhafen.

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Götz W. Werner wurde am 4. Febr. 1944 in Heidelberg als Sohn einer Drogistenfamilie geboren. Auch der Großvater hatte bereits in dieser Branche gearbeitet. Als die Preisbindung für Drogerieprodukte 1973 fiel, gründete Götz Werner seine erste Drogerie in Karlsruhe. Der Name „dm“ ist die Abkürzung für „Drogeriemarkt“. Bereits 1978 hatte dm mehr als 100 Filialen in Deutschland. Zwei Jahre zuvor wagte Werner die Expansion auf den österreichischen Markt.

Werner fungierte 35 Jahre als Geschäftsführer des Unternehmens, bevor er sich 2008 aus dem operativen Geschäft in den Aufsichtsrat zurückzog.

Werner ist in zweiter Ehe verheiratet und Vater von insgesamt sieben Kindern. Seine Freizeit verbringt er vorzugsweise mit seiner Familie. Zu den Hobbys des überzeugten Anthroposophen gehört das Rudern.

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Karl Albrecht wurde am 20. Febr. 1920 und sein Bruder Theo am 18. März 1922 in Essen als Söhne eines Bergarbeiters und gelernten Bäckers geboren. Der Vater musste wegen einer Staublunge die Arbeit im Bergbau aufgeben und eine schlecht bezahlte Arbeit in einer Brotfabrik annehmen, die Mutter eröffnete daraufhin im Essener Bergarbeitervorort Schonebeck einen kleinen Lebensmittelladen, um die Familie durchzubringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Brüder Karl und Theo den elterlichen Betrieb. Später expandierten sie und hatten es bis 1950 zu einer kleinen Kette gebracht. Im Jahr 1960 teilten die Brüder das Unternehmen in Aldi Nord und Aldi Süd auf. Beruflich gingen sie sich stets aus dem Weg - nicht nur im Heimatland. Karl führte Aldi-Süd nach Österreich, Großbritannien, den USA und Irland und zuletzt auch nach Australien und Neuseeland, während Theo Kontinentaleuropa von Spanien bis Dänemark mit seinen Funktionsbauten zupflasterte.

Am 24. Juli 2010 starb Theo Albrecht im Alter von 88 Jahren in Essen an den Spätfolgen eines Sturzes im Vorjahr.

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1998 hat Frank H. Asbeck im Alter von 39 Jahren das Unternehmen SolarWorld gegründet. Bereits ein Jahr später wagte er den Gang an die Börse. Zudem ist Asbeck Gründungsmitglied des Landesverbandes der Grünen (später Bündnis 90/ Die Grünen) in Nordrhein-Westfalen. 2006 kaufte er die Solarsparte des Ölkonzerns Shell und baute SolarWorld zum weltweit drittgrößten Konzern der Branche aus. Asbeck, der von Beobachtern oft mit dem Spitznamen "Sonnenkönig" tituliert wird, lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Bad Godesberg. Er gilt als Genussmensch, der die italienische Küche sowie Trachtenjacken kombiniert mit Jeans liebt.

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Firmengründer Adolf „Adi“ Dassler fertigte bereits im Jahr 1920 die ersten Schuhe an, die bereits bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam von einigen Sportlern getragen werden. Am 18. August 1949 wurde das Unternehmen im Handelsregister in Fürth als "Adolf Dassler Adidas Sportschuhfabrik" eingetragen. In diesem Jahr werden auch die drei Streifen als Markensymbol eingeführt.

Der Firmenname setzt sich aus seinem Spitznamen „Adi“ und den ersten drei Buchstaben seines Nachnamens zusammen. Im Jahre 1954 erzielte Adidas den Durchbruch - die deutsche Mannschaft trägt im WM-Endspiel Adidas-Schuhe mit auswechselbaren Stollen. Adolf Dassler starb 1978 im Alter von 78 Jahren. 1990 verkauften seine Erben einen Großteil der Firmenanteile an den französchen Unternehmer Bernard Tapie (Foto). Nach der Insolvenz Tapies ging das Unternehmen an den Franzosen Robert Louies-Dreyfus. Er wandelte Adidas in eine Aktiengesellschaft um, die 1995 an die Börse ging. 1997 schließt sich Adidas mit der französischen Salomon-Gruppe zusammen, zu der auch die Golfmarke TaylorMade gehört. Das Unternehmen heißt vorübergehend Adidas-Salomon, 2005 wurde Salomon wieder verkauft. 2006 kauft Adidas den US-Konkurrenten Reebok.

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In seinem gebrauchten Fiat 770 kutschiert er Mitschüler durch Eifel und Westerwald – für zehn Pfennig pro Kilometer. Und heizt auf einer Runde über die berüchtigte Nordschleife des Nürburgrings ins Gebüsch. Diesen Drahtseilakt zwischen Business und Blödsinn, Geschäftssinn und Größenwahn lebt er auch beim Bundesgrenzschutz aus, den er der Bundeswehr vorzieht – weil es dort zehnfachen Sold gibt. Er keilt sich mit Vorgesetzten, weil er auf Bart und lange Haare nicht verzichten will. Und richtet in seinem Spind einen Kiosk ein, mit dem er der Kasernenkantine das Geschäft abgräbt. 1971 beginnt er in Münster mit dem Lehramtsstudium. "Unternehmertum", so der 68er-Abiturient, "galt damals als Teufelszeug."

Als Teilzeit-Autoschrauber finanziert er sich Studium und wochenlange Urlaubsreisen – auch durch die Sahara. "Man ist komplett auf sich allein gestellt, für alles selbst verantwortlich – die grandiosen Momente genauso wie die peinlichen Pannen. Mit einem Wort: Freiheit."

Im Schlepptau (1979): Mit umgebautem Kastenwagen und zerlegter Halfpipe auf dem Anhänger auf dem Weg zum Training.

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Brett für die Welt: In Afghanistan leistet Dittmann mit seiner Stiftung "skate-aid" Entwicklungshilfe auf vier Rollen.

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Wie damals im elterlichen Kohlenkeller – nur ohne Kohlen und ohne Keller. Oder wie Skateboardfahren ohne Skateboard. Dieses Brett mit seinen vier Rollen entdeckt Dittmann im Juni 1977, kurz vor dem Examen, bei einem Spaziergang in Münster. Von einem Hügel sausen Jugendliche auf diesen Rollbrettern an ihm vorbei. Dittmann, mit knapp 30 gut doppelt so alt wie die Skatboarder, leiht sich ein Brett, stürzt – und ist infiziert. Auch von der Leidenschaft, mit der die Kids ihre Tricks üben, vom Brett fallen, sich blutige Knie holen und klaglos wieder aufsteigen. Immer und immer wieder. Dittmann kauft noch am gleichen Tag im nächsten Kaufhaus sein erstes Board. Und organisiert als Referendar bald Deutschlands erste Skateboard AG. Ein Unterricht frei von Normen und Regeln, in dem Dittmann den Schülern erst mal zeigt, "wie man sich kontrolliert auf die Fresse legt". Und dass es bei all den Moves und Tricks nur um eines geht: aufstehen und weitermachen. Denn: "Schafft man das beim Skateboarden, schafft man es auch im restlichen Leben."

August Thyssen (1842-1926)

1867 gründete er in Duisburg das Eisenwerk „Thyssen-Foussol & Co“. 1870 wurde die Gesellschaft aufgelöst und Thyssen gründete mit dem erlösten Kapital das Walzwerk Thyssen & Co., die Keimzelle für einen der größten integrierten europäischen Montankonzerne, die August Thyssen-Hütte. Mit Hugo Stinnes zusammen gründete Thyssen den Energieversorger RWE.

Foto: WirtschaftsWoche

Alfred Krupp (1812-1887)

Alfred war Erbe einer bankrotten kleinen Gussstahlfabrik seines Vaters Friedrich – mit 10000 Talern Schulden und sieben Mitarbeitern. Dass daraus ein Weltkonzern und das Synonym für Stahl wurde, war vor allem Alfreds Verdienst.  Als er 1887 starb, zählte das Unternehmen 20.200 Mitarbeiter.

Foto: WirtschaftsWoche

Werner von Siemens (1816-92)

Das vierte Kind eines erfolglosen Gutspächters war zunächst Artillerie-Offizier der preußischen Armee. Nach einem Duell saß er einige Jahre in Festungshaft. 1847 gründete er – noch immer im Hauptberuf Offizier – mit dem Mechaniker Johann Georg Halske in Berlin die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske – die Keimzelle des heutigen Konzerns. Der Auftrag für die Telegrafenleitung von Frankfurt nach Berlin 1848 war der Beginn der großen Erfolgsgeschichte.

Foto: WirtschaftsWoche

Carl Zeiss (1816-88)

Gemeinsam mit seinem Kompagnon Ernst Abbe (1840-1905) schuf Zeiss in seinen Werkstätten in Jena die technischen Grundlagen der Optischen Industrie. Die meisten Naturforscher seiner Zeit, wie zum Beispiel der Zoologe Ernst Häckel, benutzten seine Mikroskope. Die Feldstecher und Entfernungsmesser von Zeiss wurden in allen Kriegen seit dem Ende der Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt.

Foto: Jobel

Friedrich Engelhorn (1821-1902)

Der Sohn eines Gastwirts war zunächst Goldschmied in Mannheim, dann Gas-Produzent. Engelhorn versuchte, den bei der Leuchtgasgewinnung als Abfall anfallenden Steinkohlenteer zu nutzen und begann deshalb Teerfarbstoffe und Farbstoffe auf Anilinbasis für die Textilindustrie herzustellen. Zu diesem Zweck gründete er 1865 mit drei Kompagnons die „Badische Anilin- und Sodafabrik“ - BASF.

Foto: WirtschaftsWoche

Friedrich Bayer (1825-1880)

Der Sohn eines Seidenwirkers in Barmen fing schon als 20-Jähriger an, mit Naturfarben zu handeln. Drei Jahre später gründete er sein erstes Handelsunternehmen. Gemeinsam mit seinem späteren Kompagnon Johann Friedrich Weskott begann Bayer ab 1863 mit der eigenen Produktion und Erprobung von Teerfarbstoffen in der eigenen Firma Friedr. Bayer et comp. – der Keimzelle der heutigen Bayer AG.

Foto: WirtschaftsWoche

Gottlieb Daimler (1834-1900)

Nachdem er einige Jahre in mehreren Unternehmen als Konstruktuer angestellt war, gründete Daimler 1882 in Cannstatt eine eigene Werkstatt und entwickelt dort eine Viertaktmotor. Gemeinsam mit Wilhelm Maybach konstruiert er ab 1885 Motorwagen. Der große unternehmerische Erfolg kommt erst nach seinem Tod und mit der Fusion mit Benz 1926.

Foto: WirtschaftsWoche

Carl Benz (1844-1929)

Mit dem Geld seiner Frau Bertha (1849-1944) gründete er schon 1871 eine eigene Eisengießerei aus der später eine „Gasmotorenfabrik“ wurde. Sein Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 von 1885 gilt als erstes modernes Automobil.  Benz und Daimler haben nie miteinander gesprochen und führten einen gerichtlichen Patentstreit gegeneinander.  

Foto: WirtschaftsWoche

Fritz Henkel (1848-1930)

Der Lehrersohn hatte sich schon zum Prokuristen in einer Farben- und Lackfabrik in Elberfeld hochgearbeitet, als er 1874, im Alter von 26 Jahren, Teilhaber einer Chemikalien- und Farbengroßhandlung wurde. 1876 gründete er gemeinsam mit den Inhabern der Rheinischen Wasserglasfabrik „Scheffen und Dicker“ die Waschmittelfabrik „Henkel & Cie“ in Aachen, die er nach zwei Jahren nach Düsseldorf verlegt. Seine Nachfahren halten noch heute die Mehrheitsanteile des Konzerns.

Foto: WirtschaftsWoche

Robert Bosch (1861-1942)

1886 eröffnete der Gastwirtsohn Robert Bosch in Stuttgart mit einem Gesellen und einem Lehrling eine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“, die direkte Vorgängerin der heutigen Robert Bosch GmbH. 1887 verbesserte er dort einen ursprünglich von Siegfried Marcus patentierten Magnetzünder der Maschinenfabrik Deutz entscheidend. Seither gilt Bosch als Synonym für Zünd-Technik in Verbrennungsmotoren.

Foto: WirtschaftsWoche

Seines dreht sich bald nur noch um das Brett auf den vier Rollen, das ihm fortan die Welt bedeutet: Er schreibt seine Examensarbeit übers Skateboardfahren, bespaßt mit dem Titus Skates Show Team Autohäuser – für Cola und Würstchen. Er klappert alle Sportläden der Region ab, um den Kids Bretter, Kleidung und Ersatzteile zu besorgen. Und verkauft sie von der Küche seiner 40-Quadratmeter-Sozialwohnung aus, die nach und nach zu Werkstatt, Showroom, Kassentresen und Ankleide wird. Bis zu 10.000 Mark setzt Dittmann an einem Tag um. Weil ihm als Beamter auf Probe Nebentätigkeiten nicht erlaubt sind, läuft der Gewerbeschein auf seine Frau. Sein ökonomisches Prinzip: Einkaufspreis gleich Verkaufspreis – "Gewinn machen war nicht meins".

Rebell auf vier Rollen: Titus Dittmann, Deutschlands Skateboardpionier.

Foto: David Klammer für WirtschaftsWoche

Mit einem Niedrigzins-Beamtenkredit, eigentlich gedacht zum Erwerb eines Reihenhäuschens, finanziert Dittmann einen gebrauchten Skate-Park für 20.000 Mark. In den Ferien düst er nach Kalifornien, übernachtet auf der Rückbank seines Mietwagens, putzt sich die Zähne mit Wasser aus Vorgarten-Rasensprengern – und schmuggelt auf dem Rückweg die neuesten Bretter durch den Zoll, die er unter seinen schmutzigen Unterhosen versteckt. Zurück in Deutschland, hängt er 1984 schließlich seine Planstelle als Studienrat an den Nagel. "Alle Kollegen und Freunde haben mich für verrückt erklärt", sagt Dittmann, damals frischgebackener Vater. Er hat fortan jeden Monat 3.000 Mark weniger Festgehalt auf dem Konto, dafür deutlich mehr Spaß. Und ein Leben, wie es sein Haus-und-Hof-Philosoph Konfuzius empfiehlt: "Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag deines Lebens mehr arbeiten."

Wie aber führt man eine Firma überhaupt? Wie schreibt man Rechnungen? Wie funktioniert Mehrwertsteuer? Dittmann hat keine Ahnung von theoretischen betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen. Sein Ansatz: Er bringt sich alles selbst bei – frei nach seinem Lebensmotto: "Erst logisch denken – und dann einfach machen."

Aral

Bis Aral Aral hieß, dauerte es drei Namen: Ende des 19. Jahrhunderts ging das heutige Unternehmen aus der Westdeutschen Benzol-Verkaufsvereinigung hervor. 1906 wurde daraus die Deutsche Benzolvereinigung, rund zehn Jahre später kam dann der Benzol-Verband. Hauptprodukt war, wie der Name schon sagt, der Brennstoff Benzol. Bei der Entwicklung eines Treibstoffs für Ottomotoren 1924 wurden Benzol und Benzin erstmals gemischt. Da

Benzol zu den aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz Aromaten, gehört und Benzin zur Gruppe der aliphatischen Kohlenwasserstoffe - Aliphaten, war schnell ein Namen für den neuen Kraftstoffhändler gefunden. AR für Aromate und AL für Aliphate - und schon wusste jeder Chemiekundige, was Aral verkaufte.

Foto: dapd

DHL

Seit 1969 gibt es den Expressdienstleister DHL. Ursprünglich holten drei Männer persönlich Fracht in San Francisco ab und flogen sie nach Honolulu. Heute sind deutlich mehr Menschen im Auftrag von DHL unterwegs, weltweit arbeiten 275.000 Menschen für das seit 2002 zur Deutschen Post gehörende Unternehmen. Von den Gründern bleibt zumindest der Name: Die drei Männer, die Ende der 60er Jahre noch selber Touren gefahren und geflogen sind und das Unternehmen aus der Taufe gehoben haben, hießen Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn.

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Samsung

Der koreanische Mischkonzern Samsung beschäftigt weltweit über 250.000 Menschen und gehört zu den größten Unternehmen der Welt. Unter den Herstellern von Fernsehern hat Samsung international die Nase vorn, bei den Handys belegt Samsung weltweit den zweiten Platz. Dabei hatte das Unternehmen 1938 als Lebensmittelgeschäft begonnen. Die Samsung-Warenhäuser versorgten damals drei südkoreanische Provinzen mit Nahrungsmitteln. Erst viel später kam Elektronik ins Portfolio. Der Name Samsung - "drei Sterne" - steht seit 1938 für die drei Unternehmenswerte Stärke, Qualität und Größe.

Foto: dapd

Apple

Zur Entstehung des Namens Apple hatten selbst die Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak verschiedene Erklärungen. Der verstorbene Jobs sagte einmal, der Name stamme aus einer Zeit, in der er sich ausschließlich von Obst ernährte. Die drei Gründer seien damals mit der Anmeldung des Unternehmensnamens drei Monate im Verzug gewesen, weil ihnen einfach nichts passendes eingefallen sei. Um die Kreativität anzuheizen, habe er ein Ultimatum gestellt: Falls bis fünf Uhr niemandem ein interessanterer Name einfällt, heißt das Unternehmen Apple Computer. Das habe auch den Vorteil, dass das Unternehmen noch vor Atari im Telefonbuch stehe.

Steve Wozniak schrieb in seiner Autobiografie iWoz, dass die Idee nach einem Besuch Jobs' an einem Ort, den er ‚apple orchard‘ nannte, entstanden sei.

Foto: dpa

Haribo

Im Dezember 1920 gründete Hans Riegel in der Bergstraße in Bon ein Unternehmen. Sein Startkapital waren ein Sack Zucker, ein Kupferkessel, ein Herd, eine Walze und eine Marmorplatte. Auf dieser Grundlage errichtete er ein ganzes Süßwarenimperium. Mit Bonbon, Fruchtgummis und Lakritze macht Haribo rund zwei Milliarden Euro Umsatz pro Jahr - was aus einem Sack Zucker so alles werden kann.

Foto: dpa/dpaweb

BASF

Bei der BASF spielten Standort und Produkt eine wichtige Rolle bei der Namensgebung. 1848 entstand im baden-württembergischen Mannheim die Badische Gesellschaft für Gasbeleuchtung. Dieses Unternehmen gehörte dem Unternehmer Friedrich Engelhorn. Bei der Produktion von Leuchtgasen blieben Flüssigkeiten, Aniline übrig, die Engelhorn nutzen wollte. Also gründete er 1865 im Badischen Ludwigshafen die Anilin- und Soda-Fabrik .

Foto: CLARK/obs

Red Bull

Das Logo ist vertraut, doch darunter steht nicht "Red Bull Energydrink", sondern Krating Daeng. Auf dieses Getränk wurde der Österreicher Dirk Mateschitz in den 70er Jahren in Thailand aufmerksam. Er tat sich mit dem Hersteller von Krating Daeng, Khun Chaleo Yoovidhya, zusammen und entwickelte eine mittlerweile weltweit erfolgreiche Marke. Den Namen übersetzte Mateschitz einfach ins Englische: Red Bull

Foto: REUTERS

Coca Cola

Der Namen Coca Cola entstand, weil die Hauptbestandteile der Limonade Ende des 19. Jahrhunderts coca leaves - Kokablätter - und cola nuts - Kolanüsse - waren. Die rote Farbe fürs Logo kam angeblich von den roten Fässern, in die der Erfinder die Limonade damals abgefüllt hatte.

Foto: CLARK/obs

TUI

Hinter Tui stecken diverse Unternehmen, die sich Ende der 60er Jahre zusammengeschlossen haben. So wurden aus Dr. Tigges-Fahrten, der Preussag, TOUROPA, Scharnow-Reisen und Hummel Reisen die Touristik Union International GmbH & Co. KG.

Foto: dpa

Tchibo

Bei der Kaffee-Kette Tchibo setzt sich der Name wieder aus Herstellername und Zutaten zusammen. Der Gründer Tchilling-Hiryan gründete damals ein Unternehmen, dass den Postversand von Kaffeebohnen anbot.

Foto: dpa/dpaweb

Prominenter Gast: Dittmann mit US-Skateboardstar Tony Hawk.

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Foto: Privat

Zum Beispiel das, was in Managementhandbüchern als Just-in-time-Logistik gepriesen wird: Statt sie zwischen dreckiger Wäsche zu schmuggeln, ordert Dittmann die neuesten US-Skateboards bei Händlern in Übersee und lässt sie von einem US-Spediteur gesammelt nach Deutschland verfrachten – genau in der Stückzahl, die seine Kunden bestellt hatten. Dittmann muss ob geringer Stückzahlen zwar auf Mengenrabatt verzichten, spart so aber Lagerkosten und kann schnell auf neue Trends reagieren, ohne auf alter Ware sitzen zu bleiben. Damit seine Lagermitarbeiter auch ohne Handys und PCs telefonische Bestellungen im weitläufigen Lager flexibel abarbeiten können, lötet er einfach Telefonkabel auf 20 Meter Länge zusammen.

Statt sich von einer Agentur komplizierte Marketingstrategien austüfteln zu lassen, stampft Dittmann die Münster Monster Mastership aus dem Boden und erklärt sie kurzerhand zur Weltmeisterschaft. Die zieht bald aus Münster um in die Dortmunder Westfalenhalle, wo sich Dittmann wie ein Rockstar aus 30 Meter Höhe von der Decke abseilen lässt. Veranstaltet, um nach den Wettbewerben die Kids von der Straße zu holen, nebenbei Deutschlands größte Hallenkonzertreihe. Veröffentlicht das "Monster Skateboard Magazine", das er damals von Hand zusammentackert und für zwei Mark an jeden verkauft, der im über den Weg läuft – Anfänge der heute ältesten und erfolgreichsten Skateboardzeitschrift Europas.

Dittmanns Mitstreiter schaffen es als Posterboys in die Bravo, spielen Hauptrollen in TV-Spots. Die Telekom bucht Dittmanns rollende Artisten für eine wochenlange Werbetournee, die Truppe ist Dauergast bei der Internationalen Funkausstellung und im TV – im Aktuellen Sportstudio, bei Alfred Biolek, Günther Jauch. Immer mit im Bild: Der rote Schriftzug der eigenen Marke – Titus. Der erste Stand auf der Sportartikelmesse Ispo im Stile einer Gefängniszelle verstört Aussteller wie Kunden. "Wir wollten Haltung beweisen – und nichts mit Kommerz zu tun haben."

So beharrlich wie möglich:

Oft sind nicht die Klügsten, Schönsten, Begabtesten die Erfolgreichsten. Talent wird überbewertet. Auch der Talentierteste scheitert, wenn er beim ersten Rückschlag aufgibt. Die wirklich Erfolgreichen sind die, die nicht aufgegeben haben. Solange das Pferd nicht wirklich tot ist, sollten Sie weiterreiten!

Foto: WirtschaftsWoche

So einfach wie möglich:

Einfach heißt aber nicht bequem. Einfache Lösungen zu finden ist im Gegenteil recht unbequem. Man muss dafür nachdenken. Für die Gehaltsverhandlung heißt das zum Beispiel, bei einem einfachen Argument zu bleiben: Ich leiste sehr viel mehr, will aber nur ein wenig mehr Geld. Das ist nur fair! Das ist gerecht! Das entspricht dem Leistungsprinzip! Völlig egal, ob es der Firma schlecht geht. Wenn ich mehr leiste, geht es der Firma automatisch besser.

Foto: WirtschaftsWoche

So klein wie möglich:

Niemand würde eine Wassermelone am Stück schlucken. Aber bei Aufgaben und Problemen versuchen wir das oft. Fragen Sie sich: Was ist der kleinstmögliche Schritt in Zielrichtung, den ich jetzt sofort angehen kann? Wie schon Einstein sagte: "Die Natur macht keine Sprünge." Also machen Sie auch keine. Machen Sie kleine Schritte.

Foto: WirtschaftsWoche

So quer wie möglich:

Machen Sie nicht das, was Sie immer machen.  Fragen Sie sich lieber: Wenn das Bewährte, Normale und Gewohnte nicht funktioniert, was wäre dann zur Abwechslung mal eine verrückte, abnormale, quer gedachte, ungewohnte Lösungsoption? Denken Sie dabei vor allem an jene Optionen, die Sie beim ersten Gedankenspiel sofort verworfen hatten. Vielleicht funktioniert es doch!

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So direkt wie möglich:

Wenn Sie einen Vortrag beim Chef halten sollen und nicht wissen, wie er es gerne hat, dann fragen Sie nicht ihre Kollegen. Fragen Sie den Chef selbst: "Möchten Sie Zahlen und Grafiken oder was erwarten Sie von mir?" Das erfordert Mut, aber auf die Antworten können Sie sich verlassen.

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So energisch wie möglich:

Für vieles fehlt uns ganz einfach der nötige Mumm. Aber Mut wächst durch Übung und nur durch Übung. Oft kommt man zum Mut auch über die Wut. Nutzen Sie ihre Wut nicht für einen cholerischen Anfall, sondern für den Impuls das zu tun, was Sie zum Erfolg führt.

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So ehrlich wie möglich:

Seien Sie vor allem ehrlich zu sich selbst. Ehrlich motiviert am besten. Und ehrlich funktioniert am besten. Wer ehrlich und aufrichtig zu sich selbst und seinen Wünschen steht, ist authentisch.

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So konkret wie möglich:

Verzetteln Sie sich nicht mit pauschalen, abgehobenen, abstrakten Wünschen. Wenn Sie sich vornehmen "sparsamer zu leben", was bedeutet das konkret? Weniger Geld ausgeben. Was heißt das konkret? Ausgaben kontrollieren. Was heißt das konkret? Preise vergleichen. Was heißt das konkret? Neue Versicherung abschließen.

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So egal wie möglich:

Nur wer dranbleibt, hat nachhaltig Erfolg. Und dranbleiben kann nur, wem Misserfolge und Rückschläge wurscht sind. Auf negative Resonanz sollten Sie nicht grübelnd reagieren. Denken Sie sich: „Jeder Rückschlag macht mich stärker! Ich steck euch in den Sack!“

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So verblümt wie möglich:

Nein, das ist kein Widerspruch zu "So direkt wie möglich!" Beides passt vielmehr perfekt zusammen: Gehen Sie direkt auf jene zu, die den Erfolg ermöglichen können - aber nicht unbedingt mit Ihrem direkten Oberziel. Sie erreichen Ihr Ziel meist auf Umwegen.

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Der Erfolg lässt trotzdem nicht lange auf sich warten: Der Markt boomt, bis 1989 verdoppelt sich der Umsatz des Unternehmens jedes Jahr. Zu Titus gehören mittlerweile ein halbes Dutzend GmbHs, vom Großhandel über Event- und Werbeagentur bis zur Distribution – und das ohne jeden Businessplan. Aber mit festen Prinzipien: Wer 10 Mark in der Tasche hat, kann nicht 20 ausgeben. Also werden, um das Geld für eine Bohrmaschine zu sparen, die Löcher zur Befestigung der Fahrgestelle zunächst mit dem Stichling gefertigt. Sucht Dittmann neue Mitarbeiter, achtet er nicht auf Schul- und Arbeitszeugnisse, sondern nur auf Authentizität und Haltung der Bewerber. Er führt sein Team ohne Schulterklappen, aber mit großer Begeisterungsfähigkeit – laut Dittmann "wie Jesus und seine Jünger".

Das geht gut, solange Dittmann ungestraft "95 Prozent Marktanteil für gottgegeben" halten kann. Als aus zwei seiner engsten Mitarbeitern Wettbewerber werden, reagiert er "wie ein bissiger Straßenköter", will "gewinnen, mit allen Mitteln". Expandiert in andere Geschäftsfelder: gründet eine eigene Snowboardmarke, die er später mit großem Gewinn verkauft. Steigt in den E-Commerce ein, eröffnet neue Filialen, startet ein Franchise-System. Erfindet mit den Magalogen, einer Mischung aus Katalog und Magazin, eine neue Vertriebsform, die gar den Sprung ins "Lexikon der Deutschen Sprache" schafft.

Himmelsstürmer: Selbst hoch oben ist das Brett immer am Mann.

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Foto: Privat

Erfolg, der Dittmann bald zu Kopf steigt. Angestachelt vom anstehenden Börsengang eines Skateboard-Internet-Portals zweier Ex-Mitarbeiter, will auch Dittmann ans große Geld. Und zwar schneller als die Konkurrenz. Schließlich ist er als Chef von 20 Tochterfirmen mit 600 Mitarbeitern und 100 Millionen Euro Umsatz "lieber tot als Zweiter". Er überredet seine skeptische Frau durch "Management by Ohrabkauen", holt Investoren an Bord. Kauft für viele Millionen einen maroden Online-Versandhändler, verabschiedet sich aus der Operative, lässt sich von einer Talkshow zur nächsten karren.

"Ein Schlaraffenland fürs Ego", erinnert sich Dittmann, der damals alle Warnsignale des bevorstehenden Niedergangs ignoriert. Etwa, dass 2001 der Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent schrumpft, der Umsatz stagniert und der neue Markt kollabiert. Dass neue Manager, abgeworben von traditionellen Handelskonzernen, keinen Draht zur Kernkundschaft finden. Dass er zwar noch zwei Drittel seines Unternehmens besitzt, aber die Macht im Aufsichtsrat leichtfertig an seine Partner abgegeben hatte. Dass neue Vorstände auf eigene Rechnung und mit Bilanztricks arbeiten, Neuware bei Ebay weit unter Einkaufspreis verticken. Bis, 2004, knapp zehn Millionen Euro Verlust zu Buche stehen, Banken und Investoren das Unternehmen filetieren wollen. Dittmann betäubt sich mit Autorennen und Fallschirmspringen – bis er und seine Frau an einem lauen Herbstabend 2006 die Notbremse ziehen.

Auf der Terrasse des eigenen, reetgedeckten Hauses mit Blick auf Badesteg und Seerosenteich, entscheiden sie, notfalls auf jeglichen Besitz zu verzichten, um wieder ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Als Dittmann das Unternehmen für einen Euro zur Übernahme anbietet, vom Rinderzüchten in Brasilien und einem Nomadenleben in der Sahara erzählt, packen erst die Berater ihre Koffer, dann lenkt auch die Bank ein: erlässt Dittmann zweieinhalb Millionen der zwölf Millionen Euro Schulden und akzeptiert seinen Sanierungsplan. "Das hat nur funktioniert, weil wir keine Existenzangst mehr hatten", sagt Dittmann. "Das ist viel wertvoller als ein paar Millionen in der Tasche."

Dittmann verpfändet Haus und Lebensversicherung, kauft über einen Strohmann die Firma zurück. Setzt auf mittelfristige Rentabilität statt kurzfristige Liquidität, mistet das Sortiment aus, streicht den Etat fürs Online-Marketing, handelt mit Lieferanten Zahlungsverzichte aus – bis die Firma 2008 wieder auf einigermaßen stabilen Füßen steht.

Und Dittmann wieder Luft hat, sich einem neuen Projekt zu widmen: den Straßenkindern von Afghanistan. Im Januar 2009 bringt er zwei Tonnen Skaterausrüstung und 13.000 Euro nach Kabul, gespendet von Titus-Kunden. Sein Ziel: Über seine Stiftung und den Verein Skate-Aid will er Kindern den Freigeist der Skateboarder nahebringen. Lernt über den Münsteraner CDU-Politiker Ruprecht Polenz den Menschenrechtsveteranen Rupert Neudeck kennen, der damals in Afghanistan Schulen aufbaut. Dittmanns Ziel: ´"anderen zu zeigen, mit dem Skateboard unter den Füßen auf die Füße zu kommen".

Dafür will er an der Universität im afghanischen Herat eine Sportfakultät mit Skateboardstudiengang aufbauen helfen – mit Unterstützung seiner ehemaligen Alma Mater in Münster, wo er bereits Studenten die Balance auf dem Brett lehrt. "Ein tolles Projekt", sagt Dittmann, auf dessen Visitenkarte heute "Anstifter" steht. "Ich fühle mich wieder wie ein Jungunternehmer."

Das Skateboardgeschäft führt seit zwei Jahren Sohn Julius. Dem hatte sein Vater schon früh beigebracht, was er unter Risiko, Verantwortung und Erfolg versteht: erklärt seinem Filius mit elf, wie er seine Jacke in Flammen setzen und gefahrlos als menschliche Fackel durch den Garten rennen kann. Gibt ihm Geld für gute Noten – und knöpft ihm welches ab, wenn die Zensuren zu wünschen übrig lassen. Lässt ihn ein Skateboardvideo produzieren, selbst über das Honorarmodell entscheiden – Garantiesumme oder Erfolgsbeteiligung – und jenseits des vereinbarten Festpreishonorars konsequent leer ausgehen, als sich das Filmchen zum damals bestverkauften seiner Gattung entwickelt.

Heute sagt der Junior dem Senior, wo es langgeht. Fragt seinen Vater per E-Mail unverblümt, was dieser gegen Verluste zu tun gedenke, wenn die GmbH, über die Titus Ami-Schlitten repariert, verkauft oder vermietet, mal in die roten Zahlen rutscht.

"Anfangs musste ich mich an die neue Rollenverteilung gewöhnen", sagt Dittmann, der dieses Jahr 65 wird und am liebsten in Jeans, Turnschuhen, T-Shirt, Karohemd und Wollmütze rumläuft. "Aber mit meinem Sohn ein so tolles Verhältnis zu haben ist wahrscheinlich das schönste Ziel, das ich im Leben erreicht habe."

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