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Hendrik Leber"In der Solarbranche wird es einen Schub geben"

Hendrik Leber, Co-Chef und Fondsmanager von Acatis, sucht stets nach unterbewerteten Aktien - und wird bei Solarunternehmen, Energieversorgern und in Japan fündig. Wo er beim nächsten Kursrutsch zuschlägt.Andreas Toller 12.04.2013 - 06:00 Uhr

Der Vermögensverwalter und Fondsmanager, Hendrik Leber, Co-Chef und Gründer von Acatis, im Interview mit WirtschaftsWoche.

Foto: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Leber, in der vergangenen Handelswoche ging es wegen der Drohgebärden aus Nordkorea und schwachen US-Arbeitsmarktdaten an der Börse nochmal steil abwärts, in dieser Woche genügten Konsumausblick und nachrangige Konjunkturdaten für eine Erholung. Sind die Märkte zu fixiert auf Krisen?

Ich finde die Märkte derzeit hochgradig irrational. Die Märkte scheinen immer nur ein Thema nacheinander zu betrachten. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass auch mal zwei gleichzeitig eintreten. Korea ist aktuell eins der ganz großen Themen, weil zwei Weltblöcke aneinandergeraten: der chinesische Block und der amerikanische Block. Ein Krieg vor der Haustür der Chinesen wäre geopolitisch im höchsten Maße heikel. Was tun die Amerikaner dann? Das macht mir extreme Sorgen.

Dax, Deutschland

Der Deutsche Leitindex erreichte seinen Höchststand von 8.151,57 Punkten im Handelsverlauf am 13. Juli 2007. Obwohl sich die Krise am US-Immobilienmarkt bereits abzeichnete, schaffte der Dax 2007 ein Jahresplus von 23 Prozent. Momentan ist der Index ein gutes Stück vom Rekord entfernt – es fehlen über 450 Punkte. Beim Dax handelt es sich im Gegensatz zu den anderen großen Indizes wie dem Dow Jones um einen Performance-Index – in diesen werden die Dividenden der enthaltenen Unternehmen mit eingerechnet. Der Dow-Jones als Kursindex dagegen bildet nur die Kursentwicklung der Einzelwerte ab.

Foto: dapd

Dow Jones, USA

Das wichtigste Börsenbarometer der Welt ist an der New York Stock Exchange gelistet. Die Marktkapitalisierung aller im Dow Jones gelisteten Aktien beträgt mehr als drei Billionen Euro. Zum Vergleich: Im Dax beträgt die Marktkapitalisierung aller Aktien fast 880 Milliarden Euro. Der Dow Jones hat seinen Höchststand von 14.716,46 Punkten auf Verlaufsbasis am 09. April 2013 erreicht. Vor allem das billige Geld der Notenbanken treibe Anleger in Aktien, urteilen Analysten. Doch erste Anzeichen für ein baldiges Ende der lockeren Geldpolitik könnten den Dow Jones schnell wieder fallen lassen. Momentan notiert der Dow knapp unter seinem Hoch.

Foto: REUTERS

Nikkei 225, Japan

Am 29. Dezember 1989 erreichte der Nikkei mit 38.957,44 Punkten im Handelsverlauf seinen Allzeithöchststand. Im April 2003 erreichte der wichtigste japanische Index den Tiefststand von 7.607 Punkten. Innerhalb von etwa viereinhalb Jahren hatte der Nikkei damit mehr als 80 Prozent eingebüßt. Schuld war unter anderem auch das Platzen der Spekulationsblase im Technologiesektor (Dotcom-Blase). Die Grenze von 30.000 Punkten fiel zum ersten Mal am 7. Dezember 1988 – davon ist trotz eines guten Kurses derzeit nicht einmal die Hälfte erreicht. Genauso wie der Dow-Jones-Index ist der Nikkei 225 kein Performance-Index, sondern ein preisgewichteter Kursindex.

Foto: dpa

Nasdaq 100, USA

Das amerikanische Pendant zum TecDax ist der Nasdaq 100, der die 100 größten Technologieunternehmen der Nasdaq enthält. Der Index listet unter anderem Börsenschwergewichte wie Apple, Google und Amazon. Seit Mai 2012 auch Facebook. Das Allzeithoch von 4.816,35 Punkten erreichte der Nasdaq 100 im Handelsverlauf des 24. März 2000. Dies verwundert wenig, da Technologieaktien um 2000 herum deutlich überbewertet waren, die sogenannte Dotcom-Blase. Deshalb notiert der Nasdaq in der vergangenen Zeit auch um rund 2000 Punkte niedriger.

Foto: REUTERS

S&P 500, USA

Der dritte wichtige Index aus den USA ist der S&P 500. Der von Standard & Poor's zusammengestellte Index umfasst die 500 größten US-Unternehmen und gehört damit zu den meistbeachtesten Indizes der Welt. Der klassische S&P, der auch in den Medien die meiste Beachtung findet, ist ein Kursindex. Er erreichte sein Allzeithoch von 1.576,09 Punkten im Handelsverlauf des 11. Oktober 2007. Momentan ist der Index nur wenige Punkte von seinem Rekord entfernt.

Möchte man den Dax mit dem S&P vergleichen, so kann man auf den S&P 500 Total Return zurückgreifen, der wie der Dax ein Performance-Index ist. Seit dem 1. Januar 2000 hat sich der S&P 500 TR mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 9,7 Prozent besser entwickelt als der Dax (8,5 Prozent).

Foto: REUTERS

Euro Stoxx 50, Europa

Der wohl wichtigste Index für Europa ist der noch recht junge Euro Stoxx 50, der die größten Unternehmen aus der Euro-Zone listet. Der erst 1998 eingeführte Index erreichte sein Handelsallzeithoch von 5.495,18 Punkten am 6. März 2000. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase ging es für den Euro Stoxx 50 deutlich nach unten. Nachdem er sich wieder aufgerappelt hatte, belastete ab 2007 die weltweite Finanzkrise und das Schuldenchaos in Europa den Kurs. Zurzeit notiert der Euro Stoxx in der Nähe von 2600 Punkten.

Foto: dapd

FTSE 100, Großbritannien

Der „Footsie“, wie er umgangssprachlich genannt wird, repräsentiert 80 Prozent der Marktkapitalisierung aller Aktien, die an der Börse in London gelistet sind. Sein Allzeithoch von 6.950,60 Punkten erreicht der Index am 30. Dezember 1999 – also wenige Monate vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Erst acht Jahre später sollte der Kurs in ähnliche Höhen kommen, dann brach die Finanzkrise aus. Aktuell fehlen zum Höchststand etwa 500 Punkte.

Foto: AP

SMI, Schweiz

Im wichtigsten Schweizer Index sind Großkonzerne wie Novartis, UBS, Swiss RE und Nestlé vertreten. Im Gegensatz zum Dax ist der SMI allerdings ein Kursindex, Dividenden fließen nicht in die Berechnung ein. Der bis dato höchste Kurs liegt bei 9.548,09 Punkten, erreicht am 4. Juni 2007. Dann brach die Finanzkrise aus und es ging abwärts. Davon hat sich der Kurs bis heute nicht vollständig erholt – der Kurs pendelt unterhalb von 8000 Punkten.

Foto: AP

CAC 40, Frankreich

Der Leitindex der Pariser Börse ist ebenfalls ein Kursindex und umfasst, wie der Name schon sagt, die 40 umsatzstärksten französischen Aktiengesellschaften, darunter Branchengrößen wie das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis, den Erdölkonzern Total oder das Finanzinstitut BNP Paribas. Seinen Höchststand erreicht der Index am 4. September 2000 mit 6.944,77 Punkten. An diese Marke kommt die Börse seitdem nicht mal annähernd heran – der Index liegt gerade bei rund 3.700 Punkten.

Foto: AP

Ibex 35, Spanien

Den spanischen Ibex 35 wurde vor gut 20 Jahren eingeführt. Seinen Höhepunkt erreicht der Kurs am 9. November 2007 bei 16.040,40 Punkten. Seitdem hat sich der Stand zwischenzeitlich mehr als halbiert. Spanien leidet mehr als andere Länder unter den Folgen der Krise. Die Wirtschaft schwächelt, die Arbeitslosigkeit dürfte nach Angaben der Notenbank in diesem Jahr auf 27 Prozent steigen – ein Rekordhoch. Für den Anleger sind das keine guten Nachrichten – derzeit notiert der Kurs um die 8000er Marke.

Foto: dpa

RTS, Russland

Die Handelsumsätze an der Moskauer Börse sind zwar relativ gering; an schlechten Tagen liegen diese unter einer Million Dollar. Zum Vergleich: An der Deutschen Börse sind es täglich mehrere Milliarden. Dennoch befinden sich im Russian Trading System Index, kurz RTS, einige Unternehmen mit Weltformat. Die Zusammensetzung ist jedoch ein bisschen einseitig: Die Hälfte davon sind Energieunternehmen, etwa Gazprom und Lukoil, die zusammengenommen mit 27 Prozent gewichtet sind. Der Höchststand ist vom 19. Mai 2008, damals lag der Kurs bei 2.498,10 Zählern. Momentan muss der RTS mit rund 1000 Punkten weniger auskommen.

Foto: REUTERS

Bovespa, Brasilien

Der Bovespa-Index – der Name ist zusammengesetzt aus Bolsa de Valores de São Paulo, also Wertpapierbörse von São Paulo – hat am selben Tag sein Allzeithoch erreicht, also am 19. Mai 2008. Punktestand: 73.794,13. Damals konnte noch niemand ahnend, wie schwerwiegend die aufkommende Krise werden würde. Bei der aktuellen Erholung macht die Börse jedoch nicht mit, die Kurse fallen. In den vergangenen Jahren hat sich das Wirtschafswachstum des Landes deutlich abgeschwächt, 2012 es nur noch ein Prozent. Viel mehr als 56.000 Punkte sind aktuell nicht erreichbar.

Foto: REUTERS

Reagieren Sie denn im Portfoliomanagement auf solche Entwicklungen?

Nein, das tun wir gar nicht. Wenn es stressig wird, sichern wir uns schon mal zusätzlich ab. Aktuell tun wir das jedoch nicht. Ich halte mich lieber aus Bereichen raus, die psychologisch zu hoch bewertet sind. Ich konzentriere mich auf die Bereiche, in denen bei Investoren Desinteresse herrscht. Was uns treibt ist die fundamentale Entwicklung von Aktien und ihre Bewertung. Und da mache ich mir momentan keine Sorgen. Unseren Firmen geht es gut - ganz unabhängig von den diversen Krisen.

Aber die Konjunkturerholung ist noch keine ausgemachte Sache. Fehlt da nicht womöglich das Fundament für prosperierende Unternehmen?

Teilweise stimmt das schon. Ich glaube, ein großer Teil der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA ist geborgtes Wachstum. Fast zehn Prozent des Bruttosozialproduktes in den USA sind über die Staatsschulden kreditfinanziert. Da ist heiße Luft im System – und das sehr bewusst. US-Notenbankchef Ben Bernanke hat schon vor Jahren angekündigt, dass dies Ziel seiner lockeren Geldpolitik ist. Mit Krediten lässt sich nun mal jedes beliebige Bruttosozialprodukt ‚bauen‘. Andererseits: Wenn ich mir die Unternehmen ansehe, in die ich investieren möchte, zeigen sich dort Wachstum und die Nachfrage sehr stabil. Ob das die Datenbanken von Oracle, die iPads von Apple oder die Krankenversicherungen von UnitedHealth sind: Da ist natürlicher und sehr robuster Bedarf da, auf den ich mich stütze.

Acatis (Hendrik Leber) +43,5 Prozent


Platz 3 in der Kategorie „Aktien nach Ertrag“


Platz 4 in der Kategorie „Mischdepots nach Ertrag “


Anlageempfehlungen


Eni: Im Branchenvergleich günstig bewerteter italienischer Energiewert

Gazprom: Größte Gasreserven der Welt; Kurs litt unter US-Schiefergas

Family Mart: Supermarktkette aus Japan, solides Wachstum

Aareal Bank: Bankaktie notiert bei zwei Drittel des Buchwerts

HP: Aktie unten, PC-Geschäft mau; aber die Drucker laufen hervorragend

„Die erste Reihe der Aktien ist nicht mehr so attraktiv“, sagt Hendrik Leber, Co-Chef und Gründer von Acatis. Er sieht sich als klassischen „Value“- Investor, immer auf der Suche nach unterbewerteten Papieren. „Eine Vielzahl nach unseren Kriterien kaufenswerter Aktien finden wir meist, wenn aktuelle Krisen überschätzt werden, so wie 2008 und 2011; derzeit ist das nicht der Fall, da muss man tiefer graben.“ Chancen sieht der Frankfurter bei den arg gebeutelten Aktien aus Südeuropa, aber auch bei heute ungeliebten Technologie-Stars der Neunziger, wie HP, Dell oder IBM, und bei Finanzwerten wie der Aareal Bank. Leber investiert weltweit, aber „die Musik spielt in Europa“, sagt er. „Europäische Aktien sind günstig, sobald die Euro-Krise vorbei ist, was zwangsläufig irgendwann der Fall ist, haben sie enormes Potenzial.“

Foto: Presse

Frankfurt Performance Management (Martin Wirth, Manfred Piontke) +47,9 Prozent

Platz 2 in der Kategorie "Aktien nach Ertrag"

Anlageempfehlungen:

Sto: Dämmstoffspezialist, profitiert vom Bau- und Sanierungsboom

Sartorius: Laborausstatter, Gewinnziele mehrfach gehoben

Leoni: Übernahmegerüchte halten sich hartnäckig, günstig bewertet

Norma: Neu in den Portfolios, expandiert erfolgreich nach Asien

Freenet: Strategie, auf mehr umsatzstarke Kunden zu setzen, greift

„Gute Aktien ziehen weiteres Kapital an, schlechte Anlagen werden trotz Liquiditätsschwemme weiter vor sich hindümpeln“, formuliert Martin Wirth sein derzeitiges Anlage-Credo. Deswegen ist dem Spezialisten für kleine deutsche Aktien auch nicht bange, dass dem seit 2009 schon steigenden Markt bald die Puste ausgehen könnte. „Wer eine Wahl hat zwischen Aktien und Bonds und keinen strengen Regeln unterliegt, wird weiterhin zur Aktie greifen, denn dort bekommt er einen flüssig handelbaren, inflationsgeschützten Sachwert, der im Bestfall auch noch eine regelmäßige Rendite abwirft.“ Wirth und Piontke bevorzugen Aktien von Mittelständlern aus der näheren Umgebung, von denen sie sich vor Ort ein genaues Bild machen können. In den Fonds – individuell betreute Großkunden spielen bei ihnen eine Nebenrolle – halten sie nur deutsche Aktien. „Die kennen wir, die können wir einschätzen.“

Foto: Klaus Weddig für WirtschaftsWoche

FPS Heidelberg (Stephan Simmroß) +51,2 Prozent

Platz 1 in der Kategorie "Aktien nach Ertrag"

Anlageempfehlungen:

Investor AB: Vehikel der Familie Wallenberg, attraktive Beteiligungen

AdCapital: Hält mittelständische Maschinenbauer, hoher Cash-Flow

Porsche: Über den Umweg Porsche erwirbt man VW-Aktien extrem günstig

Drägerwerk Genussscheine: Günstiger bewertet als Dräger-Aktie

Biotest: Kooperation mit Pharmariesen, könnte Übernahmeziel werden

Foto: Presse

Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG (Jens Ehrhardt) +35,3 Prozent

Platz 3 in der Kategorie "Mischdepots nach Ertrag"

Anlageempfehlungen:

Bilfinger Berger: Servicegeschäft verleiht dem Zykliker Stabilität

Blackrock: Günstig bewertet, weltgrößter Vermögensverwalter

Sumitomo Metal Mining: Kuper- und Goldproduzent, profitiert vom schwachen Yen

Gold (physisch): Stimmung kurzfristig negativ, langfristig unverzichtbar

Great Eagle: Holding mit mehreren Hotelbetreibern in Hongkong

Ehrhardt, seit den 1960ern dabei und einer der dienstältesten Vermögensmanager, empfiehlt trotz der jüngsten Kursgewinne, „bis zu 80 Prozent des liquiden Vermögens“ (also ohne Immobilienbesitz) in Aktien zu investieren, und nur je zehn Prozent als Sicherheits-Komponente in Gold und Cash. „So lange die Notenbanken weiter Geld drucken, wird dieses vor allem in Aktien angelegt“, sagt Ehrhardt, der über die Zusammenhänge zwischen Geldpolitik und Börse promoviert hat. „Der Immobilienboom ebbt schon ab, und Anleihen bilden eine gigantische Blase, die mich erschauern lässt.“ Ehrhardt reist regelmäßig in seine bevorzugte Anlageregion Asien; er ist aber auch Spezialist für mittelgroße deutsche Aktien. Neu hält er die Fondsanbieter Aberdeen und Blackrock. Diese litten zu Unrecht unter dem in der Krise für Finanzwerte üblich gewordenen Preisabschlag.

Foto: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Flossbach von Storch (Bert Flossbach) +45,9 Prozent

Platz 1 in der Kategorie "Mischdepots nach Ertrag"

Anlageempfehlungen:

Gold: Unverzichtbarer Depotbestandteil, Papiergeld wird entwertet

TAG: Beste Immobilienaktie; Potenzial durch Leerstandsreduktion

Nestlé: Sicherer als Staatsanleihen, seit 1923 ununterbrochen Dividende

Freenet: Starker freier Cash-Flow und üppige Dividenden

Bechtle: Gut geführt, profitabel, krisenfeste Branche

Foto: LAIF/Thomas Rabsch

VM Vermögen (Tim Schmiel) +36,9 Prozent

Platz 1 in der Kategorie "Aktien nach Ertrag und Risiko"

Anlageempfehlungen:

MAN: VW will das Unternehmen ganz schlucken, könnte sein Kaufangebot an die freien Aktionäre erhöhen

Rhön-Klinikum: In die Aktie könnte wieder Bewegung kommen, wenn Konsolidierung im Klinikbereich anhält

Stada: Aktienkurs hat gelitten, das könnte Firmenjäger anlocken

Gold (physisch): 10 Prozent des liquiden Vermögens, als Versicherung

Foto: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Accura Consult (Michael Demmel, Hadi Saidi, Rüdiger Fries) +35,4 Prozent


Platz 1 in der Kategorie „Mischdepots nach Ertrag und Sicherheit“


Aktien und Anleihen: Niemals Einzeltitel, nur sehr liquide Index-Papiere, zum Beispiel Dax-Future (Aktien) und Rex-Future (Anleihen), nur für kurze Zeit (vier bis sieben Tage)
Kurz laufende Anleihen, Cash: Sind Basis des Depots; in Euro und nur von Banken und Ländern bester Bonität, zum Beispiel KfW-Anleihe bis 2017, Land NRW 2016, ABN Amro 2014

Foto: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Sie diversifizieren sehr breit, suchen insbesondere unterbewertete Aktien mit langfristigen Perspektiven und einer erfolgreichen Vergangenheit – wie ihr Vorbild Warren Buffett. Sie orientieren sich dabei am fairen Wert im Verhältnis zur Börsenbewertung. Aber lässt sich der faire Wert angesichts der geborgten Konjunktur überhaupt ermitteln? Zumal sie sogar gesagt haben, dass Sie Banken attraktiv finden.

Ja, das geht durchaus. Bei den Banken muss ich allerdings einschränken: Ich mag Banken mit einem einfachen Geschäftsmodell. Die komplexen durchschaue ich nicht, weder bei der Deutschen Bank noch bei JP Morgan. Aber ich verstehe eine Aareal Bank und in Grenzen auch eine UBS - die kann ich gut nachvollziehen. Abgesehen davon schauen wir bei allen Unternehmen auf das Basiswachstum, das dem Geschäftsmodell zugrunde liegt. Zum Beispiel im IT-Bereich. Da sehe ich, dass das sich die Datenvolumen seit etwa 30 Jahren pro Jahr ungefähr verdoppeln. In diesem Trend ist auch keine Abschwächung zu erkennen, nicht einmal konjunkturelle Dellen. Davon profitieren etwa Datenbankbetreiber, Telekomunternehmen, Hersteller von Switches und so weiter. Weil Telekommunikation und Internet Fundamentalbedürfnisse der Menschen sind, hat die Konjunktur darauf relativ wenig Einfluss. Ein weiteres Beispiel solch große Trends sind etwa die Transportvolumina. Die Waren, die um die Welt geschickt werden, nehmen abgesehen von vorübergehenden Rückgängen von Jahr zu Jahr zu. Bei den Lebensmitteln steigt die Geflügelfleischproduktion auf der Welt jedes Jahr um fünf Prozent. Wir geben jedes Jahr mehr für unsere Gesundheit aus. In all diesen Bereichen sehe ein Basiswachstum, das relativ konjunkturunabhängig ist. Das macht mich optimistisch.

10 Tipps für Börseneinsteiger
Bevor ein potentieller Anleger zum ersten Mal Aktien kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt und für welchen Anlegertyp er sich hält. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?
Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "no risk, no fun!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz "Greed is good" sollten Börsenneulinge nicht handeln.
Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wer sein Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchte, sollte nur in Produkte investieren, die er auch versteht. Wer nur auf die Renditeversprechen hört und Produkte kauft, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen er nicht begreift, fällt über kurz oder lang auf die Nase.
Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.
Anleger sollten ihr Geld - und damit auch ihr Risiko - zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.
Wer seinem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischt, sollte auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.
Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?
Bei der Überprüfung des Depots sollte man sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.
Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.
Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

Wo sehen Sie denn bei Banken und Finanzdienstleistern ein Basiswachstum?

Bei den Finanzdienstleistern haben wir zum Beispiel die Western Union im Portfolio. Die Bargeldtransfers von Migranten, etwa von Gastarbeitern, nehmen zu. Wenn die Einwanderungsbestimmungen strenger werden, gibt es mal eine Delle, aber das Bedürfnis, Bargeld z.B. aus den USA nach Mexico oder von Dubai nach Indien zu schicken, steigt von Jahr zu Jahr. Darauf kann ich mich ziemlich gut verlassen.

Versuchen Sie dennoch, den fairen Wert einer Bank zu ermitteln?

Nur wenn das Geschäftsmodell einfach ist. Dann kann ich das abschätzen. Wenn ich sehe, dass eine Bank zum halben Buchwert notiert, und ein wunderbar solides Geschäftsmodell hat, was soll ich denn dann verkehrt machen? Die Aareal Bank notiert etwa bei 60 Prozent vom Buchwert. Da bekomme ich für 60 Cent Investment 40 Cent dazu geschenkt. Das ist trivial einfach.

Platz zehn

Der Nominalwert einer Aktie des japanischen Mobilfunkanbieters NTT Docomo kostet derzeit 1.114,80 Euro. Damit erreicht der das Unternehmen laut einem Ranking von Börse Online den zehnten Platz unter den teuersten Aktien der Welt. Vor 13 Jahren, zu Zeiten der Technologieblase, betrug der Aktienkurs noch deutlich mehr, nämlich rund 8000 Euro.

Foto: AP

Platz neun

Die Namensaktie B des Schweizer Unternehmens Metall Zug kostet schon etwas mehr. Mit einem Kurs von 1.834 Euro pro Anteilsschein belegt das Papier Platz neun.

Foto: Screenshot

Platz acht

Mit einem aktuellen Kurs von 1.853 Euro ist die Aktie des Schweizer IT-Dienstleisters SGS noch ein wenig teurer als die der Firma Metall Zug. Im Ranking der teuersten Papiere ergibt das Platz acht.

Foto: AP

Platz sieben

Der siebte Platz geht an die japanische Netzwerkfirma NTT Data. Das Unternehmen gehört zur selben Gruppe, zu dem auch der Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo gehört. Eine Aktie kostet derzeit 2.456 Euro.

Foto: Screenshot

Platz sechs

Selbst der Berliner Zoo gibt Aktien aus, wenn auch insgesamt nur 4000 Stück. Einer der Anteilsscheine kostet Zoo-Fans 3.300 Euro. Zu Lebzeiten von Eisbär Knut schrammte der Kurs schon verdächtig nahe an der 5000-Euro-Marke vorbei.

Foto: dpa

Platz fünf

Die deutsche Firma Sachsenmilch hat ebenfalls nur sehr wenig Aktien ausgegeben. Eine der 10.000 Aktien kostet 3.849 Euro. Auch bei Sachsenmilch hat der Aktienkurs die 5000 Euro pro Papier schon einmal erreicht.

Foto: Screenshot

Platz vier

Mit einem Aktienkurs von rund 3.900 Euro landet der japanische Gasproduzent Inpex Corp. auf Platz vier. 

Foto: Screenshot

Platz drei

Mit einem Kaufpreis von 5.885 Euro pro Aktie landen die Anteilsscheine der dänischen Reederei AP Moeller Maerk Group auf dem Treppchen. Der Höchstkurs im Jahr 2007 lag bei fast 10.000 Euro.

Foto: Screenshot

Platz zwei

Deutlich teurer sind die Anteilsscheine der Schweizer Maitre chocolatier: Seit Oktober 2012 ist der Aktienkurs von Lindt & Sprüngli um 22 Prozent auf 34.138 Euro gestiegen.

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Platz eins

Die unangefochten teuerste Einzelaktie ist das A-Papier von Warren Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway. Eine einzelne Aktie kostet 121.257 Euro.

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Aber damit sich das im Kurs niederschlägt, braucht es ja mitunter einen langen Atem und Nerven für hohe Kursschwankungen, also hohe Volatilität.

Ich finde die heutigen Kursschwankungen eigentlich ganz normal. Darin liegt auch die Chance: Spannend ist eine Aktie vor allem dann, wenn sie vom Markt schon gestraft wurde, aber sich in ihren inneren Werten schon dreht. Ein aktuelles Beispiel ist Hewlett-Packard, die wir vor ein paar Monaten gekauft haben. Der Markt mag sie nicht wegen der vielen Probleme, die das Unternehmen hat. Aber die Geschäftszahlen weisen schon nach oben. In dieser Diskrepanz zwischen Marktwahrnehmung und inneren Daten liegt für uns die Freude am Spiel: etwas zu erkennen, was der Markt noch nicht so richtig verarbeitet hat.

Die Prognosen der Finanzprofis
„Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg.“ (25.01.2013)
„Zum ersten Mal seit vier Jahren, seit dem Tief im März 2009, liebe ich den Markt wieder. Denn je höher es geht, desto wahrscheinlicher ist, dass es zu einem schönen Crash kommt, einem gewaltigen Crash.“ (31.1.2013)
„Der Countdown beginnt, wenn die investierbaren Anlagen zu viel Risiko für zu wenig Rendite darstellen.“ (01.02.2012)
„Ich sehe nichts von einer Normalisierung. Die strukturellen Probleme sind nach wie vor da, sie sind nur kaschiert worden und hat sie für eine gewisse Zeit in einem Meer von neugeschöpfter Liquidität ertränkt.“ (21.02.2013)
„Amerika ist die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ (24.02.2012)
„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2103)
„Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge.“ (01.03.2012)
„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013)
„Die Party kann noch für eine Weile so weitergehen. Ich weiß nicht, wann sie enden wird, aber ich schätze, dass sie sehr schlimm enden wird.“ (5.3.2013)
„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ (18.03.2013)

Anleger sollten also einen Kursrutsch für Käufe nutzen, wenn etwa schlechte Nachrichten aus Zypern, Nordkorea oder vom US-Arbeitsmarkt die Börsenstimmung vermiesen?

Im Fußball würde man sagen, man braucht eine Gelegenheit, das Tor zu schießen. Wenn die Abwehrmauer immer steht, komme ich nicht durch. Beispielsweise haben wir Western Union in den vergangenen Jahren immer mal wieder gekauft und wieder verkauft. Gibt es wieder ein kleines Problem, sackt der Kurs um 25 Prozent ab. Dann gehen wir rein. Steigt der Kurs steigt wieder auf ein normales Niveau, gehen wir wieder raus und warten auf eine neue Gelegenheit. Das ist das Schöne, wenn ich die Firma gut kenne.

Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben.

Foto: gms

Senioren sind Top-Anleger

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren.

Foto: gms

Freud und Leid bei den Anlegern

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Foto: dpa

Festgeld und Tagesgeld besonders beliebt

Im laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Foto: gms

Frauen mögen Festgeld und meiden Aktien

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Foto: dpa

Potenzial für Immobilien und Gold

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Foto: CLARK/obs

Geringe Risikobereitschaft bei der Anlage

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Foto: gms

Männer etwas risikofreudiger als Frauen

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Foto: dpa

Heißt das für Privatanleger, dass sie ihr Portfolio sehr aktiv managen müssen? Kaufen und liegen lassen, geht nicht mehr?

Die Zeiten sind wahrscheinlich vorbei. Der Markt übertreibt immer nach oben oder unten. Es ist selten, dass eine Firma stabil auf ihrem Wachstumspfad bleibt, ohne dass es zu Kursübertreibungen kommt. Meist wird ein Titel nach zwei bis drei Jahren wegen seiner guten Entwicklung gehypt und damit zu teuer. Dann stoße ich sie ab. Das machen wir regelmäßig und es tut richtig weh, gute Titel wieder zu verkaufen. Aber nur dann habe ich die Chance, wieder in einen unterbewerteten Titel reinzukommen. Dafür muss ich allerdings meine Bewertungsbandbreiten kennen und aktiv rausgehen, wenn ein Wert diese Bandbreite nach oben verlässt - oder kaufen, wenn sie mir bei Unterbewertung eine Einstiegschance bietet.

Wo sehen Sie denn derzeit das größte Risiko einer Überbewertung?

Schwierig sind vor allem die heißgeliebten Konsumentenaktien vom Typ Nestlé. Seit zwei Jahren lieben alle die Nestlé-Aktie. Man kann auch kein böses Wort über sie verlieren, weil das Unternehmen vieles richtig macht. Aber jeder hat sie gekauft und die Aktie ist einfach teuer geworden. Mit dem Papier bekommt man zwar noch Renditen von sieben bis acht Prozent hin. Aber ich habe auch Aktien, bei denen ich 13 Prozent Rendite über lange Zeiträume bekomme, die klar überlegen sind. Ich habe einfach die Sorge, dass diese übergekauften Aktien irgendwann auch mal ihre Krisen erleben. Der ganze konsumnahe Bereich mit Lebensmitteln, Kosmetika, Luxusartikeln ist ziemlich heiß gelaufen.

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von Stefan Hajek

Wo sehen Sie denn die größten Chancen?

Technologie ist hochinteressant, der IT-Bereich, teilweise auch die Telekommunikationsbranche mit ihren Ausrüstern. Im Übrigen ist auch der Solarbereich ein absolut abgestrafter Sektor. Dort sind nicht die Panel-Hersteller, sondern die Ausrüster der Branche spannend. Die warten darauf, dass die nächsten Aufträge kommen. Bis dahin hungern sich die Unternehmen einfach durch. Das kann ein bis drei Jahre dauern, aber irgendwann kommen die Aufträge und mit ihnen der Ertrag auf ein Investment. Auch Energie- und Stromversorger sind billig. Wer will denn heute noch eine RWE haben? Die packt ja keiner an.

Der Euro wird überleben

Die europäische Währung, Dauerpatient auf der Intensivstation, wird bis 2013 nicht sterben - davon gehen jedenfalls die Analysten der Research-Abteilung von HSBC Trinkaus aus. Ihre Prognose begründen sie mit den Treuebekundungen der europäischen Politiker zum Euro und dem Versprechen der EZB unbegrenzt Staatsanleihen klammer Staaten zu kaufen, die einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsschirm gestellt haben. Die Märkte werden sich langfristig beruhigen, sofern die Euro-Länder ihre Hausaufgaben machen.

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Niedrige Zinsen, niedrige Inflation

Die Zinsen werden mittelfristig niedrig bleiben. Die Analysten der HSBC rechnen damit, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik auch noch 2013 fahren wird. Allerdings gehen sie auch von einer niedrigen Teuerungsrate aus. Paradox? Nein. Denn die Geldflut der EZB werde nicht über Kredite in die Realwirtschaft fließen und zwar wegen hoher Arbeitslosigkeit und Unterkapazitäten in der Euro-Zone. Ausnahme bleibe Deutschland: Hierzulande könnte die Inflation stärker anziehen - dank Lohnsteigerungen und robustem Arbeitsmarkt.

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Keine Immobilienblase

Eine Immobilienblase in Deutschland sehen die Experten nicht. Das heißt aber nicht, dass Immobilien nicht gefragt sein werden. Dafür sprechen niedrige Zinsen und damit niedrige Finanzierungskosten. Zudem sei der Arbeitsmarkt robust - und wer einen sicheren Job hat, der will auch ein eigenes Häuschen. Doch Immobilien könnten auch als Anlageklasse interessanter werden – dank niedriger Renditen bei festverzinslichen Papieren und volatiler Aktienmärkte.

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Dollar könnte unter die Räder kommen

Für eine Belastung des Dollar-Kurses sehen die Analysten der HSBC für 2013 drei Faktoren. Erstens: Die lockere Geldpolitik der US-Notenbank und wahrscheinlich werden weitere quantitative Maßnahmen folgen. Zweitens driften die USA auf die Schuldenobergrenze zu. Wenn diese nicht erhöht wird, wird die US-Regierung zahlungsunfähig, was die Wirtschaft belasten und automatisch Steuererhöhungen mit sich bringen wird. Als dritten Grund sehen sie eine mögliche Verlagerung der Aufmerksamkeit. Während derzeit alle Welt auf die Staatsfinanzen der Euro-Länder schauen, könnte sich in Zukunft die Diskussion auf die USA konzentrieren.

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Gold glänzt

Der Goldpreis wird weiter steigen. Weil Notenbanken Gold kaufen, die Realzinsen negativ sind und Währungen abgewertet werden, steigt die Beliebtheit des Edelmetalls weiter. Sorgen um eine wachsende Inflation verstärken diesen Trend noch. Die Geldflut dürfte außerdem ihren Weg zum Gold finden, das im Gegensatz zur Währung nicht beliebig vermehrt werden kann.

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Unternehmensanleihen sind interessant

Aufgrund ihrer Prognosen für das Jahr 2013 hat die HSBC auch bestimmte Anlagestrategien empfohlen. Die Investmentgrade-Unternehmensanleihen gehören dazu. Denn selten sei der Aufschlag im Verhältnis zur Rendite so hoch gewesen. Langfristig sei das Chance-Risiko-Verhältnis besonders attraktiv. Gegen ein kurzfristiges Investment in diese Anlageklasse spreche dagegen vor allem die geringe Liquidität. Bei Staatsanleihen von Ländern mit einem guten Rating sind die Renditen kleiner als die Inflation und deshalb unattraktiv.

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Spekulativ: Hoch-Zins-Anleihen

In Tagen der Niedrigzinspolitik ist bei Staatsanleihen wenig zu holen. Die Analysten der HSBC empfehlen deshalb spekulativen Investoren High-Yield-Anleihen - jedoch nur als Beimischung. Allerdings ist bei Unternehmens-Hochzins-Anleihen Vorsicht geboten: Die hohen Zinsen gibt es wegen der schlechten Kreditwürdigkeit der Unternehmen. HSBC empfiehlt deshalb, sich die Unternehmen genau anzuschauen und solche auszuwählen, die ein solides Geschäftsmodell und geringe Verschuldung.

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Aktien, Aktien, Aktien

Die Analysten der HSBC sehen für Aktien noch Aufwärtspotenzial. Sie seien die einzige Anlageklasse, die historisch günstig bewertet ist. Außerdem sind die Dividendenrenditen höher als die Anleiherendite derselben Unternehmen. Da die Analysten davon ausgehen, dass die Weltrezession ausbleibt, dürften die Unternehme ihre Dividende fleißig weiter zahlen. Die Zinsen werden in naher Zukunft niedrig bleiben, was Aktien besonders attraktiv macht. Neben dividendenstarken Titeln sollten Anleger auch Aktien aus den Emerging Markets in Betracht ziehen. Die Analysten glauben, dass sich China zur positiven Überraschung entpuppen könnte.

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Emerging Markets: Gute Aussichten, hohe Schwankungen

Während man bei gut bewerteten Ländern wie USA und Deutschland mit Staatsanleihen nicht einmal die Inflation ausgleichen kann, kann man mit Staatsanleihen der Schwellenländer durchaus solide Renditen erzielen. Diese gibt es natürlich auf Kosten der Sicherheit. Denn größter Risikofaktor ist die Volatilität. Insbesondere lokale Währungen der Schwellenländer können stark schwanken, schreiben die Analysten der HSBC in ihrer Studie.

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Richtig gewichten bleibt Gebot der Stunde

Hohe Renditen kann man nur mit risikobehafteten Investments erreichen. Deshalb sollten Anleger mit solchen Investments vorsichtig und sparsam umgehen, möglichst langfristig anlegen, breit streuen und nur in dem Umfang investieren, den man auch selbst managen kann. Denn gerade der private Anleger hat nicht die Zeit und die Möglichkeit sich täglich mit Umschichtungen im Depot zu befassen.

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Diese Anlagestrategien empfehlen die Finanzmarkt-Kenner
Die Pimco-Manager haben es nicht leicht. Einerseits arbeiten sie für den größten Anleihemanager der Welt, andererseits hält ihr Chef nichts mehr von US- und Euro-Land-Staatsanleihen, wie Pimco-Boss Bill Gross wiederholt betonte. Also legt auch Pimco möglichst schnell neue Aktienfonds auf und investiert in Rohstoffe, zu denen Pimco auch Öl und Gold zählt. Unter dem Strich packt Bosomworth die Hälfte des Anlegergeldes in Aktien. Schwellenländer hält er sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen für attraktiv. Als Länder nennt er Brasilien, Russland – dessen politische Stabilität ihm allerdings zunehmend Sorgen bereitet –, Indonesien, Südafrika. Die 15 Prozent Liquidität parkt er in kurzlaufenden Unternehmensanleihen. Einzelne Aktien empfiehlt Bosomworth nicht. Bei Anleihen bleibt Anlegern oft gar nichts anderes übrig, als Fonds zu kaufen: Viele attraktive Anleiheemissionen sind erst in Stückelungen zu 50.000 oder gar 100.000 Euro zu haben.
Mayer gibt als Volkswirt keine Anlageempfehlungen, lässt aber keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht: in die finanzielle Repression. Die Zentralbanken halten die Zinsen im Zusammenspiel mit den Regulierungsbehörden niedrig, sie „legen den Zins einfach flach, wie ein Surfbrett im Wasser“. Gleichzeitig weiten sie die Geldmenge gigantisch aus, sodass höhere Inflation kommen wird. Ihr entgehen können Anleger mit Gold und Aktien. Ein Anleger sollte Gold als Währung sehen, rät Mayer, verfällt dann aber doch in ein Plädoyer für die Aktie. Das Wachstum in den Emerging Markets rät er über globale Unternehmen, die dort besonders exponiert seien, zu kaufen. Wer sich nicht mit Einzeltiteln beschäftigen wolle, solle in Misch- und Aktienfonds investieren. Klar sollten Anleger sich über ihre Vorstellung von Risiko sein. Für Mayer ist „Risiko nicht Volatilität, also heftige Kursschwankungen, sondern Risiko ist Verlust. Volatilität dazwischen kann ich nehmen.“ Soll heißen: Aktien können schwanken, dürften aber auf Dauer sicherer sein als viele Anleihen. Goldene Regel: Je jünger ein Anleger ist, desto länger kann er Schwankungen aussitzen.
Die 20 Prozent Anleiheanteil des Depots hat Flossbach in sichere Unternehmensanleihen gepackt und in Staatsanleihen von Staaten außerhalb des Euro-Raums, zuletzt etwa in kanadischen, neuseeländischen und australischen Dollar sowie in Polen und Chile. Ganz bewusst geht er raus aus den Gelddruck-Währungen Dollar, Euro, Yen und Pfund Sterling. Von Immobilien rät er ab: Für Normalanleger sei die eigene Wohnung okay, darüber hinaus hätten aber nur Millionäre die Chance, vernünftig Risiken zu streuen: „Ein Mietnomade, und dann hat sich das tolle Apartment in München oder Hamburg nicht rentiert.“ Offene Immobilienfonds seien eindrucksvoll gescheitert und Immobilienaktien eben keine Immobilien, sondern Aktien: „Mit denen investieren Sie in Unternehmen, nicht in Immobilien.“ Skeptisch ist er auch bei Schwellenländeraktien. Bei denen stören ihn Korruption und der Einfluss der Regierungen auf Großunternehmen. „Wer die empfiehlt, macht sich selten die Mühe, die Firmen anzusehen.“
Von Anleihen hält Ehrhardt angesichts global weiter niedrig erwarteter Zinsen wenig. Der Fondsmanager würde Rentenfonds nur kaufen, um Geld zu parken; dazu allenfalls Fremdwährungsanleihen entwickelter Staaten wie jene des Rohstofflandes Kanada oder Papiere aus Singapur und dem ölreichen Norwegen. Bei höher verzinslichen Schwellenländeranleihen schreckt den Anlageprofi das Währungsrisiko. Unternehmensanleihen, die noch drei bis vier Prozent bringen, seien, wenn man kein hohes Ausfallrisiko auf sich nehme, schwer zu finden. Abseits seiner Liquiditätsreserve favorisiert Ehrhardt Aktien und Gold. Bei der Auswahl der Märkte schaut er zuerst auf die Entwicklung der Geldmengen – starke Geldschöpfung der Zentralbanken spricht dafür, dass Liquidität an die Börsen fließt und Aktienkurse steigen. Sein Geldmengenindikator spricht folglich primär für die USA sowie Deutschland, etwas weniger für Europa – und gegen China. Entsprechend ist Ehrhardt in einem seiner Fonds mit einer kleinen Position short auf China, wettet also auf fallende Indexstände, auch zur Absicherung preiswerter China-Aktien.
Roelli ist der typisch genaue Schweizer, der Wert darauf legt, dass seine Anlageverteilung ein „ausgewogenes Portfolio“ sei, also nichts für spekulative Investoren. 24 Prozent Bargeld ist viel, so viel hielt Pictet zuletzt im Dezember des Katastrophenjahrs 2008. Das Anleiheportfolio besteht aus soliden Unternehmensanleihen und einigen hochverzinslichen Junk-Bonds. Euro-Anlegern packt Pictet 30 Prozent des Vermögens in Fremdwährungen, „weil der Euro eher abwerten wird als aufwerten“. Anders als andere Teilnehmer der Runde vertraut er auf Hedgefonds, da gebe es einige sehr gute. Hinter „Alternativen Investments“ verbergen sich außerdem Rohstoffe und Immobilien. Bei Aktien sind die defensiven globalen Player stark vertreten, zehn Prozent nennt er „taktische Investments“, also Aktien, die nicht unbedingt über Jahre gehalten werden – zuletzt europäische Werte. Schwellenländeraktien mag er nicht, in China seien die letzten Gewinne enttäuschend ausgefallen. Das Schwellenländerthema spielt er lieber über europäische oder globale Aktien, etwa Swatch, die viel Umsatz in Asien machen. Neben Markenartiklern favorisiert er Technologiewerte, viele seien „so billig wie Anfang der Neunzigerjahre“.

Dafür gibt es gute Gründe, RWE hat ja auch dank Atomausstieg und Energiewende erhebliche Probleme.

Ja, aber die Frage ist, ob ich in zehn Jahren noch Steckdosen benutzen werde. Wahrscheinlich schon. Und wo kommt der Strom dann her? Nachts, wenn es windstill ist, müssen die Kraftwerke der großen Versorger die Grundlast abdecken. Ohne die Energieversorger kommen wir nicht aus. Und die Aktien sind billig - bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von sieben kann ich mich nicht beschweren. Chemie ist auch so ein Bereich. Firmen wie BASF, Dupont oder 3M sind tolle Titel, die im Moment ein bisschen unbeachtet sind, aber in ihren Bereichen echte Weltmarktführer. Ohne sie würde das heutige Leben überhaupt nicht funktionieren.

Chemie ist ja noch nachvollziehbar, aber Solar? In der Solarbranche sind immer noch enorme Subventionen im Spiel, nach ersten Pleiten ist der Markt noch in einer Phase der Bereinigung und die Verlierer stehen noch nicht fest.

Wir haben während der Jahre des Solarhypes nicht in die Branche investiert. Enden die Subventionen, ist die Branche tot, war unser Argument. Inzwischen sind wir aber in Bereichen, wo sich die Geschäftsmodelle rechnen. Selbst Warren Buffett ist im Solarbereich investiert. Ökonomisch ist Solar mittlerweile in Ländern mit viel Sonne wettbewerbsfähig. Auch wenn derzeit die Marktpreise für viele Solarpanels unter den Herstellungskosten liegen und vielen Anbietern der Ruin droht, wird der Markt nicht mehr verschwinden. Aber es braucht neue Anbieter mit neuen Fertigungsanlagen, die es ermöglichen, auf dem heutigen Preisniveau profitabel zu produzieren. Die derzeit genutzten Anlagen sind veraltet und nicht mehr wettbewerbsfähig. Deshalb setzen wir auf die Hersteller von modernen Produktionsanlagen, dort wird es den nächsten Schub geben. Da wird man sicher auch mal eine Aktie picken, die den Bach runter geht, und wir haben da schon kräftige Verluste erlitten. Aber wir glauben, dass die Firmen, die wir jetzt noch im Portfolio haben, durchhalten werden.

Also nur eine schmerzhafte Anpassungsphase in der Solarbranche und bei den Versorgern, bis die Gewinne wieder sprudeln?

Genau. Die großen Versorger müssten nur ihre Kapazitäten reduzieren und damit die Auslastung der Kraftwerke verbessern, um wieder Geld zu verdienen. Zwar sind sie dann weniger profitabel als früher, aber immer noch profitabel genug. Interessant ist auch, dass RWE ein Viertel der Kapazitäten in diesem Jahr erneuert hat. Die stellen neue, sehr effiziente Anlagen auf. Das ist eine erhebliche Modernisierungsleistung.

Unterm Strich setzen Sie also sehr stark auf Unternehmen, die in der Lage sind, sich zu modernisieren?

Das stimmt. Das gilt auch für Medizin und Pharma. Dort sind die Bewertungen noch okay, ebenso wie für Krankenversicherer und Biotech-Firmen. Im Moment steht die gesamte Pharmawelt noch unter dem Fluch von Gesundheitsreformen und auslaufenden Patenten. Aber einige Firmen haben tolle Produktpipelines. Das Thema Krankenversicherung wird auch nicht verschwinden, sondern vielleicht nur stärker reguliert.

Konzentrieren Sie sich bei Ihrer Auswahl denn auch auf bestimmte Regionen oder Staaten?

Europa und Nordamerika sind momentan unsere Lieblingsregionen. Ein bisschen machen wir in Japan, fast nichts in China und wenig in Korea. Ich glaube, Europa wird unterschätzt. Amerikaner trauen den Europäern nichts mehr zu. Aber die Firmen in Europa sind gut, nicht nur in Deutschland, sondern selbst in Spanien oder Griechenland. An der New Yorker U-Bahn-Erneuerung,einem Acht-Milliarden-Dollar-Projekt, hat die spanische ACS einen wesentlichen Auftragsanteil. Die griechische Folli Follie betreibt Luxusläden in China. Es gibt also an vielen Stellen sehr wettbewerbsfähige Firmen in Europa. Denken Sie an die Ericsson, die die LTE-Mobilfunk-Masten weltweit aufstellt. Da gibt es gar keinen amerikanischen Anbieter. In den USA investieren wir gern, weil Amerika die Heimat vieler Weltmarktführer ist. Wenn eine Marke global ist, ist sie meist amerikanisch. McDonald‘s zum Beispiel, oder Pizza Hut – von den Italienern erfunden, von den Amerikaner globalisiert. Von Asien halten wir uns hingegen eher fern - speziell von China, weil es dort so viele Bilanzbetrügereien gab und die Unternehmensführung weiterhin schlecht ist. In Japan bessert sich die Lage. Lange waren die japanischen Aktien zwar billig, aber die Unternehmen wenig profitabel. Doch es gibt immer mehr Firmen, deren Eigenkapitalrenditen oberhalb von zehn Prozent liegen. Zudem wird Japan durch den schwachen Yen sehr wettbewerbsfähig. In Japan würden wir gerne mehr machen.

Muss man denn in Japan nicht so wie in den USA und Europa befürchten, dass irgendwann die Notenbanken den Geldhahn zudrehen und dann auch die Kurse wieder purzeln?

Das Gelddrucken hat auf die von uns ausgesuchten Unternehmen eigentlich keinen großen Effekt. Die konnten sich schon immer billig refinanzieren.

Hat sich Ihre Prognose für den Aktienmarkt in den vergangenen Wochen geändert?

Alle vier Wochen ändert sich die Stimmung, aber ich bleibe bei meinem Bild. Ich halte es für wahrscheinlich, dass wir im Jahresverlauf über die 8.000 steigen werden. Einfach, weil wir die Krisen eine nach der anderen abhaken. 8.000 Punkte halte ich zudem für eine faire Bewertung. Das wäre ein absolut ausgeglichenes Niveau, auf dem ich mich wohlfühle. Von da aus können wir jedes Jahr ohne Aufregung sechs bis acht Prozent zulegen, das wäre ideal.

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