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Felix und Roman Zulauf"Erholungsfantasien sind eine Fata Morgana"

Der berühmte Vermögensmanager Felix Zulauf und sein Sohn Roman rechnen mit einer neuen, von Japan ausgehenden globalen Krise. Im Interview verraten sie, wie weit die Anleihekurse noch fallen, wie die Geldschwemme der Notenbanken wirkt, über die Rückkehr der Eurokrise und die richtige Anlagestrategie für heraufziehende Risiken.Frank Doll 03.07.2013 - 06:00 Uhr

Roman Zulauf (l) und Felix Zulauf (r): Von Felix Zulauf sagen Bewunderer, er könne von einem Tal über den Berg ins dahinter liegende Tal blicken. Großanleger auf der ganzen Welt vertrauen der Expertise des berühmten Schweizer Vermögensverwalters. Zusammen mit seinem Sohn Roman gründete er jüngst in Zug die Vicenda Asset Management. Deren Anlagestrategie wird sich an gesamtwirtschaftlichen Trends ausrichten.

Foto: Christian Grund für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Meine Herren, platzt gerade die globale Anleihenblase?

Felix Zulauf: Sie müssen das, was gerade passiert, in ein Großwetterszenario einordnen. Wir hatten 30 Jahre fallende Renditen und vor wenigen Jahren eine große Finanzkrise. Weltweit haben Notenbanken ihren Banken Geld nahezu gratis zur Verfügung gestellt. Die Banken haben damit unter anderem Anleihen gekauft. Sie haben dabei immer weniger auf die Kreditqualität geachtet, weil die Notenbanken ihnen ja gesagt haben: Ihr habt ein bescheidenes Risiko, weil wir da sind und das alles aufkaufen. EZB-Präsident Mario Draghi hat vor einem Jahr gesagt, dass er den Euro verteidigen werde, koste es was es wolle. Das war unverantwortlich, weil er die Banken damit geradezu ermutigt hat, weiter viele Schrottanleihen von bankrotten Staaten auf ihre Bücher zu nehmen. Seither sind die Staatsanleihebestände der europäischen Banken von 2500 auf 2900 Milliarden Euro gewachsen. Jetzt sind Banken, Schattenbanken und andere Anleger vollgestopft mit solchen Zinspapieren, und zwar in einem Umfang, wie noch nie zuvor in der Geschichte. Und in dieser Situation setzt sich plötzlich die Meinung durch, dass es der amerikanischen Wirtschaft besser geht, und die US-Notenbank sagt: Weil die Wirtschaftslage sich bessert, werden wir das Gelddrucken schrittweise zurückfahren. Es ist doch ganz klar, dass Anleihebesitzer dann verkaufen.

Wird die Fed das Gelddrucken denn tatsächlich zurückfahren? Oder haben die heftigen Reaktionen der Börsen Bernanke vorsichtiger gemacht?

Felix Zulauf: Bernanke hat den Ausstieg ja an Bedingungen geknüpft...

...eine Arbeitslosenquote unter 6,5 Prozent und eine erwartete Inflationsrate von 2,5 Prozent...

Felix Zulauf: Die erste Bedingung wird schlichtweg nicht erfüllt werden. Deshalb wird er immer sagen können: Wir sind noch nicht so weit und drucken weiter. Ich gehe davon aus, dass die strukturellen Rahmenfaktoren in den Industrieländern mit Blick auf Verschuldung, Demografie und Bankensysteme in der Zukunft kaum mehr Wirtschaftswachstum zulassen werden. Entsprechend gehe ich davon aus, dass die Notenbanken aus ihrer Rolle als Finanziers für Staatsanleihen nicht herauskommen. Wir werden weiter in großem Stil Defizitwirtschaft betreiben, um das System einigermaßen über Wasser zu halten. Weil diese Defizite vom Kapitalmarkt allein nicht mehr finanziert werden können, wird neues Geld gebraucht. Dieses Geld werden die Zentralbanken schöpfen müssen.

Obwohl die Zentralbanken kaufen, fallen aber die Anleihekurse, und die Renditen steigen.

Felix Zulauf: In den Banken und Schattenbanken mit großen Anleiheportfolios, die zudem hochgradig auf Kredit finanziert wurden, kommen jetzt die Risikomanager und sagen: Wir haben das 1994 schon einmal erlebt. Da ist auch der Zins raufgegangen und plötzlich wurde daraus der größte Bondmarkt-Crash der neueren Geschichte. Aus dieser Angst hat sich jetzt eine Eigendynamik entwickelt. Es ist also vorerst gar nicht entscheidend, ob sich die Konjunktur nun besser entwickelt oder nicht. Es geht darum, die Risiken in den Bilanzen des Banken- und Schattenbankensystems weltweit zu beschränken. Und wenn das Risiko runter muss, wird verkauft. Dann fallen die Kurse und der Zins geht nach oben. Das läuft gerade.

Marc Faber im Interview

Welt auf dem Weg in den finanziellen Untergang

Stehen die Aussagen Bernankes im Zusammenhang mit dem Ende seiner Amtszeit im Januar 2014?

Felix Zulauf: Er will natürlich nicht mit voll durchgetretenem Gaspedal aufhören, sondern einen Ausstiegsweg vorzeichnen, damit seine Legende nicht gefährdet ist. Ich glaube gar, er ist ehrlich davon überzeugt, dass sich die Konjunktur erholt. Er mag ein guter Geldtheoretiker sein, aber er ist kein guter Volkswirt. Das trifft heute leider für die meisten Zentralbanker zu. Die sind so verschroben in ihren Ansichten und verdorben durch den Monetarismus. Und sie werden von ihren eigenen Regierungen immerzu genötigt, die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

Die US-Regierung muss in den nächsten drei Jahren die Hälfte ihrer Schulden refinanzieren. Ist es vor diesem Hintergrund ein Zufall, dass US-Präsident Barack Obama ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem über ein Zurückfahren der Anleihekäufe durch die Fed spekuliert wird, die Nachfolge von Bernanke öffentlich diskutiert? Oder will Obama damit nur einen noch aggressiveren Gelddrucker als Bernanke installieren?

Felix Zulauf: Das glaube ich nicht. Bernanke wirkt tatsächlich amtsmüde. Aber seine dauernden und aus meiner Sicht richtigen Mahnungen an den Präsidenten und den Kongress, endlich den Finanzhaushalt ins Lot zu bringen, ärgern Obama. Entsprechend entlässt ihn Obama schon frühzeitig aus der Verantwortung.

Staatsanleihen

Schwellenländeranleihen gehören in jedes Depot

Inflationsgeschützte US-Staatsanleihen, kurz TIPS, sind noch stärker eingebrochen als normale Anleihen. Ist das nicht eher ein Indiz für steigende Deflationsgefahr und weniger für wirtschaftliche Erholung?

Felix Zulauf: So deute ich das auch. Aber das spielt im Moment nicht die Hauptrolle an den Bondmärkten. Dort gilt derzeit nur das Motto: Rette sich, wer kann. Es geht um Verlustbegrenzung. Die jüngsten Verluste waren ja kein Pappenstiel. In den vergangenen fünf bis sechs Wochen ist die Rendite einer zehnjährigen US-Staatsanleihe – und das ist noch einer der Bonds, der am wenigsten gelitten hat – um 100 Basispunkte angestiegen. Anleger haben binnen weniger als zwei Monaten mehr als drei Jahreskupons verloren. Das ist brutal. Immer, wenn es kracht, wenn die Märkte gegen sie laufen, dann müssen Anleger ihre Risiken reduzieren und Positionen runterfahren. In den Bondmärkten stecken gewaltige Summen und es gibt kaum noch Gegenparteien, die kaufen wollen oder können. Das können die Notenbanken zusammen gar nicht alles aufnehmen. Also drückt das die Rendite nach oben.

Wann endet der Renditeanstieg?

Felix Zulauf: Wenn die Konjunktur wirklich so gut laufen sollte in den USA, wie es die Finanzmärkte glauben, wenn die Lage in Europa sich stabilisiert und wenn es auch in Japan fantastisch aufwärts ginge, dann müsste der Zins solange steigen, bis er die Konjunktur wieder abwürgt. Vermutlich wird die Weltkonjunktur aber nicht annähernd so gut sein wie erwartet. Eher das Gegenteil wird eintreten. Der Renditeanstieg wird sich irgendwann erschöpfen, wahrscheinlich im Lauf des Sommers.

Auf welchem Renditeniveau?

Felix Zulauf: Genau weiß ich das nicht. Ich kann mir vorstellen, dass das bei zehnjährigen US-Treasuries so bei etwa drei Prozent sein wird. Viel schlimmer trifft es jetzt jene Länder, deren Finanzierung stark vom Ausland abhängig ist, also vor allem Schwellenländer mit hohen strukturellen Leistungsbilanzdefiziten.

China

Chinas Wirtschaft wuchs im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent, das war weniger als im Vorquartal und blieb auch unter der Analystenprognose von acht Prozent. "Die allseits erhoffte Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität in China blieb trotz großzügiger Kreditvergabepolitik aus", sagten Experten. Nun mehren sich die Sorgen, dass die asiatische Konjunkturlokomotive an Schwung verliere, erklärten die Analysten der National-Bank die Reaktion an den Finanzmärkten.

Das schwächere Wirtschaftswachstum Chinas hat bereits die Anleger an den Finanzmärkten vergrault, Verschärfungen im Immobiliensektor und eine höhere Inflation führten zu einem Kursrückgang chinesischer Aktien. Moody's senkte den Ausblick für die Chinas Kreditwürdigkeit von positiv auf stabil, woraufhin sich Kupfer und Öl deutlich verbilligten, da Investoren eine schwächere Nachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fürchteten.

Foto: Reuters

Brasilien

Brasilien war 2012 ein beliebtes Investitionsziel: Anleger brachten insgesamt 65,3 Milliarden Dollar in das lateinamerikanische Land. Trotzdem nahm das Wachstum über das gesamte Jahr 2012 um 0,9 Prozent ab. Nur im letzten Quartal stieg das Wachstum um -1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den ersten beiden Monaten 2013 gingen daraufhin die Zuflüsse von neun Milliarden Dollar im selben Zeitraum des Vorjahres auf 7,5 Milliarden Dollar zurück.

Auch die Kurse brasilianischer Aktien gingen wegen des schwächeren Real, der höheren Arbeitslosigkeit, der Inflation und des relativ geringeren BIP-Wachstums auf Talfahrt.

Foto: dpa

Indien

Die Reserve Bank of India (RBI) hat ihre Wachstumsprognose für 2013 von 5,8 Prozent auf 5,5 Prozent gesenkt. Behalten die Experten Recht, wäre das die niedrigste Wachstumsrate seit 2003. Schon 2012 hatte das Bruttoinlandsprodukt unter der schwächelnden Landwirtschaft und der Schwäche im Dienstleistungssektor zu leiden. Das BIP-Wachstum Indiens ging von 5,3 Prozent im dritten auf 4,5 Prozent im vierten Quartal zurück. Hoffnung ruht jetzt auf dem Vorhaben der Zentralbank, die Richtlinien für Banklizenzen an private und öffentliche Gesellschaften zu vereinfachen. Dadurch könnten weitere Banken gegründet werden.

Foto: AP

Südafrika

2012 ist die südafrikanische Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, nach 3,5 Prozent im Jahr 2011. Die Kapitalzuflüsse ausländischer Investoren (foreign direct investments) nahmen im Jahr 2012 sogar um 24 Prozent ab. Mit Kapitalzuflüssen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar war das das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 2010. Grund für das rückläufige Wachstum und die daraus resultierende Investorenflucht sollen hohe Treibstoffpreise, Inflation, eine Abwertung des Rand sowie eine schwächere Auslandsnachfrage nach südafrikanischen Exporten sein. Dementsprechend senkte die südafrikanische Regierung auch für 2013 die Prognose: Statt 3,0 Prozent soll das BIP nur um 2,7 Prozent wachsen.

Foto: dpa

Türkei

In der Türkei schwächelt die Binnennachfrage. Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2012 betrug nur noch 2,2 Prozent - das ist der niedrigste Wert seit 2009. In den Jahren 2010 und 2011 erzielte die Türkei noch Wachstumsraten von neun Prozent.

Foto: AP

Russland

Auch in Russland fiel das Wirtschaftswachstum auf den niedrigsten Stand seit 2009 zurück: 2012 erreichte das BIP-Wachstum nur 3,4 Prozent. 2011 waren es noch 4,3 Prozent Wachstum gewesen. Analysten hoffen auf die rund 30 Wirtschaftsabkommen, die die russische Regierung mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping geschlossen hat. Energielieferungen und Militärtechnologie könnten die Wirtschaft beider Länder ankurbeln.

Foto: AP

Südkorea

Insgesamt ist das südkoreanische BIP im Jahr 2012 um zwei Prozent gewachsen - das ist das schlechteste Ergebnis seit 2009. Schuld an der vergleichsweise mauen Entwicklung sind die schwachen Exportzahlen, der unerwartet schwache globale Aufschwung und geringere Investitionen. Auch 2013 soll es nicht viel besser werden: Das Finanzministerium senkte seine Wachstumsprognose von 3,0 auf 2,3 Prozent.

Foto: AP

Osteuropa

Aber nicht nur in Asien, Lateinamerika und Afrika geht dem Wachstum die Puste aus: Die europäischen Märkte gehörten zu den schwächsten überhaupt, weil die Sorge um Zypern die Anleger einen Bogen um die Region machen ließ. Besonders schlecht schnitten die Tschechische Republik und Polen ab, die das letzte Quartal 2012 mit einem zweistelligen Rückgang beendeten.

Foto: dpa

Warum?

Felix Zulauf: Wenn die Gelder, die ins Land geflossen sind, um das Defizit zu finanzieren, wieder rausfließen, dann wird die Währung schwächer. In einer ersten Phase wollen die Länder ihre Währung stützen, weil sie alle noch Inflation haben. Denn wenn die Währung noch schwächer wird, werden Importe teurer, die Inflation geht noch weiter nach oben und hat man noch größere soziale Konflikte. Also stützen sie...

...indem sie die Zinsen anheben.

Felix Zulauf: Dann bekommen sie aber eine schwächere Konjunktur. Mit der Zeit können sie die Zinsen nicht mehr oben halten und die Währung fällt weiter. Solche Länder kommen in eine furchtbare Situation. Diese Volkswirtschaften gehen alle in die Rezession.

Welche Schwellenländer sind besonders gefährdet?

Roman Zulauf: Besonders gefährdet sind Länder wie die Türkei, Brasilien oder Polen. Die haben in den vergangenen Jahren viel Kapital aus dem Ausland angezogen. Ihre Währungen haben aufgewertet. Die Notenbanken mussten dort dagegenhalten. Sie haben versucht, die Zinsen zu drücken, um die Anlage in ihren Ländern und die Währungen weniger attraktiv zu machen. Damit hat sich ein binnenwirtschaftlicher, aber fremdfinanzierter Boom entwickelt. Dieser Boom geht nun zu Ende, weil der Film jetzt plötzlich rückwärts läuft. Die Gelder fließen ab, entsprechend gehen die Zinsen hoch. Im Ergebnis platzt der Kreditboom, und das drückt die Konjunktur.

Wurde der Boom nicht maßgeblich befeuert durch die Geldpolitik in den USA?

Roman Zulauf: Ja, sie war der Ausgangspunkt der Entwicklung. Weil die klassischen festverzinslichen Anlagen in Ländern mit Leitungsbilanzüberschüssen wie Deutschland fast keine Rendite mehr gebracht haben, ging weltweit eine Jagd nach immer attraktiveren Renditen los. Die Anleger wurden dabei immer mutiger und risikofreudiger.

Geldschwemme der Notenbank

Japan druckt sich in die Pleite

Europäische Zentralbank (EZB)

"Das vorrangige Ziel ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten", heißt es in Artikel 105 des Maastricht-Vertrags. Zwar soll die EZB auch für Stabilität an den Märkten sorgen und die Wirtschaftspolitik der EU unterstützen. Das allerdings nur, wenn dadurch das Ziel der Preisstabilität nicht beeinträchtigt wird. Diese klare Abgrenzung hat anfangs funktioniert. Seit der Euro-Krise jedoch ist die Geldpolitik Teil der EU-Wirtschaftspolitik. Die EZB begründet ihre Eingriffe mit ihrem Mandat der Marktstabilität und behauptet, dass hierdurch die Geldwertstabilität nicht gefährdet sei.

Foto: dapd

Europäische Zentralbank (EZB)

Auch wenn EZB-Chef Mario Draghi früher bei Goldman Sachs arbeitete, besitzen private Banken bei der Zentralbank keine direkte Mitsprache. Das EZB-Kapital von 5,76 Milliarden Euro liegt bei den 27 Notenbanken der EU, die sich – bis auf ein paar Anteile der österreichischen Nationalbank – in öffentlichem Besitz befinden. Die Euro-Finanzminister wählen die Mitglieder des sechsköpfigen Direktoriums per Mehrheitsentscheid, die Regierungschefs bestätigen die Wahl. Auch das EU-Parlament darf mitreden. Vergangene Woche lehnten die Abgeordneten die Nominierung des angesehenen Luxemburger Nationalbankpräsidenten Yves Mersch für einen Sitz im EZB-Direktorium ab. Einziger Grund: sein Geschlecht. Sharon Bowles, Vorsitzende des Währungsausschusses: "Wir sind dagegen, dass die mächtigste Institution der EU ausschließlich von Männern geleitet wird."

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Bank of England (BoE)

Die "Old Lady" von der Londoner Threadneedle Street ist die älteste Notenbank der Welt. Doch erst 1997 wurde sie nach dem Vorbild der Deutschen Bundesbank in eine – relative – politische Unabhängigkeit entlassen. Der Einfluss der Politik ist geblieben: Der britische Schatzkanzler gibt der Notenbank ein konkretes Inflationsziel von 2,0 Prozent vor. Wird dieses Ziel verfehlt, muss der Notenbankchef dies gegenüber der Regierung rechtfertigen.

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Bank of England (BoE)

Am meisten leidet die Unabhängigkeit der BoE aber dadurch, dass sie mit Aufgaben zugeschüttet wird. Die BoE muss sich nicht nur um eine stabile Währung, sondern auch um die Konjunktur und Stabilität des Finanzsektors kümmern, im nächsten Jahr kommt die Bankenaufsicht hinzu. Zudem ist die persönliche Unabhängigkeit mancher Mitglieder im Zentralbankrat fraglich: Ben Broadbent etwa arbeitete vor seiner Zeit bei der BoE jahrelang für Goldman Sachs. Zuvor war schon sein Kollege David Robert Walton, Chefökonom von Goldman Sachs in Europa, Mitglied im Zentralbankrat geworden. Bis Ende August 2012 saß dort zudem mit Adam Posen ein Geldpolitiker, der enge Verbindungen zu Starinvestor George Soros pflegt.

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Federal Reserve System (Fed)

Die amerikanische Fed – ein Hort politischer Unabhängigkeit? Mitnichten. Die unter einem Dach zusammengeschlossenen zwölf regionalen US-Zentralbanken gehören 3000 privaten Instituten, darunter Großbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley. Die Geldhäuser können direkt bei der Geldpolitik mitmischen, denn sie bestimmen die Direktoren der regionalen Fed-Ableger. Die Direktoren sind an der Wahl der regionalen Fed-Präsidenten beteiligt – und von diesen wiederum sitzen einige im Offenmarktausschuss, dem wichtigsten Gremium der Notenbank, das über die Geldpolitik der USA entscheidet. Der amerikanische Kongress hat der Zentralbank drei Ziele gesetzt, die nicht unbedingt miteinander harmonieren: Die Fed soll die Preise stabil halten, so viele Arbeitsplätze wie möglich garantieren und die Zinsen möglichst niedrig halten.

Foto: REUTERS

Federal Reserve System (Fed)

Die Regierung darf den Währungshütern zwar nicht ins Tagesgeschäft hineinreden, aber Zentralbankpräsident Ben Bernanke muss dem Parlament regelmäßig Rede und Antwort stehen. Sollte es anhaltende Konflikte zwischen Fed und Politik geben, kann der Kongress die Unabhängigkeit der Fed beschneiden. Jüngste Debatten ließen darauf schließen, "dass es breite Unterstützung für Restriktionen geben könnte, wenn der Kongress mit der Fed-Politik nicht zufrieden ist", warnt der renommierte US-Ökonom Martin Feldstein. Die Notenbank stehe vor einem Dilemma: "Strafft sie die Geldpolitik, um die Inflation einzudämmen, riskiert sie Gegenmaßnahmen des Kongresses, die ihr die künftige Inflationsbekämpfung erschweren."

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Bank of Japan (BoJ)

Auf dem Papier ist die BoJ unabhängig, aber der politische Druck steigt. Mittlerweile ist es zur Regel geworden, dass ranghohe japanische Politiker offen drohen, das Notenbankgesetz zu ändern, falls die BoJ ihre Geldpolitik nicht noch stärker lockert. Was die Ankäufe von Fremdwährungen betrifft, um den Auftrieb des Yen abzumildern, handelt die Notenbank bereits im Auftrag der Regierung.

Foto: REUTERS

Bank of Japan (BoJ)

Doch auch über die Mitglieder im Lenkungsrat der Bank versucht die Regierung eine expansive Geldpolitik durchzusetzen. Im Sommer setzte das Finanzministerium durch, dass die beiden Ex-Banker Takahiro Sato und Takahide Kiuchi gegen den Widerstand von Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa in das Spitzengremium berufen wurden. Die beiden sind Anhänger einer sehr lockeren Geldpolitik und dürften nun dafür sorgen, dass die Notenbank noch viel mehr Wertpapiere aufkauft. Der amtierende Notenbankchef hat zwar zu verstehen gegeben, er glaube nicht, dass die Geldpolitik noch etwas für die Wirtschaft tun könne. Trotzdem kauft er fleißig weiter ein, weil die Regierung es so will: Der Wert der von der Notenbank erworbenen japanischen Staatsanleihen im Fiskaljahr 2012 entspricht fast genau dem staatlichen Haushaltsdefizit.

Foto: dapd

Wie lange wird die Kapitalflucht aus den Emerging Markets anhalten?

Roman Zulauf: Der Prozess dauert solange an, bis die Zahlungsbilanzdefizite zu Überschüssen werden. Die Binnennachfrage muss so schwach werden, dass die Exporte die Importe überschreiten. Erst dann stabilisiert sich auch die Währung wieder. Das aktuellste Beispiel für den Prozess, den wir gerade sehen, war die Währungskrise in Ungarn zwischen 2008 und 2011. Weitere Beispiele waren 1998 die Krisen in Asien und Russland. Das Drehbuch ist überall immer dasselbe.

Unter Druck stehen nicht nur Schwellenländer. Die Stadt Detroit zum Beispiel steht vor der Pleite. Ist das der Anfang einer Pleiteserie bei Hochzinsanleihen?

Felix Zulauf: Es ist natürlich so, dass die schwächsten Glieder im System, also die ganz außen an der Peripherie, zuerst getroffen werden. Dort wird es Bankrotte geben, das ist völlig normal. Die Ausfallquote bei Hochzinsanleihen wird steigen. Wenn die Zinsen so in die Höhe schießen wie jetzt beispielsweise in Brasilien oder der Türkei, dann werden bei dem einen oder anderen Unternehmen die Lichter ausgehen. Es waren ja primär die privaten Unternehmen, die dort in den letzten Jahren große Schulden angehäuft haben. Was jetzt passiert, wird die Weltkonjunktur scharf einbremsen.

Die Volatilität, die Schwankungsintensität an den Märkten, ist stark gestiegen. Fürchten Sie, dass da auch der eine oder andere größere Hedgefonds unter die Räder kommt?

Roman Zulauf: Obwohl man es nicht ausschließen kann, wäre ich überrascht, wenn es bei diesen Turbulenzen einen großen Hedgefonds zerreiben würde. Seit 2008 hat die Hedgefonds-Branche ihr Risikomanagement stark professionalisiert. Mit einem allzu großen Kredithebel wird heute nicht mehr gearbeitet. So schnell wie früher wird nicht mehr aus der Hüfte geschossen. Es sind heute eher private und institutionelle Anleger, die ein größeres Risiko fahren. Oder denken sie an den berühmten internationalen Investmentfonds aus den USA, der zehn bis 15 Prozent des irischen Bondmarktes hält.

Yen-Verfall: Wie tief sinkt Japans Währung noch?
Für die Aktienmärkte ist der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar ein Gradmesser für die Abwertung der Landeswährung. 2012 fiel der Yen 15 Prozent gegenüber zehn großen Weltwährungen - so viel wie seit 1979 nicht mehr. Dies ergibt sich aus einem Bloomberg-Index.
Die Notierung erfolgt in Yen pro Dollar, etwa: 85 Yen. Wenn dieser Wert steigt, etwa auf 90 Yen, steigt der Wert der US-Währung, und es sinkt der Wert der japanischen Währung.
Die neue japanische Regierung will die Konjunktur ankurbeln. Dafür nutzt sie alle Hebel. Einer davon ist auch die Schwächung der Währung. 2012 fiel der Yen um 11 Prozent gegenüber dem Dollar - so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr.
Die japanische Regierung hat ein enormes Konjunkturpaket im Volumen von 20,2 Billionen Yen (173 Milliarden Euro) abgesegnet. Damit sollen unter anderem große öffentliche Bauprojekte im Nordosten des Landes finanziert werden. Rund 600.000 Arbeitsplätze verspricht sich Regierungschef Shinzo Abe davon.
Ministerpräsidenten Shinzo Abe drängt die Notenbank, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und so die Fiskalpolitik zu flankieren. Die Zeitung Nikkei zitierte Abe mit den Worten, Japan habe wegen des starken Yen seine Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Er wolle, dass die Notenbank sich auch für ein Maximum an Beschäftigung in Japan verantwortlich fühle.
Das Bruttoinlandsprodukt in Japan ist auf Jahresbasis im dritten Quartal um 3,5 Prozent geschrumpft. Ökonomen erwarten, dass es im vierten Quartal 2012 um 0,6 Prozent zurückgegangen ist.
Für das erste Quartal 2013 erwarten Ökonomen wieder ein Wachstum von 1,6 Prozent in Japan.
Die Konjunkturschwäche geht mit einem Wertverfall der Währung einher. Anfang 2013 liegt der Dollar gegenüber mit fast 90 Yen auf dem höchsten Niveau seit Juni 2010, also seit mehr als zweieinhalb Jahren. Gegenüber dem Euro markiert der Yen die niedrigsten Kurse seit Mai 2011, also seit mehr als anderthalb Jahren.
Die Banken rechnen mit einer weiteren Abschwächung des Yen. Damit liegen sie auf einer Linie mit der Regierung, die genau dies fördern will durch ihre Fiskalpolitik.
Morgan Stanley erklärte in einer Analyse, der Dollar könne gegenüber der japanischen Währung noch auf 100 Yen steigen in diesem Jahr. Societe Generale nennt ein Kursziel von 97 Yen bis Jahresende. Bisher ging die Bank von 87 Yen aus. Citibank glaubt, dass der Dollar bis Ende März auf 90 Yen steigt. Zuvor war die Bank von 87 Yen ausgegangen.
Die Exportwirtschaft verweist darauf, dass die japanische Währung noch immer 13 Prozent über seinem Zehnjahres-Durchschnitt liegt. Dieser liegt gegenüber dem Dollar bei 101 Yen. Die Industrie in Japan wünscht sich einen Dollarkurs zwischen 90 and 100 Yen. Das sagt, Hiroshi Tomono, Präsident von Nippon Steel & Sumitomo Metal Corp.
Die fortgesetzte Yen-Abwertung gegenüber den großen Währungen der Welt hilft vor allem den japanischen Exporteuren. Deren Aktien profitieren daher regelmäßig besonders stark, wenn der Yen an Wert verliert.
Das Börsenbarometer Nikkei-Index marschiert im Januar von Rekord zu Rekord. Inzwischen liegen die Aktienkurse auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren.

Sie meinen Franklin Templeton.

Roman Zulauf: Das ist kein Hedgefonds, das ist ein Anlagefonds. Diese Fonds haben andere Schwierigkeiten zu bewältigen als Hedgefonds, die mit konsequentem Risikomanagement versuchen, solchen Klumpenrisiken aus dem Weg zu gehen. Mit Blick auf die Volatilität sind wir ja noch auf vergleichsweise bescheidenem Niveau. Die tiefe Volatilität, die wir noch vor einigen Wochen hatten, war ja eigentlich das beunruhigende Zeichen. Je tiefer die Volatilität ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich irgendetwas passiert. Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 hatten wir auch eine extrem niedrige Volatilität.

Liegen die größeren Risiken also nicht im Schattenbankensystem, sondern bei den Banken?

Felix Zulauf: So sehe ich das. Das Risikomanagement der Hedgefonds ist wesentlich besser als das der Banken. Allein im europäischen Bankensystem schätze ich den Abschreibungsbedarf auf über eine Billion Euro. Die haben ihre Hausaufgaben immer noch nicht gemacht. All die Rettungsschirme, die da sind, sind dafür viel zu klein. Da kommt möglicherweise bald eine neue Krise auf uns zu.

Und in Japan?

Roman Zulauf: Die Banken dort halten 900 Prozent ihres haftenden Eigenkapitals in heimischen Staatsanleihen. Da muss man die Risikosysteme geradezu manipulieren, um sich mit solchen Beständen überhaupt noch wohlfühlen zu können.

Von Felix Zulauf sagen Bewunderer, er könne von einem Tal über den Berg ins dahinter liegende Tal blicken. Großanleger auf der ganzen Welt vertrauen der Expertise des berühmten Schweizer Vermögensverwalters. Zusammen mit seinem Sohn Roman gründete er jüngst in Zug die Vicenda Asset Management. Deren Anlagestrategie wird sich an gesamtwirtschaftlichen Trends ausrichten.

Foto: Christian Grund für WirtschaftsWoche

Japan ist nicht Asien!

Als Inselreich gehört Japan selbst geografisch nicht hundertprozentig zu Asien. Und kulturell auch nur eingeschränkt. Wer Japan kennt, kann also nicht sagen, dass er Asien kennt. Das liegt vor allem daran, dass sich Japan zwischen dem frühen 17. Jahrhundert und 1854 fast völlig von Asien und dem Rest der Welt abkapselte. Nur über die kleine niederländische Handelsstation Dejima (Bild) im Hafen von Nagasaki wurden Waren und Informationen ausgetauscht. Aber Japan blieb dadurch auch verschont von westlichem Kolonialismus. Nach der Meiji-Restauration 1868 modernisierte sich Japan in atemberaubender Geschwindigkeit und wurde selbst zu einer in Asien expandierenden Großmacht.

Foto: Gemeinfrei

Japaner und Chinesen haben nicht dieselbe Schrift

Die japanische Schrift ist eine einzigartige Mischung. Eigennamen werden zum Großteil mit chinesischen Schriftzeichen – Kanji – geschrieben. Die Japaner nutzen etwa 2000 dieser Zeichen.  Einige Wörter und vor allem Endungen und Partikel werden in der Lautschrift Hiragana geschrieben. Für die immer zahlreicher werdenden Fremdwörter nutzen Japaner eine eigene Silbenschrift: Katakana.

Foto: Fotolia

Japaner sprechen nicht von „Samurai“

Der Begriff wird eher im Westen verwendet. Japaner sprechen meist von „Bushi“, wenn sie die Krieger des alten Japans meinen. Der Ehrenkodex der Krieger hieß daher „Bushidô“, also „Weg des Kriegers“. Mit einem gewissen Rapper der Gegenwart hat das überhaupt nichts zu tun.

Foto: Fotolia

Geishas sind keine Prostituierten

Japans Kurtisanen sind bewandert in allen schönen Künsten, oft mehrerer Sprachen mächtig und vor allem redegewandt. Sie lachen, scherzen, tanzen, musizieren und bewegen sich äußerst gekonnt, lassen dezent Haut blitzen oder auch nicht und verwöhnen den Gast mit erlesenen Gerichten und Alkoholika. Sie sind ein Stück japanische Tradition aber keinesfalls Prostituierte - das waren sie auch früher nicht.

Foto: dpa

In Japan gibt es ausgezeichnetes Bier

Das traditionelle japanische alkoholische Nationalgetränk ist "Sake". Ein milder Reiswein, der im Winter heiß, im Sommer kalt genossen wird. Seit der Öffnung des Landes im 19. Jahrhundert und dank der Unterrichtung durch deutsche Braumeister hat sich aber immer mehr das Bier als eigentliches Nationalgetränk im Alltag durchgesetzt. Vor allem zu Sushi passt Bier am besten.

Foto: AP

Anime und Manga sind kein Kinderkram

Animationsfilme und japanische Comics haben sich längst auch bei erwachsenen Japanern durchgesetzt. Viele sind thematisch auch ganz und gar nicht für Kinder gedacht. Sie sind der größte Kultur-Export-Schlager Japans, nicht zuletzt in Deutschland. Die Wurzeln des Manga sind in der alten japanischen Holzschnittkunst zu suchen, den ukio-e.

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Japaner lächeln nicht immer

Es stimmt schon, Japan ist ein Land des Lächelns. In Geschäften, in Restaurants wird man als Kunde wohltuend freundlich behandelt, selbst bei unfreundlichen Anlässen. Aber wer mehr als ein paar Touristentage in Japan verbringt, wird schnell auch japanische Härte und sogar Unfreundlichkeit erleben. Japanische Zollbeamte zum Beispiel kennen kein Lächeln. Einen lächelnden Sumo-Ringer wird man auch nur selten finden – zumindest nicht beim Kampf.

Foto: REUTERS

Japan ist nicht in jeder Hinsicht ein Hightech-Land

Technik überall, so stellt es sich der durchschnittliche Europäer vor, wenn die Rede auf Japan kommt. In manchen Bereichen allerdings ist Japan geradezu absurd untertechnifiziert. Japanische Waschmaschinen sind meist rumpelnde Plastik-Kästen, die viel Krach machen, aber wenig waschen. Auch Zentralheizungen sind eher selten.

Foto: REUTERS

Japanisches Essen kann auch eklig sein

Neben Mangas ist die japanische Küche wohl der größte Kultur-Export-Erfolg Japans. Sushi und Sashimi schmecken den meisten Europäern. Allerdings essen Japaner manchmal auch Dinge, bei denen sich Europäern der Magen umdreht. Natto zum Beispiel. Das sind vergorene Sojabohnen, die nicht nur scheußlich schmecken, sondern auch so aussehen.

Foto: Creative Commons-Lizenz

Japan ist kein atomenergiefreundliches Land mehr

Bis zur Katastrophe von Fukushima war Japan nicht von Furcht, sondern von Zuversicht in die zivile Nutzung der Atomenergie geprägt. Mittlerweile hat sich die Stimmung gedreht. Obwohl Japan kaum eigene fossile Energiequellen hat, beschloss die scheidende Regierung von Premier Yoshihiko Noda im September 2012, bis 2030 aus der Kernenergie auszusteigen. 

Foto: dpa

Japaner sind nicht alle uniformiert

Die meisten japanischen Schulen haben Uniformen. Angestellte tragen meist dunkle Anzüge. Dennoch ist das Straßenbild japanischer Städte keineswegs grau. Sobald sie die Schule oder Arbeit hinter sich haben, sind die meisten Japaner, vor allem die jungen, ausgesprochen modebewusst. Sehr beliebt sind auch blond gefärbte und auffällig toupierte Haare. Die Subkultur des „Cosplay“, also Kostüme nach dem Vorbild von Mangas, ist längst nach Europa übergeschwappt.

Foto: REUTERS

Auch die Notenbanken sitzen jetzt mit ihren Anleihebeständen auf Verlusten.

Felix Zulauf: Rein von der Rechnungslegung her ist das kein Problem für eine Zentralbank. Die Fed hat ja nie gesagt, dass sie Anleihen verkaufen will, sondern nur, dass sie vielleicht etwas weniger kauft. In der Bilanz werden die Anleihen zu Einstandspreisen oder zu 100 Prozent geführt, weil sie bis zur Fälligkeit gehalten werden.

Trotzdem könnte der scharfe Renditeanstieg als Kontrollverlust der Notenbanken gewertet werden, besonders in Japan.

Felix Zulauf: Das wird erst ein Thema, wenn das Vertrauen in eine Währung abnimmt, weil die Währung nach unten weg bricht.

Welcher großen Reservewährung könnte das zuerst passieren?

Felix Zulauf: Der Dollar wird tendenziell die festeste Währung werden. Große Probleme bekommt – und da erhalten wir jetzt Anschauungsunterricht – der japanische Yen. Das Budgetdefizit in Japan liegt bei zehn Prozent und die Staatsverschuldung bei etwa 240 Prozent der Wirtschaftsleistung. Etwa 40 Prozent der Steuereinnahmen gehen drauf für den Zinsdienst. Wenn die Zinsen sich verdoppeln, wären es 80 Prozent der Einnahmen.

Das wäre faktisch der Staatsbankrott.

Felix Zulauf: Genau. Wenn in einer solchen Lage eine Notenbank weiter Geld druckt, dann geht die Währung in eine Abwärtsspirale. Dann ist das Vertrauen in die Währung von einem Tag auf den anderen weg und die Notenbank verliert die Kontrolle, sowohl über den heimischen Bondmarkt als auch über die heimische Währung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Japan in den nächsten zwei bis drei Jahren in diese Situation gerät und die Kontrolle über seine Währung und die Finanzmärkte verliert, ist sehr hoch, deutlich über 50 Prozent. Dann gibt es einen Yen-Crash.

Platz 57: Bulgarien

Bulgarien wird zurecht als das Armenhaus Europas bezeichnet. Unter 60 Ländern, die die Schweizer Wirtschaftshochschule IMD (International Institute for Management Development) nach ihren wirtschaftlichen Stärken und Schwächen miteinander verglichen hat, landet Bulgarien auf Platz 57 (Platz 54 im Jahr 2012). Damit ist Bulgarien das wirtschaftlich schwächste Land der Europäischen Union. Noch schlechter stehen nur noch Kroatien (Platz 58), das am 1. Juli der EU beitreten wird, Argentinien (Platz 59) und Venezuela (Platz 60) da.

Wirklich gut schneidet Bulgarien nur beim Preisniveau ab, da belegt es im internationalen Vergleich Platz vier. In Disziplinen wie Beschäftigungsrate, Arbeitsmarkt, Bildung, Infrastruktur, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Gesundheit und Investments schafft es das osteuropäische Land nicht einmal unter die Top 30.

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Platz 55: Rumänien

Im gleichen Atemzug mit Bulgarien wird stets Rumänien genannt. Das Land liegt im internationalen Vergleich auf Rang 55, im Vorjahr schaffte es Rumänien noch auf Platz 53 von 60 im World Competitiveness Ranking. Von 21,35 Millionen Einwohnern haben 10,15 Millionen einen Job, die Arbeitslosenquote beträgt 6,8 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Rumäniens liegt bei 169,4 Milliarden Euro - im internationalen Vergleich macht das Platz 48 von 60. Beim BIP pro Kopf schafft es das Land mit 16.062 Euro auf Rang 46.

Wirklich glänzen kann auch Rumänien nur beim Preisniveau, da landet es auf Platz neun von 60. Die zweitbeste Wertung bekommt das osteuropäische Land für seine Beschäftigungsquote: Hier liegt es im internationalen Vergleich auf Rang 33. Fragt man Unternehmen, was sie am meisten am Wirtschaftsstandort Rumänien schätzen, nennen 78,7 Prozent die offene und freundliche Art der Menschen. Eine kompetente Regierung lobten dagegen nur 11,5 Prozent und ein wirksames Rechtssystem attestierte dem Land niemand. Dafür lobten immerhin 52,5 Prozent der Befragten die Dynamik der Wirtschaft.

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Platz 54: Griechenland

Auch Griechenland gehört weiterhin zu den Sorgenkindern Europas, konnte sich aber binnen eines Jahres von Rang 58 auf 54 verbessern. Griechenland muss auch 2013 weiterhin daran arbeiten, seinen aufgeblasenen Verwaltungsapparat zu verkleinern und den Finanzsektor wieder auf die Beine zu bringen. Auch in puncto Korruptionsbekämpfung und Steuersystem hat das Land noch einiges an Arbeit vor sich.

Dementsprechend rangiert Griechenland, gerade was die Gesamtsituation der heimischen Wirtschaft angeht, auf Platz 60 von 60 Staaten. Auch beim BIP-Wachstum und der Kreditwürdigkeit gibt es nur Platz 60. Allerdings hat sich in Griechenland seit dem letzten Ranking auch einiges verbessert: So konnte das Land sein Image, die Anpassungsfähigkeit der Regierungspolitik und die Staatfinanzen verbessern sowie die Bürokratie verringern. Unternehmen schätzen an Griechenland besonders die gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie das allgemein hohe Bildungsniveau.

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Platz 46: Portugal

Binnen eines Jahres ging es für Portugal im IMD-Ranking von Platz 41 runter auf 46. Jetzt soll die rezessionsgeplagte Wirtschaft mit Steueranreizen aufgepäppelt werden. Bei Firmeninvestitionen von bis zu fünf Millionen Euro seien Steuererleichterungen von 20 Prozent möglich, sagte Finanzminister Vitor Gaspar. Die Investitionen in Portugal sind zwar binnen eines Jahres von 10,20 Milliarden Dollar auf 13,79 Milliarden gestiegen, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft dennoch weiter. 2012 betrug der Rückgang noch 1,6 Prozent, 2013 soll das Minis hingegen ganze 3,2 Prozent betragen.

Dafür steht Portugal sowohl bei der technischen als auch der wissenschaftlichen Infrastruktur recht gut da. 71,9 Prozent der ausländischen Unternehmer sehen in der portugiesischen Infrastruktur den attraktivsten Grund, in das Land zu investieren. Weltspitze ist Portugal bei dem Verhältnis Schüler pro Lehrer und den Einwanderungsgesetzen. Auch bei den Ingenieuren belegt Portugal im Ranking Platz vier. Nur Arbeit gibt es für die Fachkräfte kaum, am wenigsten für junge Menschen (Platz 59 bei Jugendarbeitslosigkeit). Auch die Forschung und Förderung von Wissenschaft und Technik, Fortbildungen, Erwachsenenbildung, Börsengänge und der Export gehören zu Portugals Schwächen.

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Platz 45: Spanien

Spanien ist binnen eines Jahres von Platz 39 auf 45 abgestiegen. Im Jahr 2007 stand das Land noch auf Platz 26 der stärksten Volkswirtschaften. Ein deutsche Hilfsprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro soll die angeschlagene spanische Wirtschaft wieder auf die Beine bringen. Derzeit kämpft Spanien besonders mit seiner hohen Arbeitslosenquote (Platz 60 von 60), den Staatsfinanzen (Platz 59) und seinen Verwaltungsverfahren (Platz 56). Auch bei der Langzeitarbeitslosigkeit, Kapitalkosten, Sprachkenntnissen, dem Bankensektor und der Förderung von jungen Unternehmen steht Spanien mehr als schlecht da.

Allerdings ist auch auf der iberischen Halbinsel nicht alles schlecht. So ist beispielsweise der Warenexport Spaniens binnen eines Jahres um 1,7 Prozentpunkte gestiegen. Insgesamt schafft es Spanien in neun Wirtschaftsdisziplinen unter die weltweiten Top Ten: Bei den Zinssätzen belegt Spanien unter 60 Ländern Platz drei, bei der Wechselkursstabilität und den Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen jeweils Platz sechs, beim Export von Dienstleistungen Platz acht. Sowohl bei den Direktinvestments in die Aktien heimischer Unternehmen als auch der durchschnittlichen Lebenserwartung und grünen Technologien schafft es Spanien auf Platz neun und bei der Bilanzsumme des Bankensektors sowie der Arbeitsproduktivität Platz zehn.

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Platz 28: Frankreich

Frankreich dagegen, das ebenfalls wirtschaftlich zu kämpfen hat, konnte sich um einen Platz verbessern. Von Rang 29 ging es hoch auf 28. Trotzdem muss Frankreich seinen Arbeitsmarkt reformieren, wenn es die Erwerbsquote steigern möchte. Weitere Probleme der Grande Nation sind der stetig zunehmende Brain Drain, also das Abwandern von Fachkräften, das stagnierende Wirtschaftswachstum, die geringe Zahl der Beschäftigten, Arbeitsbedingungen und Wochenarbeitsstunden sowie die Haltung gegenüber der Globalisierung.

Zu Frankreichs wirtschaftlichen Stärken gehören dagegen die Vertriebsinfrastruktur (Platz eins von 60), die Energieinfrastruktur und die Gesundheitsausgaben (jeweils Platz zwei) sowie die Direktinvestments in Aktien heimischer Unternehmen, der Export von Dienstleistungen, Investments in ausländische Aktien, die Gesundheitsinfrastruktur und die Zahl der Breitbandnutzer (jeweils Platz vier von 60). Insgesamt schaffte es Frankreich in 40 Kategorien 20 mal unter die Top Ten der Welt.

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Platz 17: Irland

Irland, dass sonst gerne in einem Atemzug mit Italien und Spanien genannt wird, überholt sogar Frankreich, was die wirtschaftliche Stärke angeht. Binnen eines Jahres konnte sich die grüne Insel im IMD World Competitiveness-Ranking um drei Plätze verbessern. Das liegt besonders an den gestiegenen Investments, dem herrschenden Zinssatz, dem Wirtschaftswachstum und der Wechselkursstabilität. Auch bei grünen Technologien hat sich Irland laut der Studie seit 2012 verbessert. Zu den besonderen Stärken des rund 4,6 Millionen Einwohner großen Landes gehören Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen sowie deren Haltung gegenüber der Globalisierung, die Telefontarife, Belohnungen und Anreize für Investoren, dementsprechend auch die Anzahl an ausländischen Investoren und die Vergabe öffentlicher Aufträge (jeweils Platz eins von 60.) Schlecht steht es allerdings auch in Irland um die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, sowie das BIP pro Kopf bestellt.

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Platz neun: Deutschland

Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland auf Platz neun behauptet, unter den europäischen Staaten ist Deutschland die viertstärkste Volkswirtschaft in puncto Wettbewerbsfähigkeit. Die schlechteste Wertung erhält Deutschland bei der Höhe der Sozialversicherungsbeiträge für Arbeitnehmer. Hier gab es Platz 57 von 60. Zweitgrößtes Manko ist der Ausbau von Breitbandinternet (Platz 55 von 60).

Deutschland konnte sich allerdings auch in einigen Punkten verbessern: So sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die Investitionen sind gestiegen, der Zinssatz ist gestiegen und die Lebenshaltungskosten sind um 4,72 Prozentpunkte gesunken.

In den Kategorien Ausbildung/Lehre, kleine und mittelständische Unternehmen, Weiterbildung von Mitarbeitern und Produktivität der Arbeitskräfte belegte Deutschland den ersten Platz unter 60 Ländern.

Besondere Herausforderungen im Jahr 2013 für Deutschland seien die ausufernden Energiekosten und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien, die Stabilisierung der Eurozone und ihres Bankensektors, das Staatsdefizit zu verringern, der Fachkräftemangel und das Wachstumspotential zu erhöhen.

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Platz vier: Schweden

Schweden zeigt sich äußerst robust im weltweiten Vergleich. Im Jahr 2007 belegte das skandinavische Land noch Rang 19 in der IMD-Studie, im Jahr 2012 war es Platz fünf. Unter den europäischen Staaten belegt Schweden Platz zwei.

Besonders verbessert hat sich das Land bei der Inflationsrate (von 3,0 auf 0,9 Prozent), den Steuern auf Unternehmensgewinne, der Anzahl hochqualifizierter Ingenieure, dem Altersdurchschnitt der Gesellschaft, dem Transfer von Wissen, der Unterstützung von Wissenschaft und Forschung sowie der Energieinfrastruktur und den Kapitalkosten. Unternehmen, die in Schweden tätig sind, schwören auf die politische Stabilität und Vorhersagbarkeit (68,5 Prozent), das Rechtssystem (55,6 Prozent), sowie die dortigen Fachkräfte (50 Prozent).

Besondere Stärken Schwedens sind die Einkommensverteilung, die Schutzzollpolitik, die Zollbehörden, Entlassungskosten, die Anpassungsfähigkeit und Produktivität von Unternehmen, Unternehmensanleihen, Großunternehmen und deren Finanz-Now-How, sowie der Umweltschutz, Verfahrensvorschriften und die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit (jeweils Platz eins von 60). Den schlechtesten Platz belegt das Land beim gesamten Steueraufkommen. In dieser Kategorie gibt es Platz 59 von 60.

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Platz zwei: Schweiz

Die Schweiz ist nach den USA die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt. Die rund acht Millionen Einwohner des Alpenstaates erwirtschafteten im vergangenen Jahr ein Bruttoinlandsprodukt von 632,4 Milliarden Dollar, pro Kopf betrug das BIP 51.220 Dollar. Die Schweiz hat die weltweit niedrigste Inflationsrate, die sich von 2012 bis 2013 sogar noch verringert hat. Trotzdem erhält die teure Schweiz was die Lebenshaltungskosten angeht, im internationalen Vergleich Platz 56 von 60.

Besonders punkten kann das Land sowohl im IMD-Ranking als auch bei Unternehmen mit sehr gut ausgebildeten Fachkräften, hohen wissenschaftlichen Standards und geringen Kapitalkosten. Unternehmen aus aller Welt schätzen die politische Stabilität in der Schweiz genauso wie gutausgebildeten Fach- und Führungskräfte, die die herrschenden Steuersätze und die verlässliche Infrastruktur. Von 40 Kategorien, in denen Regierung, Unternehmen, Infrastruktur und Wirtschaftsleistung vor den Wissenschaftlern des IMD bestehen mussten, belegt die Schweiz elf mal Platz eins und 16 mal Platz zwei.

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Von welchem Wechselkursniveau an geht der Yen in den Sturzflug über?

Felix Zulauf: Ich hatte im Herbst 2012 den Yen zum Verkauf empfohlen, bei unter 80 Yen pro Dollar und mit der Erwartung, dass er binnen zwei Jahren zum Dollar bei 120 Yen steht. Wenn wir nächstes Jahr diese Marke erreichen und durchbrechen, dann ist das wohl der Punkt, an dem die Bank of Japan die Hoheit über ihre Währung und die Finanzmärkte verliert. Anschließend kann es schnell auf 200 Yen pro Dollar gehen. Fluchtartig werden Gelder das Land verlassen. Wenn das passiert, muss die Notenbank den Kapitalabfluss stoppen.

Wie?

Felix Zulauf: Das wird nur mit Kapitalverkehrskontrollen möglich sein. Dann beginnt eine neue Epoche. Wie die dann aussehen wird, wissen wir heute nicht.

In China wächst die Furcht vor einer Krise im Bankensektor. Nachdem mehrfach im Finanzsystem die Liquidität knapp geworden ist, leihen sich die Institute nur noch ungern gegenseitig Geld. Die Interbankenrate, der Zinssatz für Geldgeschäfte zwischen Banken, ist von unter vier Prozent auf über fünf Prozent hochgeschossen.

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Immer wieder geraten einzelne Institute in Verruf, dass sie von anderen Banken kein Geld mehr geliehen bekommen. So musste ein mittelgroßes Institut, die Everbright-Bank, sich gegen das Gerücht wehren, ihr gehe das Geld aus. Die Kurse der chinesischen Banktitel purzelten in den Keller. Obendrein hat Chinas Zentralbank in ihrer ersten Stellungnahme seit Ausbruch der Wirren die Hoffnung auf Hilfe zerschlagen.

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Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)

Unter Chinas Großbanken stand die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) 2012 mit einer Bilanzsumme von umgerechnet 2,1 Billionen Euro an erster Stelle der Geldinstitute.

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Die Stimmung in China ist angespannt: Ein nur kurzer Ausfall der Geldautomaten der ICBC von einer Stunde versetzte viele Kunden fast in Panik.

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China Construction Bank (CCB)

Die China Construction Bank (CCB) kam auf eine Bilanzsumme von 1,7 Billionen Euro und ist damit das zweitgrößte Institut Chinas.

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Laut Finanzexperten stiegen die Zinsen auf das Niveau, das an den eingefrorenen Interbankenmarkt vor der Lehman-Pleite 2008 erinnert. Die chinesische Zentralbank will nicht einspringen. Sie ist offenbar entschlossen, die Banken zu zwingen, ihre Schuldenlast selbst zu reduzieren.

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Zum Vergleich: Die Deutsche Bank wies für 2012 eine Bilanzsumme von rund zwei Billionen Euro aus.

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Bank of China (BOC)

Die Bank of China (BOC) erreichte 2012 eine Bilanzsumme von umgerechnet 1,6 Billionen Euro und rangierte damit an dritter Stelle.

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Die Bank of China wies Gerüchte zurück, sie sei nicht mehr zahlungsfähig. Nach den Turbulenzen am Interbankenmarkt unterstrich die große Staatsbank, dass sie nicht in Verzug geraten sei und alle Verpflichtungen zeitgemäß erfüllt habe.

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Agricultural Bank of China (ABC)

Die Agricultural Bank of China (ABC) kam 2012 auf eine Bilanzsumme von gut 1,5 Billionen Euro.

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Auch große Institutionen wie die ABC haben plötzlich Schwierigkeiten, Abnehmer für ihre Anleihen zu finden. Wegen der schlechten Qualität vieler Schuldner hat die Ratingagentur Fitch bereits innerchinesische Staatsanleihen herabgestuft.

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Welche Adressen trennen sich gerade von japanischen Staatsanleihen?

Roman Zulauf: Bisher waren das primär japanische Banken, aber auch ausländischen Banken und Investoren. Aber die größten Eigentümer sind japanische Pensionskassen und Sozialversicherungen.

Allein der Government Pension Investment Fund, der größte Pensionsfonds der Welt, hält Bestände von umgerechnet 700 Milliarden Dollar.

Roman Zulauf: Genau. Und die haben bisher nicht mal mit Verkäufen angefangen. Wenn die beginnen sollten, zehn Prozent ihres Portfolios zu veräußern, um aus dem Yen in eine andere Währung zu gehen, dann erreichen wir die nächste Dimension in dieser Yen-Krise.

Kann die Bank of Japan überhaupt so schnell Geld drucken, um diese Anleihebestände aufzufangen?

Felix Zulauf: Sie kann das schon, aber dann geht der Yen in die Binsen. Und wenn der Yen einbricht, dann kommen mit etwas Zeitverzug die anderen asiatischen Währungen unter Druck. Das war schon immer so. Ein sehr viel tieferer Yen wird die Preisgestaltung der Exportprodukte anderer asiatischer Volkswirtschaften über den Haufen werfen.

Also exportiert Japan über den schwachen Yen sinkende Preise und sinkende Wachstumsraten in die Region?

Roman Zulauf: Das ist so. Aber nicht nur nach Asien. Japan exportiert Deflation in die ganze Welt. Wenn man sich die Korrelation der japanischen Exportprodukte anschaut, dann ist die größte Korrelation gegeben mit Deutschland, die zweitgrößte mit Südkorea und die drittgrößte mit Taiwan.

Das Portemonnaie ist schwerer geworden

Die Anzahl hat sich nicht verändert, wie zu D-Mark-Zeiten gibt es acht verschiedene Münzen. Doch die Euromünzen sind zum Teil deutlich größer und schwerer als ihre Vorgänger. So ist die 1-Deutsche-Mark-Münze 1,75 Millimeter dick gewesen und wog 5,50 Gramm. Die Ein-Euro-Münze hingegen ist 2,33 Millimeter dick und wiegt 7,50 Gramm.

Auch die 2-DM-Münze war (1,79 Millimeter dick und 7,00 Gramm schwer) deutlich handlicher als die 2-Euro-Münze (2,20 Millimeter dick und 8,50 Gramm schwer).

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Lieb gewonnene Sprichwörter sind nicht mehr gültig

„Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert.“ Mit diesem Sprichwort bin ich aufgewachsen, der Satz gehörte zum Standardrepertoire meiner Großmutter. Mindestens ein Mal pro Woche hörte ich diese Weisheit. Als „Pfennigfuchser“ würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen. Eher als Zungenakrobat: „Bismarck biss Mark, bis Mark Bismarck biss“, geht mir problemlos über die Lippen. Und nun? Kennen Sie ein Sprichwort zum Euro – oder gar einen Zungenbrecher? Nein? Ich auch nicht.

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Die Zahl der Geldsammler hat sich erhöht

Der Euro hat mehr Menschen zum Sammeln von Geldmünzen bewegt. Zugegen: Es ist ein subjektives Gefühl, basierend auf Erfahrungen im Familien- und Bekanntenkreis – aber auch aus Zeitschriften- und Schreibwarenladen, in denen seit der Euro-Einführung plötzlich Sammelbücher für Münzen ausliegen. Mit fatalen Folgen.

Vor jedem Urlaub ertönt die obligatorische Frage: Bringst du mir Euro-Münzen mit? Mein Tipp: Sollten Sie insbesondere nach Rom oder Finnland reisen, erwähnen Sie es im Vorfeld nicht.

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Unser Vermögen wurde halbiert

Mit der Währungsumstellung hat sich der Kontostand quasi halbiert. Wer 1998 noch 50.000 Deutsche Mark sein Eigen nennen durfte, sah auf seinem Kontoauszug wenige Monate später nur noch den Wert 25.000 Euro. So viel Geld verlieren Sparer nicht mal in Zeiten der Hyperinflation.

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Den politischen Talkshows gehen die Themen aus

„Brauchen wir den Euro wirklich? Thilo Sarrazin gegen Peer Steinbrück“, ist der Titel der Jauch-Sendung am Sonntag, 20. Mai. Drei Tage später fragt ARD-Kollegin Anne Will: „Spar-Angie gegen Spendier-François - das letzte Euro-Gefecht?“. Und am Donnerstag diskutiert Maybritt Illner mit ihren Gästen im ZDF die Frage „Alle pfeifen auf die Schulden – Wer hört noch auf die Kanzlerin?“. Einheitsbrei statt Themenvielfalt: Der Euro langweilt uns.

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Die Deutschen zahlen noch mit der Mark

Die Deutsche Mark gibt es noch. In den Vitrinen und Portemonnaies der Deutschen, auch wenn sie zehn Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds längst kein offizielles Zahlungsmittel mehr ist. Genug D-Mark- Scheine und -Münzen sind nämlich noch in Umlauf. Ende 2011 waren es nach Angaben der Bundesbank über 13 Milliarden Mark. Zumindest ein Teil davon landet in den knapp 500 Filialen der Modekette C&A. Dort nimmt man immer noch Scheine und Münzen entgegen. „Jeden Monat kaufen Kunden bei uns für rund 150 000 D-Mark ein. Mitunter kommen sie mit Säckchen voller Pfennige“, sagt Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes dem Tagesspiegel. Einen besseren Beweis gibt es nicht: Wir wollen und brauchen den Euro nicht.

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Keiner hat uns mehr lieb

Zugegeben, so richtig beliebt waren wir Deutschen in Europa viele Jahre nicht. Doch spätestens mit der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat sich unser Image deutlich verbessert. „Unser Stereotyp von den Deutschen war das von vorschriftengläubigen und humorlosen Bürokraten, die stur und rechthaberisch auf ihre knallharten Vorschriften pochen”, schrieb Jim White im Londoner Telegraph. „Was Zehntausende von Besuchern von überall her auf der Welt jedoch feststellen, war, wie überholt dieses Image ist. Denn was wir erlebten, war eine Nation, der nichts wichtiger war als eine gute Zeit“. Doch die Euro-Krise hat zu einem Aufflackern der alten Ressentiments geführt. Zumindest in Südeuropa hat uns Deutschen kaum noch jemand mehr lieb.

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Regionalwährungen boomen

Deutschland könnte dank Euro zu einem monetären Flickenteppich werden: Mit dem Chiemgauer zahlt man in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein, mit der Bürgerblüte in Kassel und mit dem Roland in Bremen. Zugegeben, dass die Regionalwährungen den Euro irgendwann ersetzen, ist unwahrscheinlicher als die Einführung der Drachme in Deutschland. Doch die Parallelwährungen zeigen: Den Euro hat in zwischen Bremen und Rosenheim keiner so wirklich gerne.

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Stillstand in Berlin

Für die Bundesregierung hat die Euro-Krise – zu Recht – oberste Priorität. Die Staats- und Regierungschefs und ihre Fachminister sind fast täglich in Kontakt, die Bundeskanzlerin gefällt sich in ihrer Rolle als Euro-Retterin. Die tägliche Arbeit in Deutschland vergisst die Regierung, viele Baustellen der schwarz-gelben Regierung bleiben unbearbeitet. Der Euro sorgt für Reformstau in Deutschland.

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Der Euro sieht aus wie Spielgeld

Schauen Sie sich den Fünf-Euro-Schein mal an! Er sieht aus wie das Spielgeld bei Monopoly. Und fühlt sich genauso an.

Hier finden Sie 10 Gründe für den Euro.

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Noch halten diese Länder still.

Roman Zulauf: Aber die Währungen Koreas und Taiwans sind bereits unter Druck, weil sich ihre Außenbilanzen deutlich verschlechtern.

Sind das Parallelen zur Asienkrise 1998?

Roman Zulauf: Absolut. Das erste Land, das unter Druck kam, war Indonesien, so gesehen das schwächste Land in Asien. Jetzt, mit der Yen-Abwertung, kommen aber auch Länder unter Druck, die bisher starke Zahlungsbilanzen hatten, etwa Thailand, Malaysia und auch Singapur.

Was die Franzosen mit Deutschland verbinden

Die Deutsche Botschaft in Paris hat im vergangenen Jahr das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Fest steht: Es ist eine lange Geschichte der Anerkennung, aber auch der Anfeindung. Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Franzosen uns Deutsche identifizieren.

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Auch dieses Jahr landeten, abgeschlagen auf den hinteren Plätzen, Begriffe wie „Hitler“ und „Krieg“. Das Verhältnis zum ehemaligen großen Feind östlich des Rheins hat sich laufend verbessert. Gerade die jüngeren Generation von Franzosen denkt mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte eher an den Fall der Mauer, als an Deutschlands Rolle unmittelbar vor und während des Zweiten Weltkrieges.

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Die Franzosen reden bei Deutschland von "Respekt" (33 Prozent); die Deutschen eher von "Sympathie" (65 Prozent). Die Frage, ob Deutschland ein Verbündeter oder gar ein Freund ist, haben die Franzosen in der Vergangenheit auch mal giftig beantwortet. Der französische Schriftsteller Francois Mauriac sagte einst: "Ich liebe so sehr Deutschland, dass ich mich freue, dass es gleich zwei davon gibt". Er meinte die Bundesrepublik und die DDR.

Nun wählen die Franzosen den Begriff "Partnerschaft", um ihre Beziehung zu Deutschland zu beschreiben. Daran soll sich auch künftig nichts ändern - laut der Umfrage der Deutschen Botschaft in Paris schätzen 45 Prozent der Befragten Deutschland als privilegierten Partner. Anders sehen das die Deutschen: 72 Prozent wollen Frankreich als ein Land wie jeden anderen Partnerstaat sehen.

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Die Würstchen oder das Sauerkraut nannten zwölf Prozent der Befragten als was typisch Deutsches. Man muss davon ausgehen, dass die deftige Küche als Beispiel deutscher Kochkünste herhalten muss.

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Das deutsche Auto genießt bei den Franzosen ein hohes Ansehen. 18 Prozent der Befragten gaben das an erster Stelle an - genauso viele, die "Strenge" nannten.

Gerade in Wirtschaftsangelegenheiten dient Deutschland aus französischer Sicht als Vorbild: 63 Prozent der Befragten gaben an, dass sich Frankreich stärker am deutschen Modell ausrichten sollte. Entsprechend hoch ist auch der Wille, dass die künftige Kooperation mit deutschen Unternehmen verstärkt werden sollte - 38 Prozent der Franzosen vertraten diese Meinung.

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Die deutschen Rheinnachbarn werden auch stark mit ihrem Bier assoziiert: 23 Prozent der Befragten nannte als erst das deutsche Getränk par excellence.

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Gefragt nach einem spontanen Gedanken zu Deutschland, wurde der Nachname der deutschen Bundeskanzlerin bei der Umfrage der Deutschen Botschaft am meisten genannt. 29 Prozent der Befragten gaben "Merkel" an.

Nicht nur für die Franzosen verkörpert die Bundeskanzlerin die Werte Fleiß, Disziplin und Rechtschaffenheit. Dass Merkel in Paris einen hohen Stellenwert genießt, zeigte sich schon im Sommer 2011. Eine breite Mehrheit der Franzosen hatte in einer Umfrage der französischen Zeitung "Le Parisien" erklärt, sie trauen der Deutschen eher als dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu, die Schuldenkrise zu lösen. Mit dem sozialistischen Präsidenten Francoise Hollande dürfte die Zahl nicht kleiner geworden sein.

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Der Instrumentenkasten der EZB
Wieder einmal blicken alle in der Euro-Schuldenkrise gebannt nach Frankfurt: die Europäische Zentralbank (EZB) soll es im schlimmsten Fall richten, mit ihrem Waffenarsenal intervenieren und so die Märkte beruhigen.
Zwar streiten sich Fachleute und auch die Notenbanker darüber, wie effektiv, nachhaltig und sinnvoll weitere Eingriffe der Geldpolitik sein könnten. Fest steht aber: die EZB verfügt als einzige Institution über einen gut gefüllten und theoretisch sofort verfügbaren Instrumentenkasten, um angeschlagenen Banken unter die Arme zu greifen, Institute im Falle eines Bank-Runs mit neuem Geld zu schützen und durch ihre Finanz-Feuerkraft wenigsten für eine begrenzte Zeit wieder für Ruhe an den Börsen zu sorgen.
Vor dem Wahlsonntag in Athen verdichten sich die Hinweise, dass die großen Notenbanken der Welt gemeinsame Sache machen und die Märkte mit Geld fluten könnten. Eine solche konzertierte Aktion der Zentralbanken gab es schon einmal - Anfang Oktober 2008, kurz nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers, als weltweit die Finanzströme zu versiegen drohten. In der aktuellen Krise rund um die Überschuldung Griechenlands und anderer südeuropäischer Länder hat bislang nur die britische Notenbank angekündigt, dass sie gemeinsam mit dem Finanzminister in London ihren Bankensektor zum Schutz vor aus Griechenland überschwappenden Problemen mit 100 Milliarden Pfund fluten will. Am Freitag sorgte die Aussicht auf eine gemeinsame Intervention der Zentralbanken zunächst für bessere Stimmung an den Märkten.
Aktuell steht der Leitzins der EZB bei einem Prozent. Die Notenbank kann natürlich jederzeit an dieser in normalen Zeiten wichtigsten Stellschraube drehen. Es wäre ein historischer Schritt: Noch nie seit Bestehen der Währungsunion lag der Schlüsselzins für die Versorgung des Finanzsystems mit frischer Liquidität niedriger. Allerdings nimmt der Spielraum der EZB mit jeder weiteren Leitzinssenkung ab - schließlich rückt damit die Nulllinie unausweichlich immer näher. Fachleute erwarten, dass die Zentralbank mit weiteren Zinssenkungen so lange wartet wie nur möglich, um für den Fall echter Verwerfungen an den Finanzmärkten, wie sie etwa bei einem Austritt der Griechen aus der Euro-Zone drohen würden, noch Munition zu haben.
Um den Geldmarkt wiederzubeleben und die Banken zu ermuntern mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben, könnte die EZB den sogenannten Einlagezinssatz auf null Prozent kappen. Dieser Zins liegt aktuell bei 0,25 Prozent. Das bedeutet, dass Banken, die keiner anderen Bank mehr trauen, immerhin noch Geld dafür bekommen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Bei einem Einlagezinssatz von einem Prozent entfiele der Anreiz dies zu tun. Doch ob die Banken der EZB den Gefallen tun oder das Geld dann lieber horten, ist fraglich. Aktuell parken sie jedenfalls knapp 800 Milliarden Euro in Frankfurt.
Im Dezember und im Februar ist es der EZB gelungen, mit zwei jeweils drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäften die Gemüter der Banker wenigstens für eine Zeit lang zu beruhigen. Damals sicherten sich die Geldhäuser insgesamt rund eine Billion Euro bei der Zentralbank zum Billigtarif von nur einem Prozent. Einige Experten glauben, dass weitere langlaufende Geschäfte dieser Art das durch die Unsicherheit über die Zukunft der Euro-Zone untergrabene Vertrauen wieder zurückbringen könnten. Die Banken, die sich um den Jahreswechsel bei der EZB bedient haben, sind allerdings ohnehin bis mindestens Ende 2014 abgesichert. Außerdem kann jede Bank darüber hinaus bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften der Notenbank aus dem Vollen schöpfen.
Damit den Banken die Sicherheiten nicht ausgehen, die diese als Pfand bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank stellen müssen, kann die EZB weitere Erleichterungen bei den Anforderungen beschließen. Sie kann dabei auch selektiv nach Ländern vorgehen, um gezielter zu helfen. Allerdings sind Erleichterungen bei den Sicherheiten immer auch ein Politikum, weil dadurch die Risiken steigen, die die Zentralbank durch die Refinanzierung in ihrer Bilanz ansammelt. Im Fall der Fälle müssten diese von den Steuerzahlern der Mitgliedsländer getragen werden.
Die EZB hat seit Mai 2010 Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder für mehr als 200 Milliarden Euro gekauft. Das im Fachjargon SMP (Securities Markets Programme) genannte Programm ist wegen seiner möglichen Nebenwirkungen in Deutschland und einigen anderen nord- und mitteleuropäischen Ländern umstritten. Es ruht seit drei Monaten, kann allerdings jederzeit wieder vom EZB-Rat in Kraft gesetzt werden. Ob es allerdings noch seine erhofften positiven Wirkungen am Bondmarkt entfalten kann, ist unklar. Wegen der Erfahrungen bei der Umschuldung Griechenlands im Frühjahr dürften wenige private Investoren wie Banken oder Versicherungen der EZB folgen und wieder in den Markt gehen, weil sie fürchten, dass die Zentralbank erneut einen Sonderstatus als Gläubiger durchsetzen könnte, wie sie es im Fall Griechenland getan hat.
Theoretisch kann die EZB neben Staatsanleihen auch andere Arten von Wertpapieren kaufen und auf diese Weise Geld schaffen: zum Beispiel Bankschuldverschreibungen, Aktien und Unternehmensanleihen. Während der Ankauf von Bank Bonds eine durchaus denkbare Möglichkeit wäre, Liquidität bei den Banken zu schaffen, scheinen andere Wege wenig erfolgversprechend. So könnte die EZB wohl schlecht erklären, warum sie etwa Aktien von Banken kauft, nicht aber von Auto- oder Chemiekonzernen. Oder sie setzt sich dem Verdacht aus, der einen Bank mehr Aktien abzukaufen als anderen oder zum Beispiel spanische Institute deutschen oder österreichischen Banken vorzuziehen.
Theoretisch kann die EZB auch ihre Anforderungen an die Mindestreserve der Banken, die diese bei ihr halten müssen, absenken. Sie hat dies um den Jahreswechsel bereits getan und den Satz ihrer gesamten Einlagen, den jede Geschäftsbank bei ihr parken muss, von zwei auf ein Prozent halbiert. Dadurch hatte sie damals eine Summe von rund 100 Milliarden Euro für die Banken freigemacht. Ein solcher Schritt würde es für Banken in Südeuropa, die wohl am ehesten unter einer Kapitalflucht leiden würden, leichter machen, Mittel flüssig zu halten.

Singapur gilt als eines der fundamental stärksten Länder der Welt.

Roman Zulauf: Das ist es im Prinzip auch. Aber dort kommt die Zahlungsbilanz gleich von zwei Seiten unter Druck. Erstens lässt der Großteil der asiatischen Unternehmen ihre Exportgeschäfte dort abwickeln. Sie exportieren zu tiefen Preisen nach Singapur und von dort aus zu höheren Preisen in den Rest der Welt. Die Gewinne lassen sie in Singapur liegen und versteuern. Jetzt aber, durch den Konjunkturabschwung, gerät der Export der asiatischen Länder unter Druck und entsprechend auch die Leistungsbilanzüberschüsse Singapurs. Das Land war auch sehr gefragt bei Investoren, die ihr Geld in Sicherheit bringen und eine sichere Währung suchten. Die haben viel Kapital nach Singapur getragen, könnten es aber schnell wieder abziehen. Singapur wird also sowohl über die Leistungsbilanz als auch über die Kapitalbilanz belastet. Der Singapur-Dollar bewegt sich bereits nach unten, aber die großen Bewegungen stehen noch bevor.

Bleiben wir in Asien und gehen nach China. Dort droht der Geldaustausch zwischen den Banken, der Interbankenmarkt, einzufrieren. Droht in China eine Bankenkrise wie in den 1990er Jahren in Japan?

Felix Zulauf: Es gibt tatsächlich viele Parallelen. Der Unterschied ist, dass die chinesische Währung gemanagt wird. Das war damals in Japan nicht so. In China gab es in den vergangenen zehn bis 15 Jahren den größten Investitions- und den größten Kreditboom der Geschichte. Bei den Daten aus China muss man zwar immer vorsichtig sein. Vielleicht gibt es bei den Kreditdaten Doppelzählungen. Aber das chinesische Kreditsystem hat in den vergangenen fünf Jahren etwa Kredite in der Höhe des gesamten Kreditbestands im US-Bankensystem neu geschöpft. Das ist gigantisch. Und die Immobilienpreise in den Zentren, etwa in Peking und Shanghai, gehen immer noch nach oben.

Die Regierung hat Maßnahmen eingeleitet, die das verhindern sollten. Warum greifen die nicht?

Felix Zulauf: Weil es in China keinen funktionierenden Finanzmarkt gibt. Die wohlhabenden Chinesen dürfen ohne Sondergenehmigung kein Geld ins Ausland abführen. Und weil im Inland die Aktienmärkte nicht laufen, weil die Gewinne der Aktiengesellschaften unter Druck sind, bleibt den Chinesen fast nur noch der Immobilienmarkt. Jetzt, da das Bankensystem einen Liquiditätsengpass hat, steht die Regierung vor der Frage, ob sie das Bankensystem alimentieren soll. Damit würde sie aber den einseitigen Kredit- und Immobilienboom noch weiter befeuern.

Also noch mehr teure, leer stehende Immobilien für die Reichen, die sich kein Wanderarbeiter leisten kann.

Felix Zulauf: Ja. Diese Politik würde weitere soziale Konflikte im Land auslösen. Auch die chinesische Regierung sieht die Bilder aus Rio. Deshalb versucht sie, schrittweise die Luft aus der Blase zu lassen. Die letzten Tage haben gezeigt, dass die Notenbank People’s Bank of China in Stresssituationen mit Liquidität beispringt, aber doch das Ziel verfolgt, das Bankensystem und das Schattenbankensystem zu stutzen.

Woraus besteht das chinesische Schattenbankensystem, und wie wurde es so aufgeblasen?

Roman Zulauf: Die großen Exzesse in China gab es in der ersten Phase dieses Kreditbooms, gleich nach der Finanzkrise. Da waren es vor allem die außerbilanziellen Vehikel der Lokalregierungen, die unendlich viel Kredit schöpfen konnten, indem sie zum Beispiel Land verpachteten. In der zweiten Phase steckt das Problem in so genannten Wealth-Management-Produkten. Die sind seit zwei Jahren bei Anlegern der große Renner, weil sie vordergründig eine ordentliche Rendite zwischen fünf und zehn Prozent versprechen.

Was verbirgt sich dahinter?

Roman Zulauf: Angeboten werden diese Produkte von privaten Anbietern im Schattenbankensystem. Diese finanzieren sich am kurzen Ende der Zinskurve, investieren das Geld aber langfristig. Die People’s Bank of China ist sehr besorgt über die Exzesse in diesem Bereich. Deshalb überlässt sie den Interbankenmarkt jetzt mehr den Marktkräften. Und dadurch werden gewisse Anbieter dieser Produkte jetzt automatisch über den Bankrott eliminiert.

Im Jahre 2012 hatten die deutschen Bürger ein Gesamtvermögen von rund 4,94 Billionen Euro. Bis auf die Jahre 2002 und 2008 stieg das Vermögen der Deutschen stetig. Wie stark es zugenommen hat, zeigt ein Vergleich mit dem Jahr 1991. Zu dieser Zeit kumulierten die privaten Haushalte ein Kapital von gerade einmal 1,9 Billionen Euro. Die Übersicht zeigt, wo sich das Geld der Deutschen befindet.

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In festverzinsliche Wertpapiere wurden im vergangenen Jahr nur 238 Milliarden Euro investiert. Zwar gelten zum Beispiel Staatsanleihen aus Deutschland als besonders sicher, doch die Rendite bewegt sich oft sogar unter dem Inflationsniveau. Staatsbonds aus den Euro-Krisenländern Spanien und Italien werfen hingegen recht hohe Zinsen ab, doch das Verlustrisiko ist dementsprechend hoch.

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Seit 2007 nimmt das angelegte Geld in festverzinsliche Finanzprodukte ab. 2011 lagen noch 247,1 Milliarden Euro in Staats-, Wandel, und Indexanleihen, um nur einige festverzinsliche Anlagemöglichkeiten zu nenne. Indexanleihen werden in Deutschland bisher allerdings nur selten vergeben. Emissionen solcher Anleihen erfolgen nur unter Genehmigung der Bundesbank.

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Rund 259 Milliarden Euro liegen in Aktien. In Relation zum Gesamtvermögen sind das gerade einmal fünf Prozent. Anfang der 1960er-Jahre betrug der Aktienanteil noch 20 Prozent. Die Scheu, Geld in Aktien anzulegen, kann nicht mit den Renditen erklärt werden. Denn 1987 notierte der Dax noch bei 1.000 Punkten, mittlerweile hat sich der Kurs, trotz mehrfacher Rückschläge, mehr als verachtfacht. Keine andere Analagemöglichkeit bietet langfristig so hohe Renditen.

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Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt aber, dass der Aktienanteil zyklischer Veränderung unterliegt. Je nach Börsengeschehen verändert sich der Anteil. Während 2007 knapp 371 Milliarden Euro in Aktien investiert waren, verringerte sich das Volumen im darauffolgenden Jahr auf 182 Milliarden Euro. Die Veränderung von 2011 auf 2012 hingegen war von 222 Milliarden auf 259 Milliarden Euro wieder eine positive.

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Investmentfonds unterliegen den gleichen Schwankungen wie Aktien. Im vergangenen Jahr investierten die Deutschen rund 420 Milliarden Euro in solche Fonds und damit knapp 25 Milliarden mehr als noch 2011. Doch bereits 2007 lagerten die Bundesbürger über 467 Milliarden Euro in Investmentfonds.

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Geldanlagen bei Versicherungen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs. Rund 1,5 Milliarden Euro des Geldvermögens liegen bei den Versicherungen. Besonders beliebt sind Lebensversicherung, Pensionskassen und Versorgungswerke.

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Die Statistik zeigt, dass die Bundesbürger mit steigendem Wohlstand nicht risikobereiter, sondern sicherheitsbetonter geworden sind. Das erhöhte Sicherheitsbedürfnis spiegelt sich unter anderem in der hohen Anzahl abgeschlossener privater Altersvorsorgen wieder.

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Das meiste Geld landet in Deutschland auf Bargeld- und Sichteinlagen. Über zwei Billionen Euro werden dort gelagert. Trotz kaum vorhandener Zinsen halten die privaten Haushalte in Deutschland inzwischen gut 40 Prozent des Geldvermögens - und damit mehr denn je - in diesen Anlageformen.

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Seit Jahren steigt der Anteil. 2007 verfügten die deutschen Haushalte rund 1,6 Billionen Euro in Bar beziehungsweise hatten es auf Girokonten abgelegt. Die Zahlen zeigen, dass das Vermögen der Deutschen immer weiter steigt, das Potenzial, dass aus diesem erwächst, nutzen allerdings die wenigsten.

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Roman Zulauf erwartet, dass steigende Zinsen die chinesische Konjunktur massiv schwächen werden

Foto: Christian Grund für WirtschaftsWoche

Da bewegen sich Regierung und Notenbank auf einem schmalen Grat.

Felix Zulauf: Absolut, das ist nicht ungefährlich. Ich gehe davon aus, dass die Behörden in der ersten Phase hart bleiben. Sie wollen die Kopplung ihrer Währung an den Dollar einigermaßen halten. Dann müssen sie aber zulassen, dass die Zinsen steigen. Man kann nicht beides haben, also die Währung einfrieren und gleichzeitig die Zinsen drücken. Steigende Zinsen aber werden die chinesische Konjunktur in den nächsten Quartalen massiv schwächen.

Welche Konsequenz wird das haben?

Felix Zulauf: Ich erwarte, dass die Notenbank die Bandbreite, innerhalb derer der Renminbi gegenüber dem Dollar fluktuieren darf, verbreitern wird. Damit wird sie den Renminbi mit der Zeit etwas abschwächen.

In China sind die langfristigen Zinsen niedriger als die kurzfristigen. Kündigt die inverse Zinskurve in China eine Rezession an?

Roman Zulauf: Wenn es im Interbankenmarkt nicht mehr funktioniert und das kurze Ende so nach oben drückt, ist das der Stressindikator schlechthin. Das große Problem für China ist eigentlich der Yen. Die Japaner haben ihre Währung gegenüber dem Dollar in den letzten Monaten um 30 Prozent abgewertet, während die Chinesen ihre Währung gegenüber dem Dollar um zwei Prozent aufgewertet haben. Die Stückkosten haben in China in den vergangenen fünf Jahren um etwa 80 Prozent zugelegt. China hat sich mit den Lohnsteigerungen und dem festen Renminbi in verschieden Branchen preislich aus dem Markt geschossen. Der chinesische Unternehmenssektor hat massive Rentabilitätsprobleme. Das sieht man jetzt auch an den Kapitalbilanzen.

Wie?

Roman Zulauf: Die chinesischen Unternehmen beginnen damit, ihre Einlagen, die in Renminbi in Hongkong liegen, zurück aufs Festland zu bringen. Sie haben massive Cashflow-Probleme und brauchen das Geld.

Goldpreis-Achterbahn

Geschüttelt, nicht gerührt

von Andreas Toller

Kommt so auch Hongkong unter Druck?

Roman Zulauf: Ja, und zwar gleich von zwei Seiten. Die Kapitalbilanz leidet zum einen unter den Kapitalabflüssen nach China. Zum anderen kommt die Kapitalbilanz und damit die Bindung des Hongkong-Dollar an den US-Dollar jetzt durch den Renditeanstieg in den USA und den Emerging Markets unter Druck. In der Konsequenz müssten dann auch in Hongkong die Zinsen steigen.

Wie wird das der dortige Immobilienmarkt verkraften?

Felix Zulauf: Der wird leiden. Und weil Hongkong primär eine Immobilienwirtschaft ist, bleibt das nicht ohne Folgen für die gesamte Region. Das ist eine fatale Geschichte.

Deutschland

Der deutsche Aktienmarkt ist im Mai heiß gelaufen. Der Dax erreichte ein neues Rekordhoch von 8557,86 Punkten. Seit Jahresbeginn ein Plus von 9,7 Prozent*. In den vergangen Wochen ging es allerdings wieder etwas abwärts.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,54

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 6,5

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,9

Dividendenrendite: 3,16

Keppler-Urteil: Kaufen

*Stand: 31.05.2013 (Quelle: Analysehaus Keppler)

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Dänemark

Dänische Anleihen genießen den Status als sicheren Hafen. Dänische Aktien stehen bei den Investoren allerdings nicht besonders hoch im Kurs. Seit Jahresbeginn hat der wichtigste dänische Index, der OMX Copenhagen 20, gerade mal acht Prozent zugelegt. Für Keppler ist der Markt trotzdem noch zu teuer.

Kurs-Buch-Verhältnis: 2,49

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 10,9

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 17,9

Dividendenrendite: 2,01

Keppler-Urteil: Verkaufen

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Frankreich

Der französische Leitindex CAC 40 hat seit Jahresbeginn 8,5 Prozent zugelegt. Frankreichs Wirtschaft bereitet immer mehr Sorgen und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone droht zum Sorgenkind zu werden.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,31

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 7,9

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,1

Dividendenrendite: 3,60

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: dapd

Italien

Italiens Wahldebakel lähmte die Börsen und die weiterhin schwächelnde Wirtschaft beschert den Anlegern Sorgenfalten. Diese trauten sich nur zögerlich in den italienischen Aktienmarkt. Der FTSE MIB legte bis Ende Mai nur rund vier Prozent zu. Keppler sieht für den Markt noch Aufholchancen.

Kurs-Buch-Verhältnis: 0,82

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 3,8

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 17,6

Dividendenrendite: 3,72

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: dpa

Japan

Die Geldflut der japanischen Notenbank sucht ihresgleichen. Mit ihrer lockeren Geldpolitik möchte die Bank of Japan die japanische Wirtschaft ankurbeln. Das billige Geld fand seinen Weg in den Aktienmarkt. Dieser stieg aber auch, weil der Yen deutlich verlor. Der Nikkei hat seit Jahresbeginn fast 33 Prozent zugelegt. In Euro umgerechnet liegt das Plus allerdings nur bei 16,5 Prozent.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,30

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 8,6

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 21,3

Dividendenrendite: 1,82

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: rtr

Schweiz

Die Diskussionen über Steueroasen und Steuersünder füllen die Schlagzeilen. Die Schweizer Banken versuchen immer weiter sich vom Image der Steueroasen zu lösen. Dabei hat der Schweizer Aktienmarkt im Hintergrund eine erstaunliche Performance hingelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18,5 Prozent zu Buche. Dem Analysehaus Keppler ist der Schweizer Aktienmarkt deshalb bereits zu heiß.

Kurs-Buch-Verhältnis: 2,54

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 14,4

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5

Dividendenrendite: 2,83

Keppler-Urteil: Verkaufen

Foto: ZB

Singapur

Die Adresse für günstige Spitzensteuersätze. Doch auch als Finanz- und Börsenplatz wird Singapur immer beliebter. Der Aktienmarkt Singapurs gewann seit Jahresbeginn zwar nur fünf Prozent dazu, das Analysehaus Keppler bewertet den Aktienmarkt dafür allerdings auch nicht als zu teuer und rät noch einzusteigen.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,51

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 10,6

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,9

Dividendenrendite: 3,19

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: dpa

Spanien

Der Arbeitsmarkt des hoch verschuldeten Euro-Landes ist eine Katastrophe. Fast jeder zweite unter 25 ist ohne Job. Für den Aktienmarkt lief es auch nicht rosig. Die Party an den Börsen ging an spanischen Aktien fast vorbei - nur Plus von drei Prozent steht zu Buche. Allerdings profitierten spanische Anleihen vom billigen Geld der Notenbanken – die Renditen gingen zurück.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,15

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 5,2

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 34,6

Dividendenrendite: 6,14

Keppler-Urteil: Neutral

Foto: dpa

USA

Die Wall Street ist immer noch der Finanzplatz schlechthin. Auch in den USA kletterten die Kurse fleißig. Der Dow Jones stieg erstmals über die 15.000-Punkte-Marke und markierte ein Rekordhoch nach dem anderen. Der S&P hat seit Jahresbeginn 14,4 Prozent zugelegt. Das Analysehaus Keppler sieht den amerikanischen Aktienmarkt allerdings schon als überhitzt an und rät zum Ausstieg.

Kurs-Buch-Verhältnis: 2,45

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 10,6

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,7

Dividendenrendite: 2,10

Keppler-Urteil: Verkaufen

Foto: dpa

Vereinigtes Königreich

Englands Leitindex, der FTSE 100, hat seit dem 1. Januar 2013 rund zwölf Prozent zugelegt. Für die Börsen ging es aber auch nur deshalb so stark aufwärts, weil es für das Pfund bergab ging. In Euro umgerechnet beträgt das Plus des Aktienmarktes gerade mal 7,6 Prozent.

Kurs-Buch-Verhältnis: 1,54

Kurs-Cash-Flow-Verhältnis: 6,5

Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,9

Dividendenrendite: 3,16

Keppler-Urteil: Kaufen

Foto: rtr

Anlagestrategie

So legen Sparer mit kleinem Geldbeutel sicher an

von Saskia Littmann

Deutsche Firmen haben in den vergangenen Jahren das große Geschäft in Asien, vor allem in China gemacht. Wie lange hält sich Deutschland als vermeintliche Insel der ökonomischen Glückseligkeit noch?

Felix Zulauf: Nun, der Konsum ist jetzt wahrscheinlich noch das beste Segment in China, dank der kräftigen Lohnsteigerungen. Der chinesische Konsument hat schon noch Geld und kauft solange weiter bis Entlassungen kommen und Unternehmen schließen. Im chinesischen Konsum wird die Abschwächung erst in etwa sechs bis neun Monaten ankommen.

Also deutsche Autos werden sie noch kaufen.

Felix Zulauf: In Deutschland haben wir ein anderes Problem, ein japanisches. Das gilt vor allem für die deutsche Autoindustrie. Wenn ein Japaner plötzlich 20 Prozent günstiger wird, muss der deutsche Wettbewerber reagieren. Dessen Gewinnmarge fällt. Außerdem bleibt Europa in der Rezession. Europa aber ist nach wie vor der größte Absatzmarkt für deutsche Produkte.

Also wird es nichts mit der allmählichen Erholung, die viele Ökonomen für das zweite Halbjahr in Aussicht stellen?

Felix Zulauf: Als ich Anfang des Jahres für die Eurozone ein Minuswachstum von etwa zwei Prozent in Aussicht gestellt habe, wurde ich sehr komisch angeschaut. Aber ich glaube, wir kommen dorthin. Und auch Deutschland wird sich entsprechend abkühlen. Die ganzen Erholungsfantasien sind eine Fata Morgana.

Was macht Sie da so sicher?

Felix Zulauf: Schauen sie auf die Kreditentwicklung in der Eurozone. Die Kreditvergabe schrumpft mit etwa vier Prozent. In kreditbasierten Volkswirtschaften lässt sich damit kein Wachstum erzielen. Das ist unmöglich.

Ökonomen sehen im den verbesserten Leistungsbilanzen einzelner Peripherieländern das Licht am Ende des Tunnels.

Felix Zulauf: Das ist absoluter Unsinn. Die Leistungsbilanzen verbessern sich nur, weil wegen der schrumpfenden Binnennachfrage die Importe einbrechen. So aber kann man nicht gesunden. Man kann nicht gesund werden, wenn man hungert.

Dann wird der deflationäre Druck in der Peripherie anhalten?

Felix Zulauf: Davon gehe ich aus. Man hat zwar gewisse Zugeständnisse gemacht mit Blick auf das Tempo bei den Austeritäts- und Reformbemühungen, aber per saldo gilt unverändert: Die Peripherie ist nicht wettbewerbsfähig. Das gilt auch für Frankreich, ganz besonders sogar. Wenn man wettbewerbsunfähig ist, dann kann man nichts auf dem Weltmarkt verkaufen. Dann bleiben die Außenbilanzen defizitär oder werden noch defizitärer. Entsprechend nimmt der Abschreibungsbedarf in den Bankbilanzen zu. Wir sind eigentlich zurück an dem Punkt, an dem wir vor ein paar Jahren schon mal waren. Nur ist die Größenordnung jetzt noch schlimmer als damals.

Warum?

Roman Zulauf: Weil die Banken heute noch viel mehr Problembestände besitzen als damals. Das europäische Bankensystem hat eine Bilanzsumme von etwa 27 Billionen Euro. Gehen wir mal vorsichtig davon aus, dass der Abschreibungsbedarf bei fünf Prozent liegt, wobei es in einigen Ländern eher zehn Prozent sein dürften, dann rechnen wir mit einen Abschreibungsbedarf von deutlich über einer Billion Euro, also mehr als 1000 Milliarden.

Da werden 60 Milliarden Euro, die im Euro-Rettungsfonds ESM für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehen sind, kaum reichen.

Felix Zulauf: So ist es. Das ist bestenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Politik ist meilenweit von der Realität entfernt mit dem, was sie unternimmt.

Also kehrt die Eurokrise wieder zurück?

Felix Zulauf: Es müssen ja praktisch wieder Krisen aufbrechen, die Finanzmärkte in den Krisenmodus versetzt werden, damit wieder der eine oder andere Schritt vorwärts gemacht wird. Sicher ist nur, dass die Steuerzahler in Europa massiv bluten müssen.

Silber

62.510 Euro

Zu den größten Geldvernichtern gehörte die Anlage in Silber. Hätte man am 1. Januar 2013 100.000 Euro in Silber investiert, wäre das Investment am Ende des ersten Halbjahres nur noch 62.510 Euro wert.

Silber gilt nicht nur als Schmuck- und Anlagemöglichkeit, sondern ist auch ein wichtiges Industriemetall. Schlechte Konjunkturnachrichten aus China ließen deshalb auch den Silberpreis fallen. Zudem belastete auch der Preisverfall bei Gold den Silberpreis.

(Quelle: Handelsblatt, Ergebnisse gerundet, ohne Steuern und ohne Kosten für Wertpapierverkauf.)

Stand: 30.06.2013

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Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Großveranstaltungen spalten das Land. Die horrenden Kosten für die Fußball-WM und die Olympischen Spiele, die in dem Land ausgetragen werden sollen, verärgern die Bevölkerung. Zumal die Regierung auf der anderen Seite die Kosten für den Nahverkehr erhöht.

Brasilien erlebt 2013 einen Wachstumseinbruch. Bis Mai 2013 wuchs die Wirtschaftskraft gerade mal um 0,6 Prozent, gleichzeitig stieg die Inflationsrate auf 6,5 Prozent und die Lebensmittelpreise um 13 Prozent. Das machte brasilianische Aktien unattraktiv.

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Gold

74.490 Euro

Der Goldpreis hat eine Talfahrt hinter sich wie lange nicht mehr. Der Preis pro Feinunze fiel sogar unter die Marke von 1.200 Dollar. An dem Edelmetall scheiden sich die Geister. Während einige Experten die mehr als 10-jährige Goldrally für beendet erklären, halten andere an ihrem Investment in Gold fest. Egal wie man die weiteren Aussichten für Gold bewertet, 2013 war es kein gutes Investment.

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Namibische Aktien

75.850 Euro

Namibias Wirtschaft besteht zu 20 Prozent aus Bergbau. Neben Diamanten und Gold werden auch Industriemetalle wie Kupfer gefördert. Zwar gehört Namibia zu den reicheren Ländern Afrikas, hat aber eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Die sinkende Nachfrage von Rohstoffen belastet auch Namibias Unternehmen. Namibische Aktien haben im ersten Halbjahr somit aus 100.000 Euro 75.850 Euro gemacht.

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Russische Aktien

83.690 Euro

Hätte man sein Geld in russische Aktien an der Micex investiert, wäre man nicht gut gefahren. Nicht nur die Proteste gegen die Regierung, sondern auch die stotternde Wirtschaft belasten das Land. Russland ist der größte Energieproduzent der Welt. Doch außer der Energiesparte kann das Land wenig vorweisen. Russische Aktien gelten bei Investoren als unattraktiv, weil das Land mit zu vielen politischen Unsicherheiten belastet ist.

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Südafrikanische Aktien

84.720 Euro

Bei der berühmten BRICS-Strategie steht das S für Südafrika. Investoren steckten viel Hoffnung in das aufstrebende Land. 2013 enttäuschte der Aktienmarkt jedoch. Während die Indizes der Industrieländer kletterten, ging es für die meisten Emerging Markets abwärts.

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Kupfer

85.940 Euro

Anleger kündigen Rohstoffen die Treue. Das gilt auch für Kupfer. Das Industriemetall wird vor allem von China, dem rohstoffhungrigsten Land, nachgefragt. Jede Meldung über ein langsameres Wirtschaftswachstum Chinas belastete damit den Kupferpreis.

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Weizen

87.150 Euro

Beim Weizen sieht es nicht anders aus als bei Kupfer. Jahrelang kannten die Rohstoffpreise nur eine Richtung: aufwärts. Doch auch bei Weizen ist der „Super-Zyklus“ nun vorbei.

Foto: dpa

Chinesische Aktien

88.730 Euro

Ein Investment in den Shanghai Composite hätte deutliche Verluste mit sich gebracht. Der Aktienmarkt des C in der BRICS-Strategie brach innerhalb weniger Tage förmlich ein. Hintergrund ist die Angst vor einer Kreditklemme in China. Die chinesische Zentralbank weigert sich noch mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen.

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Indische Aktien

89.660 Euro

Der Sensex, der wichtigste Index der indischen Börse in Mumbai, lief das erste Halbjahr nicht gut. Auch Indien gilt als Schwellenland mit viel Potential. Doch im ersten Halbjahr enttäuschten die Schwellenländer auf breiter Front. Die Anleger fassten mehr Vertrauen in Europa und die USA und zogen ihr Geld aus den Emerging Markets ab.

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Türkische Aktien

90.210 Euro

Trotz enormen Wirtschaftswachstums zogen viele Investoren ihr Geld aus türkischen Aktien ab. Die anhaltenden Unruhen im Land ließen den Leitindex ISE 100 mehrmals einknicken.

Foto: dpa

Japanische Staatsanleihen

90.380 Euro

Anders als mit japanischen Aktien, konnte man mit japanischen Staatsanleihen keine Gewinne einfahren. Die Bank of Japan fährt eine Politik des billigen Geldes wie nie zuvor. Mit ihrer Liquiditätsschwemme möchte sie die japanische Wirtschaft ankurbeln. Anleger sahen ihre Chance und zogen Geld aus Anleihen ab und investierten es in Aktien oder in Anleihen von Krisenländern.

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Schwellenländer Dollar-Staatsanleihen

90.540 Euro

Auch Bulgarien gehört zu den Schwellenländern (Foto). In der ersten Jahreshälfte 2013 verabschiedeten sich viele Anleger nicht nur aus den Aktienmärkten der Schwellenländer, sondern auch aus Anleihen der Emerging Markets.

Foto: dpa

Australische Aktien

93.870 Euro

Australien lebt von seinen Bodenschätzen und seiner Landwirtschaft. Der Preisverfall bei den Rohstoffen ging auch an der australischen Börse nicht spurlos vorbei.

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Spanische Aktien

94.830 Euro

Spanien leidet an enormer Jugendarbeitslosigkeit. Die Wirtschaft stottert und spanische Unternehmen waren kein attraktives Investment. Viel beliebter waren dagegen spanische Anleihen.

Foto: dpa

Deutsche Staatsanleihen

98.260 Euro

Mit Staatsanleihen lässt sich nur noch wenig verdienen. Mit deutschen fuhr man sogar Verluste ein. Der Kurs gab nach, die Renditen stiegen. Wegen dem billigen Geld der Notenbanken schichten Investoren ihr Geld aus Anleihen mit niedrigen Renditen (wie den Bundesanleihen) in Aktien oder Peripherieanleihen um.

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US-Staatsanleihen

98.540 Euro

Ähnlich erging es den US-Staatsanleihen. Auch hier gab der Kurs der Treasuries nach, weil die Renditen zu gering waren und Aktien auch dank der Fed attraktiver wurden. Bernanke, Chef der US-Notenbank, hatte Ende Mai angedeutet, dass die Federal Reserve ihr Anleihekaufprogramm – monatlich 85 Milliarden Dollar – noch in diesem Jahr zurückfahren könnte. Erstmals seit langem steigen nun die Zinsen. Es ist der Beginn einer Zeitenwende, sagen Experten.

Foto: rtr

Europäische Aktien

98.610 Euro

Nicht alle Aktien profitierten vom Boom an der Börse. So lief es für die 50 großen Unternehmen der Euro-Zone insgesamt nicht so gut. Der Euro Stoxx 50 verbuchte bis zur Jahreshälfte ein leichtes Minus. Zum Euro Stoxx 50 gehören deutsche Größen wie BASF und die Allianz.

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Euro-Unternehmensanleihen

99.830 Euro

Für Unternehmensanleihen aus der Euro-Zone mit guter Bonität (Investment Grade) ging es leicht abwärts. Anleger waren risikofreudiger und entschieden sich mehr für Unternehmensanleihen mit schlechterer Bonität, aber höheren Renditen.

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Sparbuch (Durchschnitt)

100.032 Euro

Der Klassiker der Sparer. Nur leider sind die Zinsen aktuell im Schnitt deutlich unter einem Prozent und damit weit unter der Inflationsrate von 1,8 Prozent. Die Niedrigzinsphase enteignet den fleißigen Sparer damit langsam aber sicher. Immerhin können sich Sparer mit einem Blick auf die Goldpreisentwicklung vertrösten.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Tagesgeld (Durchschnitt)

100.930 Euro

Immerhin. Mit Tagesgeld konnte man in einem halben Jahr und 100.000 Euro 930 Euro gewinnen. Ein Plus von nicht einmal einem Prozent. Bedenkt man jedoch die aktuelle Inflationsrate von 1,8 Prozent hat man mit dem Investment in Tagesgeld sogar negative Zinsen erwirtschaftet.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

US-Dollar

101.220 Euro

Trotz der Geldschwemme der US-Notenbank Fed hielt sich der Dollar auf hohem Niveau und konnte im Vergleich zum Euro sogar zulegen. Zuletzt stützten den Dollar die Spekulationen um eine straffere Geldpolitik der Fed. Was auch mitwirkte ist die Tatsache, dass die Währungen der Schwellenländer (wegen Wachstumsängsten) teilweise sehr stark eingebrochen waren.

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Euro-Unternehmensanleihen (Schwache Bonität)

101.580 Euro

Wegen der niedrigen Zinsen bei Unternehmensanleihen mit guter Bonität, griffen Anleger bei riskanten Unternehmensanleihen zu. Der Anlagenotstand in Niedrigzinszeiten sorgte für eine erhöhte Risikoaffinität der Investoren.

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Deutsche Aktien

104.360 Euro

Der Dax schaffte im ersten Halbjahr mehrere Allzeithochs hintereinander. Allerdings konnte der deutsche Leitindex das hohe Niveau nicht lange halten und fiel vor allem im Juni deutlich zurück. Sorgen um ein Auslaufen des Fed-Anleihekaufprogramms und Ängste um eine Kreditklemme in China ließen die Kurse abstürzen.

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Spanischen Staatsanleihen

104.910 Euro

Seit der Ankündigung Mario Draghis alles für den Erhalt des Euro zu tun und der Aussage, dass die EZB notfalls auch Anleihen von Pleitestaaten kaufen werde, ging es für die Zinsen auf spanische Anleihen bergab. Anleger trauten sich wieder in die Anleihen des Schuldenstaates und die Finanzierungskosten für Spanien gingen deutlich zurück.

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Irische Staatsanleihen

105.100 Euro

Der irische Staat ist auf dem Weg der Besserung – und zwar besser als die anderen Schuldenstaaten. So konnten erstmals seit mehreren Jahren die Steuereinnahmen erhöht werden. Die Einnahmen für 2011 lagen bei 34 Milliarden Euro und damit um 7,2 Prozent über den Einnahmen des Vorjahres. Anleger fassen wieder Vertrauen in den Staat.

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Weltweite Aktien

105.240 Euro

Aktien gehörten weltweit zur beliebtesten Anlageklasse. Somit legte auch der MSCI (inkl. Schwellenländer), der erste globale Aktienindex, zu.

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Öl (WTI)

105.550 Euro

Im Gegensatz zu allen anderen Rohstoffen ging es für den Ölpreis nach oben. Experten machen dafür Angebotsrisiken verantwortlich: Zu diesen Risiken gehört einerseits die Dauerkrise in Syrien wie auch die Tatsache, dass im Sommer so manche Pipeline gewartet und deshalb geschlossen wird.

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Japanische Aktien

113.630 Euro

Anleger in Japan schichteten um. Sie zogen ihr Geld aus japanischen Anleihen ab und investierten es in Aktien. Allein die Aktie des japanischen Elektronikriesen Sony hat mehr als 100 Prozent zugelegt. Die Geldflut der Bank of Japan macht es möglich.

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Irische Aktien

115.140 Euro

Mit Ryanair kann man abheben. Mit irischen Aktien auch. Die Aktie des Billigfliegers Ryanair ist nur eine von vielen irischen Aktien, die gefragt waren. Die Ryanair-Aktie hat im ersten Halbjahr mehr als 50 Prozent an Wert gewonnen. Irland gilt unter den Schuldenländern aus Musterschüler und kommt bei den Reformen besser voran als gedacht.

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US-Aktien

115.280 Euro

Mit amerikanischen Aktien ist man das erste Halbjahr gut gefahren. Der Dow Jones übersprang die 15.000er Marke und verzeichnete ein Allzeithoch nach dem anderen. Doch nicht alle Aktien waren beim Boom gefragt. So wurde z.B. die Aktie des Börsenlieblings Apple weiter abgestraft. Die Aktie fiel unter die 400-Dollar-Marke.

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Aktien Abu Dhabi

136.370 Euro

Die großen Gewinne winkten bei den Exoten. Wegen der großen Enttäuschung bei den BRICS-Staaten stiegen Anleger bei Schwellenländern mit sehr kleinen Märkten ein. So legte der ADX in Abu Dhabi um mehr als 30 Prozent zu.

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Aktien Dubai

138.810 Euro

Zu den Exoten gehörten auch die Aktien der Börse in Dubai. Das Land mit dem höchsten Gebäude der Welt war bei den Anlegern besonders beliebt. Der DFM Index konnte fast 40 Prozent an Wert gewinnen.

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Ghanaische Aktien

149.350 Euro

Während Südafrika enttäuschte, konnte Ghana überraschen. Auch hier spielte die Enttäuschung der Anleger der klassischen BRICS-Strategie mit.

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Venezolanische Aktien

151.720 Euro

Ein echter Glücksgriff waren im ersten Halbjahr die Aktien Venezuelas. Mit einem Investment in den IBC hätte man eine Performance von mehr als 50 Prozent gehabt. Doch gerade bei so kleinen Märkten könnte es schwierig werden die Gewinne in Bares zu verwandeln. Das Problem: der Markt ist nicht liquide genug.

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Prognosen für den Goldpreis

Viele Analysten der Banken haben ihre Schätzung zum Goldpreis im Laufe des Jahres gleich mehrfach angepasst – teilweise in großen Schritten. Privatanleger lässt das bislang überwiegend kalt: Sie kaufen weiter physisches Gold. Anders als viele Analysten halten sie den niedrigen Goldpreis für eine Kaufgelegenheit. Nachfolgend die Goldpreisprognosen der Banken.

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Goldman Sachs

Der Goldpreis wird im kommenden Jahr wahrscheinlich um mindestens 15 Prozent sinken. Zu dieser Einschätzung kommen die Analysten von Goldman Sachs in einer Studie. Sie sehen trotz eines beschleunigten US-Wirtschaftswachstums erhöhte Abwärtsrisiken für Rohstoffe. Die Preise für Gold, Kupfer und Sojabohnen werden demnach auf das niedrigste Niveau seit 2010 sinken. Die Goldman-Sachs-Analysten gehen beim Goldpreis von einem Rückgang bis Ende nächsten Jahres auf 1050 Dollar je Unze aus.

Stand: 22. November 2013

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UBS

Die Schweizer Bank UBS prognostiziert im Jahresdurchschnitt für 2013 einen Goldpreis von 1440 Dollar je Unze. 2014 soll dann ein Durchschnittspreis von 1325 Dollar je Unze erreicht werden. Damit nahm die Bank ihre Prognose für das laufende Jahr um zehn und für das kommende Jahr um 18 Prozent zurück.

Stand: 25. Juni 2013

Foto: REUTERS

Morgan Stanley

Für 2013 geht die US-Bank nun von 1409 Dollar je Unze aus, nachdem es zuvor noch 1487 Dollar gewesen waren. Für 2014 rechnen sie mit 1313 Dollar je Unze, zuvor waren es 1563 Dollar. Für 2015 nahmen sie die Prognose von 1450 auf 1300 Dollar zurück.

Stand 25. Juni 2013

Foto: dapd

HSBC

Die größte Bank der Welt senkte ihre Prognose für den Goldpreis auf einen Jahresdurchschnitt von 1396 Dollar je Unze in 2013 und 1435 Dollar für 2014. Damit senkte sie ihre alten Prognosen um neun bzw. zehn Prozent.

Stand: 25. Juni 2013

Foto: REUTERS

RBC Capital

 

Prognose am 1. Januar: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1275 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

 

Alle Prognosen beziehen sich auf den erwarteten Goldpreis im vierten Quartal 2013.

Quelle: Bloomberg; Stand: 28. Mai

Foto: REUTERS

Danske Bank

Prognose am 1. Januar: 1775 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1400 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1325 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: PR

LBBW

Prognose am 1. Januar: 1850 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1850 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1350 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Société Générale

Prognose am 1. Januar: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1375 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1375 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Prognose am 27. Juni: 1200 Dollar je Unze (Goldpreis am 27. Juni: 1233 Dollar / Unze)

Foto: dpa

UniCredit

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1400 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Citigroup

Prognose am 1. Januar: 1720 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1455 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Toronto-Dominion Bank

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1550 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1460 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

National Australia

Prognose am 1. Januar: 1460 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Barclays

Prognose am 1. Januar: 1845 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1500 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: AP

Deutsche Bank

Prognose am 1. Januar: 2100 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 2000 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1525 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dpa

Credit Suisse

Prognose am 1. Januar: 1880 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1540 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1540 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Prognose am 25. Juni 2013: 1250 Dollar / Unze (Goldpreis am 25. Juni: 1275 Dollar / Unze)

Goldpreis auf Sicht von zwölf Monaten prognostiziert Credit Suisse einen Preis von 1150 Dollar / Unze, für das zweite Halbjahr 2014 lautet die Prognose auf 1150 Dollar je Unze.

Foto: dpa

Westpac

Prognose am 1. Januar: 1700 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1589 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1589 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: AP

DZ Bank

Prognose am 1. Januar: 2100 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1860 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1600 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Commerzbank

Prognose am 1. Januar: 2000 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1800 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Intesa Sanpaolo

Prognose am 1. Januar: 1700 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1650 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: REUTERS

Nord/LB

Prognose am 1. Januar: 1950 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1825 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1750 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

Foto: dapd

Standard Chartered

Prognose am 1. Januar: 1900 Dollar / Unze (Goldpreis am 1. Januar: 1675 Dollar / Unze)

Prognose am 11. April: 1900 Dollar / Unze (Goldpreis am 11. April: 1561 Dollar / Unze)

Prognose am 28. Mai: 1800 Dollar / Unze (Goldpreis am 28. Mai: 1383 Dollar / Unze)

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Wäre eine Rückabwicklung des Euro noch ein gangbarer Weg?

Felix Zulauf: Vernünftig wäre es, wenn Länder, die nicht wettbewerbsfähig sind, Reformen beschließen, aber gleichzeitig austreten, um dann über eine Währungsabwertung gesunden zu können. Ursprünglich hatte ich angenommen, dass die Bürger in der Peripherie nach einer gewissen Leidenszeit den Austritt ihres Landes aus dem Euro fordern werden. Das ist vielleicht immer noch eine Möglichkeit. Aber rein technisch ist eine Rückabwicklung wohl kaum noch möglich. So haben mir das zumindest Notenbank-Experten berichtet, mit denen ich gesprochen habe. Eine Rückabwicklung wäre nur dann machbar, wenn man in der gesamten Eurozone gleichzeitig Kapitalverkehrskontrollen einführte. Dann könnten einzelne Länder ihren Austritt beschließen. Wenn man das nicht macht, dann gäbe es sofort einen Run auf die Banken und das System würde zusammenbrechen. Man kann das eigentlich nur abwickeln unter einer Wirtschaftsordnung, die fast einer Kriegswirtschaft ähnelt. Vielleicht kommt die Politik zu einem späteren Zeitpunkt, wenn wir noch tiefer in der Krise stecken, zu diesem Schluss und sagt: Es geht einfach nicht mehr. Aber die Politik ist noch lange nicht so weit. Man wird weiter versuchen, die Probleme zuzukleistern, während die Probleme unter dem Kleister tatsächlich immer größer werden. Wir werden weiter Minuswachstum haben, hier und da wird vielleicht mal wieder ein kleines Konjunkturprogramm aufgelegt. Diese müssten dann schlussendlich via EZB finanziert werden. Aber weil die EZB keine freie nationale Notenbank ist, gibt es selbst da gewisse Beschränkungen.

Wären die Kosten einer Rückabwicklung des Euro nicht ebenso astronomisch?

Roman Zulauf: Es ist schon erstaunlich, dass immer über die hohen Kosten einer Rückabwicklung des Euro gesprochen wird, nicht aber über die Opportunitätskosten, die die Peripherie zu tragen hat, um im Euro zu bleiben.

Sprechen Sie darüber!

Roman Zulauf: Die verbesserten Leistungsbilanzen werden erkauft mit einem Einbruch der Binnennachfrage. Die Arbeitslosigkeit, vor allem unter Jugendlichen, steigt auf Rekordniveau. Immer mehr junge Menschen bleiben zu Hause bei ihren Familien wohnen, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können. Sie können selbst keine Familien gründen. Das hat strukturell verheerende Folgen, auch mit Blick auf die Demografie. Es ist eine verlorene Generation.

Gefährdet der Euro auch die gesamte Europäische Union?

Felix Zulauf: Diese Gefahr trägt der Euro in der Tat in sich. Man kann über die EU sagen, was man will. Sie ist sicher zu technokratisch und zu zentralistisch. Doch ihr Grundgedanke, die Schaffung eines freien europäischen Wirtschaftsraums ohne Hürden mit einer Bündelung der Kräfte gegenüber anderen Kontinenten, ist unbedingt bewahrenswert. Mit dem Euro aber werden EU-Mitgliedsländer in eine erste und in eine zweite Klasse eingeteilt, die gegeneinander hetzen. Mir erscheint es so, als treibt das Schiff Europa ohne Steuermann im Sturm herum. Das ist brandgefährlich.

Werden die Briten in fünf Jahren noch in der EU sein?

Felix Zulauf: Wenn einer austritt, dann die Briten. Aber Großbritannien muss natürlich auch aufpassen. Allein wäre das Land auch eine Randregion. Ein Austritt wäre nur denkbar, wenn ein Freihandelsabkommen mit der EU vereinbart werden könnte. Doch auch dann bliebe die Frage offen, ob London dann noch das europäische Finanzzentrum bleiben könnte.

Hat das zentralistische Frankreich inzwischen verstanden, worum es geht?

Felix Zulauf: Nein, aber etwas anderes habe ich auch nicht erwartet. François Hollande war Anfang der Achtzigerjahre Wirtschaftsberater des damaligen Staatspräsidenten François Mitterrand. Er war damals der Kopf hinter der Idee, die Banken zu verstaatlichen. Mitterrand musste das nach einem Jahr dann wieder rückgängig machen. Hollande hat nichts gelernt und ich staune immer wieder, wie solche Verlierer an die Spitze von ganzen Völkern gewählt werden können.

Funktioniert die Achse Paris-Berlin noch?

Felix Zulauf: Nein, die Positionen sind viel zu weit voneinander entfernt. In Paris regiert hochsozialistisches Gedankengut, in Berlin halbsozialistisches. Wenn diese Allianz nicht mehr funktioniert, dann bedeutet das eine Schwächung Europas. Dann gibt es keine Führung mehr in Europa, weil Deutschland allein aus historischen Gründen nicht die Führung übernehmen kann, die es kraft seiner Volkswirtschaft eigentlich übernehmen müsste.

Wird sich die bedingungslose Haltung einer deutschen Regierung zum Euro ändern, wenn die Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland in den Bundestag einziehen sollte?

Felix Zulauf: Wenn die AfD in den Bundestag einziehen sollte, dann wird das vermutlich mit weniger als zehn Prozent der Stimmen sein. Sie wird vielleicht die FDP ersetzen, aber insgesamt nichts ausrichten können gegen eine große Koalition. Die Sozialdemokraten sind mit Blick auf die Eurokrise derart naiv, dass Deutschland nach der Wahl den Forderungen der anderen Länder eher noch etwas mehr nachgeben wird. Die Köpfe der heutigen Regierung haben eingesehen, dass der Euro eine Fehlkonstruktion ist. Ich glaube, Wolfgang Schäuble ist sich dessen bewusst, und Angela Merkel auch. Aber sie können das nicht sagen, und sie können nicht zurück.

Macht die Bundesregierung Politik gegen ihre eigene Überzeugung?

Felix Zulauf: Sie macht eine Politik der kleinen Zugeständnisse, wenn der Druck zu hoch wird. Aber diese Zugeständnisse sind immer zu gering, kommen zu spät und werden das Projekt Euro nie gesunden lassen. Die Bundesregierung zieht zwar Deutschland in seinen Verpflichtungen immer tiefer rein, aber der große Wurf kommt nicht.

Roman Zulauf: Ich glaube, wir fahren einfach mit offenen Augen auf eine Wand zu und können nicht aussteigen – bis es crasht. Dann muss alles neu organisiert werden, unter furchtbaren Schmerzen.

Geben Sie den Vereinigten Staaten von Europa nach dem Vorbild der USA keine Chance mehr?

Roman Zulauf: Die Geschichte kennt vor allem Währungsunionen, die ungut endeten.

Zum Beispiel?

Roman Zulauf: In Jugoslawien gab es auch eine Währungsunion von verschiedenen Völkern, die in dieser Form nicht zusammengepasst haben. Die Konsequenzen waren verheerend. Oder nehmen Sie die Sowjetunion nach der Wende. Die Situation war damals ähnlich wie jetzt in der Eurozone. Moskau hatte nicht mehr die politische Hoheit über die abtrünnigen Republiken. Die hatten aber alle noch den Rubel als Währung und konnten mit den dezentralen Notenbanken in der Peripherie der ehemaligen Sowjetunion beliebig Rubel schöpfen, so wie jetzt die nationalen Notenbanken in der Eurozone über die Notfallkreditlinien ELA und Target-2. Das haben Sie in der WirtschaftsWoche ja immer wieder prominent gebracht, etwa mit den Beiträgen von Professor Hans-Werner Sinn. Die Eurozone macht also eine ähnliche Rubelisierung durch wie damals die ehemalige Sowjetunion nach der Wende.

Und die Bundesbank schaut nur zu?

Felix Zulauf: Die Bundesbank erkennt dieses Risiko und sperrt sich deshalb gegen diese Eingriffe der EZB, die den nationalen Notenbanken die Erlaubnis zum Gelddrucken gibt. Innerhalb der EZB tobt ein großer Kampf zwischen dem Lager der Bundesbank und ihrem Präsidenten Jens Weidmann auf der einen Seite und dem Lager um Mario Draghi. Und Draghi ist in seiner Philosophie bei den Angelsachsen, die ein Problem stets mit der Notenpresse lösen wollen.

Wird die Bundesbank Rückendeckung vom Bundesverfassungsgericht bekommen?

Felix Zulauf: Das glaube ich nicht. Das Verfassungsgericht wurde von der Politik und der EZB eingeseift. Karlsruhe wird die Gelddruckerei absegnen und sein Urteil bestenfalls mit ein paar Fußnoten versehen, damit das Drucken vielleicht etwas langsamer abläuft als es sonst ablaufen würde.

Warum kann sich Gold im aktuellen Umfeld nicht behaupten?

Felix Zulauf: Sie haben es anfangs anhand der an die Inflationsrate gekoppelten US-Bonds angesprochen. Die Inflationsraten sind tief und werden weiter fallen, die Realzinsen steigen und die Konjunktur wird schwächer werden. Es hat sich deflationärer Druck aufgebaut. Dagegen ist auch der Goldpreis nicht immun. Gold ist ein guter Schutz vor Inflation und gegen Systemrisiken. Letztere nehmen jetzt wieder deutlich zu. Gold wird dann wieder steigen, wenn die Politik und die Zentralbanken auf all die Probleme reagieren, die wir diskutiert haben. Die Reaktion wird kommen.

Welche?

Felix Zulauf: Die gleiche Gelddruck-Politik wie immer, nur in noch viel größerer Dimension. Ich gehe davon aus, dass wir im Lauf des Sommers wieder klare Töne dazu aus den Zentralbanken hören werden. Dann wird in der US-Notenbank Fed nicht mehr viel gesprochen werden von Tapering off...

...also dem Zurückfahren der Anleihekäufe.

Felix Zulauf: Man wird den Märkten signalisieren, dass man weiterhin da ist. Entsprechend wird sich der Goldpreis erholen. Ob das dann schon der Startschuss für die Wiederaufnahme der strukturellen Hausse von Gold ist, ist noch nicht sicher und hängt auch vom Ausmaß der kommenden Verwerfungen an den Märkten ab. Der Startschuss kommt aber spätestens dann, wenn die Notenbanken massiv handeln müssen, also wieder größere Systemrisiken auftreten.

Könnte der Startschuss auch durch eine Bankenkrise in China ausgelöst werden?

Roman Zulauf: China hat eine Kreditklemme. Das bedeutet, dass es im System zu wenig Liquidität gibt. In einer solchen Klemme wird alles verkauft, das Gute wie das Schlechte. Neue Käufe werden dann nicht getätigt. Die kämen erst, wenn eine Bank Pleite ginge oder Gerüchte darüber die Runde machten.

Felix Zulauf: Technisch ist der Goldmarkt eigentlich sauber. Die Stimmung ist inzwischen schlechter als beim Einbruch 2008. Die Positionen an den Terminmärkten sind massiv auf einen fallenden Goldpreis ausgelegt. Das sind eigentlich gute Voraussetzungen für ein Tief. Ich denke, der Goldpreis ist diesem Tief ziemlich nahe. Zwischen 1150 und 1250 je Unze sollte das Tief erreicht werden. Es ist jetzt sicher nicht der geeignete Zeitpunkt, Gold zu verkaufen.

Und wer Gold kaufen will?

Felix Zulauf: Der kann portioniert kaufen, aber zunächst piano.

Wer Geld anzulegen hat und nicht Zulauf heißt, hat heutzutage ein Problem.

Felix Zulauf: Auch jene, die Zulauf heißen, haben dieses Problem. Wir kommen aus einem risikolosen Zinsumfeld in ein Umfeld mit zinslosem Risiko. Es gibt keine sicheren Anlagen und keine Renditen mehr, sondern nur noch Risiken. Wenn sie mit Anleihen vermeintlich höchster Bonität binnen sechs Wochen drei Jahreskupons verlieren können, dann zeigt das genau, in welch kaputtem Umfeld wir uns bewegen. Es ist ein Umfeld, das nur noch erlaubt, Positionen kurz zu halten. Kaufen und Liegenlassen funktioniert nicht mehr.

Wie müssen Investoren in diesem Marktumfeld agieren?

Felix Zulauf: Man muss zunächst einen stabilen Anker bieten, nämlich die Charakteristik von Rentenpapieren. Für eine moderate Rendite, dafür aber relativ geringe Schwankungen mit möglichst wenigen scharfen Kursrückgängen müsste gesorgt werden. Das kann man wiederum nur erreichen, wenn man sich außerordentlich opportunistisch verhält mit aktiver Long- und Short-Positionierung...

...also auf steigende und auf fallende Kurse setzen...

Felix Zulauf: ...und das in Festverzinslichen, Währungen, Aktien und Rohstoffen, aber ohne Kredithebel und mit klar zugeteilten Risikobudgets. Wenn Sie nämlich in einem Niedrigrenditeumfeld große Kursverluste erleiden, bekommen sie das später kaum wieder geradegebogen.

Wie würden Sie sich aktuell positionieren?

Felix Zulauf: Wir würden Shortpositionen in Anleihen der Peripherie halten, also in den Ländern mit Leistungsbilanzdefiziten, insbesondere in den Emerging Markets und auch deren Währungen shorten, also etwa türkische Lira, brasilianischer Real, polnische Zloty oder indonesische Rupiah. Ich glaube, alle diese Währungen bleiben unter Druck gegenüber dem Dollar. Der Dollar wird die stärkste Währung sein in dieser Krisenphase. Selbst der Euro kommt etwas zurück, aber der Euro ist eben, dank Deutschland, noch relativ stabil. Deutlich schwächer würde er in einer Krise, in der Geld aus der Eurozone abfließt.

Also eine Zahlungsbilanzkrise?

Roman Zulauf: Die letzte Zahlungsbilanzkrise gab es in Spanien. Aber die spielte sich innerhalb der Eurozone ab. Die nächste Zahlungsbilanzkrise, möglicherweise dann ausgelöst durch Frankreich, könnte dann eine Zahlungsbilanzkrise werden mit dem Rest der Welt, weil dann Gelder in den Dollarraum abfließen.

Und nicht mehr aus der Peripherie oder Frankreich den Weg nach Deutschland ansteuern?

Roman Zulauf: Der Weg nach Deutschland ist zu gefährlich, weil die Regierungen in der Eurozone, einschließlich der deutschen, ja klar gemacht haben, dass sie die Bürger zur Kasse bitten werden. Wer dort Geld hat, muss seine Bank stützen, wie man das in Zypern gemacht hat. Das ist auch vom EU-Parlament so vorgeschlagen und jetzt von den Finanzministern so abgesegnet worden. Vor diesem Risiko haben die Bürger Angst und werden versuchen, ihm zu entkommen. Dann flieht Kapital aus der Eurozone.

Wird dieser Weg schon beschritten? Noch wirken die Sparer recht entspannt und vertrauen auf die Einlagengarantie.

Felix Zulauf: Das stimmt schon. Aber die Märkte laufen sich gerade warm. Und wenn die Besorgnis erst mal da ist, dann ist es schon ziemlich spät.

Dann ist Tagesgeld also auch keine Wahl?

Roman Zulauf: Zumindest nicht in der Eurozone. Aber beispielsweise bei einer angelsächsischen Bank in London oder in New York in Dollar, das wäre eine gute Option.

Wie sieht es mit Aktien aus?

Felix Zulauf: Steigende Anleiherenditen, Kapitalflucht und die ungelösten Verschuldungsfragen bremsen die Weltwirtschaft massiv. In diesem Umfeld werden die Unternehmensgewinne weltweit unter Druck kommen, zumal die großen Kostenreduktionen, also Entlassungen von Arbeitnehmern, weitgehend gelaufen sind. Die kommen schon noch, aber nicht mehr in dem Umfang wie in der Vergangenheit. Auch die große Steueroptimierung der Unternehmen ist vorbei. Da kommt jetzt eher Gegenwind auf die Unternehmen zu. Weil Margen und Gewinne in allen Regionen der Welt unter Druck kommen, werden auch die Aktienkurse fallen. In den vergangenen Jahren hieß es ja immer, man solle Aktien kaufen, weil Bonds zu teuer seien, man die also nicht mehr kaufen könne. Da ist natürlich was dran. Aber jetzt kommt die Frage: Wenn die Gewinne fallen, will ich dann immer noch Aktien haben? Die letzten Wochen zeigen, dass das eigentlich nicht der Fall ist. Aktien bleiben zunächst unter Druck.

Und auf lange Sicht?

Felix Zulauf: Da werden Aktien wahrscheinlich die besten Instrumente sein, mit denen man in den nächsten Jahren operieren kann. Aber man kann nicht einfach kaufen, herumsitzen und glauben, man werde so wohlhabend. Diese Zeiten sind vorbei. Man muss sein Portfolio bewirtschaften.

Das heißt?

Felix Zulauf: Man muss kaufen, um verkaufen zu können und man muss verkaufen, um nachher wieder kaufen zu können. Bei Aktien haben wir derzeit im Zyklus den Zenit überschritten. Wir stecken in einer mittelfristigen und nach unserer Meinung auch in einer zyklischen Abwärtsbewegung, die vermutlich im Spätsommer oder Herbst auf deutlich tieferen Niveaus auslaufen wird. Jetzt wollen wir mal sehen, wie groß die Abschläge dann sind. Sie könnten beträchtlich sein. Falls sie in geordnetem Rahmen ablaufen, würden danach Gegenbewegungen einsetzen. Beim stärksten Aktienmarkt, dem amerikanischen, könnte ich mir unter solchen Konstellation sogar vorstellen, dass dieser die Hochpunkte noch einmal erreicht oder gar noch marginal über diese hinaussteigt. Aber anschließend fällt er wieder zurück. Heute ist aber wichtig, dass die Luft nach oben sehr dünn ist und das Risiko eines großen Einbruchs beträchtlich.

Und deshalb sagen Sie: Wir übernehmen das, weil wir eher wissen, wo unten und oben ist?

Felix Zulauf: Wir gehen natürlich auch an der Wand entlang. Wir analysieren die Welt, stellen eine These auf und investieren entsprechend. Aber wir sind keine Dogmatiker, wir bewirtschaften das Risiko laufend. Für Anleger, seien es private oder institutionelle, die das nicht können, werden die nächsten Jahre sehr enttäuschend verlaufen.

Die finanzielle Repression, also die schleichende Enteignung der Sparer über negative Realzinsen wie nach dem Zweiten Weltkrieg, soll nach Meinung von vielen Experten alles wieder ins Lot bringen. Was meinen Sie?

Felix Zulauf: Das wird nicht funktionieren. Damals war die Staatsverschuldung zwar auch hoch. Aber heute ist die Ausgangslage eine völlig andere als damals.

Was ist anders heute?

Felix Zulauf: Erstens ist die demografische Situation anders, wir sind überaltert. Zweitens hatten die privaten Haushalte damals keine Schulden und drittens staute sich während des Kriegs eine große Nachfrage auf, die sich nach dem Ende des Krieges entfaltete. Die hat für ein langjähriges Wirtschaftswachstum gesorgt. Das werden wir heute nicht mehr haben. Die finanzielle Repression war bisher in Amerika am erfolgreichsten. Dort hat sich die Konjunktur tatsächlich etwas erholt. Die Probleme im Bankensystem haben sich etwas reduziert, aber die volkswirtschaftliche Gesamtverschuldung im Vergleich zur Wirtschaftsleistung hat sich nur stabilisiert. In Europa dagegen geht diese Verschuldung selbst in den starken Ländern nach oben, in den Peripherieländern passiert das gar im Eiltempo. Da wird es laufend schlimmer. In Japan sehe ich ebenfalls keinen Erfolg der finanziellen Repression. Dort wird die Konjunktur so lange relativ gut laufen, wie Konjunkturprogramme aufgelegt werden. Aber auch deren Halbwertzeit ist begrenzt.

Es bliebe Enteignung.

Felix Zulauf: Das wird irgendwann die Folge sein, wenn alles andere nichts nutzt. Man wird spezielle Steuern erheben, es wird eine Umverteilung vom privaten auf den öffentlichen Sektor geben. Das kommt alles, leider.

Die Geldpolitik war ein Katalysator für die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Ist es nicht gerecht, jene zur Kasse zu bitten, die nahezu leistungslos von der Geldpolitik der letzten Jahre profitiert haben?

Felix Zulauf: Diese Spaltung ist die Konsequenz einer fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik, wie wir sie schon seit Jahrzehnten verfolgen können, vor allem im angelsächsischen Raum, aber immer mehr auch in Europa. Das Problem daran ist, dass das von Ihnen zitierte leistungslos erworbene Vermögen dann schon längst über alle Berge ist. Zur Kasse gebeten werden letztlich die Leistungsträger der Gesellschaft, also jene, die unternehmerisches Risiko eingegangen sind, Arbeitsplätze und Wohlstand geschaffen haben. Wollen Sie, dass niemand mehr diesen Weg einschlägt; dass jeder sich lieber als Staatsbeamter durchs Leben schlägt? Ist das die Lösung? Das ist nicht meine Meinung, aber es ist die populistische Antwort. Und da wir in populistischen Zeiten leben, fürchte ich, dass es genau diese Antwort geben wird.

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