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Hess AGInsolvenzverwalter: Bilanzen um 45 Millionen geschönt

Der mutmaßliche Bilanzskandal des insolventen Leuchtenherstellers Hess nimmt immer größere Ausmaße an. Das Unternehmen will erstmals Details auf seiner Homepage offenlegen.Andreas Dörnfelder 14.11.2013 - 12:12 Uhr aktualisiert

Hess

Kaum vier Monate nach dem Börsengang ist der Leuchtenhersteller Hess pleite. "Die Hess AG ist zahlungsunfähig", stellte der neue Alleinvorstand Till Becker fest und kündigte den Gang zum Insolvenzgericht an. Verhandlungen mit dem Großaktionär, der Familie Hess, über eine Kapitalspritze waren ebenso gescheitert wie Gespräche mit neuen Investoren. Diese fürchten die Risiken von Klagen verärgerter Aktionäre, die seit Oktober fast ihren ganzen Einsatz verloren haben. Vorstandschef Christoph Hess und Finanzvorstand Peter Ziegler waren vor drei Wochen unter dem Verdacht der Bilanzfälschung geschasst worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bei dem Unternehmen aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs durch falsche Angaben im Börsenprospekt. "Aufgrund der Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Anlegerklagen bestehen auch keine hinreichenden Aussichten auf eine kurzfristige Eigen- beziehungsweise Fremdkapitalzufuhr durch Investoren", teilte der Hersteller von Straßenlaternen mit.

Mit dem Insolvenzantrag rund vier Monate nach der IPO stellt Hess einen traurigen Rekord auf. So schnell gingen nicht einmal die Unternehmen vom Neuen Markt pleite.

Foto: dpa

Gigabell

Am 11. August 1999 ging der Internet- und Telefonanbieter Gigabell mit Sitz in Frankfurt an die Börse. Der Emissionspreis der Aktie lag bei 38 Euro, nur wenig später war das Papier - der Dotcom-Euphorie sei Dank - mehr als 130 Euro wert. Dann geriet das Unternehmen ins Trudeln. Am 15. September 2000 meldete Gigabell Insolvenz an. Damit begann das Ende des Nemax und der deutschen Dotcom-Blase.

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Biodata Information Technology

Auch das in der IT-Sicherheit tätige Unternehmen Biodata hielt nicht viel länger durch. Der Anbieter von Verschlüsselungssoftware und Netzwerkkomponenten ging im Jahr 2000 an die Börse. Die Aktie, ausgegeben zu 45 Euro, erreichte schon am ersten Tag astronomische Höhen von 300 Euro und mehr. Der Höchstkurs lag bei 439 Euro. Nur hatten diese Summe nichts mit dem tatsächlichen Wert des Unternehmens zu tun, Biodata schrieb laufend Verluste. Im November 2001 meldete das Unternehmen dann Insolvenz an.

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Kabel New Media

1993 gründete Peter Kabel das Unternehmen Kabel New Media, mit dem er 1999 auch an die Börse ging. Das Beratungsunternehmen erlitt ein ganz ähnliches Schicksal wie andere im Nemax gelisteten Firmen und hinkte mit den tatsächlichen Umsätzen den Entwicklungen an der Börse hinterher. Die Folge: Im Juli 2001 stellte das Unternehmen den Insolvenzantrag, am ersten September 2001 wurde das Verfahren eröffnet. Gegen Geschäftsführer Kabel ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Insiderhandels, der Kursmanipulation und Insolvenzverschleppung. Im Juni 2007 stellt das Amtsgericht Hamburg das Verfahren gegen Peter Kabel wegen gegen eine Geldauflage von rund 14.000 Euro ein.

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Brain International

Das Softwareunternehmen Brain International ging im Jahr 2000 im Segment "Neuer Markt" an die Börse. Nur zwei Jahre später, am 30.8.2002 eröffnete das Amtsgericht Freiburg das Insolvenzverfahren für die drei Gesellschaften Brain International AG, Breisach, Brain Automotive Solutions GmbH und Brain Industries Solutions GmbH.

Foto: WirtschaftsWoche

Ceyoniq
Die Bielefelder Softwarefirma Ceyoniq hielt nach dem Börsengang noch gut vier Jahre durch: 1998 wagte das Unternehmen den Schritt aufs Parkett, 2001 rutschte es in die Verlustzone. Rund 90 Millionen Euro Miese machten die Bielefelder, wiesen aber sämtliche Pleitegerüchte von sich. Auch die Aktie ging auf Talfahrt - bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Jahr 2002 hatte das Papier bereits 98 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Die Vorstände der Ceyoniq AG kamen wegen Betrugsverdachts vorübergehend in Untersuchungshaft.

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Comroad

Auch Bodo Schnabel, Gründer der Comroad AG, beendete seine Karriere am neuen Markt in einer Zelle. Das Unternehmen, das Navigationsgeräte herstellte, startete am 26. November 1999 erfolgreich am Neuen Markt in Frankfurt und gehörte bald zu den Topwerten im Nemax. Anfang 2002 wurde dann bekannt, dass Comroad im großen Stil Scheingeschäfte getätigt hatte - und das bereits seit 1998. Rund 95 Prozent der Umsätze waren erfunden.

Im April 2002 wurde Comroad wegen Bankrotts geschlossen, Vorstandsvorsitzender Schnabel landete in Untersuchungshaft.

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Abacho AG

Der Suchmaschinenbetreiber Abacho AG aus Neuss gehörte ebenfalls zu den Stars des Neuen Marktes - mittlerweile gibt es das Unternehmen so nicht mehr. Drei Jahre nach dem Börsengang verschwand Abacho 2002 von den Kurszetteln des Neuen Marktes - die 360 Prozent Zeichnungsgewinn von 1999 waren vergessen. Statt Gewinnen machte Abacho plötzlich 6,4 Millionen Mark Miese. Mittlerweile ist Abacho zu Myhammer umfirmiert.

Foto: WirtschaftsWoche

EM.TV

Der Filmvermarkter EM.TV ging schon 1997 an den Neuen Markt. Zwei Jahre später feiert Vorstandschef Thomas Haffa auf der Hauptversammlung in Frankfurt ein Kursplus von 16.600 Prozent - die Aktionäre lagen ihm zu Füßen. Wer früh investiert war, konnte es mit ein paar Tausend Euro zum Millionär bringen. Aber kaum ein Anleger erkannte rechtzeitig, dass die Party ein Ende hat. Es kamen Zweifel an den Bilanzzahlen von EM.TV auf, im Oktober 2000 korrigieren Thomas und sein Bruder Florian Haffa die Bilanzzahlen - an nur einem Tag verliert die Aktie fast ein Drittel ihres Wertes. 2001 tritt Thomas Haffa zurück.

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Infomatec

Auch die Geschäftsführer der Infomatec Integrated Information Systems AG, Alexander Häfele und Gerhard Harlos, flogen mit ihren betrügerischen Machenschaften auf: Sie brachten den EDV-Dienstleister 1998 an die Börse - die Aktie wurde die zweiterfolgreichsten Neuemission des Jahres. Nachdem ein Abwärtstrend einsetzte und sich der Marktwert halbierte, versuchten Häfele und Harflos den Aktienkurs mit falschen Ad-hoc-Meldungen zu manipulieren. 2001 meldete die Infomatec AG Insolvenz an und ging danach in Konkurs.

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Stuttgart. Das Büro von Insolvenzverwalter Volker Grub ist wohl ein Traum für jeden Schwaben. Aus dem Fenster überblickt man den Stuttgarter Talkessel, wie das Zentrum der baden-württembergischen Landeshauptstadt im Volksmund heißt. Und wenn die Sonne scheint, dann leuchten die Dächer der Schwaben-Metropole in rot und orange.

Grubs Idylle zerbricht im Flur. Dort türmen sich die Akten seines derzeit meist beachteten Insolvenzfalls. Aufschrift: „Hess AG“. Tausende Seiten voll mit Zahlen und Bilanzen. Es könnten die stummen Zeugen eines der größten Mittelstands-Skandale sein, die Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren erlebt hat. Die Unterlagen dokumentieren den Aufstieg und Niedergang des insolventen Schwarzwälder Leuchtenbauers Hess, der im Oktober 2012 an die Börse ging und keine vier Monate später pleite war. Der Fall, sagt Grub, nimmt immer größere Ausmaße an.

Die Chronologie des Hess-Skandals
Hess startet an der Frankfurter Börse.
Der Aufsichtsrat entlässt die Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler fristlos wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation.
Die Staatsanwaltschaft Mannheim nimmt Ermittlungen gegen die Vorstände auf.
Banken sperren Guthaben und Kreditlinien.
Die Hess AG meldet Insolvenz an.
Volker Grub wird Insolvenzverwalter.
Das Unternehmen startet als GmbH neu. Von der alten Hess AG bleiben nur noch die Hülle – und ein Berg Schulden.
Die Staatsanwaltschaft Mannheim lässt die Ex-Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr festnehmen. Gegen Auflagen kommen beider wieder frei.
Insolvenzverwalter Grub verkündet den Verkauf der Hess GmbH an den niederländischen Lichtspezialisten Nordeon.

Der Insolvenzverwalter geht inzwischen davon aus, dass die Bilanzen des Unternehmens bis zum Börsengang um mindestens 45 Millionen Euro geschönt worden sind. Bislang war von 26 Millionen Euro die Rede. Der ehemalige Hess-Finanzvorstand Peter Ziegler ließ über seinen Steuerberater Lutz Büttner ausrichten, dass diese Summe „total abwegig“ sei. Ziegler legt Wert auf die Feststellung, dass die Vorwürfe Grubs „nur eine einfache Behauptung“ seien und Grub die mehrfach versprochenen, geänderten Bilanzen in testierter Form bislang schuldig geblieben sei. Grub hält dagegen: „Das ganze Ausmaß ist wahrscheinlich noch größer“, sagte Grub bei der Vorstellung des lange erwarteten Sonderprüfungsberichts. „Aber alles, was wir nicht direkt belegen konnten, haben wir außen vorgelassen.“

Mit Blick auf die damaligen Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler berichtete Insolvenzverwalter Grub von einer Wende: „Die Existenz von Schattengesellschaften wird nicht mehr bestritten.“ Hess und Ziegler hätten diese ihm gegenüber lediglich als „Bad-Bank-Gesellschaften“ bezeichnet, auf die schlechte Geschäfte ausgelagert worden seien. Hess war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Ziegler ließ ausrichten, dass es keine Trendwende gebe, der „Begriff Schattengesellschaften“ sei eine Wortschöpfung des Herrn Grub und dies „ohne jeglichen Hintergrund“. Das Bad-Bank-Modell zur Auslagerung von potenziellen Risiken im Interesse der Hess AG sei zu „keiner Zeit strittig“ gewesen.

Rena

Der Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten.


Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“.

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Münchener Abendzeitung

Sie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters" - jetzt steht sie vor dem Aus. Die AZ hat am 5. März 2014 einen Insolvenzantrag gestellt. Sinkende Anzeigenerlöse, sinkende Leserzahlen und hohe Druckkosten seien der Grund, sagte Herausgeber Johannes Friedmann. 110 Mitarbeiter sind betroffen, davon rund 50 in der Redaktion. „Es gab kaum jemals ein gutes Jahr in der Abendzeitung“, seitdem er 1986 die Geschäfte übernommen habe, sagte Friedmann. Man hätte den Schritt „schon viel früher gehen müssen - vor zehn Jahren.“ Ein Investor ist nicht in Sicht. Der Süddeutsche Verlag, an dem die Familie Friedmann mit 18,75 Prozent beteiligt, hat kein Interesse an einer Übernahme. Auch von Dirk Ippen, der den „Münchner Merkur“ und die Münchner Boulevardzeitung „tz“ verlegt scheint nicht interessiert. AZ-Herausgeber Friedmann sieht auch im Internet einen Grund für die Probleme der Abendzeitung: „Das, was eine typische Boulevardzeitung ausmacht, ist (...) durch das Internet weitgehend bedeutungslos geworden.“

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Zamek

Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen.

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Strauss Innovation

Für die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die "Rheinische Post". Strauss Innovation hatte am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Betroffen sind 1400 Mitarbeiter in 96 Filialen und 59 deutschen Städten. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Versandhändler Neckermann gehörte. Strauss möchte zunächst einen eigenen Insolvenzplan vorlegen, bevor in drei Monaten das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen.

Foto: dpa

Kaiser GmbH

Drei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt.

Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´: "Es gibt mehrere Interessenten, die sich (...) mit einem Einstieg bei Kaiser befassen. Unser Ziel ist es, bis Jahresmitte eine dauerhafte Fortführungslösung zu realisieren." Kaiser erwirtschaftet rund 90 Millionen Euro Umsatz und lieferte 2012 rund 24 Millionen aus - darunter Airbag- und Antriebs-Komponenten, Bremsscheiben und –trommeln, Gehäuse für ABS, Kupplung, Getriebe, Hinterachsen und Zylinderblöcke. Alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer ist der Gründer Klaus-Peter Kaiser. Von 2000 bis 2008 wuchs Kaiser rasant und verdreifachte nahezu den Umsatz. Nach dem krisenbedingten Einbruch in 2009 hatte der Zulieferer zuletzt wieder an dieses Wachstumstempo anknüpfen können - das reichte allerdings nicht aus, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.

Foto: Screenshot

Weltbild Verlag

Das insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger.
Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14.

Foto: dpa

Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies: "Am Donnerstag haben wir Insolvenz für unsere Vertriebsgesellschaft angemeldet. Am Freitag erfolgt die Insolvenzanmeldung für die AG. Ob weitere Tochtergesellschaften ebenso den Weg der Insolvenz gehen, wird noch geprüft." Der Geschäftsbetrieb des Online-Händlers mit rund 200 Mitarbeitern werde jedoch weiter gehen. Auf einer Mitarbeiterversammlung wolle der eingesetzte Insolvenzverwalter über das weitere Vorgehen informieren. "Parallel dazu läuft die Investorensuche. Dazu gab und gibt es hoffnungsvolle Gespräche", sagte Rockstädt-Mies.

Foto: Presse

Der schwer angeschlagene TV-Hersteller Loewe stellt nach monatelangen Rettungsversuchen einen Insolvenzantrag. Loewe-Chef Matthias Harsch hofft nun, bis Ende des Monats einen Investor zu finden: "Wir haben sechs Angebote von Investoren, über die wir in den kommenden vier Wochen entscheiden" Ohne Investor sei es "natürlich aus". Loewe schreibt seit Jahren Verluste und leidet unter der harten koreanischen Konkurrenz wie Samsung und LG Electronics.. Im ersten Halbjahr brach der Umsatz um fast 40 Prozent auf 76,5 Millionen Euro ein, die Anleger flohen in Scharen, die Aktie sackte um ein Drittel auf 4,10 Euro ab.
Im Sommer beantragen die Kronachern ein Schutzschirmverfahren, um zunächst Ruhe vor den Gläubigern zu haben. Im Zuge der Sanierung verloren mehr als 300 der über 1000 Mitarbeiter ihren Jobz. Mit der nun folgenden Planinsolvenz ist Loewe seine Gläubiger los, das Unternehmen formal entschuldet. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Pleite wird kein Insolvenzverwalter eingesetzt. Die Geschäftsführung darf unter den Augen eines Sachwalters selbst versuchen, die Wende zu schaffen.

Foto: dpa

Für den traditionsreichen Strumpfhersteller Kunert (Gründungsjahr 1907) hat sich ein Investor gefunden: den österreichischen Unternehmer Erhard Grossnigg. Kunert hatte am 2. Mai 2013 Insolvenz beantragt. Arndt Geiwitz, der unter anderem die Pleite des Drogeriemarktkönigs Anton Schlecker begleitet hatte, wurde zum Insolvenzverwalter bestimmt. Kunert hatte im Februar die Sanierung in Eigenverwaltung beantragt, dann aber auf Geiwitz' Rat hin in ein reguläres Insolvenzverfahren gewechselt. Das ermöglicht es Käufern, bei der sogenannten übertragenen Sanierung die gesunden Teile des Unternehmens ohne Schulden zu übernehmen. Grossnigg übernimmt nun die Produktionsstätten in Immenstadt und Marokko sowie die verbliebenen 900 der ehemals 1000 Mitarbeiter. Die neugegründete GmbH firmiert unter dem Namen Kunert Fashion. Bisher macht der Strumpfproduzent fast 80 Prozent der Umsätze in Deutschland.

Foto: dpa/dpaweb

Der Suhrkamp Verlag stellte Anfang August 2013 eine Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz wollte im Zuge dessen den Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Nun droht dieser Plan zu scheitern. Das Landgericht Frankfurt hat der Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz untersagt, dem Sanierungsplan auf der Gläubigerversammlung zuzustimmen. Der Grund: Der Plan sei einseitig auf die Belange der Familienstiftung als Mehrheitseigentümer ausgerichtet. Die Umwandlung in eine AG habe allein das Ziel, sich vom Minderheitsgesellschafter zu trennen. Die Stiftung habe damit ihre „Treuepflicht“ gegenüber Minderheitsgesellschafter Hans Barlach verletzt. Barlach liegt seit Jahren mit der Verlagschefin im Clinch. Die Stiftung will Berufung gegen die Entscheidung einlegen.

Foto: dpa

Windpark-Entwickler Windreich meldet am 9. September 2013 Insolvenz angemeldet. Gründer und Firmenchef Willi Balz legte die Geschäftsführung nieder. Windreichs prekäre finanzielle Lage beschäftigt bereits die Behörden. Im März hatte das Unternehmen Zinsen für Anleihen verspätet überwiesen, weil das Geld kurzzeitig knapp war. Kurz darauf ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und Bilanzmanipulation - unter anderem gegen Balz. Der hatte die Ermittlungen bestätigt, die Vorwürfe aber zurückgewiesen.
Windreichs Geschäftsmodell ist hoch kompliziert und nicht ohne Risiken. Die Firma plant als Projektentwickler On- und Offshore-Windparks und schließt Verträge mit Bauunternehmen, noch bevor Anteile an den Projekten in Einzelteilen an Investoren und Energieversorger verkauft werden. Mehr über die Windreich-Pleite lesen Sie hier: Investoren drängen Gründer Balz bei Windreich raus.

Foto: dpa

Cinemedia

Der Mediendienstleister hat am 19. August 2013 Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Als vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht München Stephan Ammann bestellt. Das Unternehmen meldete Zahlungsunfähigkeit, nachdem eine der beiden Hausbanken eine Kreditlinie fristlos gekündigt hatte. Zunächst wollte man in Kooperation mit den Eigentümern eine Lösung suchen, was aber nicht gelang. Mehrheitsaktionär ist die Tele München Gruppe des Medienunternehmers Herbert Kloiber. Cinemedia ist auf die Nachbearbeitung von Kino- und Fernsehfilmen spezialisiert. Die Firma hat rund 300 Mitarbeiter und machte 2012 einen Umsatz von 33 Millionen Euro.

Foto: WirtschaftsWoche

Der Sportwagenbauer Wiesmann hat beim Amtsgericht Münster Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahren gestellt. Die GmbH hat in den vergangenen 25 Jahren 1600 Sportwagen gebaut. Derzeit arbeiten knapp 110 Menschen in der Firma. Zu den Gründen der Finanznöte wollte sich das Unternehmen nicht äußern. Man sehe aber auf jeden Fall eine Zukunft für das Unternehmen und führe Gespräche mit möglichen Investoren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Norbert Küpper bestellt.

Foto: AP

Der Düsseldorfer Reiseveranstalter GTI und das Unternehmen Buchmal Reisen haben am 3. Juni ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Zuvor waren Gespräche des Unternehmens mit Banken in Ankara gescheitert. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 5000 GTI-Urlauber im Ausland - ganz überwiegend in der Türkei - unterwegs. Ein rechtlich zulässiger Insolvenzantrag des Unternehmens lag aber auch am Donnerstag beim Düsseldorfer Amtsgericht noch nicht vor. Den am Mittwoch vorgelegten Antrag von GTI Travel hatte das Gericht wegen formaler Mängel gerügt. Unter anderem fehlten Unterschriften. Nun seien die Anwälte dabei nachzubessern, sagte ein Gerichtssprecher. Er konnte aber nicht sicher sagen, ob es noch vor dem Wochenende einen zulässigen Antrag geben werde. Ohne Feststellung der Insolvenz kann die Reiseversicherung nicht zahlen. Das trifft die Kunden, die ihren Urlaub bei GTI bereits bezahlt haben, aber noch nicht abgereist sind. Nach Einschätzung von Fachleuten kann es Monate dauern, bis sie ihr Geld zurückbekommen.

Foto: dpa

Was 2000 hoffnungsvoll begann endet am 4. März 2013 mit einem Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Leipzig. Die Solarion AG beantragt Sanierung in Eigenverwaltung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens. Solarion produziert Dünnschichtsolarmodule. Zuletzt geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen als es sich mit seinem taiwanesischen Investor Walsin Lihwa überwarf.

Foto: Presse

Der Leuchtenhersteller Hess aus Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg meldet im Januar 2013 Insolvenz. Zuvor waren die beiden Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler entlassen worden. Ihnen wird vorgeworfen, vor dem Börsengang des Unternehmens im vergangenen Oktober Bilanzen für die Jahre 2011 und 2012 gefälscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie sowie weitere Verdächtige.
Der Standort Löbau bei Dresden mit knapp 100 Mitarbeitern stehe nach Firmenangaben ganz auf der Kippe. Der Standort Villingen soll erhalten bleiben, allerdings müssen 20 der 140 Mitarbeiter gehen. Im Mai gründet Hesse eine neue Gesellschaft, um neue Kunden zu gewinnen und das angeschlagene Image aufzupolieren. Ein Restrukturierungskonzept für Hess liegt vor.

Foto: dpa

Die Großbäckerei Siebrecht aus Brakel in der Nähe von Paderborn mit bundesweit 240 Filialen hat am 2. Mai 2013 einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Paderborn gestellt. Betroffen sind rund 1300 Mitarbeiter. Sinkende Umsätze und steigende Rohstoffkosten hätten das Unternehmen in eine "schwierige wirtschaftliche Situation" gebracht, sagte Siebrecht-Geschäftsführer Karsten Jarick. Siebrecht plant eine Insolvenz unter Eigenverwaltung, an deren Ende die Sanierung stehen soll. Laut Unternehmen stehen Investoren für eine Übernahme bereit. Die Unternehmensgruppe erwirtschaftete in 2012 einen Umsatz von rund 73 Millionen Euro. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Düsseldorfer Wellensiek-Partner, Andreas Pantlen bestellt.

Foto: WirtschaftsWoche

Die "Frankfurter Rundschau" hat am 13. November 2012 wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts Frankfurt am Main. Die Tageszeitung zählt neben der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu den großen überregionalen Qualitätszeitungen in Deutschland. Die Frankfurter Rundschau wurde 1945 gegründet. Heute erscheint sie im DuMont Verlag und erreichte im dritten Quartal 2012 eine verkaufte Auflage von fast 118.000 Exemplaren. Der Verlag hatte mit Sparprogrammen und teilweisen Zusammenlegung mit der "Berliner Zeitung" versucht, die "FR" wieder auf Kurs zu bringen. Der Erfolg blieb aus. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel ist als Insolvenzverwalter der Rechtsanwalt Frank Schmitt eingesetzt worden.

Foto: AP

Die P+S Werften in Mecklenburg-Vorpommern streichen die Segel. Sie steckten seit mehreren Jahren in einer finanziellen Krise. Die Situation hatte sich jetzt durch Lieferverzögerungen verschärft. Daraufhin stoppten Bund und Land weitere Zahlungen, weil absehbar wurde, dass die zugesagten 152 Millionen Euro Staatshilfe für die Sanierung nicht ausreichen würden. Als die Abnehmer von Schiffen, darunter als größte die Reedereien Scandlines und DFDS, zu keinen Zugeständnissen bereit waren, musste P +S Insolvenz anmelden. Das Amtsgericht Stralsund hat am 30. August 2012 das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. Der Hamburger Rechtsanwalt Berthold Brinkmann wurde beauftragt, die Erfolgsaussichten des von der Werft beantragten Insolvenzverfahren in Eigenregie zu prüfen. Brinkmann leitete bereits das Insolvenzverfahren der Hamburger Sietas-Werft und Rostocker Wadan-Werften.

Foto: dpa

Schlott

Der Druckereikonzern mit Sitz in Freudenstadt im Schwarzwald rutschte 2011 in die Pleite. Betroffen waren 1480 Beschäftigte. Der Druckdienstleister war vor der Insolvenz immerhin die Nummer zwei in Deutschland.

Foto: Pressefoto

Mäc Geiz

Der Einzelhandelsdiscounter Mäc Geiz rutschte 2010 in die Pleite. Das Kerngeschäft ging an die österreichische Management Trust Holding. Betroffen waren 1600 Angestellte.

Foto: mauritius images / imagebroker

Escada

Nach einem überzogenen Expansionskurs ging dem börsennotierten Modekonzern aus Aschheim bei München finanziell die Luft aus. Von der Pleite im Jahr 2009 waren 2200 Mitarbeiter betroffen.

Foto: ap

Q-Cells

Kein Weg zurück: Dem Solarkonzern Q-Cells ging das Geld aus. Die Gläubiger konnten sich nicht auf einen Rettungsplan einigen. Insgesamt 2300 Beschäftigte waren betroffen.

Foto: dapd

Schiesser

Der traditionsreiche Wäschehersteller Schiesser rutschte bereits 2009 in die Insolvenz. Ein geplanter Börsengang wurde verschoben. Schließlich ging das 1875 in Radolfzell gegründete Unternehmen an den israelischen Konzern Delta Galil. Bei Schiesser arbeiteten 2300 Mitarbeiter.

Foto: dapd

Edscha

Der Autozulieferer Edscha produziert Türscharniere und Cabrioverdecke. Im Jahr 2009 wurde das Geld knapp und das Unternehmen stellte einen Insolvenzantrag. In Deutschland arbeiteten 2300 Menschen für die Firma. Die Gesellschaft wurde von Webasto übernommen, die Arbeitsplätze konnten erhalten werden.

Foto: dpa

Wadan-Werften

Der Schiffbauer Wadan-Werften kam ebenfalls 2009 nicht mehr an Geld. Trotz staatlich verbürgter Millionen-Kredite waren die Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde in Zahlungsprobleme geraten. Das Unternehmen lag in der Hand russischer Investoren. Rund 2400 Mitarbeiter litten unter der Pleite.

Foto: ap

Honsel

Die Firma Honsel in Meschede war eine der führenden Aluminiumgießereien in Deutschland und gehörte zu den 25 wichtigsten Autoteilezulieferbetrieben. Doch 2010 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Der Betrieb wurde an einen kanadischen Investor verkauft. Einzelne Werke und Tochterunternehmen gingen an ZG Friedrichshafen. Bei Honsel arbeiteten 3000 Menschen.

Foto: LAIF

Karmann

Das Automobil- und Karosseriebauunternehmen mit Hauptsitz in Osnabrück produzierte Cabrios und Coupés auf der Basis von Fahrzeugen der großen Hersteller. Im Zuge der Finanzkrise ging Karmann Pleite. Das Unternehmen beschäftigte 3400 Menschen. Das Hauptwerk in Osnabrück ging an Volkswagen.

Foto: dpa

Qimonda

Den Speicherchiphersteller Qimonda erwischte es 2008. Durch den Preisverfall bei Chips geriet das Unternehmen in Turbulenzen. Im März 2009 verließen dann die letzten Arbeiter das Werk in Dresden. 4600 Mitarbeiter arbeiteten in Deutschland. Die meisten landeten in einer Auffanggesellschaft. Das Werk in Dresden wurde von Infineon übernommen.

Foto: dpa

Manroland

Der Druckmaschinenhersteller Manroland beschäftigte in Offenbach, Augsburg und Plauen rund 6500 Mitarbeiter. Doch die Branche steht unter Druck. Im November 2011 reichte das Unternehmen den Insolvenzantrag ein. Der Konzern wurde in verschiedene Teile aufgespalten.

Foto: PR

Woolworth

Tore zu bei Woolworth: Der deutsche Ableger der Billigkaufhauskette rutschte 2009 in die Pleite. 9300 Angestellte arbeiteten in den Filialen. Die Märkte gingen an die HH-Holding, die Dachgesellschaft der Unternehmensgruppe Tengelmann.

Foto: dpa

Schlecker

Ausverkauf bei der Drogeriekette Schlecker. Das Familienunternehmen ging im Wettstreit mit der Konkurrenz unter. Politische Rettungsversuche und Verhandlungen mit Investoren scheiterten. Schließlich begann der Ausverkauf in den Filialen und die Mitarbeiter, rund 25.000, mussten sich neue Jobs suchen.

Foto: dapd

Arcandor

Der Handels- und Touristikriese Arcandor geriet durch Missmanagement ins Straucheln und wurde zerschlagen. Die Kaufhauskette Karstadt ging an Berggruen Holding. Der Versandhandel Quelle wurde aufgelöst, der Markenname ging an Konkurrent Otto. Die Beteiligung am Touristikkonzern Thomas Cook wurde verkauft. In dem Gesamtkonzern arbeiteten 52.000 Menschen.

Foto: dpa

Die Ex-Manager hatten immer wieder bestritten, Bilanzen manipuliert zu haben. Die Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz hält nun dagegen – und listet in ihrem gut 170 Seiten starken Bericht detailliert auf, welche Bilanzpositionen in den sechs Jahren vor dem Börsengang geschönt worden sein sollen. Das Papier ist auf der Internetseite der Hess AG abrufbar.

Die meisten Abweichungen beruhten auf Scheinrechnungen, sagte Wolfgang Russ von Ebner Stolz. Allein hier liege der Umfang bei rund 26 Millionen Euro. Daneben hätten die damaligen Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler Kreisgeschäfte getätigt. So sei in einem Fall etwa die selbe Maschine mehrfach innerhalb des Konzerns verkauft und der Erlös am Ende in die Bilanz der Hess AG gebucht worden. Außerdem seien drohende Verluste riskanter Derivategeschäfte nicht korrekt verbucht worden. Auch hierzu war Hess nicht zu erreichen.
Ziegler ließ ausrichten, dass zwar Maschinen verkauft worden seien, diese aber nicht im Rahmen von Scheingeschäften, sondern „ganz normal mit Belegen und ordnungsgemäßer Verbuchung“. Die Angelegenheit sei zudem bereits vor Gericht, sagte Büttner. Auch die Bewertung der Derivategeschäfte sei in Abstimmung mit Wirtschaftsprüfern erfolgt und im maximal zulässigen Umfang gebildet.

Als Reaktion auf den Sonderprüfungsbericht hat Insolvenzverwalter Grub die beiden Ex-Manager auf Schadenersatz über insgesamt 2,76 Millionen Euro verklagt. Den Aktionären sei nun der Schaden durch den Kauf der Aktien aus der Insolvenzmasse zu erstatten. Die Hess AG hatte bei dem Börsengang im vergangenen Herbst knapp 36 Millionen Euro eingenommen.

Volker Grub wird der Fall noch eine Weile beschäftigen. „Ich gehe davon aus, dass das Insolvenzverwahren noch mindestens fünf Jahre lang läuft“, sagte er. Beim Blick aus dem Fenster zeigt sich ein graues Bild. Der Stuttgarter Talkessel liegt unter einer dicken Wolkendecke.

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