Schätzung für Deutschland: Jährlicher Steuerbetrug von 13 Milliarden Euro
2013 sollen in Deutschland Steuern im Wert von 13,3 Milliarden Euro hinterzogen worden sein.
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Friedrich Schneider ist Professor an der Universität Linz. Er hat das Ausmaß der Steuerhinterziehung in Deutschland untersucht. Das Ergebnis: Hoeneß ist mit seinen 18,5 Millionen Euro nur sowas wie ein kleiner Fisch im Becken. Insgesamt kommt Schneider für 2013 auf einen Wert von insgesamt 13,3 Milliarden Euro für Deutschland, heißt es in einer unveröffentlichten Schätzung, über die die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet.
Schneider hatte den Steuerbetrug für das Jahr 2012 auf 12,5 Milliarden Euro geschätzt. Der Anstieg im vergangenen Jahr bedeutet allerdings nicht gleich einen größere Menge an Steuerhinterziehern, so die SZ. Auch die Methode mit der die Summe der Steuerhinterziehung gemessen wird, beeinflusst das Ergebnis. Schneider beispielsweise arbeitet um mit Umfragen zur Steuermoral, um den Umfang der Schattenwirtschaft zu messen. Kombiniert werden diese dann mit den Wirtschaftsdaten, mit Kapitalflüssen, dem Wirtschaftswachstum und den Steuerraten.
1988
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung startet die Initiative Harmful Tax Competition. 41 Länder werden identifiziert, deren Steuergesetzgebung offenbar fairem internationalem Wettbewerb widerspricht. Die Schweiz, Österreich, Belgien und Luxemburg protestieren, weil sie ihr Bankgeheimnis gefährdet sehen.
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Nach den Anschlägen vom 11. September auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington gehen die Amerikaner im Zuge der Terrorismusbekämpfung verstärkt auch gegen Geldwäsche vor. Sie nehmen rund um die Welt obskure Finanzzentren unter die Lupe und erzwingen die Offenlegung von Kontobewegungen auch im Ausland, um bei Verdacht darauf zugreifen zu können.
2003
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bietet eine Amnestie für Steuerflüchtlinge an. Wer sein im Ausland verstecktes Vermögen freiwillig zurückbringt und dem deutschen Fiskus offenbart, soll mit einer Pauschalsteuer
von 15 Prozent davonkommen. Doch nur wenige Steuersünder finden dieses Angebot attraktiv und machen mit. Statt der erhofften fünf Milliarden nimmt Eichel lediglich 1,4 Milliarden Euro für die Staatskasse ein.
2005
Die Europäische Richtlinie zur Zinsbesteuerung tritt nach jahrzehntelangem Kräfteringen in Kraft. Widerstand leisten auch hier die Schweiz, Luxemburg, Belgien (Informationsaustausch erst seit 2010) und Österreich
(kein Informationsaustausch, aber anonyme Quellensteuer). Die Richtlinie gilt wegen der engen Definition von Kapitalerträgen als „Schweizer Käse“ – ihr Erfolg hält sich daher auch in sehr überschaubaren Grenzen.
2008
Durchsuchung beim damaligen Top-Manager Klaus Zumwinkel. Zuvor hatte ein Mitarbeiter der LGT Bank Daten gestohlen. Unter dem Schock der Zumwinkel-Bilder zeigen sich viele Steuerhinterzieher selbst an.
2008
Die USA werfen der Schweizer Bank UBS vor, 19 000 Amerikanern beim Steuerhinterziehen geholfen zu haben. Washington erzwingt trotz Schweizer Bankgeheimnis die Herausgabe aller Kundendaten.
2009
Mitten in der Finanzkrise sagen die G20-Chefs den Steueroasen den Kampf an. Der Druck wirkt. Seit Mai 2009 ist kein Land mehr auf der „OECD List of Uncooperative Tax Havens”. Alle sechs Monate verfasst die OECD einen Fortschrittsbericht für die G20. Deutschland beginnt mit dem Ankauf von Steuer-CDs aus der Schweiz, insgesamt fünf Datenträger. Kaum jemand wird überführt, doch rund 30 000 Bürger zeigen sich aus Angst vor Entdeckung selbst an.
2010–2012
Wolfgang Schäuble verhandelt mit der Schweiz ein Steuerabkommen. Altvermögen soll mit mindestens 21 Prozent nachversteuert werden. Am 26. Oktober stimmt der Bundestag, im November der Bundesrat darüber ab.
Einfach gesagt heißt das: Es wird nicht gefragt "Sind Sie ein Steuerhinterzieher?", sondern vielmehr "Ist Steuerhinterziehung verwerflich?" oder "Kennen Sie jemanden, der Steuern hinterzieht?". Aus den Antworten der Befragten werden dann Schätzwerte gebildet. Aus diesem Schätzwert ist die Zahl 13,3 Milliarden Euro entstanden. Die Zahl entspricht fast 2,5 Prozent der Steuereinnahmen von Bund und Ländern im vergangenen Jahr.
Schneider unterteilt die Steuerhinterzieher in drei Gruppen, so die SZ. Es gibt diejenigen, die nur "ein bisschen zur Seite schaffen wollen". Wenn genau diese Kandidaten merken, dass sie erfolgreich sind, dann besteht die Chance, das sie mutiger werden. Ungefähr 40 Prozent teilt Schneider dieser Kategorie zu. Gleichwertig ist der Anteil der Steuerhinterzieher, die rational an ihre Tat herangehen. Dieser Typ Steuerhinterzieher weiß was er tut und tut es mit Vorsatz. Der Rest (rund 20 Prozent) sind nach Angaben von Schneider risikofreudige "Spielertypen".
Schneider ist der Ansicht, dass auch Schwarzarbeit ein enormes Problem ist. Unter Schwarzarbeit fallen kleine Dienstleistungen, die nicht versteuert werden. Aber auch wenn der Staat es schaffen würde diese Arbeiten zu legalisieren, könne nur ein Teil der Steuern eingetrieben werden. Denn Sozialabgaben und Steuern würden die Schwarzarbeit teurer machen - gleichzeitig würde also die Nachfrage sinken.