Plötzlich Chefin: In den Schuhen des Vaters
Eva Clüsserath gehört zu den Winzertöchtern, die Weine von Weltrang produzieren – von diesen Frauen gibt es immer mehr.
Foto: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Eva Clüsserath: Konservativ handeln
Am Anfang hat Ansgar Clüsserath manchmal geschimpft: „Ich denke, ich stehe statt mit meiner Tochter mit meinem eigenen Vater im Weinkeller.“ Was ihn in Rage brachte: Seine Eva, die 2001 in das preisgekrönte Riesling-Weingut eingestiegen war, hatte noch konservativere Ansichten beim Weinmachen als er.
„Verkehrte Welt“, sagt Eva Clüsserath, die jede Art von Hochtechnologie für ihren Betrieb ablehnt: „Mein Vater tut das zwar auch, aber ich bin noch puristischer.“ Im Herzen war der Vater trotz gelegentlichem Dissens wohl doch froh, dass die beiden in die gleiche Richtung denken.
Noch ist das Gut im Besitz des Vaters. Der kleine, aber feine Betrieb produziert mit acht Mitarbeitern jährlich nur 40.000 Flaschen. Die Weine aus bekannten Lagen wie Trittenheimer Apotheke werden auch in Norwegen, Taiwan, Japan und den USA gerne getrunken. Winzerin Clüsserath gehört zu den Trendsetterinnen in der deutschen Wirtschaft. Denn in keiner mittelständischen Branche übernehmen so viele Töchter die Betriebe ihrer oft sehr erfolgreichen Väter wie gerade beim Weinbau.
Platz 15: Alison Cooper, Imperial Tobacco
Gauloises dürfte die bekannteste Marke des britischen Konzerns Imperial Tobacco sein, dem Alison Cooper vorsteht. Seit 2010 ist die 47-Jährige CEO des Konzerns. Sie habe den Tabak-Riesen wieder auf die richtige Spur gebracht, indem sie in wachsende Märkte investiert habe, wie zum Beispiel Kasachstan, schreibt das Magazin „Fortune“ über die Managerin. Für die amerikanische Zeitschrift ist sie auf Platz 15 der mächtigsten Managerinnen weltweit.
„Fortune“ – bekannt für Ranglisten wie die Fortune-500 – hat jetzt ein Ranking der wichtigsten Geschäftsfrauen veröffentlicht.
Foto: dpa Picture-AlliancePlatz 14: Marissa Mayer, Yahoo
Wegen ihr sieht Google so aus, wie es aussieht: Marissa Mayer (hier mit Ryan Lewis und Macklemore) war bei dem Suchmaschinenkonzern fast von Anfang an dabei und unter anderem zuständig für die Optik der wichtigsten Produkte. Seit Jahren gilt sie als Überfliegerin der Internet-Branche. 2012 wechselte sie von Google zu Yahoo - als Vorstandsvorsitzende. Weil sie gleichzeitig ihre Schwangerschaft bekannt gab war das Medienecho groß, sie dürfte eine der bekanntesten Managerinnen überhaupt sein. Im Ranking von „Fortune“ schafft sie es auf Rang 14. Bewertet wurden für die Liste unter anderem die Größe und der Zustand des Unternehmens, der Verlauf der individuellen Karriere und das Standing in der internationalen Geschäftswelt.
Foto: APPlatz 13: Safra Catz, Oracle
Der Konzern Oracle versorgt große Teile der Weltwirtschaft mit Software - zum Beispiel Datenbankanwendungen. Viele Entscheidungen im Konzern trifft die CFO Safra Catz, was sie in den Augen von „Fortune“ zu einer der einflussreichsten Figuren in der Technologiebranche macht.
Foto: PressePlatz 12: Phebe Novakovic, General Dynamics
Seit 2013 ist Novakovic CEO beim Rüstungskonzern General Dynamics. Die 56-jährige Amerikanerin ist vom Fach: Vorher arbeitete sie für die CIA. General Dynamics ist dabei, sein internationales Geschäft auszubauen, vor allem die Bestellungen von Flugzeugen des Herstellers Gulfstream, der zu General Dynamics gehört, kommen zu großen Teilen aus dem Ausland.
Foto: PressePlatz 11: Sheryl Sandberg, Facebook
Sie ist die Nummer zwei im Facebook-Imperium: Als Chief Operating Officer ist sie an der Seite von Mark Zuckerberg für das geschäftliche zuständig. Vor ihrem Engagement bei dem sozialen Netzwerk arbeitete sie bei Google, der Weltbank und dem US-Finanzministerium. Sandberg beschäftigt sich viel mit der Rolle von Frauen in der modernen Gesellschaft und sieht sich selbst als Vorreiterin. Im März erschien ihr Buch über Frauen und Karriere „Lean In: Women, Work, and the Will to Lead“.
Foto: dpaPlatz 10: Gail Kelly, Westpac
Die größte Bank Australiens wird seit 2008 geführt von Gail Kelly, die seit dem jährlich auf einem der vorderen Plätze in der „Forbes“-Liste der mächtigsten Frauen der Welt landet. Auch im dem in diesem Jahr zum ersten Mal veröffentlichten „Fortune“-Ranking schafft sie es in die Top-Ten. Unter ihrer Führung entwickelte sich die Westpac-Group hervorragend und zählt zu den erfolgreichsten Unternehmen des Landes. Durch eine Anhebung der Darlehenszinsen allerdings machte sich Kelly bei den Australiern nicht unbedingt beliebt. Sie begründete den Schritt mit niedrigen Sparquoten in Australien.
Foto: dpa Picture-AlliancePlatz 9: Patricia Woertz, Archer Daniels Midland
„Woertz genießt international große Glaubwürdigkeit“ lobt „Fortune“. Seit acht Jahren ist die Amerikanerin CEO des Lebensmittelkonzerns Archer Daniels Midland (ADM), der zum Beispiel Soja- und Getreideprodukte herstellt. Das Unternehmen machte im Jahr 2011 mehr als 80 Milliarden Dollar Umsatz und hat mehr als 30.000 Mitarbeiter. Die 60-jährige Woertz hat vor ihrem Engagement bei ADM bei Ernst&Young und für Chevron gearbeitet.
Foto: dpa Picture-AlliancePlatz 8: Meg Whitman, Hewlett-Packard
Hewlett-Packard (HP) war einer der großen Vorreiter zu Beginn des Computerzeitalters und ist mit für die Existenz des Silicon Valley verantwortlich. Mittlerweile muss HP sich vor allem der Konkurrenz aus China stellen: Lenovo hat die Amerikaner als größter PC-Hersteller überholt. Meg Whitmen sitzt bei HP seit 2011 am Steuer und soll den Konzern wieder auf Kurs bringen. Gleichzeitig ist Whitmen als Politikerin aktiv, sie kandidierte für die Republikaner für das Gouverneursamt in Kalifornien.
Foto: dpaPlatz 7: Marillyn Hewson, Lockheed Martin
Die zweite Managerin eines Rüstungskonzerns in der Liste ist die erst kürzlich ernannte Marillyn Hewson. Auch sie soll das internationale Geschäft ausbauen. Doch auch wenn die meisten Produkte bisher an die US-Regierung verkauft werden, „haben sie doch einen direkten Einfluss auf die globale Diplomatie“, so die Redaktion von „Fortune“. Hewson ist eines der wenige Eigengewächse in der Welt der Top-Manager: Sie arbeitet seit 1982 für Lockheed Martin.
Foto: REUTERSPlatz 6: Irene Rosenfeld, Mondelez International
Mondelez International hieß bis 2012 Kraft Foods und ist der drittgrößte Nahrungsmittelhersteller der Welt. Rosenfeld arbeitete seit 1995 für Kraft, wechselte dann für zwei Jahre zum Konkurrenten PepsiCo und kehrte 2006 als Vorstandsvorsitzende zurück. Unter ihrer Leitung stieg der Konzern zum größten Schokoladenhersteller der Welt auf und sie war es auch, die die Aufspaltung in Mondelez (weltweites Geschäft) und Kraft Foods (US-Geschäft) auf den Weg gebracht hat.
Foto: imago imagesPlatz 5: Ellen Kullman, DuPont
Der amerikanische Chemiekonzern DuPont stellt unter anderem Saatgut und Materialien wie Teflon und Kevlar her. Ellen Kullmann hat das Unternehmen „neu erfunden“ und dabei international breiter aufgestellt, so „Fortune“.
Foto: REUTERSPlatz 4: Maria das Graças Silva Foster, Petrobras
Die zweite Managerin unter den Top-10, die nicht aus den USA kommt ist die Brasilianerin Maria das Graças Silva Foster. Schon im Alter von 24 begann Foster als Praktikantin bei Petrobras, die heute 60-Jährige ist die erste Frau an der Spitze eines Erdölunternehmens.
Foto: dpa Picture-AlliancePlatz 3: Indra Nooyi, PepsiCo
Auch der zweitgrößte Lebensmittelhersteller der Welt wird von einer Frau geführt. Seit 2006 ist Indra Nooyi CEO von PepsiCo, dem größten Konkurrenten von Coca Cola. Sie hat die Verkäufe außerhalb der USA mehr als verdoppeln können, mittlerweile kommt die Hälfte der Einnahmen aus dem Ausland. Das bringt ihr im Ranking von „Fortune“, das besonders auf internationales Engagement achtet, den dritten Platz ein.
Foto: REUTERSPlatz 2: Virginia Rometty, IBM
Mit einer Marktkapitalisierung von fast 200 Milliarden Dollar ist IBM der wertvollste Konzern, der von einer Frau geführt wird. Virginia „Ginni“ Rometty führt das Unternehmen seit 2012 und auch sie versucht immer mehr internationale Märkte zu erschließen. Vor allem in Afrika sieht sie große Chancen für den Technologiekonzern.
Foto: REUTERSPlatz 1: Mary Barra, General Motors
Die neue Chefin des US-Autobauers General Motors (GM) führt die „Fortune“-Liste der mächtigsten Managerinnen der Welt an. Die 52-Jährige, steht, wie viele andere in diesem Ranking, auch schon auf der „Forbes“-Liste der 50 mächtigsten Frauen der Welt. Barra hatte Mitte Januar als erste Frau die GM-Führung übernommen und ist damit die erste Frau, die einem großen Autokonzern vorsteht. Die Managerin war zuvor schon mehr als 30 Jahre bei dem Autobauer aus Detroit beschäftigt und hatte sich zielstrebig im Konzern nach oben gearbeitet. Sie saß in den vergangenen Jahren auch im Aufsichtsrat von Opel.
Foto: REUTERS
Sie scheinen das richtige Näschen zu haben – denn oft machen sie die Güter noch berühmter. So reiht sich mittlerweile ein klangvoller Name an den nächsten: Dorothee Zilliken (Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken), Caroline Diel (Schlossgut Diel), Meike Näkel (Weingut Meyer-Näkel), Carolin Spanier Gillot (Weingut Kühling-Gillot), Sandra Sauer (Weingut Horst Sauer) – sie alle sind Weinkennern ein Begriff.
Die Kaderschmiede dieser Könnerinnen liegt in den meisten Fällen in Geisenheim am Rhein. Auch wenn damals die Männer dort noch überwogen. Von den 60 Studenten des Fachs Weinbau aus Clüsseraths Abschluss-Jahrgang vor 14 Jahren war gerade ein Zehntel weiblich. Heute, schätzt die 38-Jährige, „ist das Verhältnis 50 zu 50“. Insofern ist mit noch mehr weiblichen Erfolgsgeschichten zu rechnen. Gleichzeitig gilt die Universität als Heiratsmarkt, wie Clüsserath lachend erzählt. Auch in ihrem Fall war es so: Den Eltern ihres Kommilitonen und heutigen Ehemannes Philipp gehört das rheinhessische Weingut Wittmann.
Dreifach Belastung
Das macht Clüsseraths Leben organisatorisch nicht einfacher. In Trittenheim an der Mosel betreut sie den väterlichen Weinbau und im Büro des Gatten in Westhofen bei Worms macht sie die kaufmännische Abwicklung. So wurde sie zur Dauer-Pendlerin.
Dass sich das mit der Betreuung der beiden Kinder vereinbaren lässt, ist vor allem den Großeltern zu verdanken. Alle vier beteiligen sich an der Betreuung der vierjährigen Tochter und des zehn Monate alten Sohnes. Bei Clüsserath keimt zeitweilig das schlechte Gewissen gegenüber den Kindern auf. Doch meistens schiebt sie es erfolgreich beiseite. Sie ist gern Unternehmerin und denkt an Expansion: „Ein paar gute Lagen würde ich schon noch dazukaufen.“
Tessa Tessner will den Möbelhändler Roller auch im Netz zum führenden Discounter ausbauen.
Foto: Presse
Martina Neeck ist sauer. Sonntagmorgen um 10.17 Uhr macht die Kundin sich auf der Facebook-Seite des Möbelhändlers Roller so richtig Luft.
Seit Monaten warte sie auf fehlende Teile für die beim Discount-Dickschiff gekaufte Vitrine. Der Service sei miserabel, hämmert sie in Großbuchstaben in die Tastatur. Keine Stunde später bietet ein Mitarbeiter in ruhigen Antworten Hilfe an.
Tessa Tessner, Geschäftsführerin beim Gelsenkirchener Möbelhändler Roller, schätzt soziale Netzwerke. Dass Facebook-Fans dort auch Ärger loswerden, hilft der für Marketing und E-Commerce zuständigen Managerin, „herauszufinden, wo wir was verbessern müssen“. Das wird dann auch geregelt. Und auf Wunsch der Chefin: Aber zackig.
Nächstes Jahr wird das US-Magazine "Fortune" nicht um sie herumkommen: Die künftige Chefin und erste Frau an der Spitze des größten US-Autobauers General Motors (GM) ist ein echtes Eigengewächs. Mit 18 Jahren begann Mary Barra in dem amerikanischen Traditionsunternehmen als Werkstudentin - seitdem hat sie in den unterschiedlichsten Konzernbereichen mit angepackt. Barra arbeitete im Ingenieurwesen, leitete ein Fertigungswerk und war Co-Chefin des Personalressorts. Auf allen Stationen machte sie sich als exzellente Strategin einen Namen.
Ihren schwierigsten Job hatte die 51-Jährige sicher zuletzt: Als Vize-Präsidentin war sie für die weltweite Produktentwicklung von GM verantwortlich - eine Aufgabe, der ihr in der Männerdomäne nur wenige zugetraut hatten, wie das Magazin „Bloomberg Businessweek“ in einem Barra-Porträt schrieb. „Sie ist führend am neuesten Erfolg der Firma beteiligt und belebt die Produktentwicklung bei GM neu“, lobte das Unternehmen sie nun anlässlich der Ernennung zur mächtigsten Frau in der globalen Autoindustrie. Ihre Produkte seien von einer ungekannten Qualität und kämen beim Kunden besonders gut an. Die zweifache Mutter habe sich als Anführerin herausgestellt, meinte der Aufsichtsrat.
Foto: dpaPlatz 14: Safra A. Catz
Die 51-Jährige ist eine der Präsidentinnen der Oracle Corporation, einem der weltgrößten Software-Hersteller. Sie kam bereits 1999 zum Unternehmen und war seit 2001 Mitglied des Vorstandes. Auf den Plätzen 10 bis 13 finden sich außerdem Abigail Johnson, Phebe Novakovic und Carol Meyrowitz, Ursula Burns.
Foto: AP
Platz 9: Meg Whitman
Die 57-Jährige ist seit 2011 CEO und Präsidentin von Hewlett-Packard und war zuvor bei ebay. Vor ihrem BWL-Studium hat sie übrigens Medizin studiert, wechselte dann aber das Fach. Außerdem kandidierte sie 2010 in Kalifornien für das Amt der Governeurin. Vergangenes Jahr belegte sie im Fortune-Ranking noch Platz 3.
Foto: REUTERSPlatz 8: Marissa Mayer
Die 38-Jährige ist seit 2012 Vorstandsvorsitzende bei Yahoo. Dreizehn Jahre war sie zuvor bei Google – Mitte 2012 wurde sie vom Rivalen abgeworben. Ihr Ziel: Yahoo soll wieder zu einer der ersten Adressen im Internetgeschäft werden.
Foto: REUTERS
Platz 7: Patricia Woertz
Die 60-Jährige ist CEO des Nahrungsmittelkonzerns Archer Daniels Midland und dort seit 2006 die Chefin. Bereits in den Vorjahren stand sie auf der Liste der mächtigsten Frauen der Welt. Sie verdient pro Jahr 20.684.000 US-Dollar.
Foto: REUTERSPlatz 6: Irene Rosenfeld
Die 60-Jährige verlor im Vergleich zum Vorjahr zwei Plätze. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Kraft Foods. Ihre Großeltern waren Juden, die aus Deutschland eingewandert sind. Sie promoviert in Marketing und Statistik.
Foto: ReutersPlatz 5: Sheryl Sandberg
Die 44-Jährige hat hingegen gleich drei Plätze gut gemacht. Sie ist seit 2008 Geschäftsführerin von Facebook und war zuvor sowohl bei Google als auch Stabschefin im US-Finanzministerium. Sie ist eine der reichsten Frauen der Welt.
Foto: REUTERSPlatz 4: Marillyn Hewson
Die 59-Jährige studierte Wirtschaftswissenschaften und ist bereits seit 1982 beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, mittlerweile ist sie seit Anfang des Jahres Präsidentin des Unternehmens.
Foto: ReutersPlatz 3: Ellen Kullman
Die 57-Jährige ist Präsidentin von DuPont, einem der weltweit größten Konzerne der Chemischen Industrie. Zuvor studierte sie Maschinenbau. Auch sie machte zwei Plätze gut und rutschte unter die Top3.
Foto: APPlatz 2: Indra Nooyi
Die 57-Jährige ist CEO von Pepsi. Investoren halten die Pepsoco-Chefin Indra Nooyi für „dickköpfig“. Als Teenager spielte sie in Chennai, ihrer Geburtsstadt in Indien, in einer Mädchen-Rockband.
Foto: dpaPlatz 1: Ginni Rometty
Die 56-Jährige ist seit Anfang 2012 CEO von IBM und heißt eigentlich Virginia. Sie drängte auch auf noch unversorgte Märkte, wie etwa in Afrika, um neue Kunden zu gewinnen. Schließlich soll das Unternehmen mit der 102-jährigen Geschichte auch im Wettbewerb bestehen können.
Foto: REUTERS
Tessner, blond, schlank, sportlich, sanfte Stimme, starker Wille, arbeitet seit zehn Jahren im vom Vater Hans-Joachim aufgebauten Unternehmen. Offiziell ist der 70-Jährige bei Roller nicht mehr präsent. Er hält allerdings noch die Mehrheit an der Tessner Holding KG, zu der neben dem Möbelgeschäft auch Immobilien sowie Land- und Forstwirtschaft gehören.
Tochter Tessa und ihre Schwester Anke besitzen am Konglomerat jeweils Anteile „im zweistelligen Bereich“. Anke zog sich vom Unternehmen operativ zurück, Tessa stieg nach dem Studium ein und blieb.
Der Auftrag an die Betriebswirtin ist klar umrissen: online Marktanteile sichern. Roller gehört zu den preisaggressiven Möbelmarktketten in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2012/13 setzte das Unternehmen mit rund 5.000 Mitarbeitern 1,3 Milliarden Euro um. Hinter Platzhirsch Ikea ringt Roller vor allem mit den Konkurrenten Höffner und XXXLutz um Kunden. Rollers Online-Handel wächst beständig, schätzungsweise fünf Prozent vom Gesamtumsatz sind es heute, deutlich mehr als zehn Prozent sollen es werden. Zugleich fräst sich der Aldi der Möbelbranche auch stationär weiter durchs Land: Von 112 Filialen will Roller schnellstmöglich auf 160 Läden aufstocken.
Sarah Maiers Möbel sind selbst in New York begehrt. Heute einen Handwerksbetrieb zu führen ist trotzdem eine Herkulesaufgabe.
Foto: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche
Für Tessner sind Laden und Internet kein Widerspruch: „Wir betreiben seit zehn Jahren Online-Handel, bei uns kann man auf allen Wegen bestellen, liefern lassen oder abholen. Die Dichte des Niederlassungsnetzes hilft uns bei der Logistik“. Solche Themen diskutiert sie auch mit ihrem Vater. „Bei Familientreffen sitzt die Firma mit am Tisch“, sagt Tessner. Unternehmerkinder kennen es von klein auf nicht anders.
Tessner schätzt ihr karrieredominiertes Leben, auch wenn das Privatleben leidet. In ihrer Freizeit joggt sie gern mit ihrer Cockerspaniel-Münsterländer-Mischung Blacky, gerettet aus einem spanischem Tierheim. Auch beim Sport sei ihr Motto: „Es gibt keine Wunder. Nur hartes Training.“
Patricia Gandji, 43
Nordeuropa-Chefin von Cartier
Foto: SCHÖTTGER PhotographyEleonore Ogrinz, 41
Werbeleiterin International bei Red Bull
Foto: PresseSabine Scheunert, 38
Bereichsleiterin Strategie bei Peugeot Citroën
Foto: PresseBritta Fünfstück, 41
Leiterin Klinische Produkte bei Siemens
Foto: PresseEdda Feisel, 35
Stabschefin der Strategieabteilung bei EADS
Foto: PresseHelen Yuanyuan Cao, 32
Leiterin globales Marketing für Forschung, Qiagen
Foto: Claudia LarsenStefanie Haberer, 30
Abteilungsleiterin Fertigungsplanung und Prototypen bei Siemens
Foto: PresseStephanie Schoss, 31
Seriengründerin (u.a. C Talks, IPM, Ask the Circle)
Foto: PresseSita Schwenzer, 39
Leiterin digitales Marketing und Vertrieb, Unitymedia
Foto: PresseAnnabella Bassler, 36
Finanzvorstand beim Schweizer Medienkonzern Ringier
Foto: PresseDoris Benz, 37
Leiterin Unternehmensentwicklung der Klinikgruppe Lindenhof
Foto: PresseChristiane Bisanzio, 46
Personalleiterin für Nord-, Zentral- und Osteuropa der Axa
Foto: PresseMilena Danielsen, 41
Direktorin für Geschäftsentwicklung der Julius Bär
Foto: Patrick TiedkeAmèlie Finaz de Villaine, 31
Investmentmanagerin bei der französischen Staatsbank BPI
Foto: PresseKonstanze Frischen, 39
Vorstandsmitglied bei Ashoka international, einer Organisation zur Förderung von Sozialunternehmen
Foto: PresseDonata Hopfen, 37
Geschäftsführerin von Bild Digital im Axel Springer Verlag
Foto: PresseMirka Wilderer, 35
Leiterin Produktmanagement Wassertechnologie bei Siemens
Foto: PresseStephanie Züllig, 39
Geschäftsleiterin internationaler Produktvertrieb bei Siemens Gebäudetechnik
Foto: Presse
Julia Esterer liebt Verantwortung, Freiheit und hohes Risiko – ist lieber Unternehmerin als angestellte und abgesicherte Managerin.
Foto: Dominik Asbach für WirtschaftsWoche
Der Schriftsteller Ernest Hemingway hat Courage einmal mit „Anmut unter Druck“ beschrieben. Auf kaum jemanden passt die Definition „Grace under Pressure“ so gut wie auf Sarah Maier.
Die Innenarchitektin sitzt gespannt wie eine Feder am Schreibtisch und zeichnet Entwürfe für den Umbau einer Villa in Baden-Baden. Die russischen Besitzer möchten es neobarock, und Maier wird diesem Auftrag auf die ihr eigene Art nachkommen. Sie wird das gewünschte Ambiente mit viel Gold durch knallige Farben und dem Einsatz von ungewöhnlichen Materialkombinationen wie Holz, Kunststoff, Lederfliesen und Filz konterkarieren.
In ihrer Jugend war sie vielfache deutsche Meisterin im Synchronschwimmen und hat sich schon oft im Leben mutig ins Ungewisse gestürzt. Bestens vorbereitet für die Aufgaben im Familienunternehmen war sie zudem mit ihren beiden Diplomen als Architektin und Kauffrau.
Trotzdem sagt die 37-Jährige heute, sie sei „damals heillos überfordert gewesen“, als sie 2006 als Geschäftsführerin in den Familienbetrieb Ursula Maier im schwäbischen Markgröningen einstieg. Ehrliche Worte.
Maier stand vor großen Aufgaben. Die Firma, die Möbel designt und Inneneinrichtungen fertigt, bedurfte der dringenden Modernisierung, bei gleichzeitiger „Bewahrung der handwerklichen Traditionen, die uns berühmt gemacht haben“, sagt Maier. Angemerkt habe ihr die Nervosität aber höchstens ihre Mutter.
Die, Ursula Maier, ist Schreinermeisterin und hat den über 100 Jahre alten Betrieb mit heute 25 Mitarbeitern vergangenes Jahr an ihre Tochter übergeben. Sie folgte einem Gründer, der 1910 Akademieprofessor für Möbelentwurf war, und dessen Nachfolger, der neue Schreinerei-Maschinen entwarf, die er weltweit verkaufte und die das Handwerk revolutionierten. Die Messlatte liegt hoch in diesem Betrieb.
Dann übernahmen die Frauen: Sarahs Mutter wandelte die Schreinerei in einen Komplettanbieter für Inneneinrichtungen um. Sarah ist die Experimentierfreudige mit nüchternem Geschäftssinn. Sie hat diverse Designpreise gewonnen, vor allem für die Kreation ihrer Küchenkollektion: „Da stand ein 45 Jahre gelagerter französischer Nussbaum im Keller, genau passend für einen Küchenblock“, sagt sie. Dem verpasste sie eine magentafarbene Oberfläche. Der pinkfarbene Küchenknaller ziert inzwischen alte Bauernhäuser im hohen Norden, ultramoderne Unternehmervillen in Schwaben und ein Loft in New York.
Adidas
Spätestens 2020, so die Zielsetzung der Unternehmen, sollen bis zu 35 Prozent der Führungskräfte weiblich sein. 25 der 30 Dax-Konzerne konnten ihren Frauenanteil im Management seit der Selbstverpflichtung steigern, allerdings nur minimal. Bei manchen Konzernen sank die Quote sogar, wie zum Beispiel beim Sportartikelhersteller Adidas. Der Anteil sank im vergangenen Jahr von 26 auf 25 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Und das, obwohl mehr als die Hälfte der Gesamtbelegschaft weiblich ist. Ziel von Vorstands-Chef Herbert Hainer ist es, den Anteil bis Ende 2015 auf 32 bis 35 Prozent zu erhöhen.
Foto: dapdPlatz 7: Allianz
Die Allianz SE kann sich im FKI-Ranking 17 Punkte sichern. Die höchsten Werte (insgesamt acht Punkte) wurden im Bereich Leistung verbucht, der sich aus den Positionen "Verhältnis der Frauen in Führungspositionen zum Anteil der weiblichen Beschäftigten insgesamt" und "Frauen in Aufsichtsräten" zusammensetzt. Beim Versicherungskonzern stieg der Anteil der Frauen in Führungspositionen von 24,7 auf 25,6 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat, Stand Juni 2012) – wirklich ernst scheint man das Thema aber auch hier bisher nicht zu nehmen. Spezielle Management-Seminare für Frauen lehnt Personalvorstand Werner Zedelius ab. Stattdessen will die Allianz Frauen durch ein Sponsoring-Programm fördern. Rund 100 talentierte Mitarbeiterinnen treffen sich zwei Jahre lang regelmäßig mit Kollegen aus der Unternehmensspitze, um über ihre Karriere zu sprechen.
Aushängeschild der Allianz ist Elisabeth Corley (im Bild). Die gebürtige Engländerin ist seit Beginn Jahres Chefin von Allianz Global Investors. Nebenher schreibt sie Psychothriller.
Foto: PressebildBayer
Beim anderen großen deutschen Chemiekonzern, Bayer, ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen im letzten Jahr um zwei Prozent gestiegen – auf 19 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Bis Ende 2015 hat sich Bayer auf eine Quote von 30 Prozent verpflichtet. Wichtigste Frau im Konzern ist die Amerikanerin Sandra Peterson, die seit 2010 das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln (Crop Science) leitet. Bayer-Chef Marijn Dekkers will sich als großen Frauenförderer verstanden wissen. Sein Unternehmen hat eine spezielle Internetseite, um hochqualifizierte Frauen anzusprechen.
Foto: PressebildBASF
Beim Chemieriesen BASF stieg die Frauenquote im vergangenen Jahr ebenfalls nur um rund ein Prozent auf 10,9 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Hier sind auch Ziele in Sachen Frauenförderung wenig ambitioniert. Lediglich 15 Prozent sollen bis Ende 2020 in den Chefetagen des Konzerns sitzen. Auch insgesamt gibt es wenige Frauen im Konzern. Ihr Anteil an der Gesamtbelegschaft liegt bei 23 Prozent. Allerdings sitzt hier eine Frau im Vorstand. Margret Suckale ist Personalchefin des Ludwigshafener Chemieunternehmens. Bekannt wurde sie während des Lokführer-Streiks 2008 als Personalchefin bei der Deutschen Bahn. Ein weiteres bekanntes weibliches Gesicht ist RTL-Chefin Anke Schäferkordt, die im Aufsichtsrat von BASF sitzt.
Foto: dpaBeiersdorf
Obwohl Kosmetikprodukte überwiegend von Frauen verwendet werden, geht es in Sachen Frauenförderung beim Kosmetikkonzern Beiersdorf langsam voran. Lediglich einen halben Prozentpunkt konnte der Konzern seine Quote im letzten Jahr steigern auf 20,5 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Bis Ende 2020 sollen 25 bis 30 Prozent der leitenden Angestellten weiblich sein. Das wollen die Konzernlenker durch Coaching- und Mentoring-Programme für hochqualifizierte Frauen ändern.
Foto: dpaBMW
Beim bayerischen Autobauer BMW sieht die Quote verheerend aus. Lediglich 9,1 Prozent der Führungskräfte (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) sind weiblich. 0,3 Prozent mehr als im letzten Jahr. Bis Ende 2020 soll der Anteil der außertariflichen Führungskräfte auf 15 und 17 Prozent steigen. Das versuchen die Bayern durch spezielle Veranstaltungen für Frauen und einen speziellen Internetauftritt zu schaffen. Aushängeschild in Sachen Frauen in Führungspositionen ist Hildegard Wortmann, die das Produktmanagement des Unternehmens leitet. Wie viele andere erfolgreiche Managerinnen spricht sie sich gegen eine starre Frauenquote aus.
Foto: PressebildCommerzbank
Bei der Commerzbank geht man das Thema Frauen und Karriere mit einem neuen Modell an. Job-Sharing heißt das Leuchtturmprojekt, bei dem sich zwei Mitarbeiter den gleichen Arbeitsplatz teilen. Ein Kunde, der am Montag und am Freitag einen Termin beim Direktor seiner Filiale hat, sitzt also verschiedenen Personen gegenüber. Mit dem Teilzeitmodell will die Commerzbank Familie und Karriere für ihre Mitarbeiter gleichzeitig möglich machen und so auch einen höheren Frauenanteil in der Führungsebene erreichen. Die ist bisher von Männern domminiert. Nur 23,1 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) der Führungskräfte sind Frauen – ein Anstieg um 0,1 Prozent im letzten Jahr. Im Jahr 2015 sollen es weltweit 30 Prozent sein.
Foto: dapdPlatz 8 (7): Daimler
Noch einmal 17 Punkte gibt es auch für den Daimler-Konzern. Vor allem im Beurteilungsaspekt Ambition (bildet den prozentualen Anstieg des Frauenanteils im Konzern ab, der zwischen dem durchschnittlichen Frauenanteil in Führungspositionen 2010 und dem selbstgesetzten Unternehmensziel liegt; sowie in welchem Verhältnis das gesetzte Ziel zum Frauenanteil an der Gesamtbelegschaft in Deutschland 2010 liegt) kann das Unternehmen überzeugen: satte neun Punkte wurden hier verteilt.
Chef Dieter Zetsche nimmt kein Blatt vor den Mund – so auch beim Thema Frauenquote. Der Chef des Stuttgarter Autokonzerns Daimler sagte vergangenen September in einem Interview mit der FAZ: „Wenn ich höre, dass in drei, vier Jahren 40 Prozent auf den Führungsposten Frauen sein sollen, dann verraten Sie mir bitte: Wohin soll ich all die Männer aussortieren? Alle zwangsweise in Rente schicken, damit überhaupt so viele Stellen frei sind?“ Dementsprechend fallen die Quotenziele des Konzerns aus: 20 Prozent der Führungskräfte in Deutschland und weltweit sollen bis 2020 weiblich sein. 2011 liegt die Quote bei 12,8 Prozent – 0,8 Prozent höher als ein Jahr vorher.
Foto: REUTERSPlatz 4: Deutsche Bank
Die Deutsche Bank landet mit 18 Punkten auf Rang gemeinsam mit Merck und der Telekom auf Rang vier; gegenüber den Mitstreitern hat die Bank beim Aspekt Leistung die Nase vorn und kommt auf acht Punkte (die anderen beiden erreichen sechs Punkte).
Der Umbau des Top-Managements bei der Deutschen Bank hat in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt und die Gemüter erhitzt. Denn unter all den Namen, die im März für das oberste Führungsgremium des Geldhauses und das direkt unterhalb angesiedelte Group Executive Committee gehandelt wurden war keine einzige Frau. Dass da noch Luft nach oben ist, räumte auch ein Sprecher der Bank ein. Es sei sicher „keine Frage von Jahrzehnten mehr“, bis die erste Frau im Vorstand sitze. Aktuell liegt die Quote bei 15 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat, Stand Juni 2012) im oberen und mittleren Management – ein Prozent mehr als 2010. Im unteren Management sind es 28 Prozent.
Foto: REUTERSDeutsche Börse
Bei der Deutschen Börse sieht es ähnlich männlich aus. Nur 13 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) der Führungskräfte sind weiblich – der Anteil ist derselbe wie vor einem Jahr. Der Anteil der Frauen an der Gesamtbelegschaft liegt bei 37 Prozent. Ziel ist es, dass bis 2015 im mittleren und oberen Management knapp ein Drittel der Führungskräfte weiblich sind. Im unteren Management sollen es 30 Prozent sein.
Foto: REUTERSDeutsche Post DHL
Beim größten deutschen Logistiker aus Bonn hat sich die Zahl im vergangenem Jahr auch nur um einen knappen Prozentpunkt verändert auf 17,9 Prozent. Trotzdem will der gelbe Riese sein Image in Sachen Frauenförderung aufpolieren. Der Stolz war Post-Chef Frank Appel bei der Hauptversammlung ins Gesicht geschrieben, als er seinen Aktionären die neue Personalchefin Angela Titzrath vorstellen konnte. Die Deutsche Post verpflichtete sich im Oktober, den Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland, ebenso wie weltweit auf 25 bis 30 Prozent zu heben. Eine Frist setzten sich die Bonner allerdings nicht.
Foto: REUTERSPlatz 5 (4): Deutsche Telekom
Auch die Telekom will mit gutem Beispiel voran gehen. Der Konzern erreichte ebenfalls 18 Punkte und liegt in sämtlichen Teilbereichen gleichauf mit Merck. Mit Personalvorstand Marion Schick (rechts im Bild) konnten die Bonner eine echte Kämpferin für mehr Frauenförderung gewinnen. Die Benachteiligung von Frauen sei ein speziell deutsches Problem, sagte die im Juni 2012 der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Sie fordert von der deutschen Wirtschaft mehr Anstrengungen in Sachen Frauenquote. Schick ist eine von zwei Frauen im Telekom-Vorstand. Das Europa-Geschäft leitet die Physikerin Claudia Nemat (links), die vorher bei McKinsey Karriere gemacht hatte. Den deutschen Durchschnitt von 14 Prozent weiblicher Führungskräfte hebt die Telekom allerdings trotzdem nicht an. Nur 13,8 Prozent der Führungskräfte sind Frauen. Im vergangenem Jahr waren es noch 12,5 Prozent.
Foto: dpaEon
Der Energieversorger Eon macht in Sachen Frauenquote eine miserable Figur. In der Selbstverpflichtung heißt es zwar pathetisch, man halte an dem „ambitionierten Ziel fest, den Frauenanteil in Führungspositionen mehr als zu verdoppeln“. In Zahlen heißt das allerdings. Der Anteil soll von aktuell 9,5 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) auf 14 Prozent bis Ende 2016 erhöht werden. Einziges Trostpflaster: Eon hat eine Frau im Konzernvorstand. Seit Juni 2010 ist Regine Stachelhaus für die Mitarbeiter des Energieversorgers zuständig.
Foto: APPlatz 29: Fresenius SE
Beim Bad Homburger Medizintechnikkonzern Fresenius sieht es in Sachen Chancengleichheit schlecht aus. Die Fresenius SE & Co. KGaA steht auf dem letzten Platz des Frauen-Karriere-Index. Insgesamt konnte der Konzern gerade einmal 2 Punkte erreichen: sie wurden im Bereich Dynamik vergeben, der die Entwicklung des Frauenanteils seit der Zielsetzung seiner Erhöhung misst. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen lag im Juni 2012 bei 19,7 Prozent. Das sind nur 0,6 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Eine starre Quote will sich das Unternehmen nicht auferlegen. Für die Personalauswahl sei „auch weiterhin die Qualifikation und nicht das Geschlecht“ entscheidend, heißt es bei Fresenius. Der „vergleichsweise sehr hohe Anteil von Frauen in der oberen Führungsebene“ solle aber weiter gesteigert werden.
(Es wurden 29 Ränge ermittelt, da für Continental noch keine Angaben vorliegen. Der Konzern wurde erst im September 2012 in den Dax aufgenommen)
Foto: dapdPlatz 28: Fresenius Medical Care
Auch beim Tochterunternehmen Fresenius Medical Care gilt: keine feste Quote. Der Frauenanteil in der oberen Führungsebene liege bei 32,1 Prozent heißt es vom Unternehmen, der Anteil solle erhöht werden (Stand Juni 2012). 2011 lag der Anteil der weiblichen Führungskräfte in allen Managementebenen bei 16,1 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Das sind 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im FKI-Ranking kann der Konzern 4 Punkte erreichen. Auch sie wurden im Bereich Dynamik erreicht.
Foto: dpaHeidelberg Cement
Heidelberg Cement gehört zu den Schlusslichtern in Sachen Frauenförderung. Der Anteil weiblicher Führungskräfte liegt bei nur sieben Prozent. Das sind 0,2 Prozent mehr als 2010. In der Gesamtbelegschaft ist der weibliche Anteil von 2010 bis 2011 sogar gesunken – von 17 auf 15 Prozent. Der Konzern hat bisher keine Weiterbildungsmaßnahmen speziell für Frauen entwickelt. Selbst gestecktes Ziel ist, bis 2020 einen Anteil weiblicher Führungskräfte von 15 Prozent zu erreichen. Doch es gibt auch Ausreißer nach oben beim Thema Frauenquote, so zum Beispiel…
Foto: dapdPlatz 1: Henkel
Der Konsumgüterhersteller Henkel führt das Ranking der frauenfreundlichsten Dax-Unternehmen an. Mit insgesamt 21 Punkten setzte sich Henkel an die Spitze des Frauen-Karriere-Index. Besonders in den Bereichen Dynamik und Leistung hat der Konzern die Nase vorn. 29,5 Prozent der Führungskräfte sind weiblich – für Firmenchef Kasper Rorsted ein Grund stolz zu sein. „Tradierte Rollenvorstellungen sind für mich tatsächlich sehr befremdlich, und das mag auch daran liegen, dass ich Däne bin“, sagte Rorsted 2011 in einem Interview mit der WirtschaftsWoche.
Dass er es ernst meint, zeigte er im September 2011. Mit Kathrin Menges sitzt erstmals in der Geschichte des Unternehmens eine Frau im Vorstand. Menges leitet das Personal-Ressort. Bekanntestes weibliches Gesicht bisher war die Urenkelin von Persil-Erfinder Fritz Henkel, Simone Bagel-Trah. Sie ist seit 2010 Chefin des Aufsichtsrates. Auch die Ziele des Konzerns sind ambitioniert. Henkel vorordnet sich eine jährliche Zuwachsrate beim Frauenanteil in den Chefetagen. Jedes Jahr sollen es ein bis zwei Prozent mehr werden.
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Der Halbleiter-Hersteller Infineon drückt mit 11,4 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) Frauenanteil in den Chefetagen den Durchschnitt der Dax-Konzerne. Seinem Ziel, den Frauenanteil bis 2015 auf 15 Prozent zu haben, ist der in den vergangenen Jahren kaum näher gekommen – der Anteil stieg um nur 0,2 Prozent. Um Frauen besser zu fördern, veranstaltet der Konzern spezielle Weiterbildungsmaßnahmen für hochqualifizierte Frauen und setzt auf ein Mentoring-Programm.
Foto: dapdPlatz 9 (7): K+S
Beim Bergbauunternehmen Kali und Salz haben Frauen nicht sehr viel zu sagen. Nur 8,7 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) der Führungskräfte sind weiblich (Stand: Juni 2012). Der Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft liegt bei 8,8 Prozent, was wohl an der Branche liegt, in der der Konzern tätig ist. Beim FKI-Ranking erreicht der Konzern ebenfalls 17 Punkte. Auch in Zukunft wird es in den Chefbüros wohl kaum Frauen geben. Die Selbstverpflichtung des Konzerns: Im Jahr 2020 soll der Anteil der weiblichen Führungskräfte, dem Anteil der Mitarbeiterinnen in der Gesamtbelegschaft entsprechen.
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Auch beim Industriegas-Hersteller Linde sind Frauen in der Führungsebene eine echte Rarität. Von 2010 bis 2011 stieg der Anteil um nur 0,2 Punkte auf 9,3 Prozent. Spezielle Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen gibt es nicht. Durch Patenschaften will das Unternehmen nun hochqualifizierte weibliche Mitarbeiter entdecken und fördern. Das Ziel: Bis 2018 soll ihr Anteil im Management zwischen 13 und 15 Prozent betragen.
Foto: dapdLufthansa
Bei der Lufthansa hat sich seit 2010 in Sachen Führungsfrauen gar nichts verändert. Die Quote liegt bei 15,5 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat). Bis Ende 2020 will der Konzern den Anteil weiblicher Führungskräfte um 30 Prozent steigern. Auch die Lufthansa setzt auf Patenprogramme, um die Zahl weiblicher Führungskräfte bald zu erhöhen.
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Besonders die Automobilbranche ist ein Geschäft, das von Männern dominiert wird. Da ist Sabine Drzisga eine echte Ausnahme. Die Diplomkauffrau hat sich im Teilkonzern Nutzfahrzeuge durchgesetzt und leitet seit 2007 das Ressort Controlling und Recht. Damit ist die die ranghöchste Frau bei dem Münchener Lastwagenbauer. In den Konzernvorstand hat es bisher keine geschafft. Der Anteil weiblicher Führungskräfte liegt bei MAN mit elf (ohne Vorstand und Aufsichtsrat) Prozent unter dem Durchschnitt der Dax-Konzerne. Bis Ende 2014 soll er auf zwölf Prozent erhöht werden.
Foto: dpa/picture-alliancePlatz 6 (4): Merck
Auch Platz 4 teilen sich mehrere Unternehmen. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck liegt auf dem untersten des Vierer-Rangs. Insgesamt kam das Unternehmen auf 18 Punkte.
Merck will sich nicht auf eine fest Quote weiblicher Führungskräfte festnageln lassen. Das grobe Ziel: Zwischen 25 und 30 Prozent Frauen in Führungspositionen weltweit bis 2016. Unternehmens-Chef Karl Ludwig Kley meint: „Es entbehrt jeglicher wirtschaftlicher Vernunft, Frauen nur deswegen in Führungspositionen zu bringen, um eine Quote zu erfüllen.“ Um in Zukunft einen besseren Blick für potentielle weibliche Führungskräfte zu bekommen, schaffte Merck eine neue Stelle. Jennifer O’Lear ist seit April 2011 Chief Diversity Officer im Konzern.
Foto: dapdMetro
Eine junge Frau steht in einer Lagerhalle zwischen Obst- und Gemüsekisten. „Ich habe immer ein bisschen Obst im Haus“, steht auf dem Plakat. „Durchschnittlich ungefähr 17,5 Tonnen.“ Mit Sprüchen wie diesen will der Handelskonzern Metro weibliche Führungskräfte gewinnen. Die junge Frau ist Leiterin im Einkauf. Im Jahr 2011 lag die Frauenquote im Management nur etwas über dem Durchschnitt, bei 15,1 Prozent. Und damit nur 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Das will der Konzern bald ändern. Bis Ende 2013 soll ein Fünftel der Managerinnen weiblich sein. Zwei Jahre später sollen es 25 Prozent werden.
Foto: dpaMunich Re
Nur einen schlappen halben Prozentpunkt stieg die Frauenquote im Management des Rückversicherers Munich Re zwischen 2010 und 2011. In der Personalentwicklung will der Konzern Frauen durch Mentoren-Programme fit für die Chefetagen machen. Spezielle Weiterbildungsmaßnahmen gibt es nicht. Mit der Ernennung der Schwedin Annika Falkengren zur zweiten Frau im Aufsichtsrat setzten die Münchener 2011 ein Zeichen. Bis Ende 2020 soll ein Viertel der Führungskräfte weltweit weiblich sein.
Foto: dpaRWE
Zu Beginn seiner Amtszeit krempelt der neue RWE-Chef Peter Terium den Energiekonzern ordentlich um. Er will neue Energien, sowohl was den Strom angeht, als auch im Management. „RWE braucht mehr internationale Mitarbeiter, mehr Frauen in Führungspositionen und mehr jüngere Mitarbeiter“, sagte er kürzlich in einem Interview mit der Rheinischen Post. Bis Ende 2018 sollen 22 Prozent der Mitarbeiter im Topmanagement weiblich sein. Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Bisher liegt die Frauenquote in den Chefetagen bei 9,3 Prozent. Von 2010 bis 2011 steigerte sich der Anteil um 1,3 Prozent.
Foto: dpaSAP
Für das Walldorfer Unternehmen war es ein Schock. Im Juli vergangenen Jahres verlor der Software-Konzern seine erste und einzige Frau im Vorstand. Nach nur einem Jahr warf die Personal-Chefin Angelika Dammann das Handtuch, nachdem Arbeitnehmervertreter sie heftig kritisiert hatten. Sie soll darauf bestanden haben, am Wochenende mit dem Firmenjet heimzufliegen. Dammann hatte als Personalchefin Verantwortung für rund 53.000 Mitarbeiter und eine ambitionierte Agenda für mehr weibliches Führungspersonal entwickelt. Ihren Job übernahm kommissarisch Finanzvorstand Werner Brand. In den Chefetagen des Walldorfer-Konzerns lag die Frauenquote 2011 bei 13,9 Prozent (ohne Vorstand und Aufsichtsrat), einen knappen Prozentpunkt höher als im Vorjahr. Bis Ende 2017 sollen es weltweit 25 Prozent sein.
Foto: dpaSiemens
Als Personalvorstand von Siemens schafft es Brigitte Ederer immer wieder in die Schlagzeilen. Meist dann, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und um Frauen in Führungspositionen geht. Mit seiner Anti-Herdprämie befeuert der Konzern die politische Debatte. Siemens zahlt seinen Mitarbeitern, wenn die Eltern ihren Nachwuchs in den Kindergarten oder zu einer Tagesmutter schicken. Auch beim Thema Frauenförderung will der Konzern mitmischen – allerdings ohne sich auf eine feste Quote festzulegen. Zwischen 12 und 13 Prozent Frauen in Führungspositionen verordnet sich der Konzern bis 2015.
Foto: dpaPlatz 10 (7): Thyssen Krupp
Die ThyssenKrupp AG liegt auf dem zehnten Platz des Frauen-Karriere-Index. Bei der Gesamtpunktzahl (17 Punkte) liegt der Konzern gleichauf mit den drei weiteren Rängen. Da Thyssen beim Kriterium Dynamik (Anstieg des Frauenanteils in Führungspositionen und Geschwindigkeit der Erreichung der Zielsetzung) unter den Top-Ten-Konzernen mit gerade einmal zwei Punkten am schlechtesten abschneidet, reicht es nur für den letzten Platz im Reigen.
Mit der Personalie Gabriele Sons sorgte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger Mitte April für Aufruhr. Die Zeitschrift Capital hatte berichtet, Sons sei als künftige Personaldirektorin und damit als Vorstandsmitglied im Gespräch. Der Konzernvorstand dementierte. Sons soll nun das Personalressort einer der sieben Geschäftseinheiten von Thyssen Krupp leiten. Ein kleinerer Schritt zu mehr weiblichem Führungspersonal. Im Jahr 2011 lag die Frauenquote in den Führungsebenen des Essener Konzerns bei 7,6 Prozent – unverändert gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2020 soll der Anteil bei 15 Prozent liegen.
Foto: PressebildVW
Nicht nur alphabetisch, auch in Sachen weibliches Führungspersonal bildet der Wolfsburger Autobauer das Schlusslicht unter den Dax-Konzernen. Nur 4,9 Prozent des Managements sind weiblich – 0,6 Prozent mehr als noch 2010. Bei ihren Zielen sind die Niedersachsen wenig ambitioniert. Der Fahrplan bis 2020: 15 Prozent Frauen in der unteren Führungsebene, 12 Prozent im mittleren und elf Prozent im oberen Management.
Foto: dpa
Fehler erlaubt
Die Designerin meint, mit ihr sei eine völlig neue Unternehmer-Generation am Werk: „Ich stehe zu meiner Lernkurve. Anders als meine Vorfahren kann ich Fehler zugeben.“ Um auch ihre Mitarbeiter darin zu schulen, aus ihren Missgeschicken zu lernen und über Innovationen nachzudenken, gab es lange Zeit zwei Ordner. Einen mit der Aufschrift „Geldvernichtung“ und einen mit dem Titel „Zukunft“. „Da haben wir dokumentiert, was schiefgelaufen ist und was wir noch erfinden müssen“, lacht Maier.
Heute, gibt sie zu, ist sie längst nicht mehr so fordernd wie am Anfang ihrer Unternehmerlaufbahn. Frisch am Start, mit 29 Jahren, schaffte sie kurzerhand das 13. Gehalt ab und ersetzte es durch eine gewinnorientierte Provisionierung – „rein leistungsbezogen“. Den anschließenden Aufschrei der Mitarbeiter wetterte sie ab. „Ich hab das Ding einfach durchgezogen“, sagt Maier, „heute bin ich milder.“ Und schickt gleich hinterher, dass sich das „dringend“ wieder ändern müsse.
Aber Firmen- und Familienaufbau fordern ihren Tribut. Um alles parallel mit gleicher Energie voranzutreiben, fehle ihr manchmal schlicht die Kraft, gibt die dreifache Mutter zu. „Aber die Kinder sind wichtig. Nachwuchs erdet. Und ein geerdeter Chef ist ein anderer Chef.“
Um Luftschlösser zu bauen, ist die Geschäftslage auch zu volatil. Leider, sagt Maier, verdiene sich das Geld heutzutage nicht mehr so leicht im Hochlohnland Deutschland. Dann seufzt sie. Kaum hörbar. Und nur kurz. Drückt das Kreuz durch und zeichnet einfach weiter.
Nicola Lemken leitet den gleichnamigen Landmaschinenhersteller – ruhig, gelassen und mit reduzierter Stundenzahl.
Foto: Dominik Asbach für WirtschaftsWoche
Durchhaltevermögen hat die 41-Jährige schon früher bewiesen: Ihr Hobby war der Marathonlauf – gern auch quer durch die Alpen. Heute schafft sie nicht mal mehr eine Runde um die Kasseler Kuppe – nicht, weil es ihr an Fitness mangelt, sondern schlicht an Zeit. Als Vertretung des Produktionschefs leitete sie wochenlang ab sechs Uhr morgens die Fertigung.
Von einer 35-Stunden-Woche, wie sie die Mitarbeiter ihres in der IG Metall organisierten Betriebes für den Aufbau von Tanklastzügen haben, kann sie nur träumen: „Manchmal sehe ich mein Kind erst abends beim Sandmännchen wieder.“ Trotzdem ist sie angekommen in ihrer Rolle als Unternehmerin. Esterer macht 37 Millionen Euro Umsatz mit der Produktion von Betankungsanlagen für Laster. Braucht ein Flugzeug in Frankfurt Sprit oder eine heimische Heizung neues Öl, ist meist ein von Esterer ausgerüsteter Wagen unterwegs. Es ist ein Männerbusiness: 15 von 170 Mitarbeitern sind weiblich.
Mit Vater Harold teilt sie sich die Geschäftsführung, beide sind Gesellschafter. Die Tochter macht das Operative, der Vater die Finanzen. Er denkt inzwischen über seinen Rückzug nach. Der 72-Jährige ließ sie gewähren, als in der Fertigung kein Stein auf dem anderen blieb. Die Tochter hatte die Prozesse nach dem Muster von Automobilfertigungen restrukturiert, und die Mitarbeiter murrten, weil sie sich von alten Gewohnheiten trennen mussten.
Hinter den Kulissen gab es natürlich Diskussionen zwischen Vater und Tochter über die höhere Komplexität. „Aber wir haben ein super Verhältnis“, sagt sie. Auch wenn die Juniorin anders führt als der Seniorchef: „Mein Vater ist ein sehr kooperativer Typ.“ Sie hingegen ist der Meinung, dass man in Veränderungsprozessen „die Zügel mehr anziehen muss“.
Für den Einstieg in Vaters Firma brachte Esterer ein BWL-Studium, Managementerfahrung von BMW und Auslandserfahrung mit. Trotzdem musste sie sich erst an die neue Aufgabe gewöhnen. Mit dem Vater vereinbarte sie deshalb ein Probejahr.
Als Zweifel sie plagten, ob es die richtige Entscheidung sei, suchte sie sich einen Coach. Der zeigte ihr Wege auf, um die richtigen Antworten zu finden: „Ich musste vier Wochen lang jeden Morgen nach dem Aufstehen aufschreiben, was mir auf der Seele liegt. Das hat mir geholfen, die Gedanken zu sortieren.“ Sie steht dazu und ist offen für externe Hilfe und Ratschläge – auch für die ihres Vaters. „Der bremst mich schon mal, wenn ich zu sehr aufs Gas trete.“
Esterer ist froh, dem Konzernleben den Rücken gekehrt zu haben: „Kein Manager weiß, was es heißt, die volle Verantwortung zu tragen“, sagt sie, „oder wenn immer das gesamte Hab und Gut an der Firma hängt.“
Man kann sich problemlos vorstellen, dass Nicola Lemken, auf einem Traktor sitzend, einen Pflug über den Acker zieht und die kontemplative Monotonie dieser Tätigkeit mag – dass sie also die Produkte zu schätzen weiß, die sie da verkauft: Pflüge, Eggen, Sämaschinen.
Die 43-Jährige strahlt Gelassenheit aus. Unaufgeregt führt Lemken den 1780 als Schmiede gegründeten gleichnamigen Landmaschinenhersteller aus Alpen am Niederrhein. Sie managt das Unternehmen in siebter Generation und ist die erste Frau an der Spitze. Lemken ist Mitglied der sechsköpfigen Geschäftsleitung und nach eigener Ansicht ein Beispiel dafür, dass sich Familie und Führungsjob vereinbaren lassen. Und dass nicht der Chef, die Chefin, unter allen Umständen derjenige sein muss, der morgens aufschließt und abends als Letzter das Licht ausmacht.
Da sie zwei kleine Kinder hat, arbeitet sie Teilzeit, in der Regel zwei Tage in der Woche. Daraus macht sie kein Geheimnis. Angst vor Kontrollverlust hat sie nicht. Die Hauptgesellschafterin nimmt an allen wichtigen Sitzungen teil und arbeitet ansonsten streng projektbezogen. So hat sie beispielsweise die Baustelle beim Umbau des Betriebs betreut.
Sie hält das auch deshalb für eine gute Lösung, weil sie so Geschäftsführer Anthony van der Lay nicht in die Quere kommt, der das Tagesgeschäft leitet und dem sie „voll vertraut“.
Die Nachfolge regelte sie standesgemäß mit Vater Viktor auf der Rückfahrt von einer Pflugweltmeisterschaft 1999. Das dauerte keine zwei Stunden, denn beide machten nicht viele Worte. „Mein Vater hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Über die Details waren wir uns schnell einig.“
Sie kann nicht sagen, dass ihr das Geschäft in die Wiege gelegt war. In ihrem Kleinmädchenleben spielten eher die Klassiker wie Ballett und Blockflöte eine Rolle als der väterliche Maschinenpark.
Aber eine Banklehre in Krefeld machte sie dann doch nach dem Abitur und studierte in Münster Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Start in das Berufsleben bei Bayer arbeitete sie im internationalen Rechnungswesen. „Ich war schon immer mehr der Mathe-Typ“, sagt sie über sich selbst.
Erfolgreich verschweigen
Rechnen kann sie also. Und ihre Geschäfte rechnen sich auch. 363 Millionen Euro Umsatz machte der international operierende Betrieb im vergangenen Geschäftsjahr mit 1144 Mitarbeitern. Über Gewinne schweigt sich die Chefin aus, aber die Margen dürften auskömmlich sein.
Über die Zukunft macht sich Lemken für ihre Branche keine Sorgen. „Die Landtechnik hat Konjunktur“, sagt sie, „weil die Weltbevölkerung wächst. Damit bleibt die Welternährung das dominierende Thema.“ Traktor fahren kann sie übrigens wirklich. Und sie ist eine Befürworterin nachhaltiger Landwirtschaft. Lemken ist und bleibt erdverbunden.