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  4. Arbeit: Geld, Homeoffice, Sinn – was bindet Menschen wirklich an einen Job?

Kampf um TalenteGeld, Homeoffice, Sicherheit? Das ist Mitarbeitern wirklich wichtig

Eine Befragung zeigt, worauf Beschäftigte bei der Wahl eines Arbeitgebers Wert legen. Dabei fällt auf: Zwischen den Generationen bestehen teils große Unterschiede – und so manches Vorurteil scheint nicht zuzutreffen.Dominik Reintjes 22.07.2024 - 11:15 Uhr

Mit den richtigen Zusatzleistungen können Arbeitgeber verhindern, dass sich Mitarbeiter aus dem Staub machen.

Foto: imago images

Workation in Südspanien? Eine unbegrenzte Zahl an Tagen im Homeoffice? Nette Kollegen? Tatsächlich ist die Antwort auf die Frage, was Beschäftigte in erster Linie zu einem Arbeitgeber lockt und auch dort hält, weitaus trivialer: das Geld. 

58 Prozent der Beschäftigten legen bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers Wert auf das Gehalt. Danach folgen Faktoren wie Jobsicherheit, Ausstattung und Lage der Arbeitsstätte sowie flexible Arbeitsregelungen.

Wenn Beschäftigte hingegen entscheiden, ob sie bei einem Arbeitgeber bleiben wollen, ist ihnen das Gehalt zwar immer noch am wichtigsten, aber nicht mehr so sehr wie bei der Wahl eines neuen Jobs (50 Prozent). Dafür legen sie bei der Bindung mehr Wert auf einen sicheren Job und das Verhältnis zu Kollegen und Chefs.

Das geht aus einer Befragung der Unternehmensberatung Willis Towers Watson (WTW) hervor, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Das Unternehmen hat dafür zwischen Januar und Februar dieses Jahres rund 2000 Beschäftigte mittlerer und großer Unternehmen in Deutschland befragt. Insgesamt haben 45.000 Menschen aus 29 Ländern an der Befragung teilgenommen, die WTW regelmäßig durchführt.

Für Unternehmen enthält die Befragung eine wichtige Lehre: Nebenleistungen sollten keine Nebensache sein. Gut ein Drittel der Befragten würde laut WTW ihren Arbeitgeber verlassen, wenn sie anderswo einen ähnlichen Job mit deutlich besseren Zusatzleistungen – aber keine Gehaltserhöhung – erhielten.

Tatsächlich ist die Wechselwilligkeit der Deutschen seit Jahren auf einem hohen Niveau: Vor wenigen Tagen vermeldete die Jobplattform Stepstone, dass 73 Prozent der befragten Bewerber aktuell mindestens einmal im Monat mit dem Gedanken spielen, sich einen neuen Job zu suchen. Im ersten Quartal waren es noch 66 Prozent. WTW stellte bei der Befragung zwar niedrigere Werte fest. Und doch wollte ein Viertel der Befragten den Arbeitgeber wechseln. Zwölf Prozent waren offen für Angebote, weil sie sich im Job festgefahren fühlten.

Zwar geht die Anzahl der offenen Stellen nun seit einigen Monaten zurück. Und damit entspannt sich auch der Personalmangel in manchen Betrieben ein Stück weit. Doch perspektivisch dürfte die Herausforderung, gute Mitarbeiter zu finden und diese dann auch an sich zu binden, nur größer werden. Denn der Personalmangel dürfte „sich mittel- und langfristig zu einer spürbaren Wachstumsbremse entwickeln und viele Unternehmen vor große, zum Teil existenzbedrohende Probleme stellen“, wie Forscher vom Ifo-Institut schreiben.

Was also bindet Menschen wirklich an einen Job? Und was lockt sie zu einem Arbeitgeber?

In der Befragung von WTW zeigt sich, dass zwischen den Generationen große Unterschiede bestehen. Ausgerechnet die Generation der Babyboomer legt den Ergebnissen zufolge den größten Wert auf eine erfüllende Tätigkeit. Eben das wird seit Jahren eigentlich der Generation Z nachgesagt. Bei den jungen Beschäftigten landet die Sinnhaftigkeit auf dem siebten Platz der wichtigsten Faktoren bei einem neuen Arbeitgeber. Die Befragten, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden, stuften eine Tätigkeit mit Sinn als viertwichtigsten Faktor ein.

Plötzlich begehrt

Nicoletta Blaschke, die bei WTW in Deutschland den Bereich Health & Benefits leitet, erklärt sich das so: Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Babyboomer-Generation sind in einer Zeit aufgewachsen, in der es häufig hieß, dass sie ab Mitte 50 zu alt für den Arbeitsmarkt seien. „Heute ist ihr Wissen etwas wert, diese Personen werden gebraucht und reflektieren sich selbst und ihre eigenen Wünsche im Job deutlich stärker.“



Viele Anhänger der Generation Z, die zwischen 1996 und 2010 geboren wurden, haben große Teile ihres Berufseinstieges daheim vor dem Videomeeting verbracht. Und so überrascht es nicht, dass diese Befragten in der Umfrage von WTW angaben, dass ihnen das Verhältnis zu Kollegen nicht so wichtig sei wie den Befragten aus den anderen Generationen. Blickt man auf die Frage, wieso Beschäftigte bei einem Unternehmen bleiben würden, nimmt die Bedeutung der Kollegen und Chefs mit dem Alter zu. Bei den Babyboomern belegt dieser Faktor den dritten Platz.

Wie wichtig die Unterscheidung zwischen den Generationen ist, erlebte Florian Frank, der bei WTW den Bereich Work & Rewards leitet, als er vor Jahren eine Bank beriet. Ausgerechnet für die Trainees und Auszubildenden war das Thema Altersvorsorge das wichtigste überhaupt. „Da staunte das Management“, sagt Frank. Hatten sie doch damit gerechnet, dass die älteren Mitarbeiter mehr Wert auf solche Themen legen. „Die Beschäftigten arbeiten bei einer Bank, waren also affin für die Vorsorge und lesen ohnehin ständig, dass ihre Rente nicht sicher sei.“ Mit Mitarbeiterbefragungen lasse sich meist sehr gut erfassen, welche Zielgruppen auf welche Nebenleistungen Wert legen.

Kommando zurück!

In den Zahlen von WTW zeigt sich: Obwohl sich das Homeoffice in etlichen Berufen bewährt hat, fahren heute wieder mehr Menschen ins Büro als noch vor zwei Jahren. 63 Prozent der Befragten arbeiten meistens oder immer vor Ort, 2022 waren es noch 59 Prozent. Und während damals ein Viertel der Beschäftigten meistens oder immer im Homeoffice saß, ist dieser Anteil inzwischen nur noch halb so groß. Blickt man allein auf die Menschen, die ihre Arbeit ohne Probleme von überall aus erledigen könnten, so ist der Anteil derjenigen, die meistens oder immer von zu Hause aus arbeiten, ebenfalls stark gesunken. Von 47 Prozent auf 20 Prozent in den vergangenen zwei Jahren.

„Die Arbeitgeber wollen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder häufiger im Büro sehen, das hören wir aus vielen Unternehmen“, sagt Nicoletta Blaschke. Das Problem: Die Mitarbeiter wollen die Flexibilität nicht mehr missen – sondern mehr davon. In der Befragung gab fast die Hälfte der Beschäftigten (48 Prozent) an, gerne mehr Homeoffice machen zu wollen. „Das wird sich noch einspielen müssen“, sagt Blaschke. Wichtig sei: „Die reine Order zurück ins Büro verfehlt das Ziel. Unternehmen müssen Anreize setzen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur ins Büro kommen, um unter Zwang acht Stunden allein vor dem Monitor zu sitzen.“ Immerhin erzählen ihr die Verantwortlichen in den Unternehmen immer wieder, dass Bewerber schon im ersten Gespräch ausloten würden, wie flexibel sie ihre Arbeit denn wirklich gestalten können.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Mobile Arbeit ist heute in vielen Firmen so sehr verbreitet, dass Unternehmen mit ihren vermeintlich besonders großzügigen Regelungen kaum noch herausstechen. „Für jemanden, der die Vorzüge des Homeoffice einmal schätzen gelernt hat, ist flexible Arbeit in der Regel ein Must-Have“, sagt Blaschke.

Tipps für die Arbeit im Homeoffice
Ganz gleich, ob man als zu Hause für eine Firma oder als Selbstständiger für die eigene Tasche arbeitet, muss klar sein: Es gibt auch im Homeoffice klare Arbeitszeiten und definierte Pausen. Sie müssen den Familienmitgliedern und allen anderen potentiellen Störenfrieden klar machen, dass Sie während der Arbeitszeit nicht zur Verfügung stehen. Und vor allem sich selbst! Das klappt oft gut durch die passende Kleidung: Ziehen Sie sich so an, als ob Sie ins Büro gingen.
Nicht jeder Mensch arbeitet zur gleichen Tageszeit am besten. Dies ist eine große Chance der Heimarbeit: Wer abends, wenn die Kinder schlafen, zu Hochtouren aufläuft, kann sich dann den wichtigen Aufgaben zuwenden und dafür morgens eine Stunde länger schlafen oder Unwichtigeres erledigen.
Wer zu Hause arbeitet, braucht ein eigenes Büro, das für die Familie oder Mitbewohner während der Arbeit tabu ist. Freiberufler sollten im Zweifelsfall darüber nachdenken, ein Büro oder Coworking Space anzumieten.
Nur wer sich nicht mit Pannen am Computer herumschlagen muss, kann effektiv arbeiten. Daher sollten Sie als Freiberufler selbst für leistungsfähige IT sorgen oder beim Arbeitgeber durchsetzen, dass Ihr Heimbüro vernünftig ausgestattet ist.

Vorteile für die Unternehmen

Davon profitieren auch die Unternehmen, betont Florian Frank. Zum einen, weil sie die Mitarbeiter so zufriedener machen. „Aber auch weil die Unternehmen durch flexible Arbeitsbedingungen den Umkreis, in dem sie rekrutieren können, deutlich vergrößern.“ Denn dank mobiler Arbeit muss nicht mehr jeder in direkter Umgebung des Firmensitzes wohnen.

Eine andere Erkenntnis der Umfrage: Die Befragten legen heute deutlich weniger Wert auf die betriebliche Altersvorsorge als noch 2022. Damals gab die Hälfte der Beschäftigten an, dass diese Leistung ein wichtiger Grund sei, warum sie bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben würden. In diesem Jahr waren es noch 47 Prozent.

Bleibt die Frage: Wieso ist das so? Nicoletta Blaschke erklärt es sich so: „Die finanzielle Bildung wird besser und besser. Beschäftigte wissen heute viel mehr über Geldanlage und Vorsorge.“ Früher, da sei die betriebliche Altersvorsorge gewissermaßen ein „Buch mit sieben Siegeln“ gewesen. Ungemein wichtig, ja. Aber eben auch schwierig zu durchsteigen. „Heute ist die private Vorsorge deutlich verbreiteter.“ Hinzu kommt: Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen würden auch Dinge, für die sie sonst privat zahlen müssten, als finanzielle Zusatzleistungen begreifen. Also etwa die Zahnreinigung oder medizinische Vorsorgeuntersuchungen. Solche Benefits substituierten „ein Stück weit die Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge“, sagt Blaschke.

Weg mit den Tankgutscheinen

Florian Frank weiß: Deutsche Unternehmen setzen schon heute auf zahlreiche verschiedene Zusatzleistungen. „Allerdings bewerten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Nebenleistungen eher schlecht.“ Aus verschiedenen Gründen. Etwa weil die Angebote „angestaubt“ sind, sagt Frank. So wie Tankgutscheine. Außerdem wüssten viele Mitarbeiter gar nicht, welche Benefits das Unternehmen überhaupt bietet. Frank rät dringend zu besserer interner wie externer Kommunikation.

Und: Viele Nebenleistungen würden schlicht an den Erwartungen der Belegschaft vorbeigehen, sagt der Berater. Beispiel Workation. „Habe ich als junge Familie wirklich das Geld, zusätzlich zum normalen Urlaub noch mal ins Ausland zu fahren?“ Die Workation sei ein noch junges Benefit, das bisher vor allem die jungen und älteren Mitarbeiter nutzen würden. So auch bei WTW selbst: Der erste Kollege, der bei der Beratung eine Workation eingelegt hat, sei zu dem Zeitpunkt 55 Jahre alt gewesen.

„Nicht jeder möchte vergünstigt ins Fitnessstudio, nicht jede will ein Jobrad leasen“, sagt Frank. Er weiß aus der Befragung: Mitarbeiter sind zufriedener, wenn sie ihre Nebenleistungen selbst wählen können. „Ob sie von der Wahlmöglichkeit wirklich Gebrauch machen, ist gar nicht so wichtig. Hauptsache ist, es gibt sie.“

Lesen Sie auch: Wer motivierte Mitarbeiter finden und binden will, kann sie an der Firma beteiligen. Klingt einfach? Ist es nicht.

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