Rhetorik: So gelingt die perfekte Rede
10. Martin Winterkorn, Volkswagen
Platz zehn im exklusiven Rhetorik-Ranking des Handelsblatts und der Uni Hohenheim hat Volkwagen-Chef Martin Winterkorn inne. Damit fällt er im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze nach hinten. Das Computerprogramm des Hohenheimer Kommunikationswissenschaftlers Frank Brettschneider ermittelt jedes Jahr, wie verständlich die Reden der Vorstandschefs der größten börsennotierten Unternehmen ausfallen. Es prüft jeweils Satzbau, Fremdwortanteil, Abstraktheitsgrad, Wort- und Satzlängen und bewertet dann jede Rede auf einer Verständlichkeitsskala. Diese reicht von Null - der Vortrag ist etwa so unverständlich für den Durchschnittsbürger wie eine Doktorarbeit - bis 10.
Foto: dpa9. Reinhard Ploss, Infineon
Der Vorstandsvorsitzende des Chipherstellers Infineon Technologies AG hat es im Redner-Ranking auf den neunten Platz geschafft. Neben der Verständlichkeitsskala (A-Note) hat Brettschneider eine Checkliste entwickelt, mit der der Stil bewertet wird. In der „Kür“ können die Redner in zwei Teilbereichen „Relevanz und Aufbau“ sowie „Präsentationsform“ insgesamt 100 Punkte für ihre B-Note holen.
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8. Elmar Degenhart, Continental
Der Chef des niedersächsischen Reifenherstellers hat es ebenfalls in die Top-Ten der besten Redner geschafft. Für ihn und Infineon-Chef Ploss war es die erste Rede als Konzernlenker.
Foto: dpa7. Ulf Schneider, Fresenius
Der Vorstandsvorsitzende der Fresenius SE, Schneider, schaffte den größten Sprung: Vergangenes Jahr war er noch Vorletzter des Gesamtklassements, diesmal überraschte er mit Rang sieben.
Foto: dpa/dpaweb6. Dieter Zetsche, Daimler
Auf Platz sechs im großen Redner-Check hat es der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG geschafft. Brettschneiders Fazit der Hauptversammlungs-Saison 2013: „Wir haben insgesamt bessere Reden als im Vorjahr erlebt.“ Der Verständlichkeitsgrad steigerte sich von 3,8 Punkten auf 4,6 und somit auf ein mittleres Niveau.
Foto: dpa5. Johannes Teyssen, E.ON
Die Top 5 eröffnet der CEO von E.ON. Teyssen ist künftig auch oberster Vertreter der Energiebranche auf europäischer Ebene in Brüssel. Ob er die EU-Abgeordneten mit seiner Rhetorik ebenfalls überzeugen kann?
Foto: REUTERS4. Norbert Reithofer, BMW
Der Vorstandsvorsitzende der BMW AG wurde in diesjährigem Ranking aus dem Spitzentrio verbannt. Vergangenes Jahr schaffte er es noch auf Platz zwei, in diesem reicht seine Rede nur für den vierten Platz.
Foto: Christian Stadler/BMW3. Peter Terium, RWE
Mit seinen 6,9 Punkten in Sachen Verständlichkeit ließ der rhetorisch talentierte Terium seinen Amtsvorgänger, den poltrigen Atom-Dino Jürgen Großmann klar hinter sich. Deutlich gewandter legte der Niederländer, der akzentfrei Deutsch spricht, vor den Anteilseignern Rechenschaft über Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe und Stellenabbau ab. Zudem reagierte Terium souverän auf einen Störversuch von Umweltaktivisten. Er ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen, sondern verwies die Demonstranten höflich auf die spätere Aussprache.
Foto: REUTERS2. René Obermann, Deutsche Telekom
Obermann holte mit seiner sehr persönlich gehaltenen Abschiedsrede in der Pflichtübung „Verständlichkeit“ 7,3 und in der Kür sogar hervorragende 95 Punkte. Begeisterten Beifall des Publikums erhielt der gelernte Industriekaufmann nach seinem genialen Schlusssatz, als er ankündigte, im nächsten Jahr wieder bei der Telekom-HV dabei zu sein. „Allerdings nicht vorn auf der Bühne, sondern mitten unter Ihnen – als einfacher Telekom-Aktionär“. Der 50-Jährige wechselt zum niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo.
Foto: REUTERS1. Kurt Bock, BASF
Und der Gewinner des diesjährigen Redner-Rankings: Kurt Bock, der Schnellsprecher aus Ostwestfalen. Bock hat sich diesmal sehr viel besser als bei seinem Rede-Debut auf sein Publikum eingestellt, lautet das Motto. Von der Wortwahl bis zum Satzbau, von der Redestruktur bis zum Vortragstempo - sein 34-minütiger Auftritt im Mannheimer Kongresscentrum Rosengarten stimmte. „Bock hat nur wenig Fachchinesisch verwendet, dafür aber lebendige Beispiele gebracht. Das Publikum spürte, dass die Veranstaltung für ihn kein lästiger Pflichttermin ist“, sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider über die solide Leistung der neuen Nummer eins.
Foto: REUTERS"Würden Sie jemandem vertrauen, der Dämon heißt?"
So sollte die Autorin dieses Textes eine Rede beginnen, rät Kommunikationsexperte und Verkaufstrainer Hans-Uwe Köhler. Damit wäre ihr nämlich die Aufmerksamkeit der Zuhörer sicher.
"Beginnen Sie mit einer Überraschung", so Köhler. "Jeder James-Bond-Film beginnt mit einer gewaltigen Explosion – und steigert sich dann". Genauso müsse es ein perfekter Redner auch tun. Schließlich sei es das Ziel einer Rede - und besonders des ersten Satzes, auf einen einzigen Schlag die gesamte Aufmerksamkeit aller Zuhörer zu fesseln.
Dem stimmt auch die Opernsängerin und Stimmtrainerin Alexandra von der Weth zu. "Verzichten Sie auf Standardbegrüßungen. Erklären Sie nicht den Grund für Ihre Rede. Das weiß ohnehin jeder", sagt sie. Wenn von der Weth nicht auf der Bühne steht, bringt sie Managern bei, wie man Reden hält.
Vorsicht vor Schachtelsätzen
"Die Rede ist immer noch eines der wirksamsten Führungsinstrumente", sagt Caroline Waldeck, Vizepräsidentin des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS). Doch offenbar scheuten sich sogar Konzernchefs, die Rede als solches zu nutzen. Denn auch bei den Top-Managern liegt in puncto Rhetorik oft noch einiges im Argen.
So versteckte sich beispielsweise Allianz-Chef Michael Diekmann bei einer Rede anlässlich einer Hauptversammlung hinter einem Riesenschachtelsatz. Er sagte: "Auch wenn sich diese Investitionen laut Internationaler Energie Agentur bereits innerhalb von zehn Jahren durch eingesparte Brennstoffkosten amortisieren lassen, stellt sich die Frage, wer das Geld für die dringend notwendigen Investitionen für die Energiewende, aber auch für Brücken und Straßen bereitstellen kann beziehungsweise soll."
Na, noch wach?
Besser machten es dagegen Peter Terium (RWE), Norbert Reithofer (BMW) und Timotheus Höttges (Deutsche Telekom). Sie haben 2014 die besten Reden auf den Hauptversammlungen der Dax 30-Unternehmen gehalten. Ihre Reden überzeugten nach Ansicht der Analystinnen und Analysten VRdS durch einen klaren Gestaltungsanspruch, gut verständliche Sprache, dramaturgisch geschickten Aufbau und nachvollziehbare Argumente. Passende rhetorische Stilmittel und anschauliche Beispiele rundeten den Gesamteindruck ab.
Bill Clinton
500.000 Dollar für eine 90-Minütige Rede: Mit diesem Honorar führt der frühere US Präsident Bill Clinton die Liste der teuersten Redner an. Das geht aus den Standardhonorarvereinbarungen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Auch für deutsche Politiker beginnt nach der politischen immer häufiger eine lukrative Zweitkarriere als Redner. Im Vergleich zu Bill Clinton sind deutsche Ex-Politiker dabei allerdings zu Vorzugspreisen zu haben.
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Günther Beckstein
Der Ex-Ministerpräsident aus Bayern, Günther Beckstein, bekommt nach Handelsblatt-Informationen etwa 5.000 Euro in der Stunde.
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Roman Herzog
Für den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog werden 20.000 bis 25.000 Euro für eine Rede hingeblättert.
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Richard von Weizäcker
Ähnlich wie Herzog verdient auch Richard von Weizäcker.
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Joschka Fischer
Ex-Außenminister Joschka Fischer kann schon mit einem Redeentgelt von 30.000 Euro rechnen. Aber es gibt noch einen, der mehr bekommt...
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Gerhard Schröder
Absoluter deutscher Spitzenverdiener ist Fischers Gerhard Schröder. Der Ex-Kanzler wird bei Redneragenturen zu Preisen zwischen 50.000 bis 75.000 Euro gehandelt. Gut möglich allerdings, dass Schröder als bislang bestverdienender deutscher Redner in absehbarer Zeit abgelöst wird. Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach Schätzung von Brancheninsidern dem Marktwert Schröders „mindestens ebenbürtig.“
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"Die guten Redner scheuten sich auch nicht, selbstkritische Töne anzuschlagen und Probleme und Versäumnisse klar zu benennen", so Waldeck. "Und sie wagten etwas, was viele Hauptversammlungsredner vermeiden: Sie ließen es menscheln und suchten die emotionale Verbindung zu ihren Zuhörerinnen und Zuhörern." Und darauf kommt es an.
Mitarbeiter machen nicht, was sie sollen
Wenn Mitarbeiter nicht wissen, was es ihnen persönlich einbringt, dann machen sie in den seltensten Fällen, was ihnen gesagt wird. Deshalb sollten die Manager persönliche Anreize setzen und erklären, was der Vorteil für den individuellen Mitarbeiter ist: Ob er Fußballkarten, einen Bonus oder eben Karten für die Oper möchte, Sie sollten ihm den Wunsch erfüllen.
Foto: dpa/dpaweb4. Effektiv kommunizieren
Ist erstmal ein Aktionsplan erstellt, sollten ihn auch alle Mitarbeiter verstehen. Konkret bedeutet das, dass Sie Ihre Pläne mit allen Kollegen teilen und diese um Ihre Meinung bitten sollten. Dank Chester Barnards Klassiker "The functions of the executive" ist bekannt, dass Organisationen in Wahrheit durch Informationen zusammengehalten werden, nicht durch gutes Management oder Besitzverhältnisse.
Druckers Tipp: Sparen Sie nicht an Informationen, sondern kommunizieren Sie Ihre Pläne. Dabei sollten Sie auch untergebene Mitarbeiter nicht ausschließen.
Foto: dpaMit den Enttäuschten reden!
Bei Umstrukturierungen wird immer jemand der Leidtragende sein: Damit der Enttäuschte nicht auf Rache sinnt, sollte mit ihm geredet werden. Persönliche Anerkennung in wenigen Sätzen kann manchmal dafür sorgen, dass er die Kröte besser schluckt. Und Sie und die Firma in Ruhe lässt.
Foto: REUTERS5. Chancenorientiert denken
Es klingt wie eine Floskel, ist aber ein effektives Element guten Managements. Erfolgreiche Führungskräfte konzentrieren sich auf Chancen, nicht auf Probleme. Japan geht dabei als gutes Beispiel voran: Dort wird sichergestellt, dass vorhandene Chancen nicht von Problemen erdrückt werden. Dabei spielt auch die Stellenbesetzung eine wichtige Rolle. Japanische Führungskräfte lassen ihre besten Mitarbeiter an Chancen arbeiten, nicht an Problemen.
Druckers Tipp: Probleme und Risiken gibt es überall – aber auch Chancen. Stellen Sie diese in Ihrem Unternehmen in den Mittelpunkt. Auch Probleme lassen sich in Chancen umwandeln, indem Sie sich fragen: Wie können wir diese Veränderung oder jenes Problem als Chance für unser Unternehmen nutzen?
Foto: dpaDas Kündigungsgespräch: kurz und schmerzlos
Machen Sie es sich und ihrem bald Ex-Mitarbeiter nicht schwerer als es ist: Zwei, drei Sätze reichen, um keine der beiden Seiten unnötig zu belasten. Und helfen Sie Ihrem ehemaligen Mitarbeiter dann noch, indem Sie ihm schnell und unbürokratisch seine Papiere geben und ihm ein Arbeitszeugnis schreiben.
Foto: dpa-tmnKonsequenzen dramatisieren!
Sie müssen unpopuläre Maßnahmen wie Kostensenkungen und Budgetkürzungen kommunizieren? Kein Problem, wenn Sie nur dramatisch und konsequent sind. Denn nur dann können die Mitarbeiter Ihre Maßnahmen nachvollziehen. Die meisten Manager schreiben Mails, weil sie die nicht beantworten müssen. Ein Gespräch mit dem Mitarbeiter könnte hingegen zu unbequemen Nachfragen führen.
Foto: dpaLoben Sie die Mitarbeiter namentlich!
Seien Sie kein eitler Hahn, sondern geben Sie etwas vom Erfolg auch an Ihre Mitarbeiter zurück. Ein rhetorisch guter Manager lobt sein Team namentlich - das führt auch bei gelobten Mitarbeiter zu einem kleinen Motivationsschub.
Foto: dpaWechseln Sie die Perspektive!
Sie sagen Ihrem Mitarbeiter wieder und wieder, das er etwas anders machen soll, aber er hört nicht? Beim nächsten Kritikgespräch lassen Sie ihn Ihre Rolle einnehmen. Es wird helfen, weil er sich in Ihre Position versetzen muss, und spürt, dass Kritik Ihnen auch nicht leicht fällt.
Foto: WirtschaftsWocheVermeiden Sie Fachchinesisch!
Die rhetorische Regel lautet: Sprechen Sie so konkret und umgangssprachlich wie möglich mit Ihren Mitarbeitern. Sie wollen schließlich verstanden werden. Die Ausnahme: Sollten Sie sich ausschließlich unter Managern befinden, dann können Sie ruhig hochtrabend reden.
3. Aktionsplan erstellen
Erfolg will geplant sein - aber richtig. Hilfreich ist ein Aktionsplan, in dem Sie die gewünschten Ergebnisse definieren (Umsatz, Aktienkurse, abzuschließende Projekte). Dann überlegen Sie, wie Sie sie erreichen können. Das macht Ihr Management effektiver. Aber Vorsicht: Ein Aktionsplan ist eher eine Art Absichtserklärung als eine verbindliche Zusage. Er darf nicht zur Zwangsjacke werden und sollte regelmäßig überprüft werden. Napoleon soll einmal gesagt haben, dass keine erfolgreiche Schlacht jemals ihrem Plan gefolgt wäre. Trotzdem hat er jede seiner Schlachten gründlicher geplant als alle Generäle vor ihm.
Druckers Tipp: Erstellen Sie einen Aktionsplan für Ihr Unternehmen und planen Sie Ihr Management. Trotzdem sollten Sie aufmerksam bleiben und den Plan eventuell auf geänderte Gegebenheiten zuschneiden.
Foto: WirtschaftsWocheDer Berufsverband für professionelle Redner, Trainer und Coaches, die German Speakers Association (GSA), hat vergangenen Freitag Menschen ausgezeichnet, die diese Tipps längst nicht mehr benötigen. Nach Hans-Dietrich Genscher, Margot Käßmann und Dieter Zetsche nahm der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog den Deutschen Rednerpreis für seine "herausragenden rhetorischen Leistungen" entgegen. "Die Ruck-Rede hat in die damalige Situation hinein gepasst", so Herzog. "Normalerweise hören die Menschen sehr viel lieber, wenn man ihnen nach dem Mund redet. Es geht aber nicht darum, gegen den Strom zu schwimmen, es geht um Kritik."
Erstmals in der Geschichte der GSA Convention wurde der German Speakers Global Award verliehen. Mit dieser internationalen Auszeichnung bedachte die GSA den Dalai Lama für seine außergewöhnliche Art, Menschen in der ganzen Welt mit Worten zu berühren. Worte der Erinnerung, Worte der Mahnung, Worte der Hoffnung und Versöhnung, Bescheidenheit, Frieden, Respekt: Das sind die Eigenschaften und Werte, weshalb die Wahl der GSA auf das geistige Oberhaupt der Tibeter fiel.
Die bis heute wohl beste Sammlung von Diskussionstricks ist die „Eristische Dialektik“ von Arthur Schopenhauer. Er nennt darin 38 Kunstgriffe, „Recht zu behalten“. Die meisten davon sind aus Talkshows und Bundestagsdebatten gut bekannt.
Foto: FotoliaWiederholen Sie sich. Wichtige Botschaften können nicht oft genug gesagt werden. Auf die Dauer macht das jeden Zuhörer mürbe.
Foto: FotoliaWer fragt, der führt. Und wer führt, der gewinnt. Also geben Sie ihrem Kontrahenten keine Antworten, sondern stellen Sie Fragen. Mit unverschämten Fragen kann man ihn zornig machen, damit er nicht mehr richtig urteilen kann.
Foto: FotoliaStellen Sie den, der sich energisch verteidigt als Aggressor dar. Das diskreditiert seine Ziele und präsentiert Sie selbst automatisch friedlicher.
Foto: FotoliaBilder berühren und überzeugen. Dass sie manipulierbar sind und genauso lügen können wie Worte, ist den meisten Menschen nicht bewusst. Präsentieren Sie daher, wenn möglich, Fotos und Grafiken, die ihre Position stützen.
Foto: FotoliaWer seinen Kontrahenten lobt, schwächt seine Abwehrreaktionen. Man kann zum Beispiel das Engagement des Gesprächspartners für ein bestimmtes – unwichtiges - Thema rühmen. Und dann zum großen „Aber“ in der Hauptsache ansetzen.
Foto: FotoliaWenn der Gegner erfolgreich argumentiert und die eigene Position zu widerlegen droht, ziehen Sie die Notbremse: Brechen Sie die Diskussion ab oder versuchen Sie, das Thema zu wechseln.
Foto: FotoliaLassen Sie sich nie auf Gespräche außerhalb Ihrer Sachkenntnisse ein. Bugsieren Sie umgekehrt den Gegner, wann immer es möglich ist, außerhalb seiner Sachkenntnisse.
Foto: FotoliaSpott ist die beste Waffe, weil man ihn fast nicht kontern kann und er wütend und ratlos macht. Aber nur sprachlich sehr versierte, schlagfertige Menschen beherrschen ihn.
Foto: FotoliaDie stärkste Waffe: Der Angriff „ad personam“. Nicht fair aber höchst erfolgreich ist das persönliche statt des sachlichen Arguments. Wer seinen Gegner erfolgreich als unmoralisch oder verlogen diskreditiert, verbaut allerdings auch den Weg zur Einigung und Versöhnung.
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Um andere mit Worten zu bewegen, braucht es neben guter Ideen viel Training. Natürlich hat jeder seinen ganz persönlichen Stil, Reden unterscheiden sich je nach Anlass: Die Rede des Brautvaters auf einer Hochzeit ist anders als die auf der Hauptversammlung eines Konzerns oder einer Trauerfeier. Trotzdem gibt es wichtige Bausteine, die jede Rede beinhalten sollte.
Und die Struktur der guten Rede lässt sich - wie die Rede selbst auch - trainieren. "Die Leute unterschätzen, wie viel die Profis üben. Selbst Barack Obama übt seine Reden", weiß Michael Rossié. Er ist Vizepräsident der GSA und trainiert seit über 25 Jahren Menschen, die vor Gruppen oder in den Medien sprechen. Außerdem bildet er Radio- und Fernsehmoderatoren aus und tritt als Redner auf. "Die Zuhörer müssen das Gefühl haben, dass der Redner sich alles einfach so aus dem Ärmel schüttelt. Und das ist viel Arbeit", weiß er.
Botschaft, Stichwort, Witz
Das Üben vor dem Spiegel hält er allerdings für unnötig, weil man sich nicht beobachten und gleichzeitig so tun könne, als sei man unbeobachtet. Auch Freunden und Familie würde er es nicht unbedingt zumuten, sich wieder und wieder die Redeübungen anzutun. Er rät: "Erzählen Sie es ihrem Dackel oder dem Lenkrad." Hauptsache, der zukünftige Redner gewinnt an Sicherheit.
Die perfekte Rede basiert laut Rossié auf den drei Rhetorikgrundsätzen, die schon Cicero verwendete: delectare, movere, docere. Die Rede ist also unterhaltsam, berührt und informiert.
"Es muss nicht alles zutreffen", so Rossié. "Wenn ein Redner tolle Sachen erzählt, verzeihen Sie ihm alles." Wer allerdings eine Stimme wie Heidi Klum oder Kermit der Frosch habe, solle daran arbeiten. Gleiches gelte für einen starken Dialekt, Nuscheln oder Lispeln.
Außerdem brauche der Redner eine klare Botschaft. "Die meisten erzählen einfach irgendwas" - und das gehe dann schief. Das bestätigt auch Gerriet Danz, Experte für kreative Präsentation. Er sagt: "Werden Sie sich immer zuerst klar, was Ihre Kernbotschaft ist. Welchen einen Satz soll sich das Publikum merken?" Dabei sei es wichtig, den relevanten Nutzen für das Publikum zu kommunizieren. "Was haben die Herrschaften in Euro, in Zeit, in Sicherheit davon, Ihnen zuzustimmen?"
Wenn die Botschaft der Rede klar ist, geht es an die Vorbereitung. Hier empfiehlt Rossié, Themen aufzuschreiben statt ganzer Sätze. Sonst laufe man Gefahr, die Rede abzulesen, statt sie zu halten. Und das sei der Tod für eine lebendige Rede. "Die Sätze müssen tanzen, nicht marschieren - und das tun sie beim Ablesen leider nicht", sagt er.
"Die beste Rede ist die, die gar keine ist", sagt auch Stefan Wachtel von ExpertExecutive in Frankfurt. Er coacht unter anderem Manager von Dax-Konzernen. Auch wenn eine Rede bei einer Bilanzpressekonferenz natürlich nie so locker sein könne, wie die auf einer fröhlichen Feier, empfiehlt er allen seinen Schützlingen, den Dialog statt des Monologs zu wählen. "Die Wichtigsten sind die auf der anderen Seite", sagt er. Deshalb solle man Reden in einer mündlichen Sprache schreiben. Gerade bei Hauptversammlungen falle auf, dass Manager zu korrekt und faktenlastig formulieren, ihre Reden im Schriftdeutsch texten und dann einfach ablesen werden. Er bearbeite die Reden deshalb mit den Vorständen so, dass es am Ende Stichwortkonzepte sind.
Die Stichworte zur Rede sind notiert, die Botschaft ist klar und der Dackel war bei jedem Spaziergang ein geduldiger Zuhörer. Jetzt wird es ernst, das Publikum schaut erwartungsvoll. Erst einmal durchatmen, rät von der Weth. Sie sagt: "Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung und Ihre Körperspannung. Verharren Sie in dieser Haltung schweigend so lange vor Ihrem Publikum, bis es still ist." Erst wenn Ruhe eingekehrt sei - und zwar sowohl im Publikum als auch im Redner - beginnt die Rede. Jessica Wahl, Personal Performance Coach, empfiehlt außerdem, erst die Augen und dann den Mund aufzumachen.
"Gehen Sie bereits kurz bevor Sie Ihre Rede beginnen, in Blickkontakt mit Ihrem Publikum und sprechen Sie möglichst frei, sodass Sie mit Ihrem Publikum in Beziehung gehen können", sagt sie. Es herrscht also Ableseverbot. Einzelne Zahlen und Fakten dürfen natürlich nachgeschaut werden, aber ansonsten gehört der Blick ins Publikum.
"Ab und an ein Lächeln", so Wahl, " kann Wunder wirken." Und die Hände bitte nicht in die Hosentasche stecken oder hinter dem Rücken verstecken. "Mit den Händen zeigen Sie, dass Sie "handlungsfähig" sind", so Wahl. Sie gehören deshalb locker in Gürtelhöhe, sodass der Redner sie bei Bedarf jederzeit öffnen kann. Wildes Herumgefuchtel mit den Händen lenkt allerdings nur ab. Dasselbe gilt für das nervöse Herumzupfen an Kleidung oder Manuskript. "Setzen Sie Gesten sparsam, aber gezielt ein", rät von der Weth.
Das rhetorische Risiko eingehen
Rossié ist überzeugt, dass eine gute Rede immer ein bisschen provokant sein muss. "Sie muss aufrütteln und wach machen." Außerdem braucht die perfekte Rede gute Bilder und Metaphern. Am besten sei es, die Rede habe einen Slogan, der im Kopf bleibt, wie bei Herzogs "Ruck-Rede" oder Wowereits Ausspruch, dass Berlin "arm, aber sexy" sei.
Letzteres ist im Übrigen ein gutes Beispiel für den persönlichen Bezug oder die Anekdote, die jeder Rede gut tut, also dem "movere". Hätte Wowereit gesagt, dass Berlin zwar arm sei, die Zahl der Touristen und die Lebenszufriedenheit der Einwohner jedoch hoch, würde sich niemand daran erinnern. Gleiches gilt für den Ausspruch des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff. Dass "der Islam zu Deutschland gehört", hat die Menschen bewegt.
Deshalb müsse man sich frei machen von der Angst, sprachlich ein Risiko einzugehen, so Waldeck vom VRdS. Eine klare Haltung und deutliche Worte können zwar negative Reaktionen hervorrufen, wortreiches Geschwurbel erreicht dagegen gar nichts. "Für Hauptversammlungsreden gilt, was jeder Kleinanleger wissen sollte: Geringes Risiko bringt wenig Rendite; wer mehr Rendite will, muss etwas riskieren", so Waldeck.
Davon, sich durch Witze hervorzutun, raten die Experten jedoch dringend ab. "Um Himmels Willen", sagt beispielsweise Danz. "Selbst wenn man ein guter Witze-Erzähler ist, geht so etwas meist schief." Außerdem habe ein Witz selten etwas mit dem Inhalt der Rede zu tun und wirke daher nur als Pseudo-Stimmungsaufheller, der die Unsicherheit des Redners offenbare.
Geht der Witz dann auch noch daneben, ist der Auftritt total versaut, so die Opernsängerin von der Weth. "Ein misslungener Witz wirkt bemüht, aber nicht gekonnt."