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Universum Young Professional Survey 2018 Zu diesen Unternehmen wollen junge Berufstätige

Job: Sechs Tipps für mehr Sinn bei der Arbeit Quelle: Fotolia

Junge Berufstätige möchten sich vor allem gut mit ihrem Chef verstehen und eine gesunde Work-Life-Balance erreichen. Das Universum-Arbeitgeberranking zeigt, bei welchen Unternehmen sie das am ehesten erwarten.

Zu den schönsten Eigenarten eines Studiums zählt die Tatsache, dass es an Hochschulen keine direkten Vorgesetzten gibt. Niemand, der einem vorschreibt, welche Kurse man wann zu belegen hat, wie man lernen soll und ob man zur Vorlesung geht oder nicht. Studierende denken deshalb selten darüber nach, was sie von ihrem zukünftigen Vorgesetzten erwarten. Eine Umfrage der Employer-Branding-Beratung Universum, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt, zeigt jetzt: Mit dem Berufseinstieg ändert sich das schlagartig.

Regelmäßig befragt Universum junge Menschen, was ihnen bei einem Arbeitgeber wichtig ist und bei welchen Unternehmen sie deshalb eine Stelle antreten würden. Aus den Antworten entsteht dann eine Rangliste der beliebtesten Arbeitgeber. Für die jüngste Studie rekrutierten die Berater 8000 junge Erwachsene mit einem speziellen Profil: Sie waren im Durchschnitt fast 30 Jahre alt und hatten durchschnittlich knapp drei Jahre Berufserfahrung.

Für Absolventen der Studienrichtungen Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwesen und Informatik war ein attraktives Grundgehalt das wichtigste Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. Doch wenn das Gehalt schon mal stimmt, sind vor allem menschliche und kulturelle Aspekte entscheidend. Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure achten nach der Bezahlung vor allem darauf, dass Führungskräfte ihre Entwicklung fördern und ihre Leistung anerkennen. Für IT-Experten stehen diese beiden Kriterien immerhin an dritter und achter Stelle.

Hier wird deutlich, welchen Unterschied ein paar Jahre Berufserfahrung machen können. Eine ähnliche Universum-Umfrage im Juni ergab: Unter Studenten, die noch nicht gearbeitet haben, spielte das Verhältnis zum Chef für die Arbeitgeberattraktivität überhaupt keine Rolle. „In der Uni ist insbesondere das Verhältnis zur Führungskraft noch eher abstrakt“, sagt Tina Smetana, die bei Universum für den deutschen Markt verantwortlich ist. „Man muss erste Erfahrungen im Berufsleben gesammelt haben, damit man gute Führungskräfte zu schätzen weiß.“

Smetanas Analyse leuchtet ein. Als Student hat man selten Vorgesetzte, die einen derart großen Einfluss auf die Arbeitssituation und das eigene Vorankommen haben wie später im Berufsleben. Hat man nach dem Einstieg aber das Glück, einen wohlwollenden Chef zu haben oder das Pech, an einen jähzornigen Unterdrücker geraten zu sein, merkt man, dass diese Beziehung für die eigene Karriere von entscheidender Bedeutung ist. „Jeder, der einmal gearbeitet hat, wird wissen, dass es sich gut anfühlt, gefördert zu werden und Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen“, sagt Smetana. „Und umgekehrt sorgt es eben für schlechte Gefühle, wenn dies nicht geschieht.“

Seit vielen Jahren zeigen die Ergebnisse des Engagement-Index‘ des Beratungsunternehmens Gallup, dass für Unzufriedenheit mit dem Job und schwindende Verbundenheit mit einem Arbeitgeber vor allem Vorgesetzte verantwortlich sind. Mitarbeiter verlassen nicht eine Firma, sondern ihren Chef, ist die Botschaft.

Bei welchen Unternehmen junge Berufstätige diese Befürchtung nicht haben, zeigt ebenfalls das Ranking von Universum. Unter Wirtschaftswissenschaftlern wurde BMW am häufigsten als idealer Arbeitgeber angesehen, gefolgt von den Konkurrenten aus der Automobilbranche Porsche und Audi. Ingenieure sehen das gleiche Trio an der Spitze, nur in der Reihenfolge Porsche, BMW, Audi. Unter Informatikern und anderen IT-Spezialisten liegt Google mit Abstand auf dem ersten Rang, danach folgen Microsoft und erneut Audi. Bayer schafft es, unter Naturwissenschaftlern als idealer Arbeitgeber zu gelten, die Max-Planck-Gesellschaft und der Pharmakonzern Roche belegen die darauffolgenden Plätze.

Unternehmen, die ebenfalls in diesen Kreis aufsteigen möchten, sollten ihre Zielgruppe genau kennen und ihre Bemühungen exakt darauf ausrichten, so Tina Smetana. Zum Beispiel, wenn es um die Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit geht. Eine ausgewogene Work-Life-Balance war für die Mehrheit der Studienteilnehmer das oberste Karriereziel. Aber: „Die Erwartungen sind je nach Zielgruppe unterschiedlich“, sagt Smetana. Wirtschaftswissenschaftler und ITler verstünden unter Work-Life-Balance vor allem flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte, Ingenieure dagegen eher ein positives Arbeitsklima.

Als Unternehmen müsse man daher klar herausarbeiten, was in der eigenen Kultur eine bessere Vereinbarkeit bedeute. In einem Konzern könnten das flexible Teilzeitarbeitsmodelle sein, in einer arbeitsintensiven Beratung dagegen die Möglichkeit, Sabbaticals zu nehmen. Tina Smetana rät Personalverantwortlichen, potenziellen neuen Mitarbeiter mit solchen konkreten Beispielen zu erklären, wie in der Firma Arbeit und Leben ins Gleichgewicht gebracht werden können – und auf ein schwammiges Schlagwort wie „Work-Life-Balance“ im Zweifel zu verzichten. Denn, so Smetana: „Je konkreter die Beispiele, desto glaubhafter ist die Botschaft für die Bewerber.“

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