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Plurale ÖkonomieWirtschaftsstudenten wollen denken, nicht rechnen

Studenten und junge Dozenten der Wirtschaftswissenschaften begehren auf gegen die Mathematisierung ihrer Disziplin. Der Kritik kann sich auch der Verein für Socialpolitik immer weniger verschließen.Adrian von Jagow 08.04.2016 - 16:34 Uhr

Schüler und Studenten erwartet bald ein breiteres Studienangebot. An der Universität in Siegen bauen Ökonomen beispielsweise gerade den „Master Plurale Ökonomik“ auf.

Foto: dpa

Gustav Theile ist viel unterwegs in diesen Tagen. Gerade hat er seine letzte VWL-Klausur des Semesters geschrieben, danach reiste er von Tübingen nach Düsseldorf zu einem Arbeitskreis kritischer Ökonomen. Der Student betreut die Arbeit eines Vereins, den er vor Jahren mitgründete, die Internationale Studierendeninitiative für Plurale Ökonomik (ISIPE). Über das Oster-Wochenende tagten Theile und die ISIPE mit Teilnehmern aus 24 Ländern in Paris. Und warum das alles? Theile und immer mehr Wirtschaftsstudierende kritisieren seit der Wirtschaftskrise 2008 ihr Fach: Zu engstirnig, zu marktgläubig, zu sehr eine Möchtegern-Naturwissenschaft sei die VWL geworden, finden die Kritiker. Stattdessen wolle man die neoklassische Theorie und Mathematisierung der VWL hinterfragen.

Korekiyo Takahashi (1854-1936)

Takahashi kam 1854 im heutigen Tokio zur Welt. Als unehelicher Sohn eines Landschaftsmalers genoss er laut seinem Biographen weder Schulausbildung noch Studium. Trotzdem brachte er es zu einem der einflussreichsten Finanzpolitiker Japans, war insgesamt sieben Mal Finanzminister, außerdem Notenbank- und Regierungschef. Sein Schaffen wirkt bis heute nach. Japans Ministerpräsident, Shinzo Abe, hat sich mit seinem aktuellen Wirtschaftsprogramm – bekannt als „Abenomics“ – an Takahashis Ideen orientiert.

Während der Weltwirtschaftskrise hat Takahashi die keynesianische Politik eingeführt – noch bevor John Maynard Keynes seine „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ publizierte. Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 setzte Japan zuerst eine Austeritätspolitik durch – wie andere Länder auch. In der Folge stieg der Kurs des Yen an und die Exporte gingen zurück. Als Takashi 1931 das Amt des Finanzministers zum siebten und letzten Mal antrat, schaffte er die Wende: Unter ihm trennte sich Japan vom Goldstandard, schuf Beschäftigungsprogramme und rüstete das japanische Militär auf – finanziert hatte er diese Ausgaben über die Notenpresse; mit dem frischen Geld kaufte er Staatsanleihen.

Allerdings kam auch diese Politik an ihre Grenzen. Im Februar 1936 wurde er deswegen von einem Trupp Soldaten erschossen und anschließend zerhackt. Der 81-Jährige galt bis dahin als das „letzte Bollwerk gegen den Militarismus“. Nach seinem Tod rutschte Japan endgültig in die Militärdiktatur ab.

Foto: „Korekiyo Takahashi 2“, Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

Ibn Khaldun (1332-1406)

Ibn Khaldun kam in Tunis zur Welt und wurde an dem Hof von Maghreb, am Hof von Granada und in Kairo Richter und Diplomat. Er gilt als der Begründer der Ökonomie in der islamischen Welt und untersuchte vor allem, warum Weltreiche entstehen und wieder zerfallen. Er fand eine bestimmte Entwicklungslogik, die von den Nomaden ausging, denen er Tugenden wie eine ausgeprägte Solidarität und Fleiß zuschrieb. Diese ermöglichten ihnen, Städte zu erobern und ihre Macht auszuweiten. Spätere Generationen waren vom Luxus verwöhnt und sagten sich von der Stammessolidarität los. Zudem finanzierten sie ihren zunehmenden Reichtum, indem sie die einfache Bevölkerung stärker besteuerten, als ihre Vorfahren.

Während im Aufschwung der Herrscher den Wohlstand aller beförderte, schwächten Gier und Willkürmaßnahmen der späteren Generationen das Gesellschaftsgefüge, sodass der Staat irgendwann so schwach wurde, dass er zerfiel. Seine Beobachtungen belegte er mit zahlreichen historischen Beispiele.

Foto: „Ibn Khaldoun-Kassus“ von Kassus - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

János Kornai (1928)

János Kornai wurde als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Ungarn geboren. 1944 wurde sein Vater Opfer der Nazi-Gräueltaten, weswegen er sich Kornai ungarischen KP anschloss und dort bald aufstieg. Dass aus einem flammenden Mitglied ein scharfzüngiger Kritiker des Sozialismus innerhalb der Sowjetunion werden sollte, erstaunt. Er distanzierte sich von dem Sowjet-Gedankengut und der Partei, als er von den politischen Gefangenen in Ungarn erfuhr.

Schon 1956 stellte er in seiner Dissertation „Überzentralisierung“ die Mängel heraus, die die Sowjetunion und mit ihr den Sozialismus schließlich zu Fall bringen sollten: Die großen Produktionsmengen bei denen es an Qualitätssicherung fehlte, die Versorgungsmängel und die damit verbundenen Produktions-Schwankungen und die mit dem sozialistischen System verbundenen Repressionen, die daraus resultieren, dass das System nicht auf materiellen Anreizen bauen konnte.

Damit einher ging das, was Kornai die „weiche Budgetbeschränkung“ nannte. Ineffiziente Unternehmen werden subventioniert und bezuschusst – der im Kapitalismus wirksame Selektionsmechanismus der solche Unternehmen sonst vom Markt nimmt, wirkt hier nicht. 1980 fasste er all diese Gedanken in seinem Buch „The Economics of Shortage“ zusammen. Rund zehn Jahre später brachten ebenjene Mängel die Sowjetunion zu Fall.

Foto: „MoskauRoterPlatzSeptember1990“ von DoD photo, lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

Lorenz von Stein (1815-1890)

Auch wenn Otto von Bismarck der Begründer des deutschen Sozialstaats ist, erfunden hat ihn Lorenz von Stein. Der dänische Jurist wuchs in einem Armenpflegeheim auf und studierte an der Kieler Universität. Er beschäftigte sich mit Armut – aus seiner Sicht eine unvermeidliche Begleiterscheinung der Industrialisierung. Die Industriegesellschaft sorgte demnach dafür, dass sich bestehende Besitzverhältnisse manifestierten – wer einmal arm war, bleibe arm. Von Stein war von der Instabilität industrieller Gesellschaften überzeugt. Unter dem Eindruck der französischen Revolution schrieb von Stein seine Ansichten in „Der Socialismus und Communismus des heutigen Frankreichs“ nieder.

Um Ereignissen wie der Französischen Revolution vorzubeugen, bräuchte es einer neutralen Instanz – einen König. Um die eigene Macht aufrecht zu erhalten, sollte dieser einen Sozialstaat etablieren, der es allen Bürgern ermöglichte, Besitz anzuhäufen und damit Freiheit. Gut 30 Jahre nachdem er sein Monumentalwerk „Die Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis auf unsere Tage“ veröffentlicht hatte, griff Otto von Bismarck seine Ideen auf und baute mit Unterstützung zweier Anhänger von Steins den deutschen Sozialstaat auf.

Foto : „Lorenz von Stein“, Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

Kaspar Klock (1583-1655)

1583 in Soest geboren, brachte es Kaspar Klock zum Berater des Kaisers und erfolgreichen Juristen. Sein ideelles Lebenswerk sollte aber eine gerechte Form der Besteuerung sein. Mit Umschreibungen näherte er sich dem, was wir heute als progressive Besteuerung und Leistungsgerechtigkeit kennen – Begriffe gab es dafür damals keine. Auch vor indirekten Steuern warnte er, weil sie die Armen belasteten und ihre Existenz gefährdeten. Außerdem sprach er sich dafür aus, die Einnahmen des Staats für das Gemeinwohl zu investieren.

Sein Ziel war es, die Steuersysteme aller Länder dieser Welt zu untersuchen und zu systematisieren – von Kaiserreich Rom unter Augustus, über Moskau, die Türkei und Afrika, bis hin zum damals protektionistischen England. So schaffte er es, den Zusammenhang verschiedener Kulturen und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Denken zu beschreiben.

Foto: AP

Mancur Olson (1932-1998)

Mancur Olson erlebte als Ökonom in den Siebzigerjahren, wie in den Industrieländern das Wirtschaftswachstum erlahmte und Inflation sich breit machte. In seinem Buch „The Rise and Decline of Nations“ erklärte er 1982, was aus seiner Sicht die Ursachen für diese Phänomene waren. Eine Interessenvertretung für die gesamte Gesellschaft zu finden, sei nahezu unmöglich. Einzelne Gruppen, die sich für ein bestimmtes Ziel zusammenschlössen – etwa Subventionen für einen Wirtschaftszweig oder protektionistische Gesetze – hätten es dagegen viel leichter. Deswegen seien Gewerkschaften oder Lobbyisten gegenüber der Gesellschaft im Vorteil.

Je länger in Staaten Friedenszeiten herrschten, desto besser vernetzten sich Berufsverbände, Lobbygruppen und Co. Dadurch nehme der Wettbewerb ab und die Gesellschaft werde mehr und mehr unproduktiv. Mit dieser Theorie erklärte Olson etwa das Wachstum in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Siegermächte hätten die alten Netzwerke zerschlagen und die Märkte geöffnet. Im Großbritannien der Siebzigerjahre sähe man dagegen, wie gut organisierte Interessengruppen den Wettbewerb und einen Strukturwandel verhinderten.

Foto: "Mancur Olson", Licensed under Fair use via Wikipedia.

Foto: Creative Commons

Thorstein Veblen (1857-1929)

Als Sohn norwegischer Einwanderer wuchs Veblen in den USA in ärmlichen Verhältnissen auf – seine Eltern sprachen nicht einmal Englisch, das lernte er erst in der Schule. Er promovierte in Yale und musste sich trotzdem lange Zeit mit der Arbeitslosigkeit abfinden. Das kann die misanthrope Gesellschaftssicht erklären, die er in seiner „Theory of the Leisure Class“ ausbreitet. Aus seiner Sicht waren die wichtigen ökonomischen Bedürfnisse wie etwa die soziale Absicherung oder ein mäßiger Wohlstand für die meisten Amerikaner unwichtig geworden. An ihre Stelle traten unwichtige Produkte, die nur dem Prestige dienten. Schuld daran sei die faule, reiche Klasse, die dieses Verhalten vorlebe.

Veblen verweigerte sich dem Bild des Homo Oeconomicus und sah die Menschen als eitel und von sozialen Erwartungen getrieben an. So bestimmte aus seiner Sicht nicht das ökonomische Kalkül den Konsum, sondern das soziale Umfeld. Für Prestigegüter gaben Menschen weitaus mehr aus, als diese eigentlich wert waren. Profitiert davon haben nach Veblen einige wenige Kapitalisten, die die Arbeit der Masse ausnutzten und so die Gesellschaft an ihrer Weiterentwicklung hinderte.

Foto: „Veblen3a“, gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

"Die Weltverbesserer – Große Denker der Wirtschaft, die unser Leben verändern"

Die Beispiele sind allesamt Lisa Nienhaus' Buch „Die Weltverbesserer“ entnommen und zusammengefasst worden. Von Clemens Fuest, dem Präsidenten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung über Peter Bofinger, einer der fünf Wirtschaftsweisen bis Sahra Wagenknecht, der stellvertretenden Vorsitzenden der Linken haben verschiedene Politiker und Wirtschaftswissenschaftler die einfallsreichsten Ökonomen, Schriftsteller, Politiker und Philosophen aus aller Welt zusammengetragen und ihr Werk und ihre Biographie vorgestellt.

„Die Weltverbesserer“ beinhaltet 66 Porträts. Das Buch umfasst 256 Seiten und ist seit dem 16. März für 17,90 Euro beim Hanser Verlag erhältlich.

Foto: Presse

Auf der anderen Seite der akademischen Arena steht Rüdiger Bachmann, Nachwuchsbeauftragter des Vereins für Socialpolitik (VfS), Deutschlands wichtigstem Ökonomen-Club. Der Verein, kritisieren die Studierenden, würde nur den wissenschaftlichen „Mainstream“ repräsentieren. Vor zwei Jahren organisierten die deutschen Vertreter der Bewegung, das Netzwerk Plurale Ökonomik, in Münster eine (freilich wenig beachtete) Gegenveranstaltung zur VfS-Jahrestagung und lösten damit einen Streit aus. Bachmann, hauptamtlich Professor an der University of Notre Dame, Indiana, unterstellt der Bewegung, in der sich auch Markt- und Kapitalismusgegner sammeln, eine „linke gesellschaftspolitische Ideologie“, die sich um „Töpfe, Ressourcen und Macht“ sorge.
Mit einer neuen Studie wollen die Pluralen Ökonomen nun ihre Argumente mit Fakten unterfüttern. Dafür analysierten die Studierenden Uni-Lehrpläne in zehn Ländern und bewerteten diese anhand ihrer Nähe zum ökonomischen Mainstream. Das Ergebnis sei „geradezu erschreckend“, findet Jakob Hafele vom Netzwerk Plurale Ökonomik. So sei durchschnittlich nur jeder 50. Pflichtkurs im Studium methodisch offen oder behandle die Wirtschaftsgeschichte. Von diesen Inhalten wünschen sich die Pluralen jedoch mehr.

Deutschsprachige Ökonomen und Soziologen des 20. Jahrhunderts
Der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph gehörte zwar nicht zur Freiburger Schule, hat Erhard aber dennoch stark beeinflusst. In einem waren sie sich weitgehend einig: Das Wort "sozial" ist in Verbindung mit "Markwirtschaft" unsinnig, weil der Markt an sich Sozialität herstellt. Die Ökonomen Röpke, Eucken und Müller-Armack sahen das ganz anders.
Der Nestor des Ordoliberalismus sorgte mit seinen "Grundlagen der Nationalökonomie" 1939 dafür, dass Erhard nach dem Zweiten Weltkrieg ein theoretisches Konzept vorlag. Wegweisende Gedanken, vor allem über den Zusammenhang von Macht und (Un-)Freiheit.
Als Mitglied der NSDAP erhoffte sich der Ökonom und Kultursoziologe einen starken Staat mit stabiler Wirtschaftspolitik. 1946 entwickelte das CDU-Mitglied in "Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft" den Begriff der "sozialen Marktwirtschaft". Später wirkte er als Leiter der Grundsatzabteilung im Bundeswirtschaftsministerium von Ludwig Erhard.
Der wortmächtigste unter den geistigen Vätern der sozialen Marktwirtschaft war bereits mit 24 Jahren Professor. Der Ökonom und Sozialphilosoph lehnte den Nationalsozialismus als "Massenaufstand gegen die Vernunft" ab und verfasste nach dem Krieg eine Reihe von glänzenden Büchern, in denen er unter anderem den Markt als Kulturform konturierte und ein frühes Lob der Ökologie sang.
SPD-Chef von 1946 bis 1952, wollte "aus Deutschland noch ein sozialistisches Land auf wirtschaftlichem Gebiet" machen. Im Godesberger Programm der SPD (1959), das Karl Schiller maßgeblich mitgestaltete, hieß es: "Wettbewerb soweit wie möglich, Planung soweit wie nötig." Erst 1963 war die SPD so weit, dass der spätere Wirtschaftsminister jede Art von Planung ablehnte.
Helmut Schelsky hat den Erfolg der sozialen Marktwirtschaft bereits 1953 auf den soziologischen Begriff gebracht. Erhard hat ihn vier Jahre später mit "Wohlstand für alle" ins Volksdeutsche übersetzt. Gemeint ist die Herausbildung einer breiten Mittelschicht mit gut bezahlten Angestellten.

Rüdiger Bachmann pflichtet den Studierenden bei – zumindest teilweise. „Es stimmt, dass die Lehre sich zum Teil auf simpelste Mathematik beschränkt.“ Doch dass die Pluralen nur Wirtschaftsgeschichte als „reflexiv“ gelten lassen und dieses Attribut nicht auch der Makroökonomik zusteht, sei „verkürzt. Zumindest meine Studenten werden in Makroökonomik zum Nachdenken gebracht.“ Im Übrigen sei Dogmengeschichte kein Muss: „Wenn jemand sich philologisch über Marx oder Eucken auslassen will, ist er vielleicht besser bei den Philosophen aufgehoben. Das wird sich in Zukunft auch nicht mehr ändern.“


Zoff im Ökonomen-Lager

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Bachmann glaubt, dass die Pluralen sich zu sehr auf die Anerkennung einzelner Methoden konzentrieren, statt interessante Themen aufzuwerfen. Solange also das Thema stimmt, werden alle Methoden gleichwertig diskutiert? „Ich bin im Prinzip für alle Ansätze offen“, sagt Bachmann. Ob der VfS deswegen aber auch eine führende Rolle übernehmen soll, wenn es um gute Lehre geht, bezweifelt er. „Wir können nicht kontrollieren, wie die Kollegen ihre Vorlesungen halten.“

Bei welchen Unternehmen junge Wirtschaftswissenschaftler arbeiten wollen
Procter & Gamble (P & G)Das Beratungsunternehmen Universum hat insgesamt 242.061 Studenten (121.100 aus den Wirtschaftswissenschaften und 120.961 aus den Ingenieur- bzw. IT-Wissenschaften) auf der ganzen Welt gefragt, wo sie später arbeiten wollen. 2014 platzierte sich der Konsumgüter-Konzern noch auf Platz 7 der Top 10-Unternehmen, in denen junge Wirtschaftswissenschaftler arbeiten wollen. 2015 rutscht er auf Platz 10.
J.P. MorganDie US-amerikanische Bank mit Sitz in New York bleibt wie in 2014 unter den Top 10-Arbeitgeber der Wirtschaftswissenschaftler-Absolventen (2014: Platz 10).
MicrosoftAnders als sein Konkurrent Apple fällt Microsoft 2 Plätze (2014: Platz 6).
AppleBei den Ingenieuren bereits auf Platz 3 - Apple klettert nun auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern von Platz 9 auf Platz 7.
DeloitteBei Studierenden der Wirtschaftswissenschaft bleibt Deloitte beliebt, fällt jedoch einen Platz im Vergleich zum Vorjahr.
KPMGDas Unternehmen im Bereich Wirtschaftsprüfung fällt von Platz 4 (2014) auf Platz 5 bei der Beliebtheit.
Goldman SachsDas Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen macht 4 Plätze gut und klettert von Platz 8 (2014) auf Platz 4.
EY (Ernst & Young)Einen Platz gutmachen muss der Wirtschaftsprüfer EY beim Arbeitgeber-Ranking.
PwC (PricewaterhouseCoopers)Das Dienstleistungsunternehmen PwC klettert 2015 auf Platz 2 bei den Wirtschaftswissenschaftlern und verdrängt damit Ernst & Young.
GoogleGenauso wie bei den Ingenieuren ist Google auch bei den Wirtschaftswissenschaftlern weltweit auf Platz 1 der beliebtesten Arbeitgeber.

Wie die Lehre im Hörsaal tatsächlich aussieht, will Frank Beckenbach, Verhaltensökonom an der Universität Kassel, mit einer Anfang Mai erscheinenden Studie zeigen. Sein Team untersuchte die Inhalte aus über 50 deutschen Bachelor-Studiengängen auf ihre Qualität und befragte auch das Lehrpersonal. Das Ergebnis: Statt die Studentenbewegung zu ignorieren, machen sich viele Ökonomen ernsthafte Gedanken zu ihrer Zunft. Bemühungen etwas zu ändern, scheiterten jedoch oft an den Institutionen – als Lehrkörper sei man „interessiert, aber behindert“, sagt Beckenbach. Der Grund dafür sei ein „vorauseilender Gehorsam“ unter den Ökonomen – man lasse sich vom Druck internationaler Fachzeitschriften beeinflussen. Die Rhetorik von Rüdiger Bachmann hält der Kassler Beckenbach für unangemessen und findet, der Verein vertrete „eine ganz eingeschränkte Perspektive.“

Wirtschaftsstudium

Bloß weg von der Mainstream-VWL

von Malte Fischer

Angesichts des Wissenschaftlerstreits geht nahezu unter, dass sich an den Unis durchaus etwas tut. Beispiel Siegen: Dort baut Nils Goldschmidt, ordnungspolitisch geprägter Ökonom und seit 2014 Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, gerade den „Master Plurale Ökonomik“ auf – nach eigenen Angaben der erste seiner Art. Goldschmidt ist guten Mutes, dass der Master bei Studierenden ein Erfolg wird, denn diese hätten durch ihre Kritik am Mainstream zur Entstehung beigetragen: „Von den Studierenden gibt es den Push. Die Uni spielt auch mit. Es ist ein günstiger Moment.“ Zum Sommersemester 2016 startet an der Business and Information Technology School (BiTS) in Berlin zudem der neue Masterstudiengang „Entrepreneurial Economics and Management“, in dessen Mittelpunkt die Österreichische Schule der Nationalökonomie steht.

„Die Unis müssen es schaffen, Inhalte aus der ganzen Welt der Ökonomik zu verknüpfen“, betont Goldschmidt. „Die Studierenden sollen sich wieder zu gesellschaftspolitischen Fragen positionieren können und nicht nur Modelle durchrechnen.“ Damit ist er nah bei Bachmann.

Es scheint, als wollten am Ende doch alle Streitparteien das Gleiche: die richtige Antwort auf ökonomische Fragen zu finden. Gustav Theile darf also zuversichtlich sein, dass ein Wandel gelingt. Schließlich widmet er der pluralen Bewegung inzwischen mehr Zeit als dem Studium.

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