Auswertung von Stellenbörsen   In diesen Branchen sind ukrainische Flüchtlinge besonders willkommen

Stellenbörse, Ukraine, Flüchtlinge Quelle: dpa Picture-Alliance

Hunderttausende Ukrainer sind nach Deutschland geflüchtet und wurden mit viel Hilfsbereitschaft empfangen. Eine Datenauswertung zeigt nun: Auch viele Arbeitgeber bieten Arbeitsplätze für die Flüchtlinge an – nicht ganz uneigennützig.

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Wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine sich derzeit in Deutschland exakt aufhalten, das lässt sich kaum sagen. Klar ist nur eines: Es sind sehr viele. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilte jüngst mit, insgesamt seien seit Kriegsbeginn gut 600.000 Flüchtlinge in Deutschland registriert worden. Doch die Einschränkung folgte auf dem Fuße: Ein Teil von ihnen dürfte in andere Länder weitergereist oder inzwischen in die Ukraine zurückgekehrt sein.

Wie viele Menschen es exakt sein mögen, ist letztlich unerheblich, um festzustellen, dass gerade überall in Deutschland viel geleistet wird. Menschen haben über Nacht ihre halbe Wohnung an wildfremde Menschen abgetreten, die da für unbestimmte Zeit leben werden. Freiwillige Helfer organisieren Deutschkurse, verteilen Spenden aller Art. Und auch viele Arbeitgeber wollen offenbar ihren Teil dazu beitragen, um den Kriegsflüchtlingen die Ankunft so einfach wie möglich zu machen.

Das zeigt eine Auswertung fast aller relevanten Portale für Stellenanzeigen im Internet und in Printmedien, welche die auf Personaldaten spezialisierte Agentur Index für die WirtschaftsWoche erstellt hat. Untersucht haben die Experten dafür rund 180.000 Firmenwebsites, 203 Print- und 272 Onlinestellenmärkte.

Effekt des Kriegs sofort sichtbar

Sie fanden dabei Anzeigen wie die des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in Heidelberg. In einer viersprachigen Anzeige auf Deutsch, Ukrainisch, Russisch und Englisch sucht das Lehrklinikum der Uni Heidelberg „Ukrainische Hilfskräfte für Küche und Wäscherei“. Und erläutert: „Wir möchten ukrainischen Menschen helfen, hier bei uns im Krankenhaus ihrem Beruf wieder nachgehen zu können.“ Man biete ein „attraktives Willkommenspaket“ und „Hilfe beim Erwerb der deutschen Sprache“.

Angebote dieser Art gibt es derzeit zuhauf, wie die Analyse zeigt. So stieg die Zahl der Jobangebote, die einen Verweis auf ukrainische Sprachkenntnisse oder einen anderen Bezug zur Ukraine enthalten, seit Jahresbeginn deutlich an. Von Januar bis Februar stieg die Zahl der entsprechend ausgeschriebenen Positionen noch bedächtig um 15 Prozent auf insgesamt 416. Dann aber wird der Effekt des Kriegs sichtbar: Von Februar bis März stieg die Zahl der entsprechenden Gesuche auf 4031, also um knapp das Zehnfache. Seither reißen die Angebote nicht ab, auch im April fanden sich erneut 3710 neue Stellengesuche, die sich explizit an Ukrainer richteten.  

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Besonders viele Angebote finden sich dabei in der Pflege- und Gesundheitsbranche. 2073 der seit Jahresbeginn registrierten Stellengesuche kamen aus diesem Umfeld. Das legt nahe, dass die Angebote keineswegs nur als Akt der Nächstenliebe zu verstehen sind. Schließlich sind in dieser Branche Fachkräfte besonders rar, die Ukraine ist hier ohnehin ein typischer Arbeitskräftemarkt.

Die öffentliche Verwaltung sucht ebenfalls auffällig viele Arbeitskräfte, insgesamt 929 entsprechende Stellen wurden hier seit Jahresbeginn ausgeschrieben. Kein Wunder, sind es doch die Städte und Gemeinden, die derzeit Deutschkurse und Integrationstreffen organisieren – und dabei auf zweisprachige Hilfskräfte angewiesen sind.

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Bei der regionalen Verteilung dieser Stellen ist vor allem die Bedeutung Berlins auffällig. Dass sich die Stadt derzeit zu einem Zentrum der Exil-Ukrainer entwickelt, spiegelt sich auch in den Stellengesuchen. So finden sich die meisten Stellen erwartungsgemäß im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (1224), gefolgt von Bayern (993). Direkt danach aber folgt bereits Berlin mit insgesamt 774 ausgeschriebenen Stellen. Damit liegt die Hauptstadt weit vor allen anderen Städten, etwa München (205) oder Hamburg (202).

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