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AktienkulturDas Trauma der Telekom-Aktionäre

Vor 20 Jahren ging die Deutsche Telekom an die Börse. Damit begann eine kurze Blütezeit deutscher Aktienkultur. Mit dem Fall der T-Aktie fiel auch die Lust der Deutschen auf die Börse. Doch die Gründe für die schlechte Aktienkultur liegen tiefer.Christof Schürmann 22.11.2016 - 06:00 Uhr

Aktienkultur: Die Deutsche Telekom ging vor 20 Jahren an die Börse. Damit begann eine kurze Blütezeit.

Foto: WirtschaftsWoche

Schon seit einigen Tagen werde ich mit Werbung zu dieser „Volksaktie“ zugeschüttet, dennoch bin ich immer noch skeptisch an diesem Novembertag. Befreundete Banker aber sagen mir: „Das Ding wird ein Erfolg.“ Das Ding ist die T-Aktie. Es sind noch fünf Minuten bis zum Ende der Zeichnungsfrist, als ich die Aktie zeichne. Was ich noch eine Woche zuvor für unmöglich gehalten habe, ist nun passiert: Ich steige als Aktionär bei der Deutschen Telekom ein.

Ausgerechnet der Telekom, gerade erst aus den Fängen der Politik entlassener Beamtenladen mit mäßiger Dynamik und zweifelhaften Erfolgsaussichten. Aber wenn alle dabei sind, bin auch ich eben dabei. 1425 D-Mark investiere ich in das Papier.

So beginnt am 18. November 1996 eine Geschichte, die bis heute nicht nur die damalige Skepsis bestätigen, sondern auch ungeahnte Kreise ziehen sollte. Es ist die Geschichte vom Börsengang eines ehemaligen Staatskonzerns, der nicht nur einfach an die Börse gehen, sondern zugleich auch aus den Deutschen, einem Volk der Sparer, ein Volk der aufgeklärten Anleger machen sollte. „Volksaktie“ nannten sie die Telekom-Aktie deswegen damals und hofften in Politik und Wirtschaft, dass das Papier aus Bonn den Deutschen endlich beibrächte, ihr Geld nicht mehr nur auf Sparbücher und Tagesgeldkonten zu tragen, in Lebensversicherungen und Bausparverträge zu stecken, sondern es auch der Börse anzuvertrauen.

Anfang 1995 und 18. November 1996

Anfang 1995 wird die Deutsche Bundespost Telekom in eine AG umgewandelt. Ron Sommer, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, ist selbstverständlich persönlich dabei, als am 18. November 1996 die DT1-Aktie erstmals an der Börse notiert. 1,9 Millionen Privatanleger erwerben die Aktie zum Erstausgabepreis von 28,50 DM (14,57 Euro). 650.000 von ihnen investieren zum ersten Mal in Aktien. In die Kasse der junge AG spült der Börsengang insgesamt zehn Milliarden Euro. Für Erstzeichner sollte sich die Kursentwicklung der T-Aktie als nervenaufreibendes Nullsummenspiel erweisen. Nur dank der Dividenden steht unter dem Strich letztlich ein mageres Plus.

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28. Juni 1999

Bei der zweiten Tranche der T-Aktie mussten Anleger schon einen Ausgabepreis von 39,50 Euro berappten. Die sogenannte DT2-Aktie wird mit einem Gesamterlös von 10,8 Milliarden Euro erstnotiert. Die Platzierung richtet sich an Privatanleger aus allen damaligen Euro-Ländern.1,7 Millionen Menschen erwerben die Aktie, davon mehr als 600.000 aus den Euro-Teilnehmerstaaten.

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06. März 2000

Die T-Aktie erreicht einen Höchstwert von 103,50 Euro.

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17. April 2000

Die Telekom bringt die Tochterfirma T-Online an die Börse. Der Ausgabepreis beträgt 27 Euro.

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19. Juni 2000

T-Aktie zum Dritten: Weil die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ihren Telekom-Beteiligung von etwa 22 auf 15 Prozent verringert, haben Anleger erneut die Chance, frische T-Aktien zu erwerben. Dafür sind sie bereit, sage und schreibe 66,50 Euro zu zahlen. Der Gesamterlös aus der Erstnotiz der DT3-Aktie summiert sich damit auf 13 Milliarden Euro. Die Bevorzugung von Privatanlegern wird beim dritten Börsengang auch auf die USA, Kanada und Japan ausgeweitet.

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31. Juli 2000

Die UMTS-Mobilfunkauktion beginnt. Die Telekom ersteigert drei Wochen später eine von sechs Lizenzen und muss dafür mehr als 8,5 Milliarden Euro bezahlen.

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21. Februar 2001

Die Telekom korrigiert ihr Immobilienvermögen um zwei Milliarden Euro nach unten. Die Wertberichtigung löst eine Welle von Protesten und Klagen gegen den Vorstand aus. Anwälte vermuten, dass dieser Umstand dem Konzern bereits vorher bekannt gewesen sein muss. Vor allem Anleger des dritten Börsengangs fühlen sich getäuscht. Im selben Jahren erwirbt die Telekom die amerikanischen Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für circa. 39 Milliarden Euro (inklusive übernommener Schulden). Ein Preis, der die Schuldenlast der Telekom erheblich vergrößert. Anleger reagieren empört.

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10. September 2001

Die Aktien der Telekom befinden sich im freien Fall. Am 10. September 2001 unterschreiten sie den Kurs des ersten Handelstags. Nichts, so scheint es, kann den Abwärtstrend stoppen. Am 26. Juni 2002 stürzt die T-Aktie auf ein langjähriges Tief von 8,14 Euro. Für Telekom-Chef Sommer wird die Luft immer dünner.

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16. Juli 2002

Nachdem er im Aufsichtsrat keinen Rückhalt mehr hat, tritt Vorstandschef Ron Sommer (im Bild) zurück. Ex-Henkel-Chef Helmut Sihler führt kommissarisch die Geschäfte. Zwölf Jahre nach dem Abschied von der Telekom, im Jahr 2014, scheint Ron Sommer mit sich selbst wieder im Reinen. Geholfen hat seine Ehefrau – nicht zuletzt mit einem Crash-Kurs in „normalem Leben“.

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30. September 2002

Die T-Aktie rutscht auf einen Tiefstand von 8,42 Euro.

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14. November 2002

Der Aufsichtsrat ernennt Mobilfunkchef Kai-Uwe Ricke zum neuen Telekom-Chef. Der Konzern wird umgebaut und auf einen harten Sparkurs geschickt. Insgesamt 50.000 Stellen sollen abgebaut werden, später wird von weiteren 32.000 Streichungen die Rede sein. Parallel laufen immer wieder Ermittlungen wegen Kapitalanlagebetrugs und Falschbilanzierung gegen die Telekom. An der Börse tut sich hingegen kaum etwas. Die T-Aktie berappelt sich zwar leicht, aber selbst die 20-Euro-Marke scheint unerreichbar. Den Rekordverlust, den die Deutsche Telekom im Geschäftsjahr 2002 verzeichnet, kann Ricke nicht mehr verhindern. Auf unfassbare 24,6 Milliarden Euro häuft sich das Minus an.

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09. Oktober 2004

T-Online soll von der Börse geholt und in den Mutterkonzern reintegriert werden. Wegen Rechtsstreitigkeiten mit Aktionären um den Preis wird der Weg dafür erst im Juni 2006 frei.

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02. November 2005

Die Telekom kündigt den Abbau von 32.000 Stellen innerhalb von drei Jahren an. Hunderte Beschäftigte gehen auf die Straße.

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12. November 2006

Kai-Uwe Ricke tritt zurück. Der Telekom-Chef gibt damit dem Drängen des Bundesfinanzministeriums und der Blackstone-Gruppe nach, die ein halbes Jahr zuvor für 2,7 Milliarden Euro einen Anteil von 4,5 Prozent an der Telekom erworben hatte. Die Aktie macht einen Kurssprung. Nachfolger wird am Tag darauf T-Mobile-Chef René Obermann (im Bild). Doch dem deutschen Branchenprimus laufen die Kunden scharenweise davon. Sein Gegenmittel klingt simpel: Preise runter, Service rauf. Um dieses Ziel zu erreichen, will Obermann den Konzern radikal umbauen. An der Börse kommen die Pläne gut an, der Obermann-Effekt treibt den Aktiekurs nach oben. Bei 15 Euro geht ihm allerdings die Puste aus.

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Frühjahr 2007

Dass Obermanns Sparpläne früher oder später auch die Mitarbeiter treffen würden, war nur eine Frage der Zeit. Im Frühjahr 2007 platzt die Bombe: Obermann will 50.000 Service-Mitarbeiter der kriselnden Festnetzsparte in neue Einheiten ausgliedern, wo sie länger arbeiten und weniger verdienen sollen. Es kommt zum ersten Arbeitskampf in der Geschichte der Deutschen Telekom mit Streiks in ganz Deutschland. Obermann setzt sich schließlich durch, die Auslagerung der 50.000 Stellen ist beschlossen. Der Aktienkurs hingegen bleibt noch verhältnismäßig ruhig.

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2008

2008 beginnt für die Telekom denkbar schlecht. Gleich zu Beginn des Jahres rauscht die T-Aktie nach unten. Es scheint fast so, als hätten die Aktionäre etwas geahnt: Im Oktober wird öffentlich, dass Daten von mehr als 17 Millionen Kunden von T-Mobile gestohlen wurden. Ans Licht kommt, dass die Telekom illegal Verbindungsdaten ausgespäht hat – und zwar Daten von Journalisten und den eigenen Kollegen. Damit sollten diejenigen überführt werden, die die Kundendaten aus dem Konzern geschleust haben. Im Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft stehen vor allem Ex-Vorstandsvorsitzender Kai-Uwe Ricke und dessen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Später wird sich herausstellen, dass der Kreis derer, die von der Telekom bespitzelt wurden, noch weitaus größer war.

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April 2008

Im April 2008 geht der millionenschwere Prozess enttäuschter Kleinaktionäre gegen die Telekom in die vorentscheidende Runde. Sieben Jahre nach den ersten Klagen wird immer noch um die Frage gestritten, ob der Verkaufsprospekt zum dritten Börsengang des ehemaligen Staatskonzerns alle relevanten Fakten enthielt oder nicht. Rechtsanwälte bringen Kisten von Unterlagen in den improvisierten Gerichtssaal in Frankfurt, mehr als 16.000 Kläger fordern Schadenersatz für die erlittenen Kursverluste.

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21. April 2009

Am 21. April 2009 geht für Millionen Handynutzer nichts mehr: Ein Software-Fehler legt das T-Mobile-Netz lahm, die Handys bleiben stundenlang stumm. Es ist der bislang größte Ausfall eines Handy-Netzes in Deutschland. Am frühen Abend gelingt es der Telekom zwar, das Netz schrittweise wieder hochzufahren. Doch ist der Schaden bereits angerichtet: Die Telekom-Aktie legt eine Bruchlandung hin, eine Gewinnwarnung verstärkt den Verfallsprozess zusätzlich. All das wirft kein gutes Licht auf die Telekom, das Vertrauen der Kunden ist dahin – auch das der Anleger. Im Juni 2009 fallen die Telekom-Papiere tiefer als jemals zuvor: 7,80 Euro sind die Titel bloß noch wert.

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Zweites Halbjahr 2009

Im zweiten Halbjahr 2009 spürt die T-Aktie leichten Aufwind - dies allerdings in einem allgemein freundlicheren Börsenumfeld. Im zweiten Quartal hat die Telekom Umsatz und Gewinn gesteigert, Obermanns Sparpläne fruchten. Die Aktie steigt zum Jahresende wieder über zehn Euro. Doch noch hat die Telekom einige Hürden vor sich: Die Aufarbeitung der Spitzelaffäre muss vorangehen, ebenso wie der strukturelle Umbau des Konzerns.

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1. April 2010

Auflösung der T-Mobile Deutschland GmbH und der Konzernschwester T-Home. Es entsteht die Telekom Deutschland GmbH.

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September 2011

Das Börsenbeben Anfang September 2011 trifft auch die Papiere der Deutschen Telekom hart. Allein am fünften September geht es knapp fünf Prozent runter. Die Telekom-Aktie baut ihre Verluste daraufhin etwas aus, sie liegt 4,6 Prozent im Minus. Im September geht es auf weniger als acht Euro runter. Im Sommer lag das Papier noch bei mehr als zehn Euro.

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Dezember 2011

Im Dezember 2011 scheitert die Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobile USA durch AT&T, nachdem Justizministerium und die Telekommunikationsaufsicht FCC Bedenken angemeldet hatte. „Das ist ein harter
Rückschlag für Telekom-Chef Obermann, aber so richtig überrascht hat der gescheiterte Deal nicht mehr“, sagte damals ein Händler. Die Aktie verliert rund ein Prozent auf 8,80 Euro. Anleger hoffen auf Schadensbegrenzung. Immerhin kann das Unternehmen nun mit einer milliardenschweren Entschädigung rechnen. Die Amerikaner hatten diese für den Fall eines Scheiterns der Übernahme versprochen.

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17. April 2012

Neue Niederlage für die Telekom: Sky hat das Endspiel um die Bundesliga-Rechte für sich entschieden. Nicht einmal mehr im Internet darf die Telekom Fußballspiele übertragen. Konkurrent Sky hat von der Deutschen Fußball Liga (DFL) den Zuschlag für alle Live-Rechte im Pay-TV erhalten – online, per Kabel und per Satellit.

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24. Mai 2012

Die Deutsche Telekom lädt zur Hauptversammlung nach Köln. Konzernchef René Obermann steht den Aktionären Rede und Antwort stehen, nachdem die Telekom mit einem Gewinnrückgang ins Geschäftsjahr 2012 gestartet ist. Bereits im Gesamtjahr 2011 war der Gewinn massiv um zwei Drittel auf 557 Millionen Euro eingebrochen. Ursache waren vor allem Probleme in den USA und Südosteuropa. Bei der Hauptversammlung 2011 war den Anteilseignern eine Dividende von 0,70 Euro präsentiert worden. Das waren acht Cent weniger als im Vorjahr. Auch die Gerichtsentscheidung zum umstrittenen dritten Börsengang der Telekom im Jahr 2000 liegt den Kleinanlegern noch schwer im Magen.

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05. Juni 2012

Die T-Aktie rutscht auf einen neuen Tiefstand von 7,71 Euro.

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07. Oktober 2012

Die Deutsche Telekom wird durch die Fusion ihres US-Geschäfts mit dem Konkurrenten Metro PCS tief in die Verlustzone stürzen. Das Geschäftsjahr 2012 wird der Bonner Konzern nach Berechnungen des Handelsblatts vom 7. Oktober 2012 mit einem Verlust von mindestens 4,4 Milliarden Euro abschließen. Im ungünstigen Fall sind es sogar minus 5,5 Milliarden Euro Nettoergebnis. Grund sind milliardenschwere Abschreibungen auf T-Mobile USA. Der Konzern selbst beziffert die notwendigen Wertberichtigungen auf sieben bis acht Milliarden Euro. Der von Analysten bislang erwartete Jahresüberschuss von 2,6 Milliarden Euro wird damit aufgezehrt.

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Dezember 2012

Die Telekom-Aktionäre müssen sich in den kommenden zwei Jahren in Verzicht üben: Ihnen stellte Noch-Chef Obermann im Dezember für die Jahre 2013 und 2014 lediglich eine Dividende von 50 Cent je Aktie in Aussicht. Für das Jahr 2012 sollen die Aktionäre noch eine stabile Sonderausschüttung von 70 Cent erhalten. Die zusätzlichen Millionen will die Telekom in den nächsten Jahren in ihre Problemmärkte Deutschland und USA stecken. Allein sechs Milliarden Euro sollen in den Breitband-Ausbau in Deutschland fließen, mit vier Milliarden Euro will die Telekom ihr Mobilfunknetzwerk in den USA modernisieren.

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April 2013

Im April 2013 kündigt die Telekom an, die Geschwindigkeit von Internetflatrates zu drosseln, wenn eine bestimmte Datenmenge erreicht wurde. Ein Aufschrei geht durch die Netzwelt, Politiker und Verbraucherschützer nehmen sich der Sache an. Die Telekom dagegen erklärt, die meisten Kunden würden die „Volumenbegrenzung“ gar nicht erst bemerken. Den Positivtrend der Aktie stört dies nur kurz. Im Windschatten der Dax-Rekordjagd geht es wieder in Richtung Zehn-Euro-Marke.

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2013

Nach Jahren der Schrumpfung kehrt die Telekom 2013 auf den Wachstumspfad zurück. Der Umsatz legt um 3,4 Prozent auf mehr als 60 Milliarden Euro zu. Auch deshalb, weil das US-Geschäft besser lief als erwartet. Neue Tarife und eine aggressive Marketingstrategie bewegten die Leute zum Wechsel zur Telekom.

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01. Januar 2014

René Obermann gibt den Vorstandsvorsitz an Timotheus Höttges (im Bild) ab, den bisherigen Finanzvorstand der Deutschen Telekom AG. Der 51-Jährige verfolgt klare Ziele: „Ich möchte so viel wie möglich in Netze investieren.“ Auch bei Innovationen sieht Höttges große Defizite. Der Aktienkurs scheint ihm Recht zu geben: Innerhalb der vergangenen zwei Jahre hat sich der Wert der Aktie fast verdoppelt. „Bislang hat der Konzern 18-mal ausgeschüttet, nur in der Krise 2003/04 sind die Anteilseigner gänzlich leer ausgegangen. Unter dem Strich summieren sich die zuletzt stets im Mai überwiesenen Gewinnbeteiligungen auf 11,19 Euro. Bezogen auf den Emissionskurs von vor 20 Jahren sind das immerhin 77 Prozent oder jährlich 2,8 Prozent. Davon wird man nicht reich, aber es ist eben auch kein totaler Reinfall“, sagt Christian W. Röhl, Gründer der unabhängigen Research-Plattform Dividendenadel.

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Ausgerechnet die Telekom, ein träger Staatskonzern mit schwachen Kennziffern und ungewisser Perspektive sollte das leisten. Heute, 20 Jahre später, weiß man: Daraus wurde nicht nur nichts. Die Folgen der überfrachteten Erwartungen für das Verhältnis der Deutschen zum Geld sind verheerend. Weil sich von Ende 1999 bis heute der Börsenwert der Telekom um 150 Milliarden Euro verringert hat. Weil diese Verluste bis heute die Gerichte beschäftigen.

Und weil Erwartungen geweckt wurden, die viele börsennotierte Unternehmen regelmäßig erfüllen, ausgerechnet die Telekom aber nicht erfüllen konnte. So sucht sich das Kapital einst risikobereiter Anleger bis heute einen anderen Weg; meist wird es scheu versteckt.

Am 18. November 1996 ist es das Ereignis. Der T-Aktien-Börsengang wird in Frankfurt gefeiert. 713,7 Millionen Aktien bringt die Telekom beim ersten Gang an die Börse unter die Leute. Die Emission ist fünffach überzeichnet. 1,9 Millionen deutsche Privatanleger kaufen die T-Aktie, 650.000 investierten erstmals überhaupt Kapital in Aktien. Der offizielle Ausgabepreis beläuft sich auf umgerechnet 14,57 Euro. Bei Einhaltung spezieller Bedingungen können Privatanleger in Deutschland T-Aktien zu einem ermäßigten Preis von 14,32 Euro erwerben. Zehn Milliarden Euro frisches Kapital nimmt die Telekom so ein.

Schleswig-Holstein

39,7 Prozent der Teilnehmer aus Schleswig-Holstein sind an Finanzwissen interessiert – der niedrigste Wert im Vergleich aller Bundesländer.

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Hessen

Am zweitwenigsten Interesse zeigten die Befragten in Hessen mit 47,2 Prozent.

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Thüringen

In Thüringen sind es 48,3 Prozent und damit am drittwenigsten.

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Baden-Württemberg

Mit 49,2 Prozent gibt es in Baden-Württemberg fast gleich viele finanzinteressierte Bürger wie nicht-interessierte.

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Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern betrug der Anteil der an Finanzwissen interessierten Befragten 51,2 Prozent.

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Berlin

53,3 Prozent der Berliner interessieren sich für Finanzwissen.

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Der Kurs legt um bis zu 16,5 Prozent zu, an diesem Freitag alleine. Ohne Verzögerung stürmt die Telekom auch in den Leitindex Dax. Erstmals übersteigt der Marktwert aller an deutschen Börsen notierten Aktien die Grenze von 1000 Milliarden D-Mark. Alle jubeln. Ich aber bleibe skeptisch und steige schon am Morgen aus, mache 14 Prozent plus. 14 Prozent mit diesem Papier an einem Tag, ich kann es nicht fassen.

Und so startete Deutschland in ein börsenverliebtes halbes Jahrzehnt. Die Zahl an Aktionären schnellte ebenso wie die Zahl an börsennotierten Unternehmen nach oben. Waren zu Beginn des für Aktionäre goldenen Jahrzehnts gut 400 deutsche AGs auf den Kurszetteln, standen dort Ende 1996 schon um die 700, vier Jahre später dann mehr als 1000. Und mit der Zahl der an der Börse aktiven Unternehmen stieg auch die Zahl der dort aktiven Deutschen: In der Spitze hielten fast zehn Prozent im Alter über 14 Jahren oder 6,2 Millionen Privatanleger direkt Aktien, derzeit sind es wieder weniger als sieben Prozent.

Anzahl deutscher Unternehmen an der Börse, Anteil der Aktionäre an der Gesamtbevölkerung in Deutschland.

Foto: WirtschaftsWoche

Für die meisten Anleger verlief die erste Begegnung mit der Börse erfolgreich. Die T-Aktie, sie stieg und stieg. Das weckte bei vielen Börsenunerfahrenen die von Profis wie dem Börsenaltmeister André Kostolany geweckte Hoffnung auf Vermögenszuwachs im Schlaf. Eine Hoffnung, die zunächst auch nicht enttäuscht wurde, allerdings kein Fundament hatte. War doch beispielsweise der Gewinn der Telekom ausgerechnet 1996 um zwei Drittel gegenüber dem Vorjahr eingebrochen.

Zweieinhalb Jahre sind vergangen seit jenem trüben Novembertag, als die Telekom im Frühsommer 1999 erneut auf Börsentour geht. Beim zweiten Börsengang sammeln die Bonner 10,6 Milliarden Euro ein; 1,7 Millionen Privatanleger ziehen bei der Kapitalerhöhung mit. 39,50 Euro zahlen sie, gut 170 Prozent mehr als beim ersten Börsengang.

Das Börsenfieber sprang zu diesem Zeitpunkt auf die echte Wirtschaft über. Befeuert von steigenden Kursen an den Börsen und dem plötzlichen Zugang auch für junge und recht kleine Unternehmen über das 1997 neu eingeführte Börsensegment Neuer Markt gründeten die Deutschen plötzlich wie verrückt Start-ups, Anleger stellten jetzt bereitwillig an den Märkten entsprechend zugängliches Geld bereit. Im Jahr 2000 zählten die Statistiker knapp 1,3 Millionen Neugründungen (2015: 763.000).

In über 3.300 Interviews wurden pro Bundesland 100 Erwerbstätige zur Ruhestandsplanung befragt. Das Ergebnis: Aktien-, Aktienfonds und -zertifikate sind verhältnismäßig unbeliebt, wenn es um die Sicherung des Renteneinkommens geht. Gerade einmal acht Prozent der in der Studie befragten gaben an, diese Anlagemöglichkeit zu nutzen.

Quelle: Axa Deutschland Report 2016, Stand: März 2016

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Etwas gefragter ist die Betriebliche Altersvorsorge, auf die immerhin neun Prozent der Deutschen im Alter setzen. Förderprogramme seitens der Bundesregierung sind aktuell im Gespräch, um sie attraktiver zu machen.

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Zehn Prozent der Erwerbstätigen setzen auf Gold, um privat fürs Alter vorzusorgen.

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Genauso viele Studienteilnehmer (10 Prozent) gaben an, sich im Rentenalter von der abgeschlossenen Lebens- oder Rentenversicherung finanzieren zu wollen.

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Elf Prozent der Erwerbstätigen nutzen Spareinlagen. Exakt die Hälfte hält eine Sparrate von unter 200 Euro im Monat zur privaten Altersvorsorge für ausreichend, um den eigenen Lebensstandard im Alter zu sichern. Fast jeder Fünfte (19 Prozent) nennt eine monatliche Rate von nur 100 Euro. Einen Betrag von mehr als 300 Euro im Monat halten nur 16 Prozent für notwendig.

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Die Anschaffung einer Immobilie zur Vermietung liegt heute weit vor allen anderen Plänen zur privaten Altersvorsorge auf Platz zwei. 16 Prozent der Erwerbstätigen setzen auf diese Geldanlage. Damit nimmt die Orientierung hin zu Immobilien extreme Züge an.

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Nur die Anschaffung eines Eigenheims wird noch knapp häufiger bei der Vorsorge-Planung präferiert. Mit 18 Prozent landet diese Geldanlage zur privaten Altersvorsorge auf Platz eins. Bereinigt um mögliche Mehrfachnennungen planen insgesamt mehr 27 Prozent aller Erwerbstätigen den Immobilienkauf zur Eigennutzung und/oder Vermietung.

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Allein in den Jahren 1998 bis 2000 gingen mehr als 200 junge Firmen an den Neuen Markt. Was wiederum den Markt für Risikokapital, die bevorzugte Finanzquelle für Start-ups, befeuerte.

So entstand zumindest für kurze Zeit in Deutschland, worum es die USA immer beneidete: ein ständiger Erneuerungskreislauf des Unternehmertums, gespeist aus Börsenkapital, guten (und schlechten) Ideen, die an der Börse im Wert stiegen, so Investoren neues Geld bescherten, was diese wiederum für Investments in neue Ideen nutzten. Zehn Milliarden Euro an Risikokapital flossen 1999 und 2000 in junge Unternehmen. Und wer über Risikokapital vorfinanziert ist, dem gelingt nicht nur die Ausweitung des Geschäftsvolumens besser, sondern für den wächst auch das Potenzial, die Börsenhürde zu überspringen.

2014 gingen in den USA 120 mit Venture Capital finanzierte Firmen an die Börse, in Deutschland deren fünf, nachdem der Markt für Risikokapital um vier Fünftel eingebrochen war. Seit 2008 wagten sich insgesamt nur 58 Unternehmen aufs deutsche Parkett. 1999 allein gab es mit 175 Initial Public Offerings (IPO) dreimal so viel Börsenneulinge wie in den Jahren 2008 bis 2015 insgesamt. Und wenn schon mal zarte Börsenpläne gehegt werden, dann oft von Firmen mit an US-Unternehmen angelehnten Geschäftsmodellen, sogenannten Klons.

OfficeFirst Immobilien

Der Büroimmobilienkonzern IVG will in neuem Gewand zurück an die Börse. In der Nachfolge-Gesellschaft OfficeFirst ist das alte Kerngeschäft gebündelt. "Der Börsengang ist ein sehr attraktiver Weg", sagte OfficeFirst-Chef Michiel Jaski zunächst. "So können wir das Unternehmen am besten weiterentwickeln." Eigentlich sollte OfficeFirst am 14. Oktober im streng regulierten Frankfurter Prime Standard gelistet sein. Doch wenige Tage vor dem ersten Handelstag blies das Unternehmen den Börsengang bis auf weiteres wegen des schwachen Börsenumfelds ab. Geplant war, per Kapitalerhöhung neue Aktien im Volumen von rund 450 Millionen Euro zu platzieren. Zusätzlich sollen Aktien aus dem Besitz der IVG Immobilien AG auf den Markt geworfen werden. Damit hätte OfficeFirst eine Börsenbewertung von 1,8 Milliarden Euro erreichen können. Aber offenbar war den Investoren die Preisspanne von 21 bis 23 Euro zu ambitioniert. Allerdings halten es Beobachter durchaus für möglich, dass bei besserer Börsenstimmung der Börsengang auch kurzfristig erneut in Angriff genommen wird.

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Delivery Hero

Die Rocket-Internet-Beteiligung Delivery Hero, bekannt für den Essenslieferdienst "Lieferheld", hat seine Börsenpläne konkretisiert. Grundsätzlich sei man bereit, ein Termin steht indes noch nicht fest. Er hängt von der Börsenstimmung ab. Vorstandschef Niklas Östberg sagte: "Wir haben keine Eile". Immerhin schreibt das Berliner Unternehmen schwarze Zahlen und macht einen Bruttoumsatz von drei Milliarden Euro in 33 Ländern.

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Va-Q-Tec

Der junge Würzburger Dämmstoffhersteller Va-Q-Tec strebt in den nächsten Wochen an die Frankfurter Börse. Das 2001 gegründete Unternehmen will damit rund 45 Millionen Euro einsammeln, um weiter zu wachsen. Daneben wollen Gründer, Manager sowie der mit 33 Prozent beteiligte Finanzinvestor Zouk Capital teilweise Kasse machen. Nach der Erstnotiz im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse sollen rund 50 Prozent an Va-Q-Tec in den Händen neuer Aktionäre sein. Organisiert wird der Börsengang von der Privatbank Berenberg. Va-Q-Tec stellt platzsparende Wärmedämmplatten her, die vor allem für den gekühlten Transport von Arzneimitteln verwendet werden, aber auch bei der Isolation von Kühl- und Gefrierschränken und Rohren zum Einsatz kommen. Va-Q-Tec vermietet auch Kühlboxen und -container an Kunden aus der Pharma- und Biotech-Branche. Dieses Geschäft soll nun ausgebaut werden. Das Unternehmen mit 261 Mitarbeitern hat im ersten Halbjahr 15,6 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, das operative Ergebnis (Ebitda) lag bei 2,2 Millionen Euro. Unter dem Strich schreibt Va-Q-Tec aber noch rote Zahlen.

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Postbank

Die Postbank wird seit Juli 2016 getrennt von ihrer Mutter Deutsche Bank geführt. Die Deutsche Bank hat den Verkauf oder Börsengang der Postbank allerdings auf die lange Bank geschoben, weil ihr sonst weitere Abschreibungen drohten. Die Ratingagentur Fitch glaubt jedoch, dass die Postbank am Ende an die Börse gebracht und nicht an einen Rivalen verkauft wird und vergab ein Rating von "bbb+" für das Geldhaus. Finanzvorstand Marc Heß wertete das Rating als "weiteren Schritt in Richtung Eigenständigkeit". Die Note und der stabile Ausblick sprächen für die Solidität und Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells.

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Aurelis

Als Börsenkandidat wird auch die Gewerbeimmobilienfirma Aurelis gehandelt. Die Bewertung soll zuletzt bei mehr als einer Milliarde Euro gelegen haben, laut ARD könnte das Emissionsvolumen rund 500 Millionen Euro betragen. Aurelis gehört dem bekannten Finanzinvestor George Soros. Er hatte die einstige Bahntochter 2007 gemeinsam mit Hochtief gekauft und inzwischen komplett übernommen.

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Mauser

Das Unternehmen aus Brühl stellt Verpackungen für die Industrie wie beispielsweise Plastikfässer her. Vor einem Jahr übernahm der Finanzinvestor Clayton Dubilier & Rice (CD&R) das Unternehmen und plant nach Angaben von Ende August einen Börsengang in den USA, frühestens noch im September. Dabei wird einen Börsenbewertung von zwei Milliarden Dollar angestrebt, will die Nachrichtenagentur Bloomberg erfahren haben. CD&R soll beim IPO demnach einen Teil seiner Anteile veräußern. 2015 lag das Betriebsergebnis von Steuern, Zinsen und Abschreibungen bei 195,2 Millionen Euro (221 Millionen Dollar).

Foto: WirtschaftsWoche

Snapchat

Der US-Kurzmitteilungsdienst für Videobotschaften wird schon länger als Börsenkandidat gehandelt, hat es damit aber offenbar nicht allzu eilig. Zuletzt nutzte das Unternehmen angeblich seine Kreditlinien, um das schnelle Wachstum zu finanzieren. Die Suche nach einer den Börsengang begleitenden Bank habe noch nicht ernsthaft begonnen, heißt es Unternehmenskreisen. Bei der Finanzierungsrunde im Mai ist mit 18 Milliarden Dollar bewertet worden. Der Umsatz beläuft sich in diesem Jahr auf 350 Millionen Dollar, nach 59 Millionen im Jahr zuvor.

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Saudi Aramco

Der saudi-arabische Ölkonzern ist offenbar bereits mit der Auswahl von Begleitbanken für den Börsengang beschäftigt und könnte noch in diesem Monat eine Entscheidung dazu treffen. Der Börsengang des Staatskonzern könnte zu einem der größten überhaupt werden. Beobachter halten ein Bewertung im Billionen-Dollar-Bereich für möglich und eine Aktienplatzierung könnte um die 100 Milliarden Dollar einbringen. Die Regierung hofft auf einen Börsengang im Frühjahr 2018, bei dem fünf Prozent von Aramco veräußert werden sollen.

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Deutsche Ebays und Googles gab es auch; sie wurden geschluckt oder gingen pleite. Und heute winkt am Horizont als Börsenneuling bestenfalls mal ein Pizza-Lieferdienst.

Trotz einiger Börsengänge gibt es kein wachsendes Angebot für Anleger, weil sich Jahr für Jahr Unternehmen auch wieder zurückziehen, häufig mehr, als es Börsenneulinge gibt.

Kapital zapft auch die Deutsche Telekom noch einmal ab. Im Juni 2000 wirbt der Bund mit dem dritten Börsengang der T-Aktie Milliarden ein. Obwohl der Kurs von seinem Hoch bei 103,50 Euro schon massiv abgerutscht ist, geht die Emission zu einem Preis von 66,50 Euro je Aktie noch einmal locker durch. Ein Kurs, den die T-Aktie nie wieder erreichen sollte.

Volles Risiko oder lieber Nummer sicher – Typ-Analyse

Bevor Sie zum ersten Mal Aktien kaufen, sollte Sie sich Gedanken darüber machen, welches Ziel Sie mit der Geldanlage verfolgen und für welchen Anlegertyp Sie sich halten. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, müssen Sie an der Börse eine andere Taktik anwenden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?

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Gier ist nicht immer gut

Wenn Sie die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit „no risk, no fun!“ beantworten, sollte Sie sich darüber im Klaren sein, dass Sie zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren können. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz „Greed is good“ sollten Sie als Börsenneuling nicht handeln.

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Nur kaufen, was man versteht

Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wenn Sie ihr Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchten, sollte Sie nur in Produkte investieren, die Sie auch verstehen. Wenn Sie nur auf die Renditeversprechen hören und Produkte kaufen, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen Sie nicht begreifen, fallen Sie über kurz oder lang auf die Nase.

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Bankgebühren beachten

Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.

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Auf die Mischung achten

Anleger sollten ihr Geld – und damit auch ihr Risiko – zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.

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Mischung bei Fonds und Zertifikaten

Viele Fonds, viele Angebote, da müssen Anleger genau hinschauen. Wenn Sie ihrem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischen, sollten Sie auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.

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Regelmäßige Überprüfung

Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?

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Qualität hinterfragen

Bei der Überprüfung des Depots sollten Sie sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.

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Verluste begrenzen

Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.

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Einen kühlen Kopf bewahren

Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

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Heute ist es lange vorbei mit dem Kreislauf aus Gründen, Geld einwerben, Beteiligungen an der Börse losschlagen, um Anlegern dort eine Renditeperspektive mit möglicherweise zukunftsträchtigen Unternehmen zu bieten und das dort erlöste Kapital wieder in neue Start-ups zu stecken. Zwar gibt es seit Kurzem mit dem Deutsche Börse Venture Network eine Chance, für junge Unternehmen, an Geld zu kommen. Doch trifft sich dieses Netzwerk hinter verschlossenen Türen, Privatanleger ohne Großvermögen müssen draußen bleiben.

Der Neue Markt? Gibt es nicht mehr. „Der hätte nie geschlossen werden dürfen“, sagt Christine Bortenlänger, Chefin des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Zwar gebe es „an der Börse genügend Segmente, in die Börsenneulinge sich notieren lassen können“, aber ein Leuchtturm wie der Neue Markt zur Risikostreuung „wäre wünschenswert“.

Die Chefin des Aktienlobbyverbandes sieht vor allem die Politik in der Pflicht, die Börsenkultur auch für Unternehmen wieder attraktiver zu machen. So sind Zinsen für Unternehmensschulden steuerlich absetzbar, der Aufwand für das Eigenkapital dagegen nicht. „Die steuerliche Gleichstellung von Fremd- und Eigenkapitalkosten müsste dringend her“, sagt Bortenlänger. Doch das Gegenteil passiert. „Sollte die Finanztransaktionsteuer eingeführt werden, dann schneiden börsennotierte Wertpapiere wie eben Aktien aus Anlegersicht in der Rendite schlechter als bisher ab“, so Bortenlänger.

Der Fondsmanager

Als professioneller Vermögensverwalter entscheidet der Fondmanager, welche Aktien im Anlagepool aufgenommen und welche Papiere verkauft werden. Sein Hauptaugenmerk liegt darauf, das Kapital der Anleger unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken möglichst rentabel zu investieren und überdurchschnittlich zu vermehren. Dafür wertet der Fondmanager mit einem Team makro- und mikroökonomische Daten aus und erarbeitet Modelle, um daraus künftige Kursverläufe abzuleiten.

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Der Daytrader

Er braucht starke Nerven – der Daytrader, der mehrmals täglich den Kauf- oder Verkaufsknopf drückt, um Terminkontrakte auf DAX zu handeln. Es kann teilweise nur wenige Sekunden dauern, bis er eine offene Position wieder schließt. Spätestens um 17:30 Uhr muss das Depot leer sein. Damit kann der Daytrader kaum zu prognostizierende Kurslücken über Nacht vermeiden. Sein Ziel: bereits von geringen Kursschwankungen profitieren. Seine Devise: Der Markt ist emotionslos und eiskalt, und man muss sich dem anpassen, sonst wird man gefressen.

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Der Händler

Zwei Aufgaben sind für den Händler, der bei einer Bank arbeitet, besonders wichtig: Er muss den reibungslosen Handel seine Produkte – beispielsweise strukturierte Derivate – gewährleisten, indem er fortlaufend handelbare An- und Verkaufskurse stellt. Dabei überwacht der Händler laufend seine Positionen sowie den gesamten Markt. Gleichzeitig muss er die Geschäfte absichern, die er mit seinen Kunden tätigt, wodurch er eine neutrale Position einnimmt und nicht, wie oft behauptet, wenn der Kunde verliert und umgekehrt.

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Der Spezialist

Auch wenn ein Großteil des Wertpapierhandels über Computer abgewickelt wird, spielt auf dem Börsenparkett der Faktor Mensch nach wie vor eine zentrale Rolle. Spezialisten unterstützen den Handel und führen das Orderbuch eines Wertpapiers, in dem Kauf- und Verkaufsaufträge zusammenkommen. Während der Handelszeit stellt der Spezialist An- und Verkaufspreise mit dazugehörigem Volumen und springt ein, wenn bei einer Aktie mal nicht genügend Stücke verfügbar sind. Damit sorgt er für einen kontinuierlichen Handel, auch in weniger liquiden Werten.

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Der Analyst

Analysten beschäftigen sich mit der Bewertung von Finanztiteln und erstellen anhand umfangreicher Untersuchungen ein Bild über den Zustand diverser Unternehmen. Daraus können die Analysten Rückschlüsse für zukünftige Kursentwicklungen ziehen. Eine große Rolle spielt die sogenannte fundamentale Analyse der Unternehmensbilanzen und des gesamtwirtschaftlichen Umfelds. Manche Analysten verwenden zusätzlich die technische Analyse, mit deren Hilfe sie aus Kursbewegungen an der Börse auf weitere Trends schließen. Kauf- und Verkaufsempfehlungen runden das Ausgabenspektrum der Analysten ab.

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Der Hobby-Börsianer

Das Auf und Ab der Kurse beschert dem Hobby-Börsianer immer wieder schöne Gewinne, aber auch Verluste bleiben nicht aus. Um sich auf dem Laufenden zu halten, informiert sich der Hobby-Börsianer vor allem auf diversen Anlegerportalen im Internet – und natürlich in der Tagespresse wie beispielsweise dem Handelsblatt.

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Quelle

Das Anleger-Magazin der Börse Frankfurt. Die aktuelle Ausgabe finden Sie hier als PDF.

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Aber nicht nur die Politik hält die Deutschen von der Börse fern - auch die Geheimniskrämerei vieler Unternehmen und deren Eigentümer. Einer Untersuchung der Universität Hamburg zufolge gibt es bei den Unternehmenslenkern eine Reihe von Gründen, die Börse zu meiden. So können die Gesellschafter das Management direkt kontrollieren, der Zugriff auf Cashflows ist besser, und eine Expansion könne ohne Börsennotierung geräuschloser vorbereitet werden. Dort lauert zwar der ein oder andere feindliche Übernehmer – andererseits, und das spricht pro Börse, lässt sich über eine Kapitalerhöhung in Windeseile auch hoher Finanzbedarf decken.

Wohin mit dem Geld?

Der neue Wohlstand in den späten Fünfzigerjahren warf die gleiche Frage auf, die sich auch heute viele Sparer stellen. Nur ging es damals noch um deutlich kleinere Beträge - 100 Deutsche Mark sollten den Grundstein für die Geldanlage bilden. Im Bild ist die Titelseite eines Flyers zu sehen, mit dem der Deutsche Investment Trust - seinerzeit die Fondsgesellschaft der Dresdner Bank, heute im Besitz von Allianz Global Investors - für seinen Concentra-Fonds warb.

Quelle: Allianz Global Investors

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Der erste Schritt zum Großkapitalisten

Der Rat des Deutschen Investment Trust: Werden Sie Aktionär! Schon mit einem Hundertmarkschein sollten Sparer ihren Anteil an den 30 Dax-Konzernen bekommen und ihren Wohlstand steigern - dank steigender Aktienkurse und Dividendenzahlungen. Das war offenbar so bahnbrechend, dass es den Sparer schon bei dieser Vorstellung glatt umhaut.

Foto: WirtschaftsWoche

So gut wie Bargeld

Im Bild ist der Sparer bereits um viele 10.000-Mark-Scheine reicher - dank der Beteiligung an den Erträgen der Industrie. Und die Fondsanteile seien dabei so gut wie Bargeld, weil sie jederzeit verkauft werden können. Gut, dass auch damals schon auf Kursschwankungen hingewiesen wurde: "Kursschwankungen werden durch die Vielzahl der im Fonds Concentra vereinigten Industrieaktien und ihre räumliche und branchenmäßige Streuung weitgehend ausgeglichen", heißt es dazu. Und natürlich wären nur Aktien enthalten, hinter denen Industrie-Gesellschaften von weltweiter Bedeutung stehen. Heute sehen die Risikohinweise etwas anders aus.

Foto: WirtschaftsWoche

Hoch die Tassen!

Noch ein Flyer, mit dem für den Concentra-Fonds geworben wurde. Getreu dem Motto: "Einmal um die ganze Welt, und die Taschen voller Geld...". So stellte man sich seinerzeit zur Schau gestellten Reichtum vor.

Foto: WirtschaftsWoche

Schnaps und Schmuck für Lebemenschen

Das Bild zeigt, was viele erstmals seit den Kriegsjahren erreicht hatten: Der Kurs geht steil nach oben, der Angestellte kann die Füße hochlegen, Schnaps und Zigarette genießen, während sich seine Gemahlin an schickem Hut und Schmuck erfreut. Das pure Glück der Wirtschaftswunderjahre.

Foto: WirtschaftsWoche

Idyll mit Zwerg und eigenem Auto

Illustrator Gerhard Brinkmann zeichnete für den Fonds-Flyer das, was sich viele aufstrebende Deutsche damals wünschten oder gerade erreicht hatten: Das eigene Häuschen, das eigene Auto. Da durfte der Gartenzwerg nicht fehlen.

Foto: WirtschaftsWoche

Vom Glück verlassen

Die Botschaft an den Sparer: Verlassen Sie sich nicht auf die unberechenbare Glücksgöttin, schnell könne man vor dem nichts stehen. Aber Rettung naht...

Foto: WirtschaftsWoche

Kunden auf Rosen gebettet

...durch die freundlichen Mitarbeiter der Dresdner Bank. Dort wird der Teppich für den Kunden ausgerollt. Heute öffnet sich bestenfalls noch die gläserne Schiebetür von allein.

Foto: WirtschaftsWoche

Bei der Telekom steigt im Jahr 2001 die Abenteuerlust. Die Bonner übernehmen die amerikanischen Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für rund 39,4 Milliarden Euro. Im selben Jahr korrigiert Chef Ron Sommer den Wert der Telekom-Grundstücke um insgesamt 2,5 Milliarden Euro nach unten. Anwälte vermuten, dass dieser Umstand dem Konzern bereits vorher bekannt gewesen sein muss. Eine Klagewelle beginnt, erst im Oktober 2016 wird ein Musterprozess für 17.000 klagende T-Aktionäre wegen falscher Prospektangaben wieder aufgenommen.

Der Juni 2012 ist der Tiefpunkt, als die Volksaktie bei nur noch 7,69 Euro notiert – 92,6 Prozent unter ihrem Hoch oder bei rund der Hälfte des Preises zur Erstemission 1996. Selbst inklusive Dividenden sind Erstanleger da nur leicht im Plus.

Auch ein geringes Aktienangebot verprellt Anleger. Dabei ist ohne Aktien zumindest die Chance auf vernünftige Vorsorge vertan. Laut Bundesbank legte das Geldvermögen der Deutschen im zweiten Quartal 2016 auf 5,4 Billionen Euro zwar zu, aber das ist nur ein Plus von schlappen 0,8 Prozent. Gerade einmal 6,5 Prozent dieses Vermögens sind laut Bundesbank in Aktien investiert, mit Aktienfonds sind es auch nur 15 Prozent. Die Gesamtrendite des Gesamtvermögens liegt hierzulande aktuell bei mauen 2,8 Prozent.

In Frankreich und den Niederlanden etwa, die unter demselben niedrigen Zinsregime der Europäischen Zentralbank investieren, liegt sie bei 3,6 und 7,2 Prozent; Amerikaner schaffen derzeit 6,8 Prozent Rendite. Der Grund: Franzosen halten mit 14 Prozent immerhin gut das Doppelte ihres Vermögens direkt in Aktien, in den USA sind es 38 Prozent.

Ironischerweise hat sogar der Niedrigzins nicht zur Folge, dass die über ein bis zwei Dekaden höchstwahrscheinlich ertragreiche Aktienanlage hierzulande viel mehr Anhänger gewinnt. So hat die EZB-Niedrigzinspolitik einer aktuellen Umfrage von Ende Oktober zufolge bei den deutschen Sparern zu einem höheren Sicherheitsbedürfnis bei ihren Investments geführt. 57 Prozent der Befragten nennen laut Vermögensbarometer 2016 des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) Sicherheit als eines der drei wichtigsten Kriterien bei der Anlage ihrer Gelder. Das sind 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Hohe Rendite als Anlagekriterium sackte ab: Nur noch 22 Prozent nach 27 Prozent der Befragten wollen dafür ein Risiko eingehen. Kaum verwunderlich, dass nur knapp jeder achte Anleger eine Aktienanlage in Betracht zieht. Frappierend: 59 Prozent halten inzwischen die selbst genutzte Immobilie für besonders geeignet. Vor der Finanzkrise 2007 waren es nur 27 Prozent. Das ist nicht nur angesichts seither rapide gestiegener Preise und zahlreicher Indizien einer sich aufbauenden Immobilienblase erstaunlich, sondern auch, weil eine Immobilieninvestition um ein Vielfaches komplexer ist als der Kauf von ein paar Siemens- oder Apple-Aktien.

Das Vertrauen der Menschen, mit ihren Sparanstrengungen für das Alter vorsorgen zu können, bröckle immer mehr, so das allgemeine Fazit der Studie.

Wer nun denkt, bei deutschen Profianlegern sei Geld besser angelegt, der irrt. Nahezu zeitgleich zum DSGV hatte die Investment & Pensions Europe Vereinigung Großanleger befragt. Ergebnis: Deutsche Profiinvestoren agieren deutlich risikoaverser, also ängstlicher, als institutionelle Anleger aus den Niederlanden, Großbritannien oder Skandinavien. Im Ergebnis bevorzugten deutsche Profis Zinsanlagen, ganz ähnlich dem Privatanleger.

Das aber setzt eine Spirale nach unten in Sachen Aktienbesitz in Gang: Profis und Privatanleger, die keine Aktien kaufen, benötigen keine Aktienberatung oder Aktienresearch. Banken ziehen sich deswegen teilweise oder ganz zurück. „Der politische Wille fehlt, man fragt sich aber, wie ohne Aktienrendite mit festverzinslichen, nahe null verzinsten Wertpapieren die Altersvorsorgelücke geschlossen werden kann“, sagt DAI-Chefin Bortenlänger.

Der Staat könnte aber was machen. Er hält noch 1.495.963.589 Aktien an der Telekom. Das sind 32 Prozent. Jeder deutsche Bürger könnte 18 Papiere erhalten. Geschenkt, Totalverlust ausgeschlossen, Renditeperspektive besser als 1996.

Irgendwie verdient wäre das schon.

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