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Bavarian NordicMpox-Impfstoff: Ist die Aktie des Herstellers jetzt ein Kauf?

Der Aktienkurs von Bavarian Nordic ist nach der Warnung vor einer neuen Pandemie deutlich gestiegen. Das Unternehmen vertreibt den wichtigsten Impfstoff gegen Mpox. Was Anleger dazu jetzt wissen müssen.Lina Knees 19.08.2024 - 18:55 Uhr

Das dänisch-deutsche Unternehmen stellt vor allem Pocken- und Reiseimpfstoffe her.

Foto: REUTERS

Der Pockenimpfstoffhersteller, Bavarian Nordic, gab am Mittwochabend bekannt, einen Lieferauftrag von 440.000 Impfdosen von einem europäischen Staat erhalten zu haben. Details zum Auftraggeber sind bisher nicht bekannt.

Letzte Woche hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ausbreitung des Mpox-Virus in mehreren afrikanischen Ländern zum globalen Gesundheitsnotfall erklärt und forderte Regierungen weltweit damit zum Handeln auf. Der erste europäische Fall der neuen und gefährlicheren Variante Klade I wurde ebenfalls letzte Woche in Schweden erfasst.

Der dänisch-deutsche Impfstoffhersteller, Bavarian Nordic, profitiert von der Angst einer neuen Pandemie. Das Unternehmen vertreibt den bisher einzigen in den USA und Europa zugelassenen Impfstoff gegen das Mpox-Virus.

Die Aktie von Bavarian legte vergangene Woche rund 40 Prozent an Wert zu und notiert aktuell bei knapp 280 dänischen Kronen, umgerechnet etwa 37 Euro. Lohnt es sich für Anleger, mit Bavarian Nordic eine neue Pandemiewette einzugehen?

Bavarian Nordic wurde 1994 gegründet und stellt mehrere Impfstoffe gegen Krankheiten her, mit denen man es in Europa heute eher selten zu tun hat: Tollwut, Typhus, Cholera. Der Impfstoff, der derzeit den Aktienkurs treibt, heißt Jynneos und wirkt gegen verschiedene Pockenarten, unter anderem gegen das sich ausbreitende Mpox-Virus. Er gehört seit 2010 zum Portfolio des Unternehmens und bescherte ihm bereits im Jahr 2022 einen Kurssprung.

Lesen Sie auch: Was Sie über Mpox wissen müssen

Vor rund zwei Jahren rückte Mpox, damals noch unter dem Namen Affenpocken, zuletzt in den Fokus der Öffentlichkeit. Weltweit häuften sich die Fälle. Als Reaktion empfahl etwa in Deutschland die Ständige Impfkommission (Stiko) im Juli 2022, Risikogruppen zu impfen – mit dem Impfstoff von Bavarian Nordic. Dessen Aktienkurs schoss binnen weniger Wochen rund 190 Prozent in die Höhe. Runter ging es allerdings fast genauso schnell. In Deutschland wurden dieses Jahr bis Mitte August 86 Mpox-Fälle an das Robert-Koch-Institut übermittelt, davon allerdings keiner der neuen, gefährlicheren Variante.

Nicht zuletzt dank der Nachfrage nach seinem Mpox-Impfstoff konnte Bavarian Nordic seinen Umsatz 2022 steigern. Das Unternehmen investierte aber zugleich mehr Geld in die Entwicklung neuer Impfstoffe. Der Gewinn fiel daher 2022 niedriger aus als im Vorjahr. Die Forschungsaufwendungen zahlten sich teils nicht aus: Die Dänen arbeiteten unter anderem an einer Corona-Auffrischungsimpfung. Die Forschungen dazu wurden im vergangenen Jahr eingestellt.

Kurzfristige Kursfeuerwerke

Das Geschäft mit Pandemien ist tückisch. Das spiegelt sich im Kurs von Bavarian Nordic. Die Aktie reagiert stark auf Gesundheitsnotstände, allerdings oft nur kurzfristig. Eine kurze, heftige Kursreaktion gab es zum Beispiel 2017, als das Mpox-Virus in Nigeria ausbrach. Zwischen 2004 und 2007 bewegte sich die Aktie etwas länger auf hohem Niveau: Damals machten SARS, Influenza und Vogelgrippe die Runde.

Mit dem aktuellen Höhenflug könnte es schnell wieder vorbei sein. Der Pockenimpfstoff ist für das Unternehmen nach eigenem Bekunden ein Schlüsselprodukt. Kürzlich hat es die Zulassung von Jynneos für 12- bis 17-Jährige beantragt, eine Zulassung für Kinder unter zwölf Jahren ist geplant. Die übrigen Produkte von Bavarian Nordic bieten wenig Anlass für Kursfantasien.

2023 nahmen die Dänen Impfstoffe gegen Cholera und Typhus in ihr Portfolio auf, nächstes Jahr wollen sie einen Impfstoff gegen das von Mücken übertragene Chikungunya-Virus auf den Markt bringen. Die Krankheiten sind zwar in vielen Ländern auf dem Vormarsch. Allerdings fokussiert sich Bavarian Nordic auf den Markt für Reiseimpfungen und damit auf eine relativ schmale Zielgruppe. Und wie lange der Mpox-Trade noch läuft, ist fraglich.

Teurer Einkauf

Die Stiko hat bisher keine Impfempfehlung über die Risikogruppen hinaus ausgesprochen – also Menschen mit wechselnden Partnern, Männern, die Sex mit Männern haben, Gesundheitspersonal und Sexarbeiter. Nach einer globalen Impfkampagne wie zu Hochzeiten von Covid sieht es nicht aus. Das Mpox-Virus mutiert nicht so schnell und wird nicht so leicht übertragen wie das Coronavirus. Und selbst wenn: Vergangenes Jahr hat Bavarian Nordic gerade einmal zehn Millionen Dosen seiner Vakzine hergestellt. Wie schnell das Unternehmen die Produktion hochfahren könnte, ist unklar.

Bavarian Nordic hat auf dem Markt der Pockenimpfstoffe in den USA und Europa aktuell zwar keine Konkurrenz, sein Produkt wird bisher aber auch nicht außerordentlich stark nachgefragt. Zugleich lauern diverse Risiken – ähnliche wie für andere Impfstoffhersteller während der Coronapandemie: Das Unternehmen könnte politisch unter Druck gesetzt werden, Impfstoffe billiger an Regierungen in Ausbruchregionen abzugeben. Im Fall einer Pandemie könnten die Dänen außerdem gezwungen sein, Patente freizugeben.

Ein Kauf der Aktie ist jetzt mit mehr Risiken als Chancen verbunden. Das gilt erst recht, weil Bavarian Nordic an der Börse vergleichsweise hoch bewertet ist: mit dem 24-Fachen des erwarteten Jahresgewinns. Zum Vergleich: Pfizer hat derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp elf, der Tübinger Impfstoffentwickler Curevac von fünf. Curevac ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie riskant Pandemie-Spekulationen sind. Nach dem Corona-Hoch stürzte der Aktienkurs ab. Die Bundesregierung, die noch immer einen Anteil von rund 13 Prozent an Curevac hält, dürfte mit ihrem Investment mittlerweile nicht mehr sonderlich glücklich sein.

Hinweis: Dieser Artikel wurde erstmals am 19.08.2024 veröffentlicht. Wir haben den Text mit neuen Entwicklungen aktualisiert und zeigen ihn deshalb erneut.

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