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Symptome, Übertragung, ImpfungWas Sie jetzt über Mpox wissen müssen

In Deutschland wurden neue Mpox-Fälle nachgewiesen. Was Sie über Verbreitung, Übertragung und Impfung wissen müssen und ob eine Situation wie bei Corona droht.Angelika Melcher, Jürgen Salz, dpa 17.12.2024 - 09:07 Uhr

Eine kolorierte rasterelektronenmikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus (grün) auf der Oberfläche von infizierten VERO E6-Zellen (blau).

Foto: Niaid/Niaid/Planet Pix via ZUMA

Nach einem ersten Nachweis im Oktober sind in Deutschland weitere Fälle der neuen Mpox-Variante unter anderem bei zwei Kindern nachgewiesen worden. Trotz der neuen Ansteckungen schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland weiterhin als gering ein.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte erstmals wegen der Ausbreitung 2022 für zehn Monate einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Wegen der Verbreitung einer neuen Variante – Klade Ib – rief die WHO jüngst im Sommer 2024 erneut die höchste Alarmstufe aus, weil mehrere Mpox-Ausbrüche in Afrika und eine neue womöglich gefährliche Variante weltweit die öffentliche Gesundheit bedrohten. Für die WHO eine „Gesundheitliche Notlage internationaler Reichweite“ (PHEIC).
Was steckt hinter der Krankheit?

Was ist Mpox?

Mpox ist eine Virusinfektion, der Erreger ist mit dem klassischen Pockenvirus (Variola-Virus) verwandt. Mpox hieß früher Affenpocken, weil die Infektion zufällig erstmals bei Affen nachgewiesen worden war. Generell will die WHO Krankheiten aber nicht nach Tieren oder Ländern benennen, in denen sie entdeckt werden, um Diskriminierungen vorzubeugen.

Die WHO sorgt sich vor allem aufgrund einer neuen Variante, welche Ende 2023 in der Demokratischen Republik Kongo entdeckt worden ist. Es handelt sich um eine Sublinie der Mpox-Klade I (römisch eins). Sie wird als Ib bezeichnet. Nach Beobachtung von Experten vor Ort dürfte sie ansteckender sein als bisherige Varianten und eine schwerere Infektion auslösen, sagte Dimie Ogoina, ein nigerianischer Spezialist für Infektionskrankheiten an der Niger Delta-Universität. Er leitet den WHO-Notfallausschuss unabhängiger Experten, die der WHO die Ausrufung der Notlage empfohlen haben.

Die WHO hatte bereits im Juli 2022 einmal eine Notlage wegen Mpox ausgerufen. Damals wurden plötzlich aus mehr als 60 Ländern Fälle der Krankheit, die bis dahin praktisch nur in Afrika bekannt war, gemeldet, darunter auch in Deutschland. Die Ansteckungen gingen auf die Virusvariante Klade 2b zurück, die weniger starke Krankheitsverläufe verursacht.

Mpox: Welche Symptome verursacht das Virus?

Mpox lösen vor allem einen Hautausschlag aus, bei dem sich häufig Bläschen bilden.

Hinzukommen können auch

  • Fieber,
  • Muskel- und Kopfschmerzen
  • sowie geschwollene Lymphknoten.

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) verläuft die Krankheit bei Erwachsenen in der Regel mild bis moderat und klingt nach 14 bis 21 Tagen ab.

Infektionswelle

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Wie wird das Mpox-Virus übertragen?

Mpox können durch engen körperlichen Kontakt von einer Person zur anderen übertragen werden, aber auch durch den Kontakt mit kontaminierten Objekten, Stoffen und Oberflächen, die von einer infizierten Person benutzt oder berührt wurden. Allerdings seien Mpox „nicht so leicht übertragbar“, sagte Virenforscherin Marion Koopmans von der Erasmus-Universität Rotterdam. „Es wird durch direkten Kontakt verbreitet und ist daher – theoretisch – relativ leicht zu stoppen, wenn es diagnostiziert und erkannt wird.“

Wie kann man sich vor einer Mpox-Ansteckung schützen?

Um das Ansteckungsrisiko zu senken, sollten laut RKI Hautkontakte minimiert und insbesondere keine Ausschläge oder Wunden berührt werden. Da die Ansteckungsgefahr vor allem bei sexuellen Kontakten hoch ist, empfiehlt das RKI, die Zahl der Sexpartnerinnen und -partner zu reduzieren. Kondome können das Infektionsrisiko verringern. Auch Orte, an denen wenig oder gar keine Kleidung getragen wird und Körperkontakt stattfindet, bergen ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Wie werden Mpox behandelt?

Die Therapie von Mpox ist in erster Linie symptomatisch. Im Vordergrund stehen Schmerzlinderung und die Anwendung von Salben um die äußerlichen Symptome, also die Pocken, zu versorgen.

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Gibt es einen Impfstoff gegen Mpox?

Das dänische Unternehmen Bavarian Nordic hat einen Impfstoff gegen Mpox im Portfolio. Bislang ist dieser allerdings nur für Erwachsene zugelassen. Im Oktober teilte die Firma mit, dass die Produktion des Mpox-Impfstoffs erhöht werden soll. Bis Ende 2025 könnten zehn Millionen Dosen hergestellt werden.

Was hilft noch gegen Mpox?

Desinfektionsmittel können eine gute Idee sein. Der Kölner Spezialchemie-Konzern Lanxess hat das Desinfektionsmittel „Rely+On Virkon“ im Angebot, das nachweislich gegen Mpox wirkt. Das Mittel wird ansonsten vor allem zur Reinigung von Einrichtungsgegenständen und Oberflächen in Krankenhäusern, Arztpraxen, an Flughäfen und anderen öffentlichen Orten eingesetzt.

Wie ist die Mpox-Situation in Deutschland?

Im Oktober dieses Jahres wurde in Deutschland erstmals die neue Variante des Mpox-Virus nachgewiesen. Die Person habe sich im Ausland mit der sogenannten Klade 1b infiziert, teilte das Robert Koch-Institut mit.

Im Dezember wurden weitere Fälle von Infektionen mit der neuen Mpox-Variante erfasst. Bei den neu gemeldeten Fällen sei zunächst eine Infektion mit der sogenannten Klade 1b bestätigt worden, teilte der Rheinisch-Bergische Kreis in Bergisch Gladbach bei Köln mit. Dann sei das Virus auch bei drei weiteren Familienmitgliedern, darunter zwei Kinder im Schulalter, nachgewiesen worden. Die Familie befinde sich in Quarantäne. Bislang sei der Krankheitsverlauf mild. Das Gesundheitsamt habe Kontaktpersonen unter anderem aus dem schulischen und beruflichen Umfeld ermittelt und informiert. Sie seien über mögliche Symptome und Schutzmaßnahmen aufgeklärt worden. Nach aktuellem Kenntnisstand gebe es bisher keine weiteren Ansteckungen, sagte eine Sprecherin. Der östlich von Köln gelegene Rheinisch-Bergische Kreis erklärte, die Infektion gehe vermutlich auf die Reise eines Familienmitgliedes mit engen Kontakten zur einheimischen Bevölkerung in Afrika zurück.

Seit Mai 2022 treten in Deutschland Mpox-Fälle auf, die durch das Virus der Klade 2b verursacht werden. Bislang wurden rund 3800 Fälle an das RKI übermittelt, davon rund 3700 Fälle von Frühsommer bis Herbst 2022. Nachdem im Frühjahr 2023 zunächst gar keine Fälle mehr registriert worden sind, werden seit dem Sommer Fallzahlen auf niedrigem Niveau (im ein- bis niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat) gemeldet, Todesfälle gab es bisher keine.

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Wie viele Menschen sind weltweit mit Mpox infiziert?

Weltweit wurden im Rahmen des Mpox-Klade-2b-Ausbruchs bislang mehr als 100.000 Fälle an die WHO gemeldet, darunter auch über 200 Todesfälle.

Droht eine Situation wie bei Corona?

Nein. Der Übertragungsweg beider Viren unterscheidet sich erheblich – und damit auch ihr Ansteckungspotenzial. Sars-Cov-2 wird hauptsächlich über winzige Tröpfchen in der Luft, also die Atemwege übertragen. Bei Mpox hingegen ist Haut-zu-Haut-Kontakt der hauptsächliche Übertragungsweg.

Dabei geht es vorwiegend um engen Haut-zu-Haut-Kontakt beim Sex oder beim engen Umarmen, Massieren und Küssen, wie das RKI erläutert. Ansteckungsgefahr besteht vor allem bei Infizierten mit Ausschlag, Wunden oder Schorf. Allerdings ist Corona nur über einen recht kurzen Zeitraum übertragbar – Menschen mit Mpox hingegen sind erst dann nicht mehr ansteckend, wenn alle Wunden abgeheilt sind und sich eine neue Hautschicht gebildet hat.

Was ist der Unterschied zwischen klassischen Pocken, Mpox, Kuhpocken und Windpocken?

Die klassischen (Menschen-)Pocken wurden durch das Variola-Virus ausgelöst, das ebenfalls zu den Orthopocken-Viren gehört. Die klassischen Pocken waren eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die ausschließlich Menschen betraf. Die Erkrankung wurde 1980 für ausgerottet erklärt. Das Mpox-Virus gehört ebenfalls zu den Orthopocken-Viren, der Verlauf ist aber im Vergleich meist deutlich milder als die schwere Form der klassischen Pocken. Aufgrund des hohen Verwandtschaftsgrades der Viren bietet der klassische Pockenimpfstoff auch einen Schutz gegen Mpox.

Das Kuhpockenvirus ist ein seit Langem bekannter weiterer Vertreter der Orthopocken-Viren. Mpox und Kuhpocken können vom Tier auf den Menschen übertragen werden und gehören damit zu den Zoonosen. In den letzten Jahren wurden vereinzelte Fälle von Kuhpocken auch bei Menschen in Deutschland registriert, insbesondere durch den Kontakt mit Schmuseratten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bei Kuhpocken bislang noch nicht beobachtet.

Der Erreger der Windpocken (Varizellen) gehört hingegen zu den Herpesviren und ist nicht mit klassischen Pocken, Mpox oder Kuhpocken verwandt.

Mit Material der dpa

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im August 2023 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn am 17. Dezember 2024 aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

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