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Börse aktuellKurse knicken wieder ein, Sorge um Treasuries und Dollar

Die Unruhe an den Börsen geht weiter, weltweit sinken die Kurse wieder. Auch die Flucht aus dem Dollar hält an. Was Anleger jetzt wissen müssenPhilipp Frohn, Julia Leonhardt, Saskia Littmann 11.04.2025 - 12:32 Uhr
Nach der Zollwende konnten die Börsen zunächst weltweit deutlich zulegen. In den USA währte die Rally aber nur kurz. Foto: AP

Falls US-Präsident Donald Trump darauf spekuliert hatte, dass die Märkte sich auch langfristig beruhigen, wenn er in puncto Zoll auf die Pausetaste drückt, dann hat er sich getäuscht.

Nachdem die US-Börsen am Mittwoch mit Kurssprüngen auf Trumps 90-tägige Zollpause reagierten und US-Aktien zeitweise innerhalb von nur zehn Minuten rund vier Billionen Dollar an Marktkapitalisierung einsammelten, drehten die Kurse am Donnerstag wieder ins Minus.

Nach einem starken Vortag - befeuert vom Zoll-Moratorium - startete der Dax erneut mit Verlusten in den letzten Handelstag der Woche. Bis zum Mittag verlor er gut 1,6 Prozent und notierte zuletzt bei rund 20.200 Punkten. Damit hat der deutsche Leitindex fast alle Gewinne seit Jahresbeginn wieder abgegeben.

Zu den Verlierern gehörten am Freitag abermals Industriewerte wie MTU (minus 5,5 Prozent), Airbus (minus 3,6 Prozent) und Siemens (minus 3,5 Prozent). Gegen den Trend legten erneut der Wohnungskonzern Vonovia und der Energiekonzern E.on zu.

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Der Dollar ist im Sinkflug

Auch am Devisenmarkt gehen die Turbulenzen weiter: Der Dollar steht stark unter Druck und wertete gegenüber dem Euro abermals ab. Am Freitagmorgen kostet ein Dollar nur noch 0,88 Euro. Umgekehrt kostet Euro 1,14 Dollar, so viel wie seit Ende 2021 nicht mehr. Seit Jahresbeginn hat der Dollar gegenüber dem Euro fast zehn Prozent an Wert verloren. Unter dem Abwärtstrend beim Greenback leiden vor allem Anleger aus dem Euro-Raum. Sie erleiden gerade nicht nur Kurs- sondern auch Währungsverluste.

Zum Handelsstart in den USA legte der Dow Jones im Vergleich zum Donnerstag um 0,4 Prozent zu und erholte sich damit vorübergehend von den Verlusten des Vortags. Auch der technologielastige Nasdaq und der breit gefasste S&P 500 zeigten sich zu Beginn des Börsentags optimistisch und verbuchten leichte Gewinne.

Nach einem historischen Vortag schloss der S&P 500 am Donnerstag zuletzt deutlich im Minus. Er verlor fast 3,5 Prozent, beim Dow Jones waren es 2,5 Prozent, beim Nasdaq sogar 4,2 Prozent. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil die Inflationsrate in den USA laut Daten vom Donnerstag überraschend deutlich auf 2,4 Prozent zum Vorjahresmonat gesunken war. Im Februar waren es noch 2,8 Prozent gewesen. Auch die Kerninflation, gemessen ohne Lebensmittel und Energie, ging zurück.

Sorge bereitet den Anlegern weiterhin der weiter eskalierende Zollstreit zwischen den USA und China. Die Zölle der USA gegen China belaufen sich mittlerweile insgesamt auf 145 Prozent, wie das Weiße Haus am Donnerstag mitteilte. „Weder die USA noch China senden momentan Anzeichen für ein mögliches Einknicken“, sagt Jim Reid, Analyst der Deutschen Bank. Auch deshalb gab die Aktie von Apple am Donnerstag wieder stark um sechs Prozent nach – der Konzern bezieht viele Komponenten aus China.

Dass die Zölle die Börse weiterhin in Atem halten werden, zeigen auch Trumps Äußerungen zu Mexiko. Auf seiner Plattform Truth Social drohte Trump dem Land mit Sanktionen und Zöllen wegen eines 81 Jahre alten Wasserabkommens. Das Land würde dem US-Bundesstaat Texas Wasser schulden, schrieb Trump.

Auch Nikkei startet mit Verlusten

Auch die Börse in Tokio ist angesichts der anhaltenden Unruhe am Freitag mit Verlusten in den Tag gestartet. Der japanische Nikkei gab um über vier Prozent nach, zu den größten Verlierern zählten Autoaktien wie Nissan und Subaru. Neben dem Zollstreit macht der starke Yen den japanischen Exportunternehmen zu schaffen. Die Währung hat zuletzt um rund zwei Prozent gegenüber dem Dollar aufgewertet, am Devisenmarkt ist das eine deutliche Bewegung.

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Die Börsen in Singapur und Südkorea gaben ebenfalls nach. Chinas Aktienmarkt liegt dagegen leicht im Plus, wegen der hohen Zölle hatte er aber auch die zwischenzeitliche Erholungsrally am Mittwoch ausgelassen.

Anleihemarkt: Renditen auf Treasuries steigen wieder

Insbesondere den Anleihemarkt dürften Investoren am Freitag genau im Blick behalten. Schließlich war er es wohl, der Donald Trump am Mittwoch dazu bewegt hat, die „reziproken“ Zölle wenigstens vorerst auszusetzen. Weil Investoren aus dem Dollar flüchteten und US-Staatsanleihen, die sogenannten Treasuries, verkauften, stiegen die Renditen für zehnjährige Papiere innerhalb von kurzer Zeit auf über 4,5 Prozent, nachdem sie Ende der vergangenen Woche noch unter vier Prozent gelegen hatten.

Für Trump ist das gefährlich: Je höher die Renditen, desto teurer wird es für die Regierung, das hohe Defizit der USA zu refinanzieren. Allerdings kauft der Anleihemarkt Trump sein Einknicken nicht ab. Zwar sind die Renditen für Treasuries kurzzeitig auf rund 4,2 Prozent gesunken, am Freitagmorgen liegen sie aber wieder bei 4,4 Prozent. Noch höher rentieren Papiere mit 30-jähriger Restlaufzeit mit 4,8 Prozent.

Das zeigt: Investoren stoßen weiterhin Dollarpapiere ab. Das kann mehrere Gründe haben. Zum einen hat Trump mit seiner erratischen Politik schlicht Vertrauen zerstört. Zum anderen verkauften viele Hedgefonds und Schattenbanken ihre Anleihen, weil sie Liquidität brauchten – die einstürzenden Kurse hatten ihre auf Pump finanzierten Deals zunichtegemacht, viele mussten Liquidität nachschieben.

Und zum dritten geistert weiterhin ein Gespenst namens Mar-a-Lago durch die Wall Street. Ein Plan, mit dem Trump den Dollar massiv schwächen will und Gläubiger enteignen. Immer wieder wird deshalb darüber spekuliert, ob einige Gläubiger wie China oder Japan einen Teil ihrer Anleihen gerade vorsorglich auf den Markt werfen.

Gerade weil der schwache Dollar eines von Trumps primären Zielen seiner Handelspolitik sein könnte, fürchten Investoren, dass die Schwäche der Reservewährung anhalten dürfte Der schwache Dollar macht Anlagen in US-Assets für Euro-Anleger riskanter. Sinkt die Leitwährung weiter, bekommen sie weniger Euro beim Verkauf ihrer US-Anleihen.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 09.04.2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir aktualisieren ihn laufend.

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