Chaos an den Börsen: Augen zu und durch!

Erinnern Sie sich noch an die Sache mit dem Journalisten, der einer Chatgruppe von hochrangigen Mitarbeitern der US-Regierung hinzugefügt worden war? Solche Geschichten sind ja rasch wieder vergessen, angesichts all der Nachrichten, die sonst noch so aus den USA kommen. Jedenfalls: Konsens unter vernunftbegabten Menschen war, dass jemand einen wirklich dummen Fehler gemacht hatte. Ein reichweitenstarker Trump-Unterstützer namens Joey Mannarino sah das allerdings anders.
Auf der Plattform X schrieb Mannarino über die Leute in der Chatgruppe, unter anderem US-Verteidigungsminister Pete Hegseth: „Das sind einige der kompetentesten Menschen in diesem Land und ihr glaubt, sie würden es so vermasseln? Das ist schlicht nicht möglich.“ Stattdessen habe es sich beim Hinzufügen des Journalisten zweifelsohne um eine besonders geschickte Medienstrategie gehandelt. „Trump ist berühmt für solche Sachen!“
Ich persönlich würde die Frage, ob Hegseth und Konsorten wirklich so dumm sind, mit einem klaren „Ja“ beantworten. Sieht ganz danach aus – leider. Auch die Zölle, mit denen der US-Präsident gerade die Börsen ins Chaos stürzt, wirken auf mich wie kompletter Wahnsinn, gepaart mit himmelschreiender Unfähigkeit. Die Formel zur Berechnung der Zölle ist schlicht Unsinn. Und Rechenfehler haben sie auch noch gemacht!
Aber: Es gibt sie, die Menschen, die hinter allem, was Donald Trump sagt und tut, einen Masterplan wittern. Vielleicht will der US-Präsident mit seiner Zollpolitik den Dollar schwächen, vielleicht den Anleihemarkt manipulieren. Vielleicht spekuliert er ja auch darauf, in dreieinhalb Jahren mit einem Handstreich alle Hemmnisse für die Märkte hinwegzufegen und mit einer gloriosen Börsenerholung im Rücken seinem Anspruch auf eine dritte Amtszeit Nachdruck zu verleihen.
Sicher ist nur die Unsicherheit
Genau das ist gerade das Hauptproblem für Anleger: die Unsicherheit. Regiert in den USA der Wahnsinn oder steckt hinter allem ein Plan? Und was wäre eigentlich besser?
Letztlich muss man wohl sagen: Für die Kapitalmärkte wäre ein wahnsinniger US-Präsident ähnlich gefährlich wie einer, der ohne Rücksicht auf den Rest der Welt seine Interessen und die der USA durchsetzt.
Anleger befinden sich damit zumindest kurzfristig in einer altgriechischen Situation, sozusagen: Sie stecken fest zwischen Skylla und Charybdis. In der griechischen Mythologie machen diese beiden Meeresungeheuer die Fahrt durch eine Meerenge für Schiffer zum Himmelfahrtskommando. Odysseus kommt erst Skylla zu nahe – sechs seiner Männer werden von ihr gefressen. Dann treibt er auch noch zu nah an Charybdis heran und kommt nur knapp mit dem Leben davon.
Anleger sollten sich besser an Iason orientieren als an Odysseus. Iason ist der, der das Goldene Vlies stiehlt. In der Argonautensage gelingt es ihm, unbeschadet durch die von Ungeheuern bewachte Meerenge zu navigieren. Übertragen auf die Börse heißt das: Für das Portfolio sollte es letztlich keine Rolle spielen, was hinter den Querschüssen aus den USA steckt. Bestenfalls ist es so aufgestellt, dass es jedem Sturm und jedem Ungeheuer trotzt. Augen zu und durch – dann ist am Ende bestenfalls das Schiff noch heil. Und Anleger tragen das Goldene Vlies nach Hause.
Lesen Sie auch: Fünf Anlagestrategien gegen Trumps Zoll-Wahnsinn
Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.
