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BörsenausblickAufwärts mit wachsenden Risiken nach Dax-Rekordlauf

Der Dax geht durch die Decke: Mit 21.520 Punkten wurde am Freitag im Handelsverlauf ein neuer Rekord erreicht. Aktuelle Weltgeschehnisse hinterlassen wenig Eindruck. 24.01.2025 - 19:28 Uhr

Der deutsche Aktienindex Dax ist an der Börse in Frankfurt abgebildet.

Foto: REUTERS

Der Dax hat sich in den vergangenen Handelstagen unbeirrt in Rekordlaune gezeigt. Weder Äußerungen zum schlechten Zustand der deutschen Wirtschaft noch die Sorgen über die Wirtschaftspolitik der neuen US-Regierung haben den deutschen Markt bislang aus dem Tritt gebracht.

So beendete der Leitindex Dax die Woche am Freitag mit einem Stand von 21.394,93 Punkten. Im Handelsverlauf hatte er einen Rekord bei 21.520 Punkten erreicht.

Die Voraussetzungen für weitere Gewinne stehen gut, zumal marktspezifische Mechanismen zum Tragen kommen, die den Anstieg anheizen. Der Höhenflug der deutschen Standardwerte hat nämlich viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt und zwingt diese nun zum Kaufen.

Märkte nach Trump

Buy, Baby, Buy!

von Philipp Frohn, Julia Groth und Saskia Littmann

„Wie wir aus dem Markt hören, sind nicht nur viele Anleger kaum dabei, zahlreiche Akteure haben zuletzt sogar größere Short-Positionen aufgebaut“, heißt es vom Broker Index Radar. „Mit den immer weiter steigenden Kursen müssen Short-Positionen geschlossen werden, um Verluste zu begrenzen.“ Dieses Nachkaufen treibe die Kurse immer weiter nach oben.

Diese Entwicklung liegt nicht zuletzt daran, dass sich die schlimmsten Befürchtungen zur neuen US-Regierung bislang nicht bewahrheitet haben. „Zwar werden sowohl Kanada als auch Mexiko mit höheren Zöllen rechnen müssen, und auch in Richtung China und Europa wurden verbale Salven abgefeuert mit der Ankündigung, dass Importe demnächst mit Abgaben belegt werden sollen“, merkt Portfoliomananger Max Hanisch von der Weberbank dazu an. „All diese Drohungen gab Präsident Trump aber eher auf Nachfrage preis; die Aussagen waren vage formuliert und ließen erkennen, dass es anscheinend noch keine endgültig beschlossene Marschroute gibt.“

Für die Konjunktur in Deutschland sieht es nach wie vor nicht gut aus, auch wenn jüngste Daten etwas besser als erwartet ausgefallen sind. „Die Stimmungslage in der deutschen Industrie bleibt ungeachtet des unerwartet kräftigen Anstiegs des Einkaufsmanagerindexes im Januar noch trüb“, warnen die Volkswirte der Hessischen Landesbank. Noch immer liege der Index deutlich unter der Expansionsschwelle.

Ob der Ifo-Geschäftsklimaindex am Montag eine positive Überraschung bringt, ist daher fraglich. „Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland ist schlecht, und daran dürfte sich auch im Januar nichts Grundlegendes geändert haben“, gibt sich Ulrich Kater von der Dekabank skeptisch.

Börsengang: Fakten und Begriffe
IPO steht für „Initial Public Offering“, was so viel wie „erstmaliges öffentliches Angebot“. Im Angelsächsischen spricht man bei einem Börsengang auch von „going public“. Es geht also um den Börsengang, der Anlegern erstmals öffentlich Teile des Unternehmens in Form vom Aktien anbietet. Die Aktien sind dabei ein – meist winziger – verbriefter Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens.
Eine Neuemission ist ein Angebot neu geschaffener Wertpapiere. Das können Aktien, Anleihen, Zertifikate oder sonstige Wertpapiere sein. Kommen etwa bei einem Börsengang neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung auf den Markt, spricht man von einer Neuemission.
Sie legt den Zeitraum fest, innerhalb dessen ein Anleger neu emittierte Wertpapiere zeichnen kann, also sich durch schriftliche Erklärung die Übernahme eines bestimmten Betrags zusichern kann. Nur wenn die Nachfrage schwach ist, wird eine Zeichnungsfrist auch mal verlängert.
Vor Beginn der Zeichnungsfrist nennt das Unternehmen eine Preisspanne, zum Beispiel von 20 bis 25 Euro. Die Investoren teilen dann mit, wie viele Aktien sie zu übernehmen bereit sind und nennen dafür einen Preis innerhalb der Preisspanne. Kommen nicht genug Anfragen zusammen, kann das Unternehmen – der Emittent – die Preisspanne auch senken. Aus den Zeichnungsaufträgen ermittelt der Emittent dann den Ausgabepreis, zu dem es die Aktien den Investoren überlässt.
Bei vielen Börsengängen können über das genannte Emissionsvolumen hinaus in den Tagen nach der Erstnotiz an der Börse weitere Aktien ausgegeben werden. Diese Mehrzuteilung wird auch Greenshoe genannt. Sie kommt bei hoher Nachfrage nach den Wertpapier zum Einsatz. Wie groß der Greenshoe ist, muss im Börsenprospekt stehen.
Nachdem die Aktien zum Ausgabepreis an die Anleger verteilt worden sind, wird es ernst: Die Aktien werden zum ersten Mal an der Börse gehandelt. Aus Kauf- und Verkaufsangebot wird der erste Kurs im Handel ermittelt – die Aktie notiert zum ersten mal an der Börse. Die Erstnotiz erfolgt zum angekündigten Datum, der erste Handelskurs sollte über dem Ausgabepreis liegen.
Wertpapiere, die an einer Börse gehandelt werden, unterliegen bestimmten Spielregeln. An einem regulierten Markt sind diese besonders umfassend und verlangen zum Beispiel Banken, die den Handel betreuen und Berichtspflichten, wie die Veröffentlichung von Quartalsberichten nach bestimmten Vorschriften. Am unregulierten Markt sind die Vorschriften lascher und die eine Überwachung des Handels – etwa bei der Kursbestimmung - greift nicht.
Beim Börsengang kommt eine zuvor festgelegt Zahl an Aktien in den Börsenhandel. Der Wert all dieser Aktien zusammen entspricht dem Platzierungsvolumen. Dabei kann es sich um neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung (Neuemission) oder um Aktien der bisherigen Eigentümer und vorbörslichen Investoren handeln.
Multipliziert man den Aktienkurs mit der Zahl aller frei handelbaren Aktien eines Unternehmens, erhält man den Börsenwert eines Unternehmens. Dieser entspricht der Marktkapitalisierung gleichgesetzt. Die Aktien, die nicht zum Handel an der Börse zugelassen sind, – also im Bestand des Unternehmens verbleiben – sind dabei unberücksichtigt.
Unternehmen lassen selten alle Aktien an der Börse zum freien Handel zu, sondern lediglich einen Teil. Liegt etwa der Streubesitz bei 30 Prozent, sind auch nur 30 Prozent der Eigenkapitalanteile an der Börse handelbar. Je höher der Streubesitz, umso liquider ist der Handel und umso geringer die Kursschwankungen, die sich aus Kauf- und Verkaufsorders ergeben.
In der Regel verbleibt bei einem Börsengang ein großer Teil der Aktien in Besitz von den bisherigen Eigentümern. Während der Haltefrist – auch Lock-up-Periode genannt – dürfen sie aus diesem Bestand keine Aktien verkaufen. Eine lange Haltefrist gilt als Bekenntnis zu einem Unternehmen.
Die Konsortialbanken begleiten den Börsengang und anschließenden Aktienhandel für ein Unternehmen. Das lassen sich die Banken natürlich vom Unternehmen bezahlen. Eine besondere Aufgabe fällt den Konsortialbanken zu, die sich als Designated Sponsor engagieren. Sie sorgen dafür, dass der Handel liquide bleibt, auch wenn zum Beispiel Käufer keinen Verkäufer der Papiere finden. Dann übernehmen sie den Part des Verkäufers, damit immer ein Kurs gestellt werden kann.
Darunter versteht man das Verfahren, mit dem der Preis für neu an die Börse zu bringende Aktien festgelegt wird. Da vor der Emission von neuen Aktien kein Börsenhandel mit diesen Papieren stattfindet, kann dieser Preis nicht durch Angebot und Nachfrage an der Börse bestimmt werden. Beim angelsächsischen Auktionsverfahren geben die Banken, die das Unternehmen an die Börse bringen, eine Preisspanne vor. Innerhalb dieser können Investoren ihre Gebote abgeben. Auf Grund der vorliegenden Orderlage wird der tatsächliche Emissionskurs letztlich aus dem Gebots-Durchschnitt gebildet. Früher wurde das heute kaum noch gebräuchliche Festpreisverfahren angewandt, bei dem sich die beratenden Banken und die AG schon vor Verkaufsangebot auf einen Preis einigten, den Anleger dann akzeptieren mussten.
Die Roadshow ist eine Werbetour eines Unternehmens bei möglichen Investoren. Dabei wird versucht, möglichst viele Investoren zu gewinnen, die den angestrebten Preis für die Aktien zu zahlen bereit sind. Die Roadshow ist daher wichtig, um die richtige Preisspanne auszuloten.

Hinzu kommt, dass die Inflationsentwicklung zunächst keine Entspannung andeuten dürfte. „In Summe gehen wir davon aus, dass der Verbraucherpreisindex im Januar um 0,3 Prozent gegenüber Vormonat und 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen wird“, prognostizieren die Volkswirte der Hessischen Landesbank für die Preisdaten am Freitag.

Und ebenso bleibt abzuwarten, ob die Europäische Zentralbank (EZB) den Märkten Impulse geben kann. Das Überraschungspotenzial der Sitzung am Donnerstag ist zumindest überschaubar. Eine Zinssenkung gilt als ebenso wahrscheinlich wie weitere Schritte im Laufe des Jahres.

Akzente könnte eher die Berichtssaison setzen. Am Dienstag wird mit SAP der mit Abstand wertvollste Dax-Konzern seine Zahlen vorlegen. Analysten sind zuversichtlich. Für das vierte Quartal erwarten Experten laut einem vom Konzern erhobenen Stimmungsbild beim Gesamtumsatz im Schnitt ein Plus von 7 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis dürfte den Schätzungen zufolge um 14 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro klettern.

Mit Microsoft, Meta, Tesla und Apple stehen in der kommenden Woche die Zahlen von mehreren ganz großen US-Tech-Werten an, die jederzeit die Stimmung an den Weltbörsen beeinflussen können.

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dpa
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