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Der Dax ist mit 13 Prozent Plus seit der US-Wahl einer der besten Performer weltweit.

Foto: Getty Images, Illustration: Marcel Reyle

Riedls Dax-RadarEin Börsenrekord mit Rückschlaggefahr

Nach schnellen Kursgewinnen mehren sich Überhitzungserscheinungen an den Börsen. Dank starker Einzelwerte wie SAP und Siemens sollten Korrekturen aber moderat ausfallen. Eine Kolumne.Anton Riedl 24.01.2025 - 15:28 Uhr

Während der neue US-Präsident Donald Trump mit Dynamik seine Amtsführung beginnt, gehen die Aktienmärkte auf Rekordkurs: Der S&P, in dem die wichtigsten 500 US-Aktien stecken, hat sich binnen zwei Wochen nach einem gefährlichen Absacker unter die Marke von 5800 Punkten auf ein neues Top hochgearbeitet. 

Klassiker Dow Jones und die Hightechbörse Nasdaq hängen noch etwas unter ihren alten Rekorden – dafür sind die Börsen in Europa wie entfesselt: Der marktbreite Stoxx 600, in dem neben EU-Werten auch britische und Schweizer Aktien mit von der Partie sind, ist über die Kursspitzen der vergangenen neun Monate geklettert. Das führende Barometer der Eurozone, der Euro Stoxx 50, hat mit dem Anstieg über 5100 Punkte sogar ein langfristiges Hausse-Signal gegeben. 

Und ausgerechnet der Dax, das Aktienbarometer des wirtschaftlichen Schlusslichts Deutschland, ist mit 13 Prozent Plus seit der US-Wahl einer der besten Performer weltweit. 

Börsenausblick

Aufwärts mit wachsenden Risiken nach Dax-Rekordlauf

Für diese dynamische und für viele Marktteilnehmer überraschende Hausse gibt es durchaus Gründe: 

  • Bei aller Angst vor Zöllen wächst mit der neuen Regierung in den USA auch die Hoffnung, dass eine starke amerikanische Wirtschaft als globale Konjunkturlokomotive auch für andere große Wirtschaftsräume positive Effekte hat.
  • Sollte es im Zuge einer eher wirtschaftlich orientierten US-Außenpolitik zur Entspannung im Ukrainekrieg, im Nahen Osten und womöglich im Verhältnis der USA zu China kommen, hätte das auch Vorteile für die Wertpapiermärkte.
  • Die großen Triebkräfte der bisherigen Hausse, hinter denen vor allem die amerikanischen Billionenkonzerne Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet, Amazon, Tesla und Meta stehen, werden nicht abgebrochen, sondern durch neue Impulse für die klassische Industrie (Caterpillar Baumaschinen, Exxon und Chevron Öl) verstärkt. Robuste Finanzwerte (JP Morgan, Goldman Sachs) sind dafür eine Bestätigung.

SAP: Das erfolgreichste Unternehmen der deutschen Börsengeschichte beflügelt den Dax

Die Stärke führender Unternehmen wird auch an der deutschen Börse immer wichtiger. Im Dax wirkt sich das besonders aus, weil sein gewichtigster Einzelwert SAP zum erfolgreichsten Unternehmen der deutschen Börsengeschichte geworden ist. 

Als erstes Börsenunternehmen hierzulande hat der Walldorfer Softwarekonzern eine Marktkapitalisierung von mehr als 300 Milliarden Euro erreicht. Kein anderes Unternehmen hierzulande hat in einem Zeitraum von nur zweieinhalb Jahren einen Zuwachs an Börsenwert von mehr als 200 Milliarden Euro erreicht. Mit diesem Plus neutralisiert die SAP-Aktie allein die Börsenkatastrophen der vom Umsatz größeren klassischen Konzerne Volkswagen und Bayer zusammengenommen. 

Am 28. Januar wird SAP die Zahlen für 2024 und die Prognosen für 2025 vorlegen. Mit rund 4,2 Milliarden Euro Nettogewinn, die Banken den Walldorfern im vergangenen Jahr durchschnittlich zutrauen, liegen die Erwartungen nicht einmal hoch. Verantwortlich dafür ist der schwache Beginn des vergangenen Jahres, in dem SAP mehrere Belastungen bilanziell verarbeitete. 

Umso stärker kann dann der Gewinnsprung 2025 ausfallen. Hier rechnen Banken mit mehr als sieben Milliarden Euro. Immerhin, auch dann noch käme SAP auf eine Gewinnbewertung von 45. Offensichtlich, SAP ist nicht nur operativ auf internationalem Topniveau angekommen, sondern auch bei der Bewertung. Einflussreiche Analysten wie die der Deutschen Bank trauen der Aktie ein Kursziel von 300 Euro zu. Hält der seit Ende 2022 laufende Trend, könnte dieses Ziel noch 2025 erreicht werden.

Trotz schwacher deutscher Wirtschaft steckt der Dax voller starker Unternehmen

Hinter SAP gibt es eine ganze Reihe deutscher Erfolgsunternehmen, die sich längst aus dem Schatten der schwachen heimischen Wirtschaft gearbeitet haben. Deren Aktienkurse lassen den Dax so viel besser aussehen als die ökonomischen Verhältnisse hierzulande. 

Die starken Aktien beginnen bei den Versicherern Allianz, Münchener Rück und Hannover Rück, die vom gestiegenen Zinsniveau profitieren und von der globalen Nachfrage nach Absicherung. Dazu kommt der Klassiker Deutsche Telekom, der auf seinem Heimatmarkt mit Abstand die Nummer Eins und zugleich auf dem lukrativen US-Markt einer der führenden Spieler geworden ist. 

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Zudem gibt es im Dax eine Reihe mittelgroßer Unternehmen wie MTU Aero Engines (Triebwerke), Rheinmetall (Rüstung), Heidelberg Materials (Baustoffe), die weltweit führend sind und von den Impulsen aus und in Amerika profitieren. 

Wie nachhaltig sich mittelgroße deutsche Favoriten entwickeln können, zeigt Sportartikler Adidas. Im Gegensatz zu seinem schwächeren Lokalrivalen Puma ist Adidas mit elf Prozent mehr Umsatz im vergangenen Jahr weiter auf Wachstumskurs. Der operative Gewinn vervielfachte sich auf 1,34 Milliarden Euro, netto dürften mehr als 700 Millionen Euro geblieben sein. Adidas hat damit nach dem Verlustjahr 2023 den Turnaround geschafft und macht für 2025 Hoffnung auf einen Milliardengewinn. 

Adidas-Aktien haben seit ihrem Tief Ende 2022 um 160 Prozent zugelegt. Kurzfristig sollte das Niveau 240 bis 250 Euro die Untergrenze für mögliche Schwankungen darstellen. Mittel- bis langfristig sind die alten Höchstkurse von über 300 Euro das Ziel. 

Siemens: Mix aus operativer Power, Finanzkraft und cleveren Transformationen 

Wie stark deutsche Unternehmen sein können, zeigt sich besonders an dem wohl wichtigsten Industriekonzern Deutschlands, der seit 1847 die Wirtschaft hierzulande prägt und der – genau wie SAP– an der Börse auf Rekordkurs ist: Die Unternehmen der Siemens-Familie.

Siemens zeichnet sich besonders durch drei Qualitäten aus, die den langfristigen Anstieg an der Börse untermauern: Eine hohe operative Stärke, die selbst in schweren Jahren wie der Finanzkrise zu Milliardengewinnen geführt hat; eine stabile finanzielle Verfassung, mit der sich schwache Marktphasen überbrücken lassen, um in Wachstumsphasen wieder vorne mitzumischen. Und eine clevere Struktur- und Transformationspolitik, dank der Siemens seit Jahrzehnten eben kein behäbiges Konglomerat ist, sondern ein hochbeweglicher Hightech-Performer. 

Jüngster Coup könnte eine Ausgliederung von Siemens Healthineers werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass sich die Synergien des neuen Siemens-Kerngeschäft digitale Automatisierung zur Medizintechnik von Healthineers in Grenzen halten. 

Healthineers könnte nach dem guten Start im laufenden Geschäftsjahr, das bis Ende September geht, an die 24 Milliarden Euro Umsatz erzielen. Bei einem Börsenwert von 61 Milliarden Euro wäre das eine 2,5-fache Bewertung. Zum Vergleich: Medizintechnikkonzern Philips kommt auf das 1,3-Fache, die amerikanische Medtronic auf das 3,3-Fache. Healthineers ist also schon gut, aber nicht überhöht bewertet. 

Die ansprechende Bewertung von Healthineers kann für Siemens heikel werden. Derzeit kommt Siemens bei 164 Milliarden Euro Börsenwert und womöglich 79 Milliarden Euro Geschäftsvolumen im laufenden Jahr nur auf eine 2,1-fache Umsatzbewertung. Das bedeutet: Je weiter Healthineers den Konzernverbund verlässt, desto mehr gehen Teile der höheren Bewertung verloren. 

Zweites Problem: Healthineers fließt beim derzeitigen Anteil von 75 Prozent komplett in die konsolidierte Gewinnrechnung und Bilanz von Siemens ein. Sollte sich Siemens von der Mehrheit trennen und Healthineers wie den Ableger Energy nur noch als Beteiligung verbuchen, hätte Siemens rechnerisch nur noch rund 55 Milliarden Euro Umsatz. Und die könnten dann – wenn die wertvollere Healthineers-Bewertung nicht mehr durchschlägt – auch noch anteilig weniger Börsenwert erzielen. 

Aus diesen Gründen dürfte vorerst nur ein Teilabschied realistisch sein: In einem ersten Schritt könnte es auf 70 Prozent und dann auf gut 50 Prozent zurückgehen. Healthineers könnte sich als fokussierter Medizintechniker weiter entwickeln, und sowohl Geschäftszahlen als auch Aktienbewertung kämen Siemens weiterhin zugute. 

Die langfristige Aufwärtsbewegung der Siemens-Aktie, die seit 2009 läuft und vom Coronacrash 2020 nur kurzzeitig unterbrochen wurde, ist mit dem Anstieg über die alten Hochs um 185 Euro in eine neue Phase getreten: Zwar sind kurzfristige Rückschläge nach den jüngsten, schnellen Aufschläge einzukalkulieren; solange Siemens aber über 180 bis 190 Euro bleibt, ist der große Aufwärtstrend intakt. 

Fazit für den Dax: Im Gegensatz zu Befürchtungen, dass die neue Präsidentschaft in den USA zu einem Desaster am deutschen Aktienmarkt führt, ist der Dax erst einmal auf Rekordkurs. Die Stärke der taktgebenden Aktien (SAP, Siemens, Allianz, Deutsche Telekom, Airbus) und die wachsende Marktbreite des Aufschwungs (bei 26 der 40 Dax-Werte verlaufen die aktuellen Kurse oberhalb der 200-Tagelinie) sprechen dafür, dass die Rally nicht auf tönernen Füssen steht. 

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Indes, so wie es direkt nach der US-Wahl am deutschen Aktienmarkt zu Rücksetzern kam, sind auch nach den erreichten hohen Kursen Verschnaufpausen und Korrekturen gut möglich. Bei einem Stand um 21.500 Punkten hat der Dax sein theoretisches kurzfristiges Kursziel erreicht. 

Dazu gibt es Überhitzungserscheinungen: Die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Börsentage, ein Indikator für den mittel- bis langfristigen Trend, verläuft erst bei 18.920 Punkten. Die aktuellen Notierungen von 21.500 aber liegen 13,6 Prozent über diesem Durchschnitt. Dieser Abstand ist genauso hoch wie beim Top im Mai 2024. Damals kam es im Anschluss bis in den Sommer hinein zu einer Kurskorrektur von sieben Prozent. 

Auch jetzt wäre nach den jüngsten, schnellen Avancen ein Rücksetzer möglich. Auslöser dafür könnten Meldungen von neuen Inflationsgefahren und anhaltenden Wirtschaftsproblemen in den nächsten Statements der Europäischen Notenbank am 30. Januar werden. 

Spätestens dann könnte es dann auch den nächsten Trendtest geben, bei dem es darum geht, ob der Dax beim wichtige Unterstützungsniveau um 20.500 Punkten den seit 2024 bestehenden Aufwärtstrend verteidigen kann. 

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