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  4. Volkswagen: Jahresziele sind nicht zu erreichen

Das krisenfeste DepotGewinn geviertelt? Egal!

Dass VW die Jahresprognose kassiert, scheint Investoren kalt zu lassen. Auch sonst beeinflussen schlechte Nachrichten die Aktienkurse am Donnerstag kaum.Georg Buschmann 16.04.2020 - 19:48 Uhr
Foto: dpa

Der Umsatz schrumpft, der Gewinn bricht ein, die Jahresziele sind schon nach drei Monaten nicht mehr zu erreichen: Die Nachrichten, die der größte deutsche Autokonzern Volkswagen an diesem Donnerstagnachmittag adhoc in die Welt setzte, sind normalerweise der Stoff, aus dem Kursdesaster sind. Die Wolfsburger meldeten, dass der operative Gewinn zwischen Januar um März um drei Viertel zusammengeschnurrt ist. Zudem flossen im operativen Geschäft, das im Vorjahresquartal noch zwei Milliarden Euro Liquidität abgeworfen hatte, nun 2,5 Milliarden Euro ab. Die Jahresprognose kassierte VW, ohne neue Ziele nennen zu können.

Die Zeiten aber sind besondere. Das konnten Anleger an der Kursreaktion der VW-Aktie ablesen. Mit knapp einem Prozent Zuwachs, (ja, Zuwachs), schloss die Vorzugsaktie den Xetra-Handel ab und lief damit sogar etwas besser als der Dax. Die moderate Kursreaktion ist indes gut erklärbar. Denn dass sich im VW-Zahlenwerk fürs Auftaktquartal erste Bremsspuren durch die Coronapandemie zeigen würden, war klar und bereits mit den kräftigen Kursstürzen zwischen Februar und März im Kurs eingepreist.

Das krisenfeste Depot

Rendite gegen den Trend

von Georg Buschmann

Mit schlechten Nachrichten können Unternehmen Anleger also dieser Tage nicht schrecken. Das gilt im Kleinen, bei VW, wie im Großen: Donnerstag wurde außerdem bekannt, dass die Zahl der Arbeitslosenhilfeanträge in den USA weiter extrem hoch ist. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass vergangene Woche fünf Millionen Amerikaner Unterstützung beantragt hätten. Die Zahl summiere sich seit Ausbruch der Krise damit auf 22 Millionen; alle im Aufschwung nach der Finanzkrise geschaffenen Jobs seien damit verloren.

Die Börse nahm es gleichmütig auf. Der US-Index S&P 500 eröffnete fast unverändert, während der Weltaktienindex MSCI World, der wesentlich von US-Aktien abhängt, bis zum Börsenschluss in Deutschland gar ein gutes Prozent im Plus lag. Auch das geimpfte WiWo-Depot legte in diesem Umfeld leicht zu und beendete den Tag mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent.

Was lief gut?

Die Aktie des US-Börsenbetreibers Nasdaq ist nun auch auf Euro-Basis wieder dreistellig. Der Kurs sprang am Donnerstag erstmals seit Anfang März wieder über die Marke von 100 Euro. Die Amerikaner hatten vergangene Woche Handelszahlen zum ersten Quartal veröffentlicht. Demnach stieg die Zahl der über Nasdaq gehandelten US-Aktien zwischen Januar und März um 40 Prozent. Im durch den Corona-Ausverkauf geprägten März legte das Handelsvolumen an der US-Börse mit mehr als 100 Prozent Zuwachs besonders stark zu. Nasdaq konnte zudem den Umsatz je gehandelter Aktie leicht steigern – alles Zeichen, dass die für Ende April erwarteten Geschäftszahlen gut ausfallen dürften.

Was lief schlecht?

VW war am Donnerstag nicht das einzige Unternehmen, das seine Jahresprognose zurücknahm. Auch der Lübecker Konzern Drägerwerk setzte die Prognose aus. Die Beweggründe sind jedoch diametral verschieden. Während VW mit einer unvorhersehbar schlechten Entwicklung kämpft, sind es bei Drägerwerk unvorhersehbar positive Volten, die die Jahresprognose erschweren. Gerade die Nachfrage nach Beatmungsgeräten und Atemschutzmasken von Drägerwerk sorgt für volle Auftragsbücher. Wie sich das auf Umsatz und Ergebnis niederschlagen wird, will der Konzern mit Vorlage der Halbjahreszahlen im August präzisieren. Drägerwerk kündigte außerdem an, die noch ausstehenden Genussscheine des Unternehmens zurückzukaufen. Das soll langfristig Finanzierungskosten sparen und den Gewinn je Aktie erhöhen – würde aber auch rund 157 Millionen Euro kosten. Der Konzern prüfe, sich dieses Geld durch die Ausgabe neuer Aktien zu besorgen. Das würde den Anteil bestehender Aktionäre am Unternehmen verwässern. An der Börse kam diese Aussicht schlecht an: Die Aktie war, trotz guter Geschäftszahlen, der Tagesverlierer im Depot.

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