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Kryptowährungen Anleger erleiden mit deutschen ICOs Verluste bis zu 90 Prozent

Exklusiv
Jemand gibt jemand anderem über ein Handy einen Bitcoin vor rotem Hintergrund Illustration Quelle: Getty Images

2017 war das Jahr der Kryptowährungen. Neben Bitcoins kauften Anleger weltweit für Milliarden Dollar Münzen digitaler Start-ups, auch aus Deutschland. Unsere Analyse zeigt: Anleger verloren damit bis zu 90 Prozent.

Was bislang nur professionellen Risikoinvestoren vorbehalten war, funktioniert heute über das dezentrale Register Blockchain auch für Privatanleger: sich an Start-ups zu beteiligen. Sie investierten in solche digitalen Finanzierungsrunden, sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs), in der Hoffnung auf fünfstellige Renditen. Die ließen sich ab Januar 2017 binnen eines Jahres etwa mit Ethereum erzielen. Sie ist nach dem Bitcoin die wichtigste Kryptowährung weltweit und schaffte in diesem Zeitraum rund 17.000 Prozent Kursgewinn.

Jetzt zeigt eine exklusive Auswertung der WirtschaftsWoche: Anleger sind mit den Münzen deutscher Start-ups aktuell einem Totalverlust näher als solchen Traumrenditen. Sie verloren bis Anfang September bis zu 90 Prozent ihres Geldes. Die Start-up-Münzen büßten damit teilweise noch deutlicher ein, als die Kurse der Leitwährungen Bitcoin (seit Jahresanfang -50 Prozent) und Ethereum (-70 Prozent). Bislang haben überhaupt nur acht Start-ups mit einem Firmensitz in Deutschland ein ICO abgeschlossen, zeigt die WirtschaftsWoche-Analyse. Viele der anderen deutschen ICOs werden über rechtlich unabhängige Gesellschaften im Ausland durchgeführt. Die digitale Münze des Finanzkonzerns Naga, der in Frankfurt an der Börse notiert, wurde etwa von der Naga Development Association Ltd. in Belize ausgegeben.

Unter den Projekten, die wirklich aus Deutschland heraus ihren ICO organisierten, schafften es nur zwei, den Wert ihrer Münzen an den Internetbörsen für Kryptowährungen stabil zu halten: Neufund und Wysker, zwei Blockchain-Projekte aus Berlin. Neufund arbeitet an einer Finanzierungsplattform, Wysker an einer Shopping-App. Fünf weitere Projekte, darunter etwa die Frankfurter Finanz-Start-ups Savedroid und Iconiq Lab, verloren zwischen 40 und 92 Prozent an Wert. RedBux, ein Projekt aus der Erotik-Branche, beendete zwar bereits im Mai 2018 sein ICO. Die Münze ist bislang aber an keiner offiziellen Kryptobörse gelistet.

Grundlage für ein ICO sind in den meisten Fällen digitale Verträge der Ethereum-Blockchain. Die ermöglichen es Start-up Gründern, eigene Münzen zu schaffen und an Anleger zu verteilen. In Anlehnung an den Ausdruck eines klassischen Börsengangs, IPO (Initial Public Offering), heißt die Ausgabe solcher digitalen Münzen ICO, Initial Coin Offering. Anleger werden darüber aber in Deutschland bislang nicht am Unternehmen oder seinen Gewinnen beteiligt. Sie erhalten vielmehr eine Art digitalen Gutschein, den sie für künftige Dienstleistungen der Start-ups einsetzen sollen. So entziehen sich die Start-ups der Kontrolle der Finanzaufsicht Bafin.

Nach einem ICO müssen sich die Start-ups aktiv darum bemühen, ihre Münzen an Kryptobörsen im Internet zu listen und für Anleger handelbar zu machen. Das ist beim ICO anders als bei einem klassischen Börsengang nicht automatisch der Fall.

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