Leben mit Aktien: Was Insiderverkäufe Anlegern verraten
Google soll sich spalten. Na und!?
An der Wall Street läuft es hervorragend. Seit Donald Trumps Wahlsieg geht es noch einmal kräftig aufwärts. Die Aktie von Tesla etwa ist seit der Wahlnacht rund 40 Prozent gestiegen. Der Index S&P 500, der die größten börsennotierten US-Unternehmen enthält, legte seitdem rund fünf Prozent zu. Der technologielastigere Nasdaq 100 stieg vier Prozent, der auf Nebenwerte fokussierte Russell 2000 rund neun Prozent.
Einige Anleger nutzen das Kursplus, um Gewinne zu realisieren. Auch manche Vorstandsmitglieder reduzieren ihre Anteile. Sogenannte Insider, also Mitglieder der Management-Ebene von Unternehmen, verkaufen in diesem Quartal so viele Aktien „ihrer“ Unternehmen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das zeigt eine Auswertung von VerityData, die der „Financial Times“ vorliegt.
Beispiel Evercore: Die Aktie des Beratungsunternehmens ist heute fast doppelt so teuer wie 2021, doch der Gewinn hat sich seitdem halbiert. Der Vize-Vorsitzende, Edward Hyman, nutzte den Kursanstieg und hat seit dem 6. November Anteile im Wert von rund 55 Millionen Dollar verkauft. Investor Christian W. Röhl zeigt dafür im Podcast „Leben mit Aktien“ Verständnis: „Wenn man da mal ein bisschen was vom Tisch nimmt als CEO, kann ich das verstehen“.
Insiderverkäufe können darauf hindeuten, dass eine Aktie zu hoch bewertet ist. Bei der Aktie von Donald Trumps Medienunternehmen DJT etwa dürfte das der Fall sein. Die DJT-Aktie ist seit Anfang des Jahres kräftig gestiegen, doch seit der Wahl liegt sie elf Prozent im Minus. Insider haben seitdem Anteile in Höhe von 16,2 Milliarden Dollar verkauft.
Trump selbst gehörte zwar nicht zu den Verkäufern, dafür aber zum Beispiel Patrick Orlando, Gründer von ARC Global Investments. Er hielt zuvor mehr als fünf Prozent der ausstehenden Aktien. Am 14. November reduzierte er seinen Anteil auf 0,01 Prozent. Die DJT-Aktie gilt als überbewertet und ohne operative Substanz, im vergangenen Geschäftsjahr schrieb das Unternehmen rote Zahlen.
Nicht jeder Insiderverkauf sollte als negatives Signal gedeutet werden, kommentiert Röhl. Auch Manager seien nur Menschen. „Für einen Verkauf gibt es viele Gründe, und sei es nur die persönliche Vermögensdiversifikation“. Ein wichtigeres Signal als Verkäufe seien Käufe von Insidern, so Röhl. Sie deuteten darauf hin, dass die Chefebene überzeugt ist vom Unternehmen und nicht davor zurückscheut, eigenes Geld einzusetzen.
Unter den Magnificent 7 (Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla) verzeichnete nur ein einziges Unternehmen im November mehr Insiderkäufe als -verkäufe: die Facebook-Mutter Meta. Die Vorstandsmitglieder kauften fleißig zu, darunter auch Mark Zuckerberg selbst.
Der Facebook-Gründer besuchte den zukünftigen Präsidenten am vergangenen Mittwoch auf seinem Anwesen und versicherte Trump offenbar bei dieser Gelegenheit seine Unterstützung. Kurz nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington 2021 hatte Zuckerberg noch Trumps Facebook-Account gesperrt.
Inzwischen geht er anscheinend davon aus, dass Trump 2.0 für die Zukunft seines sozialen Netzwerkes positiv ist – jedenfalls, wenn er sich mit dem designierten Präsidenten gutstellt.
Mehr zu Insiderverkäufen, der möglichen Aufspaltung von Google und den neuen Aktien in Warren Buffetts Portfolio hören Sie in der aktuellen Folge von „Leben mit Aktien“.