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Öl- und Weizenpreise steigenBörsen brechen nach Angriff auf AKW in Ukraine ein

Der Angriff der russischen Armee auf Europas größtes Atomkraftwerk in der Ukraine hat dem Dax zum Wochenende den größten Wochenverlust seit März 2020 beschert. Der Euro fiel erstmals seit zwei Jahren unter 1,10 Dollar. 04.03.2022 - 18:31 Uhr

Die Dax-Kurve im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse stellt fallende Kurse dar. Auch am letzten Börsentag der Woche hat auf den Finanzmärkten wegen des Ukraine-Kriegs die Vorsicht dominiert.

Foto: dpa

Der Kampf um ein ukrainisches Atomkraftwerk hat die europäischen Aktienanleger zum Wochenschluss in Angst und Schrecken versetzt. Der Dax rauschte auf den tiefsten Stand seit Dezember 2020 und ging 4,4 Prozent tiefer bei 13.094 Punkten aus dem Handel. Auf Wochensicht stürzte er 10,1 Prozent ab und damit so stark wie seit März 2020 nicht mehr.

Der EuroStoxx50 gab am Freitag 4,7 Prozent nach. Auch an den US-Börsen ging der Ausverkauf weiter, obwohl der US-Arbeitsmarktbericht überraschend stark ausgefallen war. Die Furcht vor einer nuklearen Katastrophe infolge der russischen Invasion in der Ukraine wachse, stellten Analysten fest. Örtlichen Angaben zufolge nahmen russische Streitkräfte das größte AKW Europas im Südosten der Ukraine ein. Für Verunsicherung sorgte vor allem ein Feuer auf dem Gelände, das laut den ukrainischen Behörden am Morgen jedoch gelöscht werden konnte. „Der Vorfall zeigt, was alles in einem Krieg passieren kann, wie groß die Gefahr für ganz Europa und die Welt ist“, sagte Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Der Westen, sprich die Nato, müsse nicht einmal direkt angegriffen werden, um in den Krieg hineingezogen zu werden.

Der als Angstbarometer bekannte Volatilitätsindex stieg auf Niveaus, die zuletzt im Corona-Krisenjahr 2020 erreicht worden waren. Der Preis für das Nordsee-Öl Brent sprang um 3,7 Prozent auf 114,58 Dollar je Fass. Die Anleger spekulierten auf direkte westliche Sanktionen gegen russisches Öl, je länger der Krieg anhält.

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Zuflucht suchten die Anleger unter anderem in der Weltleitwährung Dollar, während der Euro mit 1,0898 Dollar zeitweise so wenig kostete wie seit Mai 2020 nicht mehr. Ein mit 678.000 überraschend kräftiger Stellenaufbau in den USA im Februar lieferte Strategen zufolge für die US-Notenbank Fed keine neuen Erkenntnisse. „Ein Zinsschritt in zwei Wochen ist nahezu sicher, wegen des Ukraine-Kriegs wird es aber ein kleiner sein“, sagte Alexander Krüger von Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank.

Indes heizt der von dem Rohstoffgiganten Russland gestartete Krieg die hohe Inflation zusätzlich an. Nicht nur bei Öl, Gas oder den Industriemetallen, auch bei Weizen nimmt die Furcht vor Lieferengpässen zu. Der US-Future stieg um vier Prozent auf ein Rekordhoch von 13,40 Dollar je Scheffel. „Jedes dritte Büschel Weizen, das in der Welt gehandelt wird, stammt entweder aus Russland oder der Ukraine“, sagte Stanzl von CMC Markets. Ein Ende der Preisrally sei nicht in Sicht.

Auto- und Finanzwerte geraten ins Taumeln

Am Aktienmarkt fiel der europäische Autoindex um 5,6 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Im Dax verloren Porsche, Continental, Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz bis zu 8,6 Prozent. Zahlreiche Unternehmen im Automobilsektor haben ihre Geschäfte in Russland eingeschränkt, auf Eis gelegt oder ziehen sich zurück. Zudem führten bereits jetzt fehlende Vorprodukte aus der Ukraine zu einem Stillstand in einigen deutschen Automobilwerken, sagten die Helaba-Analysten.

Die harten Sanktionen gegen Russland im Finanzsektor zogen die europäischen Banken ins Minus. Der entsprechende Index gab 7,9 Prozent nach. Aktien der Deutschen Bank hielten mit einem Abschlag von 9,4 Prozent die rote Laterne im Dax. Das Geldhaus hat ein großes IT-Zentrum in Russland, sieht seinen Geschäftsbetrieb nach einem Stresstest aber nicht gefährdet. Die in Osteuropa stark engagierte Raiffeisen Bank stürzten in Wien um 11,2 Prozent ab. In Paris verloren Societe Generale zehn Prozent.

Einsam an der Dax-Spitze rangierten RWE mit einem Plus von 4,8 Prozent. Einer der Langfristverträge zum Bezug von Erdgas aus Russland ruht nach Angaben des Energiekonzerns, was die Nerven der Anleger beruhigte. Bei einem Ausfall russischer Lieferungen könnten Abnehmer in Deutschland wie RWE und Uniper theoretisch gezwungen sein, Gas andernorts zu höheren Preisen einzukaufen, um Verpflichtungen gegenüber ihren eigenen Kunden zu erfüllen. Uniper-Papiere sackten um 11,9 Prozent ab.

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rtr
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