1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Börse
  4. Dax-Kurs aktuell: Konjunktur-Comeback kann Dax auf 20.000 steigen lassen

Riedls Dax-RadarComeback der Konjunktur kann Dax auf 20.000 steigen lassen

Weniger Inflation, Zinswende, nun auch Konjunkturhoffnung: Im Dax geht es um das große Ziel 20.000 Punkte. Diese Aktien stehen in den Startlöchern. Eine Kolumne.Anton Riedl 27.09.2024 - 15:28 Uhr aktualisiert
Foto: dpa Picture-Alliance

Die chinesische Notenbank senkt die Leitzinsen um 0,5 Prozentpunkte – schon die zweite Senkung in diesem Jahr. Als Teil eines umfassenden Konjunkturpakets soll damit das zuletzt nur noch marginale Wachstum der chinesischen Wirtschaft wieder in Richtung fünf Prozent gebracht werden. Vor allem der private Konsum und der Immobilienmarkt werden gestützt. 

Am chinesischen Aktienmarkt zündet das ein Feuerwerk: Der Shanghai-Composite-Index hat genau auf dem Niveau des Januar-Tiefs bei 2700 gedreht und ist in einer Woche um zehn Prozent gestiegen. Die große Abwärtstendenz, die am chinesischen Aktienmarkt seit Anfang 2022 besteht, ist zwar noch nicht gebrochen; dennoch ist dies nun schon der zweite, große Anlauf für eine Bodenbildung der Kurse. Auch wenn ein Comeback des chinesischen Aktienmarktes die eine oder andere Investition aus weit gestiegenen westlichen Industrieaktien anlocken dürfte, ist der positive Konjunktureffekt, der sich hier ablesen lässt, eine wichtige Stütze.

Zuallererst zeigt sich das in Amerika. So ist der klassische Dow-Jones-Index schon im August beim allgemeinen Rückschlag der Börsen nicht mehr bis zur 200-Tagelinie zurückgefallen; ein typisches Stärkezeichen. Mit neuen Hoch- und Tiefspitzen hat sich die Aufwärtsdynamik in den vergangenen Wochen verfestigt.

Der erste Anschub kam von der Zinsseite. Nachdem die amerikanische Fed und die europäischen Notenbanken ihre Geldpolitik wieder auf expansiv gedreht haben, wurde schon im August der Absturz der Aktienmärkte schnell aufgefangen. 

Der zweite Schub kommt nun von der konjunkturellen Seite – und dafür sind die neuen Hoffnungen aus China ein wichtiger Beschleuniger. In Amerika ist das Wachstum mit drei Prozent im zweiten Quartal schon bisher robust. Für den Dax ist entscheidend, ob diese Dynamik nun auch auf Europa übergreift.

Die Preise für Kupfer, Silber und Chipaktien sehen vielversprechend aus

Eine Bestätigung für die These von der globalen Konjunkturerholung kommt von den Rohstoffmärkten. Der Kupferpreis, einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren, hat sich deutlich von seinem August-Absturz erholt und könnte bald wieder die Marke von 10.000 Dollar je Tonne erreichen und überschreiten.

Der Silberpreis, der in den vergangenen Wochen im Schatten der Gold-Hausse lief, hat mit 32 Dollar ein entscheidendes Niveau erreicht, von dem aus in den nächsten Wochen eine neue Phase der Kletterpartie starten könnte. In Silber steckt, im Gegensatz zu Gold, eine ausgeprägte Konjunkturkomponente. 

Eine positive Konjunkturindikation gibt auch die jüngste Stärke vieler Chipaktien. Abzulesen ist das am Philadelphia Semiconductor Index, der seinen seit Juli bestehenden Abwärtstrend überwunden hat und nun dynamisch zum alten Hoch ziehen könnte. Allein der Ölpreis sieht mit Preisen von unter 75 Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent noch angeschlagen aus. Doch womöglich steht auch hier bald eine Stabilisierung im Bereich um 70 Dollar auf der Tagesordnung. 

Haben Industrieaktien ihren Tiefpunkt gesehen?

Im Dax zeigt sich die Hoffnung auf ein Comeback der Konjunktur und die hier entscheidende Rolle Chinas besonders bei den Autoaktien. Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW und im Windschatten Continental – alle großen Hersteller kamen zuletzt vor allem wegen schwacher China-Geschäfte unter Druck. BMW-Aktien setzen nun bei 70 Euro zu einer Erholung an, Mercedes-Benz um 55 Euro, Volkswagen am mehrjährigen Tief bei 90 Euro. Auch wenn es sich in allen drei Fällen hier zunächst nur um erste Kursreaktionen in der großen Abwärtstendenz handelt, wäre die konjunkturelle Stabilisierung in den nächsten Monaten genau das Szenario, das die schwer gebeutelten Autoaktien brauchen.

Das gilt auch für Großchemiker BASF. China ist der größte und wichtigste Markt der Branche, auf dem die Ludwigshafener einen wesentlichen Teil ihrer Produktion und ihres Absatzes erzielen. Wie die Fahrzeughersteller steckt auch BASF in einer schwierigen Verfassung, nachdem Unternehmensgewinne und Aktienkurse seit 2018 nach unten zeigen.

Nun hat das Unternehmen unter seinem neuen Chef Markus Kamieth eine Strategieoffensive angekündigt. Die Konzentration auf das chemische Kerngeschäft und die eingeleiteten Sparmaßnahmen dürften mittelfristig sowohl die Marge heben als auch an der Börse gut ankommen.

Weniger gut haben die Märkte zunächst auf die Reduzierung der Dividende reagiert. Dabei will BASF die Gesamtausschüttung im Grunde weiter bei drei Milliarden Euro halten, nur gibt es in Zukunft eine Milliarde davon in Form von Aktienrückkäufen. Jetzt kommt es darauf an, wann diese Rückkäufe beginnen, die offiziell spätestens 2027 einsetzen sollen. Zu viel Zeit sollte sich BASF hier nicht lassen, sonst wäre die neue Variante der Ausschüttung nämlich wirklich eine Dividendenkürzung. Die jüngste Kurserholung vom kurzfristigen Tief bei 44 Euro aus ist ein gutes Zeichen für die nächsten Wochen; ein Anstieg über 47 Euro hinaus wäre ein Kaufsignal.

Neue Wachstumsziele für die Deutsche Post DHL

Von einer allgemeinen Konjunkturerholung würde auch die Deutsche Post profitieren. Bisher überwog an der Börse die Angst vor einem Abrutschen der Wirtschaft, die sich bei Logistikunternehmen in der Regel stark bemerkbar macht. Nun aber sieht es immer mehr danach aus, als ob die DHL Group, wie das Unternehmen unter seinem modernen Namen heißt, wieder auf Wachstumskurs geht. Bis 2030 soll der Umsatz um 50 Prozent zulegen; größere Übernahmen sind nicht geplant. Bei einer kontinuierlichen Entwicklung liefe dies auf ein jährliches Wachstum von etwa sechs Prozent hinaus. Ein solches Plus ist für die Post kein Problem; in guten Jahren hat sie das mehrmals schon spielend übertroffen.

Die Schwierigkeit für die Deutsche Post liegt eher darin, bei Konjunkturrückschlägen nicht zu heftig abzustürzen. Wenn es DHL gelingt, sich im Zuge der neuen Strategie kontinuierlicher zu entwickeln – etwa durch internationale Diversifikation – wäre dies ein wichtiger Vorteil für die Aktie, der letztlich zu einer höheren Bewertung führen sollte. Bei der Dividende ist die Post hier schon auf gutem Weg, als sie für das vergangene rückläufige Jahr die Ausschüttung stabil hielt. Ein Anstieg der Aktie über 42 Euro gäbe für den Kurs Entwarnung; ein Anstieg über 46 Euro wäre ein Kaufsignal.

Aufschwung am Aktienmarkt gewinnt an Breite

Erst der Rückgang der Inflation, dann die expansive Wende in der Geldpolitik und nun die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung. Mit diesem Mix hat sich das Umfeld für die Weltbörsen innerhalb weniger Wochen erheblich aufgehellt.

Dieser positive Stimmungsumschwung zeigt sich in einer immer größeren Marktbreite. So hat hierzulande nicht nur der Dax einen neuen Höchststand erreicht, sondern auch der H-Dax der 100 führenden Werte und der umfangreiche C-Dax, in dem derzeit rund 350 Aktien verrechnet sind.

Im Dax dürften die bisher schon starken Aktien (Allianz, Deutsche Börse, Deutsche Telekom, MTU Aero Engines, Münchener Rück) ihre große Aufwärtstendenz fortsetzen, auch wenn es hier durchaus zu kurzfristigen Konsolidierungen kommen kann.

Dazu gibt es eine Reihe von Einzelwerten, die in einer vielversprechenden Ausgangsposition stehen: 

  • Adidas hat den Ausrutscher auf 210 Euro gut verkraftet und könnte durch sein umfangreiches China-Geschäft nun wieder zu den Gewinnern gehören.
  • Bayer hält sich schon seit acht Monaten zwischen 25 und 30 Euro. Sollte es etwa zu einer positiven Entscheidung des obersten US-Gerichts zum umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat kommen, dürfte ein erlösender Kurssprung über 30 Euro die Folge sein.
  • Die Commerzbank hat mitten im Übernahmekampf durch die italienische UniCredit mit dem Anstieg über 16 Euro ein weiteres Kaufsignal gegeben. Die jüngste Heraufsetzung der operativen Ziele passt gut zum starken Verlauf der Aktie.
  • Vonovia hat durch den jüngsten Anstieg über 30 Euro die große Wende bestätigt. Der Wohnungskonzern profitiert nicht nur von sinkenden Zinsen, sondern auch von der Komplettübernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen.

Fazit für den Dax: Mit dem Anstieg über 19.000 Punkte hat der Dax die seit Frühjahr laufende Konsolidierung mit einem Kaufsignal beendet. Aus der vorangegangenen Anstiegsphase von 17.340 bis 18.930 lässt sich ein theoretisches Potenzial von 9,2 Prozent ableiten. Ausgehend vom jüngsten Tief bei 18.265 ergäbe diese Rechnung Spielraum bis 19.945 Punkte. Praktisch dürfte es in den nächsten Wochen um den Anlauf zur Marke von 20.000 Punkten gehen. Eine weitgehend eingedämmte Inflation, rückläufige Zinsen und womöglich eine sich wieder erholende Konjunktur wären dafür das optimale Umfeld.

Einen Rückschlag unter 18.700 bis 18.800 Punkte indessen sollte es vorerst nicht mehr geben. Das wäre ein Signal, dass am positiven Zins- und Konjunkturszenario etwas nicht stimmt.

Hinweis: Der nächste Dax Radar erscheint erst wieder am 11. Oktober 2024.

Lesen Sie auch: Mit diesen ETFs profitieren Anleger von der neuen Zinswelt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick