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  4. Dax-Kurs aktuell: Dax zwischen Rüstungsboom und US-Risiken

Der Dax ist mit Risiken aus den USA konfrontiert, kann an anderer Stelle aber auch gewinnen.

Foto: dpa Picture-Alliance , imago images

Riedls Dax RadarDax zwischen Rüstungsboom und US-Risiken

Die Aussicht auf neue Mega-Investitionen heizt die Stimmung an der deutschen Börse an. Zugleich kommen aus den USA gefährliche Schwächesignale. An den Märkten stehen hektische Wochen bevor.Anton Riedl 07.03.2025 - 13:20 Uhr

Mit heftigen Kursausschlägen quittiert der Dax die brisante Gemengelage, die sich derzeit aus dem Konflikt in der Ukraine ergibt: Einerseits besteht die Aussicht, dass der Krieg nach drei Jahren beendet werden könnte. Andererseits sind die Europäer zu immensen und kostspieligen Rüstungsanstrengungen gezwungen, weil die USA ihre militärische Hilfe für die Ukraine einstellen.

Wiederum einerseits könnte der mögliche Wiederaufbau der Ukraine für westliche Unternehmen neue Chancen erschließen. Andererseits entsteht mit dem Rückzug der Schutzmacht USA das Risiko, dass Westeuropa allein einem aggressiven Russland gegenüberstehen würde.

Und die Märkte sind mit weiteren Risiken konfrontiert: 

Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump trifft die auf große Absatzmärkte angewiesenen Dax-Exporteure besonders hart, von den Autobauern (Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz) über die Chemie (BASF, Henkel) bis hin zu Pharma (Bayer, Merck). 

Zudem deutet sich an, dass die Zölle nicht nur die direkt betroffenen Unternehmen beeinträchtigen, sondern langfristig auch die US-Wirtschaft selbst schwächen. Das ist umso bedenklicher, als die amerikanische Konjunktur seit einiger Zeit ohnehin an Fahrt verliert und von der Aufbruchsstimmung nach der letztjährigen Wahl kaum noch etwas zu spüren ist. 

Brisanter Mix an den Bond- und Währungsmärkten

Besonders deutlich zeigen sich diese Risiken an zwei zentralen Kurven der weltweiten Finanzmärkte: den zehnjährigen Renditen für amerikanische Staatsanleihen und dem Kursverlauf des Dollars. 

Seit der Wahlentscheidung vom November sind die Renditen der zehnjährigen Bonds von 4,3 auf 4,8 Prozent gestiegen. In diesem Anstieg spiegelte sich auch das Vertrauen wider, das die Märkte dem neuen Präsidenten entgegenbrachten. Seit Mitte Januar aber, etwa mit dem Amtsantritt von Trump, sind die Renditen wieder auf 4,2 Prozent gesunken; aktuell pendeln sie um 4,3 Prozent. Analog dazu entwickelt sich der Dollar-Index DXY, in dem der Greenback mit anderen Währungen verrechnet ist: Auch hier folgte dem Anstieg bis Mitte Januar seitdem ein herber Einbruch. 

Verstärkt wird die Schwäche des Dollar nun durch den jüngsten, sprunghaften Anstieg des Euros. Der wiederum ist die Konsequenz der massiv gestiegenen Renditen im Euroraum. Die liegen wegen der durch die Aufrüstung absehbaren neuen Schuldenbelastung nun nur noch um 1,5 Prozentpunkte unter den lange Zeit wesentlich höheren US-Renditen. Im Dezember betrug dieser Unterschied noch bis zu 2,15 Prozentpunkte. 

Mit bis zu 2,9 Prozent haben die Renditen in der EU nun fast wieder die Spitze von Oktober 2023 erreicht, das höchste Niveau seit 2011. Damit wächst die Gefahr, dass aus dem Hochplateau der Renditen, das sich seit Oktober 2022 zwischen 1,90 und 3,00 Prozent gebildet hat, nur eine Zwischenstation in einer neuen, großen Aufwärtsbewegung werden könnte. Langfristig wäre dann ein Anstieg bis in den Bereich um 5,00 Prozent möglich. Hier lagen von den 1970er-Jahren bis 2008 wichtige Hoch- und Tiefspitzen. 

Starkes Europa oder Schuldendrama?

Positiv interpretiert könnte eine solche Zinsentwicklung durchaus auf eine neue Stärke der EU hinweisen – ausgelöst durch die massivsten Investitionen in Rüstung und Infrastruktur seit dem Ende des Kalten Krieges. 

Negativ betrachtet könnte darin aber auch die Vorwegnahme einer zweiten Inflationsphase stecken, hervorgerufen durch die hohe neue Verschuldung. Das ohnehin von Skeptikern befürchtete Wiederaufflammen der Inflation könnte also durch die dynamische Aufrüstung zusätzlich beflügelt werden. 

Welche Variante sich letztlich herausbilden wird, ist derzeit noch offen. Schon die vergangenen Wochen (starke europäische Aktien, Zinsaufholungsprozess in Europa, Comeback des Euro) haben gezeigt, dass sich die zentralen Marktkurven ganz anders entwickeln können als vielfach erwartet. 

Auf diese vor allem politisch getriebene Marktentwicklung jetzt eine kurzfristige Anlagestrategie auszurichten, heißt auch, sich den Hakenschlägen der globalen Politik auszuliefern. Und die werden derzeit zu einem wesentlichen Teil von der erratischen Politik Donald Trumps bestimmt. 

EZB als Stabilisator für Anleihen und Aktien

Entgegen den Zinssteigerungstendenzen am Anleihemarkt bleibt die Europäische Notenbank ihrer Linie treu und senkt den Leitzins gerade wieder um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. In den nächsten Monaten könnten weitere Senkungen bis in den Bereich von 2,00 Prozent erfolgen. Hintergrund sind die mit 2,4 Prozent moderate Inflation, der anhaltend zähe Konjunkturverlauf in der EU und die Zoll-Risiken im weltweiten Handel. 

Für die Anleihemärkte heißt dies: Während sich die Zinsen am kurzfristigen Ende – also da, wo die Notenbank direkt ansetzen kann – bis auf weiteres nach unten bewegen oder mindestens niedrig bleiben, drängen sie für längere Laufzeiten nach oben. Vorteil dabei: Im Gegensatz zu der lange Zeit vorherrschenden inversen Zinsstruktur (höhere Renditen für kürzere Laufzeiten) ist eine solche wieder steigende Zinsstruktur eine Normalisierung und könnte damit zugleich ein Zeichen für einen möglichen bevorstehenden Aufschwung sein.

Deutsch-amerikanischer Dualismus auch an der Börse

Seit gut zwei Wochen läuft ein seltenes Schauspiel an den Börsen ab. Während die US-Aktienmärkte kräftig an Boden verlieren, ist der Dax auf Rekordkurs. Zeitlich fällt das Auseinanderdriften der beiden Märkte ab 24. Februar genau mit dem Ausgang der Bundestagswahl zusammen. Durch Trumps Zoll- und Ukrainepolitik gab es am 4. März noch einmal einen scharfen Einschnitt, der aber schon einen Tag danach durch die angekündigten Rüstungs- und Infrastrukturausgaben mehr als ausgeglichen wurde. Mit 23.419 Punkten erreicht der Dax am 6. März den bisher höchsten Tagesschlussstand seiner Geschichte. Und dass dabei nun auch der Nebenwerteindex MDax mit seinen eher auf den Heimatmarkt konzentrierten Unternehmen noch viel schneller zulegt als der Dax, spricht für die These von der deutschen Börsenstärke.

Ganz anders sehen die Märkte in Amerika aus. Hier erwischt es derzeit vor allem die Protagonisten der bisherigen Hausse, die großen Technologieaktien, von Alphabet und Amazon bis Microsoft, Nvidia und Tesla. Der Nasdaq-100-Index ist nicht nur unter das Tief vom Januar gerutscht, woraus Skeptiker eine bedrohliche obere Wende in Form eines Doppeltops ableiten. Zuletzt hat er sogar die Durchschnittslinie der vergangenen 200-Tage ein kleines Stück unterschritten. Der viel beachtete Halbleiter-Aktienindex SOX, oft ein Frühindikator der Börsen, hat sogar eine komplette obere Wende ausgebildet. Dow Jones und S&P 500 sind zwar nicht ganz so schwach wie die Hightechs, doch auch hier stehen die Trends auf dem Prüfstand. 

Die größte Hoffnung, die für eine Erholung amerikanischer Aktien ins Feld geführt wird, ist ausgerechnet die große Furcht vor einem weiteren Absturz. Der viel beachtete Fear & Greed Index des amerikanischen Fernsehsenders CNN hat mit einem extrem niedrigen Stand von 17 Punkten den gleichen Tiefstwert wie im August 2024 erreicht. Damals markierte dies auf den Tag genau das Tief der Märkte und leitete von da aus eine Hausse von bisher sieben Monaten ein.

Fazit für den Dax

Auch wenn der deutsche Aktienmarkt ohne Frage ziemlich heiß gelaufen ist und über seine bisher kurzen Korrekturansätze hinaus eine längere Verschnaufpause gut gebrauchen könnte, ist von Schwäche derzeit keine Spur. Bei 33 von 40 Dax-Aktien verlaufen die aktuellen Notierungen oberhalb der 200-Tagelinie. Eine solche Hausse-Quote von 83 Prozent signalisiert schlichtweg einen breiten und starken Markt. 

Sich gegen eine solche Dynamik zu stellen, ist meist wenig sinnvoll. Und sollten sich dann sogar noch die US-Märkte am Stimmungstief wieder erholen, dürfte das auch dem Dax nicht schaden. Insgesamt könnte dieser Mix den Dax in den nächsten Wochen hektisch zwischen 21.000 und 24.000 Punkten schwanken lassen. 

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