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Riedls Dax-Radar
Mercedes Quelle: imago

Nur eine wacklige Kurserholung

Kurzfristig dürften der Dax wieder etwas vorankommen. Doch Trumps Aktivismus und die Gefahr neuer Gewinnenttäuschungen lasten vor allem auf Autoherstellern wie Daimler. Warum die Erholung auf wackligen Füßen steht.

Der Handelskrieg der USA gegen den Rest der Welt ist für die Börsen eine dreifache Hypothek: Er verdüstert die wirtschaftlichen Aussichten bei allen Beteiligten. Er wird bei Unternehmen zu rückläufigen Gewinnen führen, wobei die entsprechenden Herabstufungen bisher noch kaum in den Prognosen stecken. Und er führt zu einem Klima der Unsicherheit und des Misstrauens, Gift für Anlagemärkte.

Als Donald Trump seine Präsidentschaftswahl gewann, stiegen die Kurse, weil es Steuersenkungen gab, die Aussicht auf Konjunkturprogramme und die Hoffnung darauf, dass ein unternehmerischer Präsident gut für Wirtschaft und Märkte sei.

Die spannendsten Aktien im Dax

Den Effekt der Steuersenkung haben die Märkte mittlerweile weitgehend verarbeitet. Von Konjunkturhilfen und Wirtschaftsfreundlichkeit ist kaum noch etwas übrig. Im Gegenteil: So, wie Trump das uramerikanische Unternehmen Harley-Davidson erst als Ikone preist und jetzt mit allen Mitteln bekämpft, gibt es keine Sicherheit mehr gegen Trumps Aktivismus.

Gegenüber Deutschland sagt Trump, die Autoindustrie sei das ganz große Ding im Zollkrieg. Zwei Tage später kommt plötzlich ein Angebot aus den USA, am besten doch ganz auf Zölle zu verzichten. Hauptgegner Trumps ist derzeit China. Doch deutsche Unternehmen sind mittendrin, wenn sich die Zölle hochschaukeln. Vor allem die Autohersteller, die wie Daimler oder BMW groß in den USA produzieren und von hier aus exportieren. Daimler musste deshalb schon eine Gewinnwarnung vom Stapel lassen.

Trump geht mit den Börsen um wie mit Nordkorea

Die Sprunghaftigkeit von Trump bedeutet auch, dass der Handelskrieg schneller beendet sein könnte als gedacht. Blaupause könnte das Verhältnis zu Nordkorea werden: Erst Todfeind, dann überraschende Annäherung und Entspannung – am Ende aber dann doch wieder Ernüchterung.

Für Anleger sind die USA unter Trump zu einem Unsicherheitsfaktor geworden. Es ist wenig wahrscheinlich, dass sich an diesem Hin und Her auf absehbare Zeit etwas ändert. Aktien, die diesem Risiko besonders ausgesetzt sind (im Dax vor allem die Fahrzeugwerte), sind deshalb erst einmal tabu. Auch wenn die Kurse von Daimler oder BMW schon deutlich gesunken sind und mittelfristige Tiefpunkte erreicht haben, ist das Risiko weiterer Rückgänge nicht vom Tisch.

Weil die Autohersteller im vergangenen Jahr Rekordergebnisse eingefahren haben und der Jahresstart nicht schlecht ausfiel, ist das Enttäuschungspotenzial groß. Das ist auch der Grund dafür, dass Bewertung und Dividendenrendite hier mittlerweile verdächtig gut geworden sind. Noch immer rechnen Analysten damit, dass Daimler in diesem Jahr je Aktie 9,20 Euro und im nächsten Jahr 9,40 Euro verdienen werde. Das wäre bis auf einen leichten Dämpfer praktisch Rekordniveau - als ob es den Handelskrieg, den Abgasskandal, die wacklige Konjunktur und den Paradigmenwechsel in der Branche hin zum E-Auto nicht gäbe.

Der Dax hat die jüngste Verschärfung des Handelskriegs bisher vergleichsweise gut überstanden. Nach 1100 Punkten Verlust binnen zwei Wochen hat er zwischen 12.200 und 12.400 Punkten einen kleinen Boden gebildet, den er am Donnerstag (5. Juli) sogar mit einem Kaufsignal nach oben verlassen hat. Prinzipiell ist es ein gutes Zeichen, wenn Märkte in unsicheren Zeiten sogar zulegen.

Entwarnung ist deshalb aber nicht angesagt. Der jüngste Anstieg ist bisher nur eine klassische Erholung nach dem scharfen Einbruch in der zweiten Junihälfte. Von 12.600 bis 12.800 Punkte verlaufen mehrere Hindernisse, vor allem die 200-Tage-Linie, die einen weiteren Anstieg erschweren. Kurzfristig dürfte es wenig wahrscheinlich sein, dass der Dax wieder über 12.800 Punkte kommt.

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