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Riedls Dax-Radar
Bulle und Bär an der Frankfurter Börse Quelle: imago images

Zitterbörse zwischen Konjunkturangst und Kaufsignalen

Trotz schwächerer Wirtschaft und reduzierter Prognosen kann sich der Dax über 11.600 Punkte erst einmal stabilisieren. Vor allem die Hoffnung auf neue Zinssenkungen stützt die Kurse.

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In wenigen Stunden kracht Chipkonzern Infineon an der Börse um fast zwei Milliarden Euro nach unten, weil er eine vermeintlich teure Übernahme anstrebt. Eine heftige Reaktion, in der sich der Pessimismus zeigt, die Angst, die Anleger derzeit immer mehr haben. Dass Infineon mit dieser Übernahme, dem geplanten Zukauf des amerikanischen Halbleiterspezialisten Cypress Semiconductor, auf seinem Kerngebiet (Chips für die Fahrzeugbranche) weltweit Nummer eins werden würde, spielt bei Anlegern dabei kaum noch eine Rolle.

Infineon-Aktien notieren mittlerweile 40 Prozent unter dem Top von vor einem Jahr und werden nur noch mit etwas mehr als dem Doppelten des geschäftlichen Jahresumsatz gehandelt; ein günstiger Preis für ein weltweit führendes Unternehmen, das bei einigen der großen Trends der nächsten Jahre (Mobilität, Internet der Dinge) vorne mitspielen wird.

Die Chip-Branche ist ein zyklisches Geschäft, und derzeit steht sie durch den Handelskrieg zwischen den USA und China zusätzlich unter Druck. An der Schlüsselstellung hochwertiger Halbleiter und deren Bedarf ändert das allerdings nichts. Noch sehen Infineon-Aktien nicht so aus, als ob sie aus dem Stand ihre jüngsten Verluste sofort wieder ausbügeln. Ein weiterer Rückgang in den Bereich um 14 Euro würde nicht verwundern; im Extremfall könnte es sogar einen Ausverkauf in Richtung 12 Euro geben. Doch so oder so: Im Fall Infineon geht es im Wesentlichen nur noch um Restrisiken für den Kurs und um die Frage nach einem günstigen Einstieg oder Wiedereinstieg.

Zu Hilfe käme Infineon ein Comeback der Konjunktur. Hier sieht es bisher noch trübe aus. Die Fixierung auf die Kraftprobe USA gegen China und die Angst vor einer weiteren Eskalation legt sich wie Mehltau auf die Erwartungen der nächsten Monate. Die Commerzbank nimmt die Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Europa 2019 und 2020 zurück, rechnet mit zunehmenden Stockungen in China und kürzt auch die Hochrechnungen für die US-Wirtschaft. Die Bundesbank senkt ihre Prognose für 2020 von 1,6 Prozent auf 1,2 Prozent. Der Druck auf die Rohstoffmärkte, vor allem auf die zentralen Preiskurven Rohöl und Kupfer, spiegelt die Skepsis wider. Der Goldpreis springt an, weil von der Konkurrenz der Zinsen weit und breit nichts mehr zu sehen ist.

An den Anleihemärkten ist diese Tendenz mit Händen zu greifen. Die Hausse im Bund-Future und im Rentenindex Rex geht seit Wochen ohne Unterbrechung weiter. Mit minus 0,28 Prozent hat die Umlaufrendite hierzulande das Allzeittief von 2016 fast erreicht; die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen liegen nicht mehr viel über zwei Prozent.

Die spannendsten Aktien der Woche

Wahrscheinlich war deshalb auch zuletzt die Enttäuschung über die EZB so groß, weil sie in diesem Umfeld eben nicht schon wieder expansiver geworden ist. Dabei hat sie, immerhin, die Zinswende auf der Zeitachse verschoben; dieses Mal bis 2020. Am Zuge wäre jetzt die Fed. Sollten sich in Amerika die Schwächesignale bestätigen, dürfte es im dritten Quartal eine Zinssenkung geben. Weitere Senkungen könnten bis 2020 folgen.

So, wie die Anleihemärkte und die Rohstoffe frühzeitig und heftig die eintrübende Konjunktur vorwegnehmen, ist dies auch auf den Aktienmärkten der Fall. Und das trifft nicht nur sensible Branchen wie die Halbleiter, sondern die ganze Breite der konjunkturempfindlichen Werte: Von den Fahrzeugen, über die Chemie bis hin zu Maschinen und Stahl. Alle zyklischen Aktien im Dax (BASF, BMW, Daimler, Volkswagen, Continental, Covestro, Thyssenkrupp) pendeln derzeit um mittelfristige Tiefpunkte. Auch Henkel gehört derzeit in diese Kategorie, denn – im Gegensatz zum haussierenden Konkurrenten Beiersdorf – haben die Düsseldorfer mit ihrem Kerngeschäft Klebstoffe einen ausgeprägten konjunkturellen Touch.

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