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Stablecoin Wie PayPal Facebook aus dem Kryptoreich fernhalten will

Bei PayPal können Nutzer bereits Krypto-Funktionen anwenden. Quelle: dpa

PayPal will den Krypto-Markt aufmischen und kündigt einen eigenen Stablecoin an. Der Zahlungsdienstleister könnte damit mehr Erfolg haben als Facebook.

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Es ist ein ambitioniertes Projekt, an dem man gerade im kalifornischen San Jose tüftelt. PayPal arbeitet an einem eigenen Stablecoin – eine Kryptowährung, die eins zu eins mit einer Fiatwährung, wie Euro oder Dollar, hinterlegt ist. Dieser Gegenwert soll dafür sorgen, dass der Kurs stabil bleibt und der Coin keinen so starken Schwankungen ausgesetztt ist wie der Bitcoin und andere Cyberdevisen. Stablecoins dienen vor allem als Tauschwährung, um beispielsweise in andere Kryptowährungen zu investieren.

Schon seit einiger Zeit gab es Vermutungen, dass der US-Zahlungsdienstleister einen eigenen Stablecoin zu lancieren plant. Eine geleakte Quellcode-Analyse der PayPal-App hatte das Vorhaben an die Öffentlichkeit gebracht. Nun bestätigte ein auf Kryptowährungen spezialisierter Manager des US-Riesen diese Pläne. Wann genau der PayPal Coin herausgegeben werden soll, ist indes unklar.

PayPal ist nicht das erste Unternehmen, das an einem eigenen Stablecoin arbeitet. 2019 machte der Tech-Konzern Facebook (heute Meta) seine Pläne publik, an einem eigenen Stablecoin zu arbeiten: Libra. Heute heißt der Coin Diem – und wartet immer noch auf sein Marktdebüt. Zahlreiche Gründungspartner – unter anderem PayPal selbst – sind inzwischen ausgestiegen. Doch Facebooks bisheriger Misserfolg muss kein schlechtes Vorzeichen für PayPal sein. Denn die Voraussetzungen des Zahlungsdienstleisters sind besser. PayPals Krypto-Ambitionen könnten letztlich Facebooks Stablecoin Diem deklassieren.
(Auf der Suche nach dem Supercoin: Lesen Sie hier, wozu die alternativen Kryptowährungen neben Bitcoin und Ethereum taugen und wie Anleger mit ihnen spekulieren.)

Über 400 Millionen Menschen weltweit nutzen die Angebote des Zahlungsdienstleisters. Simpel und in Sekundenschnelle können sie so Geld hin und her schicken – teils sogar gebührenfrei und über Ländergrenzen hinweg. „PayPal genießt eine große Kundenakzeptanz. Und der Bedarf einer global nutzbaren Digitalwährung ist längst da“, sagt Oliver Geiseler, Senior Partner beim Beratungsunternehmen Capco und spezialisiert auf Digitalwährungen. „Das dürfte sich unterstützend auf dessen Krypto-Pläne auswirken.“

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    PayPal zieht bereits kryptoaffine Nutzer an

    PayPals Krypto-Offensive würde nicht erst mit dem eigenen Stablecoin beginnen. Schon längst mischt der Zahlungsdienstleister im Kryptomarkt mit. Seit einigen Monaten ermöglicht PayPal Nutzern aus einigen Ländern – darunter die USA und Großbritannien –, mit Kryptowährungen zu handeln. Mit der „Checkout with Crypto“-Funktion können Kunden beim Onlineshopping mit Bitcoin bezahlen. Eine gut ausgebaute Zahlungsinfrastruktur und kryptoaffine Nutzer: Damit sind die Startbedingungen für Paypal besser als sie damals für Facebook waren.



    „Für PayPal wäre es technisch keine Schwierigkeit, den Stablecoin zu lancieren“, so Geiseler. Das Problem liege an anderer Stelle: bei den Regulatoren. Als Facebook seine Krypto-Pläne kundtat, hagelte es harsche Kritik seitens Politik und Finanzregulatoren. Das Geldmonopol sei eine Aufgabe der Staaten und nicht privatwirtschaftlicher Unternehmen. Facebook dürfe keine Zentralbank werden, so das einhellige Echo. Krypto-Berater Geiseler sieht in dem Umgang Facebooks damit den Hauptgrund für das Scheitern Diems: „Facebook hat versucht, sein Libra-Projekt an den Regulatoren vorbei zu realisieren.“

    Anders bei PayPal: Als ein PayPal-Manager zum Wochenbeginn die Stablecoin-Pläne bestätigte, fügte er im Nachsatz gleich hinzu, dass das Unternehmen mit den Regulierungsbehörden kooperieren werde. Der Payment-Dienstleister tritt deutlich zahmer auf und hat ein besseres Image als Meta. Das Unternehmen, zu dem neben Facebook auch WhatsApp und Instagram gehören, gerät unter anderem wegen Datenschutzverstößen immer wieder in die Kritik.

    Auch will PayPal seinen Coin ausschließlich mit Dollar hinterlegen – ein Aspekt, der bei den US-Regulatoren gut ankommen könnte. Facebook hatte ursprünglich geplant, einen gemischten Währungskorb unter anderem aus Dollar, Pfund, Yen und Euro zu nutzen. Davon wich der Tech-Konzern aber mittlerweile ab und plant nun, sich ebenfalls auf die US-Währung zu konzentrieren.

    PayPals Ambitionen unterstreichen: Längst buhlen Tech-Konzerne um die Deutungshoheit im Krypto-Reich. Ob sie dort mit ihrer Marktmacht aber wirklich punkten können, ist noch offen.

    Mehr zum Thema: Der Bitcoin gilt als Primus unter den Kryptowährungen. Einige kleinere Coins haben Potenzial – und könnten für Anleger interessant sein. Warum Anleger Kryptowährungen der zweiten Reihe im Blick halten sollten.

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