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Zschabers Börsenblick
Netflix und Co.: Diese Aktien sollten Sie im Auge behalten Quelle: imago images

Internetgiganten sind das neue Hollywood

Die Medienbranche hat sich in den vergangenen 20 Jahren radikal gewandelt. Manche Unternehmen, die den Markt beherrschen, gab es Mitte der Neunzigerjahre noch nicht einmal. Anleger sollten die Entwicklung im Blick haben.

Früher gab es einmal Termine, die waren heilig. Samstags 20.15 Uhr „Einer wird gewinnen“. Dienstags 21.45 Uhr „Dallas“. Und natürlich jeden Tag Punkt 20 Uhr die „Tagesschau“. Wer Hans Joachim Kulenkampff, J.R. Ewing und Dagmar Berghoff sehen wollte, musste unbedingt zu diesen Zeiten den Fernseher einschalten, musste sich wie das ganze Volk pünktlich vor dem TV-Bildschirm einfinden. Wer zu spät kam, den bestrafte vielleicht nicht das Leben, aber zumindest der Umstand, dass er wichtige Nachrichten oder essentielle Teile der Handlung verpasste. Und Zurückspulen kam nur für Trendsetter in Frage, die einen teuren Videorekorder ihr Eigen nannten.

 Zweistelliges prozentuales Wachstum

Das ist im Jahr 2019 anders. Zwar ist immer noch für viele der 20-Uhr-Termin für die Tagesschau ein Mittelpunkt der Abendgestaltung. Doch der Generationenwechsel wird an diesem Punkt besonders deutlich sichtbar: Der Zuschauer von heute, vor allem der jüngere, hat sich förmlich vom Diktat des TV-Programms befreit. Er schaut Sendungen, Serien und Filme dann, wann und wo es ihm gefällt. Video on Demand heißt das Zauberwort.

Der Markt für abrufbare Inhalte aus dem Internet zu dem Zeitpunkt, zu dem der Nutzer sie konsumieren will, soll nach Angaben von Experten in den kommenden drei Jahren ein durchschnittliches jährliches Wachstum im zweistelligen Prozentbereich aufweisen. Kein Wunder: Rund um die Uhr Filme nach eigenem Geschmack zu schauen, ist für Fans des immer beliebter werdenden Cocoonings, dem Einigeln in den eigenen vier Wänden, in etwa so wie für ein Kind, das nachts im Bonbonladen eingeschlossen wird.

 Die Großen mischen mit

Der Internetriese Google ist mit YouTube ein Gigant in diesem Markt. YouTube hat in den vergangenen Jahren Stars und Sternchen geboren, die als Influencer mehrere Millionen vornehmlich junge Zuschauer mit ihren Channels begeistern. Doch auch andere Internetgiganten mischen kräftig mit. Am Beispiel Apple wird besonders deutlich, wie sich mit verschiedenen Medien – und vor allem mit der Hardware dazu – Geschäfte machen lassen. Die Kombination aus iPod und iTunes sowie die aus iPhone und AppStore haben gezeigt, was in dem Bereich möglich ist. Damit ist der Apfel-Konzern das teuerste Unternehmen der Welt geworden; zeitweise war es über eine Billion Dollar wert. Und selbst wenn es mittlerweile „nur“ noch 880 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage bringt – Apple dürfte den Medienmarkt in den kommenden Jahren mitprägen.

Ähnliches ist Amazon gelungen. Unternehmensgründer Jeff Bezos hat zwar mit einem Online-Buch-Shop begonnen, aber nicht nur dieses Geschäft – etwa über E-Reader Kindle und E-Books – deutlich ausgeweitet. Neben der Expansion zum Internetkaufhaus gelang ihm auch der Wandel Amazons zum Medienunternehmen – mittlerweile bietet der Internetriese (Börsenwert 865 Milliarden US-Dollar) eine ganze Reihe selbst gedrehter Film- und Serienproduktionen an.

Der Pure Player heißt Netflix

Allerdings spiegelt die Entwicklung kaum eines anderen Unternehmens den Wandel des Zuschauerverhaltens so deutlich wider wie Netflix. Einst als DVD-Verleih gestartet, entdeckte das Unternehmen aus Kalifornien als eines der ersten den Reiz des Streamings für den Zuschauer. Heute ist der Konzern dank selbst produzierter Formate ein Konkurrent für die großen Filmstudios in Hollywood.

Die Serie „House of Cards“, die das Thema Skandale im Weißen Haus thematisiert hat, noch bevor es Donald Trump gab, hat ein weltweites Publikum begeistert. Als erste von Netflix produzierte und ausgestrahlte Serie genießt sie bereits heute Kultstatus. Netflix ist mittlerweile gut 160 Milliarden US-Dollar an der Börse wert, ziemlich genau so viel wie das „Old-Economy-Medienunternehmen“ Walt Disney. Zwar ist auch Disney kein Dinosaurier – immerhin hat das Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt und bastelt selber an einem Streaming-Angebot, das seinen reichhaltigen Fundus zwischen „Bambi“ und „Star Wars“ umfasst. Der Pure Player – wie es neudeutsch so schön heißt – in diesem Bereich ist aber Netlfix.

Die Mediengiganten von heute kommen allesamt aus der Internetbranche. Und natürlich sind die Börsenwerte dieser Unternehmen in den vergangenen Jahren schon enorm gestiegen. Das heißt aber nicht, dass Anleger die Entwicklung in diesem Bereich nicht im Auge behalten sollten. Schließlich dreht sich die Welt immer weiter – und an der Börse ärgert man sich über ein Zu-spät-kommen mitunter mehr als bei der Tagesschau.

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