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Zschabers BörsenblickUnd auf einmal laufen europäische Aktien besser als amerikanische

Seit einigen Monaten weist der EuroStoxx 50 eine bessere Performance auf als der US-amerikanische Dow Jones. Warum das so ist und wie Anleger an dieser Entwicklung partizipieren können.Markus Zschaber 11.06.2024 - 11:08 Uhr
Foto: imago images

Wo gibts denn sowas? Europäische Aktien laufen auf einmal besser als amerikanische? Kann nicht sein? Ist aber so. Zumindest wenn man den EuroStoxx 50 und den Dow Jones vergleicht. Seit etwa einem halben Jahr ist die Outperformance des Index der BlueChips aus dem Euro-Raum festzustellen. Kommt dieser auf Sicht von sechs Monaten auf ein Plus von rund zwölf Prozent, sind es beim US-Index „nur“ rund acht Prozent. Die Outperformance ist nicht eklatant, dennoch bemerkenswert, galt und gilt der europäische Aktienmarkt doch eher als Sorgenkind, der amerikanische hingegen als Musterknabe.

Dass es nun quasi zu einem Rollentausch gekommen ist, hat mehrere Gründe. Vor allem die guten Wirtschaftszahlen aus den USA haben dafür gesorgt, dass der US-Aktienmarkt hinter den Europäern zurückgeblieben ist. Das hört sich im ersten Moment widersprüchlich an, denn warum sollte ein Aktienmarkt underperformen, wenn die ökonomischen Zahlen gut sind? Und warum steigen die europäischen Papiere, obwohl Europa eher verhalten wächst, führende Volkswirtschaften wie Deutschland gar mit einer Stagnation kämpfen?

Nun, an der Börse wird gerne mal um die Ecke gedacht, um es mal etwas lax zu formulieren. Denn nicht die Wirtschaftszahlen stehen im Moment so sehr im Fokus, es sind vielmehr die Zinsen. Und deswegen gilt: je schlechter die Zahlen, desto besser. Denn schlechtere Wirtschaftszahlen bedeuten, dass die Zinsen eher fallen könnten als bei guten Daten. Und da die Daten aus den USA besser sind als aus Europa, verfügt der europäische Aktienmarkt nicht nur über eine größere Zinssenkungsfantasie als der amerikanische; die Europäische Zentralbank hat den Leitzins nun auch tatsächlich um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent gesenkt.

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Europäischer Aktienmarkt lockt Kapital an

Für den alten Kontinent spricht auch, dass die europäischen Aktien derzeit attraktiver bewertet sind als ihre Pendants aus Amerika. Einige der im EuroStoxx 50 gelisteten Unternehmen weisen einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnisse aus, was sich auch auf die Bewertung des Gesamtmarktes niederschlägt. Der EuroStoxx 50 Index kommt aktuell auf ein KGV von rund 15, der Dow Jones hingegen auf etwa 24. Beim KGV wird der erwartete Gewinn ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs gesetzt. Das KGV ist nicht immer sehr aussagekräftig, doch die Faustformel „Je niedriger das KGV, desto attraktiver die Bewertung“ hat schon ihre Berechtigung. Zudem hilft das KGV beim Vergleich von Aktien und Indizes untereinander.

Dass der europäische Markt derzeit attraktiver als der amerikanische ist, sieht man auch an den globalen Kapitalströmen. So viel Geld wie im Mai nach Europa geflossen ist, das war zuletzt vor rund eineinhalb Jahren so. Hingegen scheinen sich die Investoren von China abzuwenden, dort wird derzeit im großen Maßstab Geld abgezogen. Die Kapitalflüsse sind das Spiegelbild der Attraktivität von Märkten. Und Europa ist attraktiv.

Was die ganze Sache noch zugunsten des europäischen Aktienmarktes aufwertet ist der Umstand, dass die Investoren trotz der gerade beendeten Europawahl ihr Geld hier anlegt haben. Von der Europawahl ging zwar kurzfristig ein wenig Unsicherheit aus, doch das schien die Investoren nicht großartig irritiert zu haben. Die jüngste EZB-Zinssenkung und die attraktive Bewertung schienen stärker zu wiegen als die politischen Unsicherheiten. Und das lässt durchaus hoffen, dass der EuroStoxx 50 nun auch nach den Wahlen weiter zulegen wird – wenn die Unsicherheit sozusagen vom Tisch ist.

Europa für Anleger

Doch die Outperformance der europäischen Aktien ist kein Selbstläufer und wahrscheinlich auch nicht von ewiger Dauer. Europa hat nun mal einige Konstruktionsmängel, die die USA so nicht aufweisen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die europäische Wirtschaft deutlich an Innovationskraft eingebüßt hat. Europäische Schlüsselindustrien wie Automobil, Pharma oder Luft- und Raumfahrt laufen Gefahr, ihre Position auf den Weltmärkten verlieren. Gleichzeitig kommt Europa bei Zukunftstechnologien wie der Künstlichen Intelligenz weit wenig flott voran wie die USA.

Doch es bestehen auch durchaus Chancen, dass Europa die Schwächen erkennt und nachjustiert. Wie auch immer man es also dreht und wendet, die Outperformance des EuroStoxx 50 könnte sich durchaus noch eine Zeit lang fortsetzen. Für Anleger, die Europa beziehungsweise Aktien aus dem Euro-Raum in ihrem Portfolio als „Gesamtpacket“ berücksichtigen möchten, bieten sich unter anderem ETFs auf den EuroStoxx 50 an.

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