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Anleihegläubiger ausgebootet Wie Anleger in die Insolvenzfalle tappen

Das Ganze wirkt wie ein abgekartetes Spiel: Zahlungsschwache Unternehmen verkaufen für Milliarden Euro Anleihen an Privatanleger. Und dann kommt ein neues Gesetz, das es den Unternehmen leicht macht, diese Anleger flott zu enteignen.

In diesen Branchen gehen die meisten Firmen pleite
Platz 10: Finanz- und Versicherungsdienstleistungen2011 wurde in dieser Branche 902 Insolvenzen registriert. Quelle: Fotolia
Platz 9: Grundstücks- und WohnungswesenDie Branche hat im vergangenen Jahr 1152 Unternehmenspleiten gezählt. Quelle: Fotolia
Platz 8: Sonstige DienstleistungenBei diesen Dienstleistungen (Verbände, Interessensvertretungen, Reparatur von Gebrauchsgütern, Frisöre & Kosmetiksalons) wurden im Jahr 2011 1166 Insolvenzen registriert. Quelle: dpa
Platz 7: Verkehr und LagereiDie Transportbranche (Güter & Personen) zählte im vergangenen Jahr 2 162 Insolvenzen. Quelle: dpa
Platz 6: Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Verarbeitendes GewerbeDie Branche musste im Jahr 2011 2 267 Insolvenzen erleiden. Quelle: dpa
Platz 5: Sonstige wirtschaftliche DienstleistungenDas Geschäft mit Videotheken, Verleihung von Gebrauchsgütern sowie von Arbeitskräften lief 2011 nicht gut - 2 558 Insolvenzen wurden hier gemessen. Insgesamt hat die gesamte Dienstleistungsbranche den höchsten Anteil von Firmenpleiten im Jahr 2011 - 34,9 Prozent aller zahlungsunfähigen Unternehmen stammen aus diesem Wirtschaftszweig. Quelle: dpa
Platz 4: Freiberufliche, wissenschaftliche und technische DienstleistungenWirtschaftsprüfer, Kanzleien, Ingenieursbüros, usw. - im Jahr gab es in diesem Bereich bis zu 3 128 Pleiten. Quelle: Fotolia

Das mit der Energiewende hatte sich Betriebswirt Alfons Busch ganz anders vorgestellt, als er im Sommer 2011 sein Geld in Windenergie investierte. Die Bundesregierung hatte nach der japanischen Reaktorkatastrophe Deutschlands grüne Zukunft ausgerufen und Atomkraftwerke stillgelegt. Busch kaufte die Anleihe der Siag Schaaf Industrie AG. Der Windanlagenbauer aus der rheinischen Provinz war ein globales Unternehmen, Standorte in den USA, Singapur, Asien – was kostet die Welt? Doch im März 2012, acht Monate, nachdem Busch gezeichnet hatte, war Siag zahlungsunfähig. Für Busch wird die Energiewende nun teurer als für jeden Stromkunden. Nach der gerade abgeschlossenen Siag-Sanierung dürfte der 62-Jährige pro 1000 investierten Euro noch drei Euro und 40 Cent zurückerhalten.

Anderen bekam Siag besser: Berater und Anwälte haben gut verdient – die einen bei Auflegung der Anleihe, die anderen bei der Enteignung der Anleger. Auch die Deutsche Kreditbank (DKB), eine Tochter der Bayerischen Landesbank, seit Beginn am Anleihen-Trauerspiel beteiligt, zog sich prächtig aus der Affäre. Während Anleihegläubiger wie Busch mager abgefunden werden, gehen alle Siag-Anteile nun zunächst auf eine Beteiligungstochter der DKB über. Siag wurde einen Berg Schulden los, ist profitabel und muss jetzt nur noch die verbliebenen DKB-Kredite bedienen.

Siag Schaaf

ESUG

Solche Verfahren können Unternehmen heute binnen weniger Monate durchziehen. Möglich macht dies ein seit dem 1. März 2012 geltendes neues Gesetz zum Insolvenzrecht, das „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“ (ESUG). Sein Kern: Unternehmen in Schieflage können sich drei Monate unter einen Schutzschirm flüchten.

In dieser Zeit sollen sie einen Sanierungsplan erarbeiten und sind vor Gläubigern geschützt. Im Unternehmen übernimmt nicht ein vom Gericht eingesetzter unabhängiger Insolvenzverwalter die Regie, sondern der Vorstand darf weitermachen. Ihm wird ein „Sachwalter“ zur Seite gestellt, den er in der Regel selbst bestimmt. Binnen drei Monaten muss ein Rettungsplan entwickelt werden. Danach wird das Insolvenzverfahren eröffnet, innerhalb dessen das Unternehmen saniert werden soll. Gewählt haben diesen Weg neben Siag Schaaf etwa Solarzulieferer SiC Processing, das Solarunternehmen Solarwatt und Immobilienentwickler WGF.

Weitgehend vom Unternehmen gesteuerte Sanierung

Die weitgehend vom Unternehmen gesteuerte Sanierung geht, das kristallisiert sich bei den bisher nach dem neuen Verfahren abgewickelten Insolvenzen von börsennotierten Unternehmen heraus, vor allem zulasten der Anleger. Die haben über drei Milliarden Euro in rund 70 börsennotierte Mittelstandsanleihen gepumpt. Damit die Anleger anbissen, haben Unternehmen ihnen Zinskupons bis 11,5 Prozent versprochen – selbstmörderische Zinssätze, die immer mehr nicht erwirtschaften können; Belastungen, die viele gerne wieder loswürden. Anwaltskanzleien und Berater, kritisieren Investoren, ziehen derzeit durch die Lande und preisen das neue Gesetz als Königsweg zur Entschuldung an.

Die bayrische Dependance der renommierten Kölner Wirtschaftskanzlei Görg etwa präsentierte jüngst bei einem Mandantenfrühstück ihren Klienten „Neue Chancen der Sanierung“. Über den Dächern von München, mit Panoramablick auf die Frauenkirche und die Kuppel der Theatinerkirche, wussten die insolvenzerfahrenen Anwälte Erfreuliches zu berichten.

"Enteignung" der Aktionäre "denkbar"

Diese Unternehmen machten nach der IPO dicht
HessKaum vier Monate nach dem Börsengang ist der Leuchtenhersteller Hess pleite. "Die Hess AG ist zahlungsunfähig", stellte der neue Alleinvorstand Till Becker fest und kündigte den Gang zum Insolvenzgericht an. Verhandlungen mit dem Großaktionär, der Familie Hess, über eine Kapitalspritze waren ebenso gescheitert wie Gespräche mit neuen Investoren. Diese fürchten die Risiken von Klagen verärgerter Aktionäre, die seit Oktober fast ihren ganzen Einsatz verloren haben. Vorstandschef Christoph Hess und Finanzvorstand Peter Ziegler waren vor drei Wochen unter dem Verdacht der Bilanzfälschung geschasst worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bei dem Unternehmen aus Villingen-Schwenningen im Schwarzwald wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs durch falsche Angaben im Börsenprospekt. "Aufgrund der Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Anlegerklagen bestehen auch keine hinreichenden Aussichten auf eine kurzfristige Eigen- beziehungsweise Fremdkapitalzufuhr durch Investoren", teilte der Hersteller von Straßenlaternen mit. Mit dem Insolvenzantrag rund vier Monate nach der IPO stellt Hess einen traurigen Rekord auf. So schnell gingen nicht einmal die Unternehmen vom Neuen Markt pleite. Quelle: dpa
GigabellAm 11. August 1999 ging der Internet- und Telefonanbieter Gigabell mit Sitz in Frankfurt an die Börse. Der Emissionspreis der Aktie lag bei 38 Euro, nur wenig später war das Papier - der Dotcom-Euphorie sei Dank - mehr als 130 Euro wert. Dann geriet das Unternehmen ins Trudeln. Am 15. September 2000 meldete Gigabell Insolvenz an. Damit begann das Ende des Nemax und der deutschen Dotcom-Blase. Quelle: dpa
Biodata Information TechnologyAuch das in der IT-Sicherheit tätige Unternehmen Biodata hielt nicht viel länger durch. Der Anbieter von Verschlüsselungssoftware und Netzwerkkomponenten ging im Jahr 2000 an die Börse. Die Aktie, ausgegeben zu 45 Euro, erreichte schon am ersten Tag astronomische Höhen von 300 Euro und mehr. Der Höchstkurs lag bei 439 Euro. Nur hatten diese Summe nichts mit dem tatsächlichen Wert des Unternehmens zu tun, Biodata schrieb laufend Verluste. Im November 2001 meldete das Unternehmen dann Insolvenz an. Quelle: dpa
Kabel New Media1993 gründete Peter Kabel das Unternehmen Kabel New Media, mit dem er 1999 auch an die Börse ging. Das Beratungsunternehmen erlitt ein ganz ähnliches Schicksal wie andere im Nemax gelisteten Firmen und hinkte mit den tatsächlichen Umsätzen den Entwicklungen an der Börse hinterher. Die Folge: Im Juli 2001 stellte das Unternehmen den Insolvenzantrag, am ersten September 2001 wurde das Verfahren eröffnet. Gegen Geschäftsführer Kabel ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Insiderhandels, der Kursmanipulation und Insolvenzverschleppung. Im Juni 2007 stellt das Amtsgericht Hamburg das Verfahren gegen Peter Kabel wegen gegen eine Geldauflage von rund 14.000 Euro ein. Quelle: dpa
Brain InternationalDas Softwareunternehmen Brain International ging im Jahr 2000 im Segment "Neuer Markt" an die Börse. Nur zwei Jahre später, am 30.8.2002 eröffnete das Amtsgericht Freiburg das Insolvenzverfahren für die drei Gesellschaften Brain International AG, Breisach, Brain Automotive Solutions GmbH und Brain Industries Solutions GmbH.
Ceyoniq Die Bielefelder Softwarefirma Ceyoniq hielt nach dem Börsengang noch gut vier Jahre durch: 1998 wagte das Unternehmen den Schritt aufs Parkett, 2001 rutschte es in die Verlustzone. Rund 90 Millionen Euro Miese machten die Bielefelder, wiesen aber sämtliche Pleitegerüchte von sich. Auch die Aktie ging auf Talfahrt - bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Jahr 2002 hatte das Papier bereits 98 Prozent seines Wertes eingebüßt. Die Vorstände der Ceyoniq AG kamen wegen Betrugsverdachts vorübergehend in Untersuchungshaft.
ComroadAuch Bodo Schnabel, Gründer der Comroad AG, beendete seine Karriere am neuen Markt in einer Zelle. Das Unternehmen, das Navigationsgeräte herstellte, startete am 26. November 1999 erfolgreich am Neuen Markt in Frankfurt und gehörte bald zu den Topwerten im Nemax. Anfang 2002 wurde dann bekannt, dass Comroad im großen Stil Scheingeschäfte getätigt hatte - und das bereits seit 1998. Rund 95 Prozent der Umsätze waren erfunden. Im April 2002 wurde Comroad wegen Bankrotts geschlossen, Vorstandsvorsitzender Schnabel landete in Untersuchungshaft. Quelle: dpa

Vorteil der Restrukturierung in der Insolvenz sei, dass eine „Entschuldung der Gesellschaft auch gegen den Willen von Gläubigern und Aktionären möglich“ sei. Eine „Enteignung“ der Altaktionäre, beispielsweise durch die Umwandlung von Schulden in Aktien (Debt to Equity-Swap), sei „denkbar“. Weiterer Vorteil: „In der Regel“ sei ein „höherer Haircut“ möglich. Dürfte heißen: Anleiheanleger müssen auf mehr Geld verzichten als außerhalb der Insolvenz. Gelobt wurde die Schnelligkeit des Verfahrens. Das Risiko, dass Gläubiger sich gerichtlich gegen den Insolvenzplan wehrten, sei „seit ESUG erheblich reduziert“.

Die Idee hinter der Gesetzesreform ist durchaus honorig: Die Bundesregierung wollte es Unternehmern ermöglichen, ihren Betrieb selbst zu sanieren – schon bevor das Unternehmen endgültig zahlungsunfähig ist. Nach altem Recht hielt die Angst, die Kontrolle über die Firma völlig zu verlieren, viele Chefs davon ab, zum Insolvenzgericht zu gehen. Erst wenn die Pleite unabwendbar war, beantragten sie Konkurs – zu spät: Betriebe kollabierten, Jobs gingen verloren. „Wenn wir als Insolvenzverwalter in die Unternehmen kamen, war für die Gläubiger oft nicht mehr viel zu holen“, sagt der erfahrene Berliner Verwalter Rüdiger Wienberg.

Die Reform sollte das ändern: Der Chef kann selbst einen Insolvenzplan zu Papier bringen, in dem steht, wie saniert werden soll. Sein Sachwalter wird zwar vom Gericht benannt, aber er darf ihn vorschlagen. Der Sachwalter hat eine schwächere Position als ein vorläufiger Insolvenzverwalter in herkömmlichen Verfahren: Der Insolvenzverwalter muss Geschäftsentscheidungen zustimmen, der Sachwalter überwacht die Geschäftsführung nur.

Kritik von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger

Dass er denen gegenüber, die ihm diesen Job verschafft haben, nicht allzu streng auftritt, liegt nahe. Wenn in einem Unternehmen die kreditgebenden Banken oder Großaktionäre Schlüsselstellungen besetzt haben, besteht die Gefahr, dass Sachwalter und Management vor allem in deren Sinne handeln.

Banken, Hedgefonds und andere Finanzunternehmen hätten „Insolvenzverfahren als unregulierten Nebenmarkt entdeckt“, warnt der Verband der Insolvenzverwalter VID. „Damit sind neue Player ins Spiel gekommen, die nicht primär an Sanierung interessiert sind, sondern ausschließlich an kurzfristigem Gewinn – zum Schaden der Gläubiger.“ Und Daniel Bauer, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), kritisiert: „Das neue Insolvenzrecht ist nichts anderes als ein gesetzlicher Anreiz, eine Rückzahlung nicht vorzunehmen. Es ist für Unternehmen nun höchst attraktiv, aktiv ein Insolvenzverfahren einzuleiten.“

Nur ausgewählte Investoren

Wo Deutsche investieren – und wovor sie sich fürchten
Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone und die Probleme rund um Griechenland haben bei den deutschen Sparern ihre Spuren hinterlassen. Bei der Geldanlage sind die Deutschen heute deutlich vorsichtiger gestimmt, als zu Beginn der Finanzkrise. Das ist das Ergebnis des fünften Schroders Investmentbarometers. Auf den folgenden Seiten zeigen wir, wo die Deutschen ihr Geld heute investieren - und wovor sie sich fürchten. Quelle: Schroders Investment Management GmbH Quelle: REUTERS
EuropaDie Untergangspropheten für den Euro haben ganze Arbeit geleistet. Mittlerweile sehen 40 Prozent der deutschen Anleger Europa als die Region mit dem höchsten Risiko. Damit liegt der europäische Staatenverbund vor allen übrigen Regionen und Ländern. Die gestiegene Risikoaversion macht sich auch bei der Geldanlage der Deutschen bemerkbar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Investitionen in Europa um 15 Prozent zurückgefahren. Als sicher sehen die Deutschen im Moment nur ihr eigenes Heimatland. Gerade einmal 3 Prozent der deutschen Sparer würden ihr Geld nicht in der Bundesrepublik investieren. Quelle: dapd
ImmobilienImmobilien gelten momentan als einer der sichersten Anlagen. In den europäischen Metropolen überteigt die Nachfrage oftmals das Angebot. Dadurch klettern die Preise seit Jahren auf immer neue Rekordwerte. Auch für viele deutsche Anleger sind trotz der Krise Immobilien der Fels in der Brandung. 32 Prozent halten europäische Immobilien für besonders sicher. Quelle: dpa
AktienmärkteDas ständige Auf und Ab an den europäischen Aktienmärkten hielt viele deutsche Anleger in den letzten Jahren von einem Investment ab. Gerade einmal jeder fünfte Kleinanleger investierte sein Erspartes in Aktien. Trotzdem werden europäische Aktien von 21 Prozent der Befragten als sicher eingestuft. Quelle: dapd
DeutschlandDie Vorliebe für Deutschland als Anlageregion ist mit der Sorge um die Euro-Zone gestiegen. Mittlerweile investieren mehr als 80 Prozent der Befragten den größten Teil ihres Geldes in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von neun Prozent. Dagegen sehen die Deutschen internationale Anlagen als zu risikoreich. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten gab an, keine Inventionen im Ausland tätigen zu wollen. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
AsienDie asiatischen Länder mussten sich im letzten Jahr mit einem geringeren Wachstum zufrieden geben. Trotzdem sehen 46 Prozent der deutschen Anleger die Region als Wachstumsmarkt von morgen an. Das heißt aber nicht, dass sie dort auch tatsächlich investieren. Der Anteil der Anleger, die in der Region (ohne China und Japan) investiert sind, schrumpfte von fünf auf ein Prozent. Quelle: dapd
ChinaKnapp 20 Prozent der deutschen Privatanleger halten eine Investition in China für sinnvoll. Die Zahl der in China investierten Anleger halbierte sich dennoch im vergangenen Jahr von vier auf zwei Prozent. Quelle: AP

In einigen Fällen, etwa beim Holzverarbeiter Pfleiderer, wurden auch Aktionäre enteignet. Der Hedgefonds Atlantik hatte Pfleiderer-Schulden aufgekauft und einen Kapitalschnitt durchgesetzt. Das Aktienkapital wird dabei auf null heruntergesetzt, die alten Aktien sind wertlos. Dann folgt eine Kapitalerhöhung, die nur ausgewählte Investoren zeichnen dürfen. Ihnen gehört dann das Unternehmen.

Am Ende müssen zwar auch nach neuem Recht Anleger und Aktionäre über den Insolvenzplan abstimmen. Dabei aber werden sie in Gruppen eingeteilt: Aktionäre, Agentur für Arbeit, Lieferanten, Finanzierer, Anleihegläubiger. Geht der Plan bei der Mehrheit der Gruppen durch, gilt er als angenommen. Insolvenzrechtler Guido-Friedrich Weiler von der Kanzlei Brennecke & Partner nennt die Tricks: „Die Kunst bei einem Insolvenzplan liegt darin, die Gruppen so zu gestalten, dass ich am Ende die gewünschten Mehrheiten bekomme. Ich schreibe meine Insolvenzpläne bewusst so, dass Gläubiger, von denen ich Gegenstimmen erwarte, möglichst Gruppen zugeordnet werden, in denen sie überstimmt werden können.“

Nachdem Anwälte und Unternehmer die ersten Verfahren nach neuem Recht durchgepeitscht haben, wird nun langsam deutlich: Die Einzigen, die gestärkt aus den Verfahren hinausgingen, waren Banken und kapitalstarke Investoren. Die Verlierer des neuen Gesetzes sind Anleihekäufer, Aktionäre und Steuerzahler.

Vertraute Manager in Schlüsselpositionen

Der Fall Siag, in dem ein Unternehmen nur acht Monate nach der Anleiheemission pleiteging, macht das allzu deutlich. Die DKB hat hier offenbar ihr vertraute Manager in Schlüsselpositionen installiert und so das Beste für sich herausgeholt. Die Bank bestreitet das, sie sieht sich als Retterin, die „das Fortbestehen der Siag“ besonders durch einen Kredit zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes ermöglicht habe. Fest steht aber: Die DKB hat das Trauerspiel um den Siag-Bond von der Wiege bis zur Bahre begleitet.

Bei Licht betrachtet hätte es die Anleihe nie geben dürfen: 2011, Siag hatte das letzte Geschäftsjahr mit einem operativen Verlust von 17 Millionen Euro abgeschlossen, brauchte das Unternehmen dringend Geld. Das sollten Anleger leihen – und tappten in die Falle. Werte lagen nicht bei der Holding, der die Anleihezeichner ihr Geld gaben, sondern bei Töchtern.

Die Anleihe kam im Juli 2011. Siag bot neun Prozent Zins, wollte 50 Millionen einsammeln, bekam aber nur 13 Millionen.

Kredite der DKB

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben. Quelle: gms
Senioren sind Top-AnlegerDer Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren. Quelle: gms
Freud und Leid bei den AnlegernTrotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte ( 48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden. Quelle: dpa
Festgeld und Tagesgeld besonders beliebtIm laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen. Quelle: gms
Frauen mögen Festgeld und meiden AktienWährend Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar. Quelle: dpa
Potenzial für Immobilien und GoldNeben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen. Quelle: obs
Geringe Risikobereitschaft bei der AnlageTrotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit. Quelle: gms

Der Aufsichtsrat musste die Emission absegnen. Zwei der sechs Aufsichtsräte waren Banker: DKB-Vorstand Rolf Mähliß und DKB-Direktor Mario Hotz, zuletzt bei Siag sogar Aufsichtsratschef. Die DKB sagt, es unterliege der „Geheimhaltungspflicht“, ob die DKB-Leute im Aufsichtsrat für die Anleihe gestimmt hätten. Dass sie sich gegen das für Anleger selbstmörderische Papier gewehrt haben, ist unwahrscheinlich – standen doch bei Siag Kredite der DKB im Feuer, zuletzt 27,6 Millionen Euro. Die Einnahmen aus der Anleihe seien dann auch auf ein Konto bei der DKB geflossen, beteuert Ex-Siag-Chef Rüdiger Schaaf.

Die DKB stellte bei Siag nicht nur zwei Aufsichtsräte und war Gläubigerin des Millionenkredits, sie hielt über ihre Beteiligungstochter MVC auch gut 23 Prozent der Anteile. Trotzdem erkannte die Bank nicht, dass die Schulden für Siag zu hoch waren – oder die DKB nahm das eben in Kauf. Acht Monate nach der Emission, im März 2012, reichte Siag den Insolvenzantrag ein.

Zunächst nach altem Recht – das neue ESUG war gerade erst ein paar Tage alt. Als vorläufigen Insolvenzverwalter setzte das Amtsgericht Montabaur Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner ein. Mitte April aber beschloss der Siag-Aufsichtsrat offenbar, das Verfahren selbst in die Hand zu nehmen. Siag stieg von einem herkömmlichen Insolvenzverfahren in eines in Eigenverwaltung um. Plathner wurde zum Sachwalter degradiert. Auf die Schlüsselposition des Sanierungsvorstands – der alte Vorstand war mittlerweile abberufen – setzte der Aufsichtsrat den Dresdner Rechtsanwalt Andrew Seidl.

Der Anwalt und die DKB

Welche Unternehmen den Laden dicht machen
RenaDer Niedergang hatte sich bereits abgezeichnet: Das Unternehmen Rena, das Maschinen für die Solarindustrie fertigt, litt seit längerem unter schwindendem Absatz. Allein im dritten Quartal 2013 vermeldete das Unternehmen einen Verlust in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Im Februar dann musste Unternehmenschef Jürgen Gutekunst die Pleite der Tochtergesellschaft SH+E verantworten. Gutekunst will das Unternehmen nun in Eigenregie sanieren. Ob, wann und wie viel ihrer Einlagen Anleihegläubiger jedoch wiedersehen werden, darüber will das Unternehmen derzeit noch keine Angaben machen. Insgesamt stehen 77 Millionen Euro auf dem Spiel, die Anleger dem Unternehmen in den Jahren 2010 und 2013 auf Etappen geliehen hatten. Klaus Nieding, Kapitalanlagerechtler und Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft empfiehlt Anleihegläubigern jetzt, mit einer Stimme zu sprechen: „Die Anleihegläubiger sollten ihre Interessen bündeln, um als große Gläubigergruppe ihre Interessen im Restrukturierungsverfahren durchzusetzen.“ Nieding rechnet damit, dass „die Gesellschaft zügig an die Anleihegläubiger mit einem Restrukturierungsplan herantreten und eine Anleihegläubigerversammlung einberufen wird“. Quelle: dpa
Münchener AbendzeitungSie stand in den 80er Jahren Pate erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters" - jetzt steht sie vor dem Aus. Die AZ hat am 5. März 2014 einen Insolvenzantrag gestellt. Sinkende Anzeigenerlöse, sinkende Leserzahlen und hohe Druckkosten seien der Grund, sagte Herausgeber Johannes Friedmann. 110 Mitarbeiter sind betroffen, davon rund 50 in der Redaktion. „Es gab kaum jemals ein gutes Jahr in der Abendzeitung“, seitdem er 1986 die Geschäfte übernommen habe, sagte Friedmann. Man hätte den Schritt „schon viel früher gehen müssen - vor zehn Jahren.“ Ein Investor ist nicht in Sicht. Der Süddeutsche Verlag, an dem die Familie Friedmann mit 18,75 Prozent beteiligt, hat kein Interesse an einer Übernahme. Auch von Dirk Ippen, der den „Münchner Merkur“ und die Münchner Boulevardzeitung „tz“ verlegt scheint nicht interessiert. AZ-Herausgeber Friedmann sieht auch im Internet einen Grund für die Probleme der Abendzeitung: „Das, was eine typische Boulevardzeitung ausmacht, ist (...) durch das Internet weitgehend bedeutungslos geworden.“ Quelle: dpa
Zamek Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller hat am 25.2.2014 Insolvenz angemeldet. Der 1932 gegründete Familienbetrieb produziert mit rund 520 Beschäftigten in Düsseldorf und Dresden, Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, die sich - oft auch als Eigenmarken - in den Supermarktregalen wiederfinden. Zwei Sanierungsexperten der auf Konkursverfahren spezialisierten Kanzlei Metzeler von der Fecht sowie zwei weitere Anwälte betreuen Zamek als vorläufige Sachwalter. Die Geschäfte laufen vorerst weiter. Das Unternehmen befindet seit längerem in Turbulenzen. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wies Zamek einen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro aus. Die Umsätze brachen um acht Prozent auf knapp 74 Millionen Euro ein. Mehrheitsgesellschafter Bernhard Zamek hatte im Oktober 2013 „drastische Einsparmaßnahmen“ und den Abbau von weiteren 85 Stellen angekündigt. Außerdem wollte er Teile der Produktion nach Polen verlagern. An der Spitze sollte der Sanierungsexperte Reiner Wenz für frischen Wind sorgen. Er ersetzte im Februar Geschäftsführerin Petra Zamek. Doch gelang es ihm offenbar nicht mehr schnell genug, das Steuer herumzureißen. Quelle: dpa
Strauss InnovationFür die insolvente Warenhauskette interessieren sich rund ein Dutzend Investoren Außerdem sollen nicht zukunftsfähige Standorte bis zur Mitte des Jahres geschlossen werden. Dies berichtet die "Rheinische Post". Strauss Innovation hatte am 30. Januar 2014 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens eingereicht. Betroffen sind 1400 Mitarbeiter in 96 Filialen und 59 deutschen Städten. Das Unternehmen gehört dem US-Investor Sun Capital, dem auch der Versandhändler Neckermann gehörte. Strauss möchte zunächst einen eigenen Insolvenzplan vorlegen, bevor in drei Monaten das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet wird. Schuld an der Misere sollen die Wetterkapriolen im vergangenen Jahr sein. Das Frühjahr war zu kalt - Gartenmöbel & Co. blieben stehen - der Winter zu mild - auch die warmen Socken und Daunenjacken blieben hängen. Quelle: dpa
Kaiser GmbHDrei Monate nach dem Insolvenzantrag (12.12.2013) stellt der bayerische Automobilzulieferer die Weichen für die Zukunft. Der Betrieb laufe stabil und man habe neue Aufträge eingeholt, so Insolvenzverwalter Michael Jaffé, bekannt durch die Sanierung des Wohnwagen-Herstellers Knaus Tabbert. Die rund 650 Mitarbeiter im Stammsitz in Aicha vorm Wald und Straßkirchen-Salzweg erhalten seit Februar wieder reguläre Lohn und Gehalt. Die Suche nach Investoren läuft. Jaff´: "Es gibt mehrere Interessenten, die sich (...) mit einem Einstieg bei Kaiser befassen. Unser Ziel ist es, bis Jahresmitte eine dauerhafte Fortführungslösung zu realisieren." Kaiser erwirtschaftet rund 90 Millionen Euro Umsatz und lieferte 2012 rund 24 Millionen aus - darunter Airbag- und Antriebs-Komponenten, Bremsscheiben und –trommeln, Gehäuse für ABS, Kupplung, Getriebe, Hinterachsen und Zylinderblöcke. Alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer ist der Gründer Klaus-Peter Kaiser. Von 2000 bis 2008 wuchs Kaiser rasant und verdreifachte nahezu den Umsatz. Nach dem krisenbedingten Einbruch in 2009 hatte der Zulieferer zuletzt wieder an dieses Wachstumstempo anknüpfen können - das reichte allerdings nicht aus, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Quelle: Screenshot
Weltbild VerlagDas insolvente Medienunternehmen bekommt einen neuen Investor. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gab dem Düsseldorfer Familienunternehmen Droege International Group den Zuschlag und brach die Verhandlungen mit dem Münchner Finanzinvestor Paragon Partners ab. Gemeinsam werde man die Sanierung mit dem geplanten Abbau von Stellen und Buchläden fortsetzen: "Die Restrukturierung für sich ist noch nicht abgeschlossen." Droege zeichnet eine Kapitalerhöhung von 20 Millionen Euro und erhält im Gegenzug eine 60-prozentige Beteiligung. Die übrigen 40 Prozent hält Geiwitz für die Gläubiger. Nach den bisherigen Plänen sollen 167 Filialen erhalten bleiben, die Zahl könnte aber weiter schrumpfen. Weltbild hatte am 10. Januar 2014 Insolvenz beantragt. Der Aufsichtsrat sah keine Finanzierungsmöglichkeit für eine Sanierung. Noch sind 2100 Mitarbeiter bei Weltbild beschäftigt. Der Augsburger Verlag war eines der größten Medienhäuser in Europa und gehörte zwölf katholischen Diözesen in Deutschland, dem Verband der Diözesen Deutschlands sowie der katholischen Soldatenseelsorge in Berlin. Weltbild litt zuletzt auch unter der Konkurrenz des US-Giganten Amazon. Konkreter Auslöser für die aktuellen Schwierigkeiten war nach Unternehmensangaben ein Umsatzrückgang in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14. Quelle: dpa
Das börsennotierte Unternehmen getgoods AG mit Sitz in Frankfurt (Oder) geht in Insolvenz. Vorstandschef Markus Rockstädt-Mies: "Am Donnerstag haben wir Insolvenz für unsere Vertriebsgesellschaft angemeldet. Am Freitag erfolgt die Insolvenzanmeldung für die AG. Ob weitere Tochtergesellschaften ebenso den Weg der Insolvenz gehen, wird noch geprüft." Der Geschäftsbetrieb des Online-Händlers mit rund 200 Mitarbeitern werde jedoch weiter gehen. Auf einer Mitarbeiterversammlung wolle der eingesetzte Insolvenzverwalter über das weitere Vorgehen informieren. "Parallel dazu läuft die Investorensuche. Dazu gab und gibt es hoffnungsvolle Gespräche", sagte Rockstädt-Mies. Quelle: Presse

Ob die DKB Seidl ins Verfahren geholt habe, wollte die Bank nicht sagen. Das seien „Angelegenheiten des Aufsichtsrates“, die der „Geheimhaltungspflicht“ unterlägen. Fest steht: Die DKB und Seidl sind alte Bekannte. 2009 begleitete Seidl die Insolvenz der ae group, eines Metallverarbeiters aus dem Portfolio der DKB-Tochter MVC.

2012 arbeiteten Seidl und die DKB im Verfahren um die Frühstücksflockenfirma Dailycer Hand in Hand.

Dort gab es einen Heidenkrach, weil die DKB einen überlebenswichtigen Kredit an die Person Seidl geknüpft hatte. In einem Brief der DKB heißt es, dass das „gewährte Massedarlehen“ unter der Bedingung stünde, dass Seidl Sachwalter bleibe. Ein Massekredit dient dazu, den Geschäftsbetrieb trotz Insolvenz aufrechtzuerhalten. Im Gegenzug wird das Geld später vor anderen Forderungen bedient.

Da Seidl nun per Richterbeschluss raus war, schrieb die DKB, dass sie gezwungen gewesen sei, „den Massekredit für die Dailycer Deutschland Produktions GmbH fällig zu stellen“. Die Bank sieht darin kein Problem. Sie habe bei Abschluss des Kreditvertrages eine gängige Klausel vereinbart und später ausgeübt.

Mittlerweile wurde vom Gericht ein Sonderinsolvenzverwalter eingesetzt, der das Geflecht durchleuchtet und dem Vernehmen nach nun einen Millionenbetrag von der DKB fordern will. Die DKB sieht allerdings nach „erster vorläufiger juristischer Einschätzung gegenwärtig keine ausreichende Anspruchsgrundlage“. Ein Gutachten des ehemaligen Vorsitzenden des Bundesgerichtshofes, Gerhard Ganter, auf das sich der Sonderinsolvenzverwalter stützt, kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis.

Die Bank gewinnt

Fest steht: Über den Aufsichtsrat kam bei Siag der DKB-nahe Anwalt Seidl als Sanierungsvorstand in die Schlüsselposition. Er durfte den Insolvenzplan schreiben, in dem festgelegt wird, wie das Unternehmen saniert werden soll. Laut Plan verzichtet die Bank zwar auf zwei Drittel ihrer Forderungen. 8,6 Millionen Euro aber soll die neue Siag Industrie GmbH der Bank noch zurückzahlen – und das, obwohl knapp sieben Millionen davon bei der Siag Schaaf AG genauso wenig besichert waren wie die Anleihen.

Die DKB wehrt sich gegen den Vorwurf, die Bank sei bessergestellt worden als Anleihegläubiger. Sie verfüge „über Sicherheiten bei den Tochtergesellschaften“. Und Seidl rechtfertigt, die DKB sei wirtschaftlich ins Risiko gegangen und habe den laufenden Betrieb trotz Insolvenz finanziert. „Besserstellung der sanierungsbereiten Gläubiger gibt es in fast sämtlichen Insolvenzplanverfahren“, sagt Seidl.

Operativ profitabel

Gefährliche Mittelstands-Anleihen an der Börse
Mehrere Pakete des alkoholischen Getränks Underberg liegen auf einem Haufen Quelle: Creative Commons-Lizenz
Hemden des Herstellers Seidensticker Quelle: PR
Produkte des Nahrungsmittelherstellers Zamek Quelle: PR
Schalkes-Fans feuern den FC Schalke 04 an Quelle: dpa
Katjes Yoghurt Gums Quelle: dpa/dpaweb

Er dürfte für die Bank trotzdem einen guten Deal herausgeschlagen haben. Sie bekommt über ihre Tochter MVC ein um 100 Millionen Euro entschuldetes Unternehmen, das operativ profitabel arbeitet. Und ihre verbliebenen Kredite sind nach Abschütteln der anderen Gläubiger nun sicherer geworden.

Verlierer könnten, neben den Anlegern, auch die Steuerzahler sein: Die Nord/LB in Hannover hat die Siag-Tochter Nordseewerke in Emden mit rund 70 Millionen Euro finanziert. Für 50 Millionen davon bürgt das Land Niedersachsen, zudem hat die Bank 95 Prozent der Anteile an den Nordseewerken als Sicherheit bekommen. Die Werke sollen nun für rund 20 Millionen Euro an die Schweizer DSD Steel verkauft worden sein. Für die noch offenen 50 Millionen Schulden aber könnte Niedersachsen in die Bresche springen müssen. Das Finanzministerium in Hannover will das nicht kommentieren.

Ebenfalls unter den Schutzschirm des neuen Gesetzes geschlüpft, aber ein deutlich größerer Brocken als Siag, ist SiC Processing. Das Unternehmen, das Flüssigkeit (Sägesuspension) aus der Fotovoltaik- und Halbleiterindustrie aufbereitet, hat gut 82 Millionen Euro bei Anleihegläubigern ausstehen. Vor Weihnachten beantragte SiC ein Insolvenzverfahren nach neuem Recht – und verkündete, danach stehe man „unter Gläubigerschutz und müsste die Anleihezinsen zum 1. März nicht bedienen“. Der Scheck fiel aus, Anleger warten auf rund 5,7 Millionen Euro Zinsen. „Die Gesellschaft will das Verfahren nutzen, um sich von den Anleihegläubigern zu verabschieden“, sagt Frank Günther von der Münchner Beratung Günther & Partner.

SiC Processing

Hohe Forderungen im Millionenbereich

Günther & Partner haben nach eigenen Angaben Forderungen „im hohen zweistelligen Millionenbereich“ angemeldet. Vergangene Woche hat Günther eine vorgezogene Gläubigerversammlung beim Insolvenzgericht beantragt. „Auf der wollen wir darüber entscheiden, ob die Insolvenz in Eigenverwaltung aufrechterhalten bleiben soll“, sagt er. Alternative wäre eine herkömmliche Insolvenz mit einem unabhängigen Insolvenzverwalter. Ob die Anleihegläubiger die durchbekommen, ist nicht klar. Günther sieht für die von ihm vertretenen Gläubiger, darunter mehrere hundert Privatanleger, aber eine „solide Mehrheit“ auf der Gläubigerversammlung.

SiC wird von dem skandinavischen Finanzinvestor Nordic Capital kontrolliert, der Vorsitzende des Beirats von SiC sowie der „Chief Restructuring Officer“ und Allein-Geschäftsführer sind Skandinavier. Letzterer trat im November an die Stelle der zwei alten Vorstände, denen er den Abschied aus der ersten Führungsebene versüßte. Ihre Verträge wurden bis Ende 2015 verlängert, als „Gesamtprokuristen“ dürfen sie im Unternehmen bleiben.

Bilanzielle Überschuldung

Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Anleger argwöhnen, Nordic Capital könnte SiC absichtlich unter den Schutzschirm geführt haben. „Unternehmen können über Abschreibungen quasi selbst die Insolvenz herbeiführen“, sagt Michael Kollenda von der Münchner Vermögensverwaltung Salutaris, der SiC-Anleihen hält. „Und SiC hat Auslandsbeteiligungen massiv abgeschrieben.“ Tatsächlich meldete SiC Mitte Januar Abschreibungen auf Tochtergesellschaften von fast 100 Millionen Euro – „wobei diese Zahl noch geprüft werden muss“, so SiC wörtlich. Diese führten zum Verlust von mehr als der Hälfte des Eigenkapitals. Das heißt üblicherweise bilanzielle Überschuldung, vulgo: Pleite.

Wären die lästigen Anleihegläubiger nicht, hätte SiC Processing durchaus gute Überlebenschancen – und Nordic Capital demnächst ein weitgehend entschuldetes und vor allem in China erfolgreiches Unternehmen in der Hand. Berater Günther schrieb Anlegern jüngst, dass der chinesische Solarkonzern Yingli als wohl größter Kunde von SiC für 2013 ein Volumenwachstum von 40 Prozent erwarte. SiC besitze eine große Fabrik in Baoding, wo Yingli etwa 70 Prozent seiner Produktionskapazität habe: „Die Nachfrage nach SiC-Recycling-Dienstleistungen sollte daher in einem ähnlichen Maße steigen“, so Günther.

Folgt man den vom Unternehmen veröffentlichten Informationen, erwartet die Anleihesparer laut Günther eine Insolvenzquote von zwei bis drei Prozent. Wegen des China-Geschäfts pocht Günther aber auf eine deutlich höhere Quote.

Die Schrecken der Anleger 2012
 Eine EU-Fahne weht am 09.04.2010 über der Akropolis in Athen. Quelle: dpa
Die Notenbanken gehen vorDie nächste Ungleichbehandlung liegt in der Bevorzugung der Notenbanken vor den Privatanlegern: „Weil sich die Notenbanken dem Schuldenschnitt  per Umcodierung ihrer griechischen Anleihen entziehen konnten, erhöhte sich auf der anderen Seite die Belastung für die verbliebenen Anleiheinhaber. Die mittlerweile eingereichten Schadensersatzklagen richten sich jedoch nicht nur gegen den griechischen Staat, sondern auch gegen die Depotbanken selbst. Führende Rechtsexperten vertreten hier die Auffassung, dass Finanzinstitute beim erzwungenen Umtausch ihre Pflichten als Verwahrer von Wertpapieren möglicherweise strafrechtlich verletzt hätten.“ Quelle: dpa
Der Libor-SkandalDer in der breiten Öffentlichkeit Aufsehen aufsehenerregendste Fall von Anlegertäuschung im abgelaufenen Börsenjahr war die aufgeflogene Manipulation des Zinssatzes Libor, zu dem sich die Banken in allen wichtigen Währungen untereinander kurzfristig Geld leihen. Geprellt wurden Kreditnehmer, die entweder zu hohe Zinsen zahlen mussten oder weniger Zinsen auf ihre Einlagen erhielten. Dass der täglich neu festgelegte Libor von einem Kartell an Banken und Zinshändlern im Zeitraum 2005 und 2009 regelmäßig manipuliert werden konnte, ohne dass jemand einschritt, ist ein Skandal. Erst in diesem Jahr wurde die als treibende Kraft identifizierte Barclays Bank zu einer Geldstrafe von umgerechnet 370 Mio. Euro verklagt. Quelle: REUTERS
Geldwäsche bei der HSBC?Neben dem Libor-Skandal trugen weitere Großbanken zum fortschreitenden Imageverlust der Finanzbranche bei. So rechnet HSBC wegen systematischer Geldwäsche für mexikanische Drogenbarone und mögliche Terrorhelfer in Saudi-Arabien mit einer Strafzahlung von mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar. Quelle: dpa
A man walks into the JP Morgan headquarters at Canary Wharf in London Quelle: REUTERS
Der Fall EnBW - Landesregierung muss zahlenHierzulande lieferte der kostspielige Rückkauf von 45 Prozent der Anteile des Versorgers EnBW durch die ehemalige Regierung von Baden-Württemberg ein Musterbeispiel für die Verflechtung von Banken und Politik. Dabei wird gegen den ehemaligen Regierungschef von Baden-Württemberg Stefan Mappus wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Ihm wird vorgeworfen,  gegenüber dem mit ihm befreundeten Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley in einen zu hohen Kaufpreis an den französischen Stromkonzern EdF eingewilligt zu haben, ohne dass ein Wertgutachten angefertigt wurde. Die finanziellen Kosten für die neue Landesregierung in Stuttgart sind beträchtlich. So versucht sie in einem langwierigen Schiedsgerichtsverfahren, von EdF eine Teilerstattung des Kaufpreises zu erstreiten. Darüber hinaus muss sie zusätzliche Zinszahlungen in ihrem Haushaltsbudget einplanen, weil der Kaufpreis für die EnBW-Anteile über eine neue Anleihe finanziert wurde. Dabei sollten die anfallenden Zinsen dauerhaft durch die EnBW-Dividenden getragen werden - was nach der Dividendenkürzung infolge des Gewinneinbruchs von 2011 jedoch nicht mehr möglich ist. Quelle: dpa
Geldvernichtung mit Solar-AktienDer Preisverfall in der Solarindustrie hat mittlerweile zahlreiche deutsche Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Dabei benachteiligen die für die Sanierung eingeleiteten Kapitalmaßnahmen häufig die Alteigentümer.  So hat das frühere TecDax-Mitglied Conergy Bankkredite durch einen Kapitalschnitt in neues Eigenkapital umgewandelt und die Alteigentümer damit praktisch enteignet. Der zurzeit mit Abstand spektakulärste Fall ist die Insolvenz der Solar Millennium aus Erlangen, die sich mit Großprojekten in der Solarthermie finanziell verhoben hatte. Die Aktionäre der Gesellschaften werden vermutlich leer ausgehen. Die  Inhaber von fünf noch ausstehen Anleihen im Volumen von 220 Mio. Euro, die weiterhin auf die Ausschüttung der Insolvenzquote warten, werden ebenfalls massive Verluste ihres Investments hinnehmen müssen. Quelle: dapd

Düstere Sonnenanleihe

Ganz so viel wie beim Solarmodul- und Systemanbieter Solarwatt wird es aber kaum werden: Hier bekamen Anleger 16 Prozent. 160 Euro von einst eingezahlten 1000 sind immer noch schäbig, für ein Insolvenzverfahren aber schon relativ viel.

Solarwatt stellte diese Quote denn auch gebührend heraus: Mitte Oktober meldete das Unternehmen, es sei „vollständig saniert“. Anleger bekämen bei Insolvenzverfahren im Durchschnitt nur 3,6 Prozent ihrer Forderungen. 16 Prozent, wurde suggeriert, seien da doch ganz wunderbar. Doch die 3,6 Prozent führten in die Irre. Im Insolvenzplan stand, dass Solarwatt-Anleger bei einer klassischen Insolvenz 12,6 Prozent bekommen hätten. Das aber erwähnte Solarwatt geflissentlich nicht.

Schnelldurchgang bei Solarwatt

Solarwatt

Anleiheemission, Insolvenzverfahren, Sanierung: Solarwatt hat alles im Schnelldurchgang gemacht. Nicht mal eineinhalb Jahre nach dem Anleihe-Börsengang eröffnete das Amtsgericht Dresden am 1. August die Insolvenz, seit November wird das von Solarwatt herzig „Sonnenanleihe“ getaufte Papier nicht mehr gehandelt.

Solarwatt-Großaktionär (vor der Pleite mit 36,3 Prozent) ist der BMW-Erbe Stefan Quandt. Weil er sich mit den übrigen Aktionären nicht auf eine Kapitalerhöhung für das von der Solarkrise getroffene Unternehmen einigen konnte, nutzte Solarwatt als eines der ersten Unternehmen das neue Gesetz. Angesichts der Tatsache, dass zu den Gesellschaftern so finanzstarke Investoren wie Quandt und eine Tochter der Bank Sarasin gehörten, fragten Anlegerschützer der SdK im „Schwarzbuch Börse“, „warum hier überhaupt die Anleiheinhaber zur Sanierung des Unternehmens herangezogen werden müssen“.

Am Ende nahm Quandt fünf Millionen Euro in die Hand, gab weitere fünf Millionen Kredit bis Ende 2018 und bekam dafür das ganze Unternehmen. Ob das ein gutes Geschäft für ihn war, wird sich zeigen.

Praktiker

Fest steht aber schon jetzt, dass die Banken – Postbank, IKB und wieder DKB – gut davonkommen. Sie verzichteten nicht, sondern setzten nur die Tilgung der Kredite aus. Dass sie bei einer regulären Insolvenz ebenso glimpflich davongekommen wären, ist längst nicht ausgemacht. Für Banken war die Sanierung „ein Geschenk des Himmels“, so die SdK. Die Anleihesparer seien sie los, die Chance auf Rückzahlung ihrer Kredite steige deutlich.

Kanzlei Görg

Doppelt gut im Geschäft war bei Solarwatt die Kanzlei Görg. Sie hatte im November 2010 die Bondemission mit sieben Anwälten „vollumfänglich begleitet“, dazu gehörte auch das Schreiben des 235 Seiten starken Emissionsprospekts. Nach der schnellen Pleite waren die Anwälte noch drin im Thema – und bekamen ein Mandat im Schutzschirmverfahren. Wieder fanden sieben Görg-Anwälte Beschäftigung.

Den Insolvenz- und Anleihespezialisten wird die Arbeit nicht ausgehen, die nächsten Problemfälle für Anleihesparer deuten sich bereits an. Die Gläubiger des Baumarktkonzerns Praktiker etwa haben bereits vorsorglich einen gemeinsamen Vertreter gewählt. 2012 war das Unternehmen knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Praktiker plante schon mal, weniger Zins auszuzahlen.

Finanzielle Lage etwas entspannt

Solarworld

Inzwischen hat sich die finanzielle Lage zwar etwas entspannt. Der neue Vorstandschef Armin Burger treibt die Umstellung zahlreicher Praktiker-Märkte auf die Schwester-Marke Max Bahr voran. Ob das Experiment gelingt, ist aber offen. Wenn Praktiker am 28. März die Bilanz für 2012 präsentiert, erwarten Analysten einen Nettoverlust in dreistelliger Millionenhöhe. Geht es in diesem Tempo weiter, könnte es für das Unternehmen bald erneut eng werden.

Leidtragende wären neben den Aktionären auch die Anleiheinvestoren. Erst vor zwei Jahren hatte Praktiker einen Bond im Volumen von 250 Millionen Euro emittiert. Praktiker galt damals als breit aufgestellter Heimwerkerkonzern, der zwar Verluste schrieb, aber über die profitable Tochter Max Bahr verfügte. Anleger investierten unter diesen Vorzeichen – doch der vermeintliche Rettungsanker Max Bahr hielt nicht. Der Praktiker-Ableger wurde im vergangenen Jahr als Sicherheit für eine neue Kreditlinie verpfändet. Sollte der Konzern dereinst tatsächlich in die Pleite trudeln, bliebe den Gläubigern wohl kaum mehr als die Verwertung einer Holdinghülle.

Noch schlimmer aber sieht es bei den erneuerbaren Energien aus. Bei Windreich durchsuchte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation, Chef Willi Balz zahlte schon mal Gehälter aus eigener Tasche. Solaranbieter Solen will Anleger bei seiner 50-Millionen-Anleihe am 3. April um Nachlass bitten und nur 25 Prozent der Zinsen überweisen.

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Der nächste große Fall bei den erneuerbaren Energien aber dürfte Solen, SiC Processing oder Siag Schaaf weit in den Schatten stellen: Im Januar, kurz bevor die Meldung aufpoppte, er habe Entertainer Thomas Gottschalk ein Schloss für über fünf Millionen Euro abgekauft, hatte Solarworld-Chef Frank Asbeck „gravierende Einschnitte“ bei Anleihen angedeutet. Am vergangenen Dienstag verschob er die Veröffentlichung seiner 2012er-Bilanz.

Es geht insgesamt um über eine Milliarde Euro Schulden, davon 543 Millionen in Anleihen und über 350 Millionen in Schuldscheindarlehen. Hedgefonds haben die Schuldscheine, die wie die Anleihen nur noch zu Preisen um die 20 Prozent gehandelt werden, längst aufgekauft.

Ähnlich wie bei SiC Processing formieren sich die Bond-Gläubiger bereits. Und Solarworld hat Anwalt Hans-Gerd Jauch von Görg engagiert, der auch Insolvenzverwalter von Arcandor ist. Es ist alles bereitet für den Sonnenuntergang.

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