Bitcoin, Dogecoin und Co.: Elon Musk und das Krypto-Wunder
Der "Dogefather": Elon Musk gilt als großer Fan der Spaß-Kryptowährung Dogecoin.
Foto: REUTERSFolsom, Pennsylvania, wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl: Auf seiner Trump-Werbetour durch den wichtigen Swing State hält Musk einen Vortrag an der Ridley School. Natürlich geht es auch um seine Rolle in einer möglichen Trump-Administration. Ein Teilnehmer will wissen, ob Musk Trumps Vorschlag annehmen wolle, eine Abteilung zu leiten, die die Verschwendung von Steuergeldern bekämpfen soll. Das sogenannte „Department of Government Efficiency“. Musk antwortet nur: „Ja. DOGE.“
Mit diesen zwei Worten katapultierte Musk den Kurs der Spaß-Kryptowährung Dogecoin mal eben so zweistellig nach oben. Eine Kursparty, die nach dem Wahlsieg Trumps noch heftiger werden sollte – und die die Performance des Bitcoin sogar deutlich in den Schatten stellt. Seitdem hat sich der Wert des Dogecoin – der ursprünglich gegründet worden war, um sich über die Krypto-Szene lustig zu machen – verdoppelt.
Seit Mittwoch ist klar: Musk bekommt tatsächlichen einen Beraterjob in der kommenden Trump-Regierung. Die rund 200 Millionen Dollar, die der Tesla-Chef in Trumps Wahlkampf gepumpt hat, zahlen sich aus. Unter dem neuen Präsidenten locken stattliche Subventionen für Musks E-Autobauer Tesla und sein Weltraum-Start-up SpaceX. Mögliche Interessenkonflikte? Wen interessiert's.
Musk gilt in der Krypto-Branche als Taktgeber. Immer wieder löste er in der Vergangenheit mit seinen Posts auf dem Kurznachrichtendienst X (früher Twitter) Kurskapriolen bei Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen aus. Manche Investoren richten ihre Anlagestrategie ausschließlich nach dem aus, was der „Dogefather“ dort von sich gibt.
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Bitcoin-Boom in der Tesla-Bilanz
Musk ist für Trump aber nicht nur ein hilfreicher Adjutant, um die Krypto-Szene für sich zu erwärmen. Der Tesla-Chef dürfte dabei auch den einen oder anderen finanziellen Hintergedanken haben. Trump hat angekündigt, die aggressive Krypto-Regulierungspolitik der aktuellen Regierung zu beenden und die USA zum Hotspot für digitale Währungen machen zu wollen. Davon würden auch der Tech-Star und sein Unternehmensimperium profitieren.
Zum einen – natürlich – über Kurssteigerungen bei Cyberdevisen. Über Tesla ist Musk nämlich selbst dick in Bitcoin investiert. Im jüngsten Quartalsbericht Ende September weist der E-Autobauer eine Bitcoin-Position im Wert von 184 Millionen Dollar aus. Nur: Bislang darf Tesla die Kursgewinne noch nicht in der Bilanz verbuchen.
Sollten unter einem Präsidenten Trump die Rechnungslegungsvorschriften geändert werden, dürfte das auf einen Schlag viele Millionen auf Teslas Gewinnseite hieven: Mittlerweile wäre die Position fast eine Milliarde Dollar wert – sie würde noch wertvoller, sollte die Bitcoin-Rally weitergehen.
Auch das Damoklesschwert der US-Börsenaufsicht dürfte unter einer Trump-Regierung nicht mehr über Musk schweben. Immer wieder bezichtigen Kritiker den Tech-Milliardär wegen seiner kurstreibenden Äußerungen zu Kryptowährungen der Marktmanipulation. Würde ein Unternehmer solche Schwankungen bei einer Aktie verursachen – zumal er selbst mit vielen Millionen investiert ist –, wäre es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich die Finanzaufsicht einschaltete.
Musk plant Allzweck-App
Bislang ist es dazu nicht gekommen – und die Gefahr sinkt mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus auf ein Minimum. Im Wahlkampf hatte der Präsident in spe bereits angekündigt, den als Hardliner geltenden Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, direkt am ersten Amtstag zu feuern. Experten erwarten eine kryptofreundlichere Nachfolge.
Und Musk hat bereits weitere Pläne. Schon seit längerem will er die defizitäre Plattform X in eine Allzweck-App umbauen, mit der man Arztbesuche organisieren, Taxis buchen und Zahlungen abwickeln kann. Sollte das funktionieren, wäre es ein ernsthafter Angriff auf Marktführer PayPal. Die Vermutung liegt nahe, dass Musk hierfür auch einen eigenen Stablecoin konstruieren könnte.
Ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, die an einen anderen Wert wie den Dollar gekoppelt ist. Eine Idee, die Trump in den USA weiter vorantreiben will – und mit der wiederum Musk dann Kasse machen könnte. Branchenkennern zufolge ist kaum ein Segment im Krypto-Bereich so lukrativ wie Stablecoins: Musk könnte damit nicht nur an Gebühren verdienen, sondern die Einlagen der Kunden zwischenzeitlich anlegen und Rendite erwirtschaften.
Immer vorausgesetzt, dass seine Freundschaft mit Donald Trump die nächsten Monate überdauert; beide Männer sind bekanntermaßen recht wankelmütig. Dann wäre es wohl schnell wieder vorbei mit dem neuen Krypto-Wunder.
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