1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Geldanlage
  4. Bitcoin, Dogecoin und Co.: Elon Musk und das Krypto-Wunder

Bitcoin, Dogecoin und Co.Elon Musk und das Krypto-Wunder

Der Tesla-Chef gilt als Sprachrohr der Krypto-Szene. Vom baldigen „Bitcoin-Präsidenten“ Trump dürfte er profitieren – wenn der eine Sache anpackt.Philipp Frohn 14.11.2024 - 18:34 Uhr

Der "Dogefather": Elon Musk gilt als großer Fan der Spaß-Kryptowährung Dogecoin.

Foto: REUTERS

Folsom, Pennsylvania, wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl: Auf seiner Trump-Werbetour durch den wichtigen Swing State hält Musk einen Vortrag an der Ridley School. Natürlich geht es auch um seine Rolle in einer möglichen Trump-Administration. Ein Teilnehmer will wissen, ob Musk Trumps Vorschlag annehmen wolle, eine Abteilung zu leiten, die die Verschwendung von Steuergeldern bekämpfen soll. Das sogenannte „Department of Government Efficiency“. Musk antwortet nur: „Ja. DOGE.“

Mit diesen zwei Worten katapultierte Musk den Kurs der Spaß-Kryptowährung Dogecoin mal eben so zweistellig nach oben. Eine Kursparty, die nach dem Wahlsieg Trumps noch heftiger werden sollte – und die die Performance des Bitcoin sogar deutlich in den Schatten stellt. Seitdem hat sich der Wert des Dogecoin – der ursprünglich gegründet worden war, um sich über die Krypto-Szene lustig zu machen – verdoppelt.

Seit Mittwoch ist klar: Musk bekommt tatsächlichen einen Beraterjob in der kommenden Trump-Regierung. Die rund 200 Millionen Dollar, die der Tesla-Chef in Trumps Wahlkampf gepumpt hat, zahlen sich aus. Unter dem neuen Präsidenten locken stattliche Subventionen für Musks E-Autobauer Tesla und sein Weltraum-Start-up SpaceX. Mögliche Interessenkonflikte? Wen interessiert's.

USA

Musk und Trump bauen sich eine Welt, wie sie ihnen gefällt

Elon Musk verhilft Donald Trump zum Wahlsieg und darf nun die Ernte einfahren: Milliarden neuer Umsätze und das Geld für eine Marsmission.

von Thomas Stölzel, Martin Seiwert und Matthias Hohensee

Musk gilt in der Krypto-Branche als Taktgeber. Immer wieder löste er in der Vergangenheit mit seinen Posts auf dem Kurznachrichtendienst X (früher Twitter) Kurskapriolen bei Bitcoin, Ethereum und anderen Kryptowährungen aus. Manche Investoren richten ihre Anlagestrategie ausschließlich nach dem aus, was der „Dogefather“ dort von sich gibt.

Bitcoin-Boom in der Tesla-Bilanz

Musk ist für Trump aber nicht nur ein hilfreicher Adjutant, um die Krypto-Szene für sich zu erwärmen. Der Tesla-Chef dürfte dabei auch den einen oder anderen finanziellen Hintergedanken haben. Trump hat angekündigt, die aggressive Krypto-Regulierungspolitik der aktuellen Regierung zu beenden und die USA zum Hotspot für digitale Währungen machen zu wollen. Davon würden auch der Tech-Star und sein Unternehmensimperium profitieren. 

Zum einen – natürlich – über Kurssteigerungen bei Cyberdevisen. Über Tesla ist Musk nämlich selbst dick in Bitcoin investiert. Im jüngsten Quartalsbericht Ende September weist der E-Autobauer eine Bitcoin-Position im Wert von 184 Millionen Dollar aus. Nur: Bislang darf Tesla die Kursgewinne noch nicht in der Bilanz verbuchen.

Kryptowährungen

Die Bitcoin-Rally ist zu krass

Bitcoin hat die 100.000-Dollar-Marke im Blick. Die Dynamik der Rally aber ist beängstigend. Es wäre Zeit für eine Korrektur – eigentlich. Ein Kommentar.

Kommentar von Philipp Frohn

Sollten unter einem Präsidenten Trump die Rechnungslegungsvorschriften geändert werden, dürfte das auf einen Schlag viele Millionen auf Teslas Gewinnseite hieven: Mittlerweile wäre die Position fast eine Milliarde Dollar wert – sie würde noch wertvoller, sollte die Bitcoin-Rally weitergehen.

Auch das Damoklesschwert der US-Börsenaufsicht dürfte unter einer Trump-Regierung nicht mehr über Musk schweben. Immer wieder bezichtigen Kritiker den Tech-Milliardär wegen seiner kurstreibenden Äußerungen zu Kryptowährungen der Marktmanipulation. Würde ein Unternehmer solche Schwankungen bei einer Aktie verursachen – zumal er selbst mit vielen Millionen investiert ist –, wäre es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich die Finanzaufsicht einschaltete.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Musk plant Allzweck-App

Bislang ist es dazu nicht gekommen – und die Gefahr sinkt mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus auf ein Minimum. Im Wahlkampf hatte der Präsident in spe bereits angekündigt, den als Hardliner geltenden Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, direkt am ersten Amtstag zu feuern. Experten erwarten eine kryptofreundlichere Nachfolge.

Und Musk hat bereits weitere Pläne. Schon seit längerem will er die defizitäre Plattform X in eine Allzweck-App umbauen, mit der man Arztbesuche organisieren, Taxis buchen und Zahlungen abwickeln kann. Sollte das funktionieren, wäre es ein ernsthafter Angriff auf Marktführer PayPal. Die Vermutung liegt nahe, dass Musk hierfür auch einen eigenen Stablecoin konstruieren könnte.

Ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, die an einen anderen Wert wie den Dollar gekoppelt ist. Eine Idee, die Trump in den USA weiter vorantreiben will – und mit der wiederum Musk dann Kasse machen könnte. Branchenkennern zufolge ist kaum ein Segment im Krypto-Bereich so lukrativ wie Stablecoins: Musk könnte damit nicht nur an Gebühren verdienen, sondern die Einlagen der Kunden zwischenzeitlich anlegen und Rendite erwirtschaften.

Immer vorausgesetzt, dass seine Freundschaft mit Donald Trump die nächsten Monate überdauert; beide Männer sind bekanntermaßen recht wankelmütig. Dann wäre es wohl schnell wieder vorbei mit dem neuen Krypto-Wunder.

Lesen Sie auch: Bitcoin auf Allzeithoch – so können Sie von der neuen Krypto-Ära profitieren

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick