Bitcoins in der Schweiz Schweizer Stadt Zug wird zum Bitcoin-Pionier

Im Bürgerbüro den neuen Personalausweis mit Bitcoins zahlen? In Deutschland ist das bislang noch undenkbar. Aber vergleichbare Dinge sollen ab 1. Juli in der Stadt Zug in der Schweiz möglich sein - in einem Pilotprojekt.

Ein Bitcoin mit QR-Code-Beleg. Quelle: REUTERS

Als international erste Behörde akzeptiert die Verwaltung im schweizerischen Zug die Digitalwährung Bitcoin. Die wohlhabende Kommune am Zugersee schreibe damit Geschichte, berichtete die „Neue Zürcher Zeitung“ am Dienstag. Zunächst weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit hatte der Zuger Stadtrat bereits am 3. Mai beschlossen, im Rahmen eines Pilotprojekts ab dem 1. Juli Bitcoins für Leistungen des Einwohneramtes bis zu 200 Franken (180 Euro) als Zahlungsmittel anzunehmen.

Man wolle damit für Firmen der digitalen Finanzbranche ein Zeichen setzen, erklärte Stadtpräsident Dolfi Müller. „Das ist weltweit das erste Mal, dass auf staatlicher Ebene Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert werden“, sagte Niklas Nikolajsen, Geschäftsführer der Bitcoin Suisse AG, der Zeitung.

In der Region Zug haben sich in den vergangenen Jahren mehr als 15 Firmen der digitalen Finanzbranche angesiedelt. Mit Blick auf das Silicon Valley in Kalifornien wird sie bereits „Crypto Valley“ genannt - in Anlehnung an den Begriffs Kryptowährung für digitale Zahlungsmittel. Bitcoins kommen bislang vor allem bei Zahlungen im Internet zum Einsatz. Abgesichert werden die teils kontrovers diskutierten Transaktionen durch die sogenannte Blockchain-Technologie. Mit ihr experimentieren auch traditionelle Finanzfirmen, weil die dezentrale Speicherung der Daten Transaktionen sicherer machen kann.







EZB experimentiert mit Technologie hinter Cyber-Währung

Erst Ende April hatte die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt, die digitalen Verfahren hinter der Internet-Währung genauer unter die Lupe zu nehmen: "Wir sind sicherlich offen für neue Technologien und haben wie andere Marktteilnehmer einige experimentelle Arbeiten gestartet", sagte EZB-Direktor Yves Mersch. Die EZB wolle untersuchen, ob die sogenannte DLT-Technologie, auf der die Cyber-Währung beruht, auch von den Notenbanken der Euro-Zone eingesetzt werden könne. Bitcoins sind eine rein virtuelle Währung, die an speziellen Börsen gehandelt wird. Viele Finanzexperten trauen solchen virtuellen Bezahlsystemen große Zukunftschancen zu. Banken könnte dadurch neue Konkurrenz erwachsen.

Welche Zahlungsmittel Europäer bevorzugen
Das Geschäft mit dem Versenden von Geld über Smartphone-Apps lockt jetzt auch etablierte Banken an. Die Deutsche Kreditbank (DKB) kooperiert dafür mit dem Startup Cringle. Pro Monat kann ein Nutzer bis zu 100 Euro über die Cringle-App verschicken, abgewickelt wird die Zahlung per Lastschrift von der DKB. Pro Transaktion werden 20 Cent fällig, zum Start wurde die Gebühr auf 10 Cent gekappt. Das neue Angebot trifft bereits auf Wettbewerb im Markt. So bietet der Online-Bezahldienst PayPal seit Juli das Versenden von Geld über seine Smartphone-App in Deutschland an. Für Kunden, die ihren PayPal-Account mit einem deutschen Bankkonto verknüpft haben, ist das Angebot kostenlos, bei Kreditkarten wird eine Gebühr fällig. In vielen europäischen Ländern tun sich moderne Bezahlsysteme jedoch noch so schwer... Quelle: dpa
ÖsterreichOhne Bargeld geht in Österreich gar nichts. 86 Prozent bezahlen an der Kasse in bar, 12 Prozent mit EC-Karte. Eine Kreditkarte kommt nur in einem Prozent der Fälle zum Einsatz. Auf sonstige Alternativen wie Schecks, PayPal, Lastschrifteinzug oder Ähnliches entfällt insgesamt nochmal ein Prozent. Quelle: Deutsche Bundesbank; Europäische Kommission; Deloitte (Stand: 2014) Quelle: dpa
PolenIn Polen werden 80 Prozent der Bezahlvorgänge an der Kasse bar beglichen. Eine EC-Karte nutzen –ähnlich wie in Österreich – 13 Prozent der Bevölkerung. Immerhin werden auch drei Prozent der Bezahlvorgänge durch Kreditkarten abgewickelt. Auf die alternativen Zahlungsmittel entfallen vier Prozent. Quelle: dpa
DeutschlandAuch die Deutschen haben ihr Geld beim bezahlen lieber in fester Form in der Hand – in 79 Prozent der Fälle wird bar bezahlt. Zwölf Prozent der Käufe werden mit der EC-Karte beglichen, weitere sechs Prozent per mit Lastschrifteinzug, Scheck und anderen alternativen Zahlungsmethoden. Quelle: dpa
ItalienZwar ist Bargeld mit 69 Prozent noch immer das beliebteste Zahlungsmittel in Italien, aber auf Platz zwei kommen auch schon alternative Zahlungsmittel mit 17 Prozent. So sind Schecks, Kundenkarten, PayPal und andere Alternativen zusammen genommen bei den Italienern beliebter als die EC-Karte mit neun Prozent und die Kreditkarte mit sechs Prozent. Quelle: dpa
Sagrada Familia Quelle: AP
London Tower Bridge Quelle: dpa

Möglich wurde Bitcoin durch die Entwicklung von Technologien, mit denen im digitalen Zahlungsverkehr Geschäfte zwischen Nutzern aufgezeichnet werden können, ohne dass dabei eine zentrale Stelle jede einzelne Transaktion legitimieren muss. Dabei funktioniert DLT ("Distributed Ledger Technology") wie eine geteilte Datenbank, die ein öffentlich geführtes Kontobuch gestattet. Inzwischen setzten auch einige Brokerfirmen diese Technologien ein. Eine Reihe von Großbanken, darunter HSBC und Citi, testeten bereits Systeme für den Anleihenhandel, die auf diesen Verfahren beruhen.

Ein rascher Einsatz der neuen Technologien durch Notenbanken steht Mersch zufolge aber nicht an. Es müsse noch viel mehr nachgedacht werden über die mit DLT verbundenen Fragen und die Folgen für die Geldpolitik, sagte der EZB-Direktor.

Wo Kunden mit Bitcoins zahlen können



Die Karte zeigt die Verbreitung aller Händler weltweit, die Zahlungen mit Bitcoins akzeptieren

Daten: Coinmap.org; Satoshilabs // Stand: Januar 2015



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