Ether-Kurs: Das 200-Prozent-Wunder: Wie geht es nach dem Rekordhoch bei Ether weiter?
Fast vier Jahre hat es gedauert, jetzt hat Ether es geschafft: Die zweitgrößte Kryptowährung auf dem Markt hat eine neue Bestmarke erreicht. Im November 2021, auf dem Höhepunkt des damaligen Bullenmarktes, markierte die Kryptowährung bei 4890 Dollar ein neues Rekordhoch. Dann ging es, wie für den ganzen Markt, steil bergab – in der Spitze um fast 80 Prozent. Anschließend erholten sich viele Kryptowährungen deutlich, Bitcoin knackte einen Rekord nach dem anderen. Und Ether? Dümpelte weiter deutlich unter der damaligen Bestmarke.
Bis jetzt. Am Wochenende stieg der Kurs der zweitgrößten Kryptowährung erstmals in ihrer Geschichte auf 4954 Dollar. Am Dienstagmorgen lag der Ether-Kurs noch bei rund 4430 Dollar.
Trotz der Gewinnmitnahmen nach dem neuen Rekordhoch hat Ether in den letzten Monaten deutlich an Wert zugelegt. Seit dem Tief im April gewann die Kryptowährung gut 200 Prozent an Wert. Für die neue Ether-Rekordjagd gibt es vier Gründe.
1. Hoffnung auf Zinssenkung in den USA
Eigentlich schien es, als würde die Kryptowährung Ether mit einem deutlichen Minus ins Wochenende starten – doch dann kam Jerome Powell.
Beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole stellte der Chef der US-Notenbank Fed Zinssenkungen in Aussicht und löste damit eine Rally bei Aktien und Kryptowährungen aus. „Für die Kryptomärkte war die Reaktion schnell und positiv“, sagte Katalin Tischhauser, Forschungsleiterin bei der Sygnum Bank. „Im heutigen liquiditätsgetriebenen Bullenzyklus reagieren Investoren schnell auf solche Signale, und Powells Kommentare boten genau das.“ Denn: Tendenziell profitieren spekulative Anlageklassen von sinkenden Zinsen, weil sie relativ zu sicheren Anlagen wie etwa Staatsanleihen attraktiver werden.
2. Treasury-Unternehmen in Kauflaune
Auch die großen Kryptowetten einzelner Unternehmen treiben den Ether-Kurs an. Vor allem sogenannte Treasury-Unternehmen haben den Kurs in den vergangenen Monaten mit befeuert. Diese Firmen kaufen gezielt Kryptowährungen für ihre eigene Bilanz und spekulieren auf weiter steigende Kurse. Initiator dieses Geschäftsmodells war das Softwareunternehmen Strategy (vormals Microstrategy), das seit Jahren große Mengen an Bitcoin kauft.
Diese Idee haben andere börsennotierte Firmen kopiert. Viele von ihnen setzen auf Ether. Laut Daten der Plattform StrategicEthReserve.xyz haben sich Unternehmen bislang Ether im Wert von 19 Milliarden Dollar einverleibt. Das sind immerhin gut 3,4 Prozent der gesamten Ether-Marktkapitalisierung (557 Milliarden Dollar).
3. Der boomende Stablecoin-Markt
Anders als Bitcoin, der vor allem als Wertaufbewahrungsmittel und Spekulationsobjekt für Anleger interessant ist, hat Ether einen direkten Anwendungsnutzen. Dazu muss man wissen: Ether ist die Digitalwährung der dazugehörigen Ethereum-Blockchain. Die Blockchain ist das digitale Datenprotokoll, auf dem Transaktionen mit einer Kryptowährung getätigt werden – so gesehen die Infrastruktur für technische Anwendungen.
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Die Ethereum-Blockchain ist in einem Wachstumsfeld führend: Stablecoins. Das sind spezielle Krypto-Münzen, die nicht im Wert schwanken sollen und die immer an eine klassische Währung wie den Dollar oder den Euro gekoppelt sind.
Um Stablecoins ist zuletzt ein großer Hype entstanden. Angetrieben durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat der US-Kongress ein weitreichendes Stablecoin-Gesetz auf den Weg gebracht. Nun wollen viele Unternehmen eigene Stablecoins herausgeben, weil sie sich davon Einsparungen bei Transaktionen erhoffen.
Momentan umfasst der Stablecoin-Markt ein Volumen von gut 277 Milliarden Dollar – Ethereum hat daran einen Anteil von knapp 50 Prozent. US-Finanzminister Scott Bessent schätzt, dass der Stablecoin-Markt bis 2030 auf ein Volumen von 3,7 Billionen Dollar anwachsen wird. Sollten keine anderen Wettbewerber ihren Marktanteil radikal ausbauen, würde vor allem Ethereum von dieser Entwicklung profitieren.
4. Anleger entdecken Ether-ETFs
All das führt auch zu einem wachsenden Interesse an den Ether-ETFs. Laut dem Finanzdienstleister Bloomberg ist der ETF des Marktführers BlackRock der am drittschnellsten wachsende Indexfonds aller Zeiten. Nur zwei Bitcoin-ETFs wachsen noch schneller.
Allein im August verzeichneten die Ether-ETFs bislang Nettozuflüsse von mehr als 2,5 Milliarden Dollar – fast doppelt so viel wie die Bitcoin-ETFs. Insgesamt verwalten sie laut den Daten der Plattform Coinmarketcap nun ein Vermögen von 21 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im Juli waren es noch 9,2 Milliarden Dollar.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 25. August. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.