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Notenbanken Die weltfremde Logik der EZB

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Ultima Ratio der Geldpolitik

Bleibt die Frage: Wenn alle monetären Experimente am Ende nichts bewirken, welche Optionen bleiben dann überhaupt noch? Im Kampf gegen deflationäre Kräfte könnten die Zentralbanken gezwungen sein, zu noch extremeren Maßnahmen zu greifen: Etwa ein konkretes Inflationsziel anzukündigen - und dieses durch unlimitierte Geldschöpfung auch zu realisieren. Als Ultima Ratio könnten sie sogar zu einer Politik der offenen monetären Finanzierung von Staatsschulden übergehen. Die Zentralbanken würden dann de facto bereits bestehende oder auch neue Staatsschulden übernehmen. Diese als „OMF“ („overt monetary financing“) bereits offen diskutierte Option hätte einen eindeutigen Effekt: Inflation würde – quasi mit Gewalt – herbeigezwungen, die Deflation wäre beendet. Das OMF-Konzept geht auf Lord Adair Turner zurück, den früheren Vorsitzenden der britischen Finanzmarktaufsicht FSA.

Auch wenn es heute vielen Marktteilnehmern noch wie ein undenkbares Theorem erscheint, nähern sich einige Zentralbanken dem OMF bereits an: Speziell die Bank of Japan, aber auch die EZB, die Bank of England und die US-FED sind auf dem besten Weg, die letzte Karte der Geldpolitik auch tatsächlich zu spielen. Letztlich fehlt zu einer echten OMF-Politik wohl nur noch der politische Rahmen. Doch auch hier gibt es schon erste Signale: Zuletzt haben sowohl die OECD als auch das japanische Finanzministerium sowie die Spitzenpolitiker beim G 20 Gipfel in Singapur verlauten lassen, dass "man" mehr schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme einsetzen müsse, um die Weltwirtschaft vor dem Absturz zu bewahren.

Todesstoß für Finanz- und Währungssystem

Geldanlage



Ein OMF-Szenario würde sich sicher zunächst positiv auf Aktien und andere Risiko-Assets auswirken, für die Nullzins-geprägten Rentenmärkte jedoch wäre es höchst gefährlich. Und es wäre wohl der Todesstoß für das bisherige marktbasierte Finanz- und Währungssystem.

Für Investoren ist somit im weiteren Jahresverlauf große Vorsicht angebracht. Das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken ist ohnehin schon erschüttert – wenn die Geldpolitik nicht bald erkennbare deutliche Effekte bringt, wird es zu weiteren massiven Verwerfungen an den Kapitalmärkten kommen. Der Jahresanfang gab dafür bereits einen Vorgeschmack.

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