WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Roundtable zur Börse "Kaufchancen bei Aktien erst später im Jahr“

Seite 8/10

"Ein Portfolio muss mehr als drei Prozent im Jahr steigen"

Rogers: Es gibt immer besorgniserregende Entwicklungen in der Welt. Als Vermögensverwalter frage ich mich: Bringe ich ein Portfolio zusammen, dessen Wert mehr als drei Prozent im Jahr steigt? Drei Prozent ist die von mir erwartete Anleiherendite, also die Messlatte für einen Aktienanleger.

Wenn die Unternehmensgewinne um vier Prozent steigen und ich die 2,2 Prozent Dividendenrendite im S&P dazurechne, komme ich auf gut sechs Prozent Gesamtrendite. Ich nehme an, die KGVs werden in etwa gleich bleiben, weiß es aber nicht wirklich. Das Jahr wird herausfordernd, könnte aber durchaus akzeptabel werden. Auch 2015 war so schlecht nicht. Der S&P ist ein Prozent gestiegen, der Nasdaq sechs Prozent.

Zulauf: Für den Anstieg des S&P sorgte eine Handvoll Unternehmen mit extrem hohen Bewertungen. Ich rechne mit einem anhaltenden Bärenmarkt. Kaufchancen dürften sich später im Jahr ergeben. 2017 wird vielleicht ein besseres Jahr. Reden wir darüber, wenn der S&P bei 1600 Punkten steht.

Priest: Ich halte Aktien nach wie vor für attraktiver als Anleihen, aber der Anlagehorizont muss in Jahren gemessen werden, nicht in Monaten.

Trotzdem. Wo steht der Markt Ende 2016?

Priest: In etwa da, wo er heute steht, vielleicht etwas tiefer.

Cohen: Man kauft nicht den S&P als Ganzes, man investiert in einzelne Titel.

Gabelli: Wir bekommen eine Erholung und dann geht es seitwärts. Im Gesamtmarkt wird sich nicht viel tun. Aber egal ob China den Renminbi rasch oder langsam abwertet, die Unternehmen in meinem Portfolio werden von der Währungsentwicklung profitieren.

Ich rechne auch mit einer Überraschung, die den Ölpreis nach oben treibt. In den USA haben wir ein Wahljahr. Da werden Themen wie Steuerreform und Unternehmensregulierung diskutiert, ebenso die Steuervermeidungspraktiken von US-Unternehmen im Ausland. Mit Anfang 2017 sehe ich wieder gute Perspektiven.

Witmer: Wie sollte man das Problem denn angehen? Durch eine Senkung der Unternehmenssteuern?

Gabelli: Wir müssen weg von der globalen Besteuerung und die Unternehmen dort besteuern, also wo die Gewinne anfallen. Der effektive Steuersatz würde dadurch erheblich sinken. Das wird in den Prognosen für 2017 bisher nirgends berücksichtigt.

Gundlach: Die Divergenz zwischen S&P 500 und Junk Bonds gibt ein gigantisches Verkaufssignal für Aktien. Wenn Junk Bonds um 20 Prozent fallen, der S&P 500 aber auf einem Hoch verharrt, dann hängt das Bild irgendwie schief. Das ist wie offenes Krokodilmaul. Früher oder später klappt es zu.

Ihr Optimismus hält sich in Grenzen.

Gundlach: Wenn die Aktienkurse bleiben, wo sie sind, müssen Junk Bonds steigen. Wenn Junk Bonds bleiben, wo sie sind, müssen die Aktienkurse fallen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%