Stelter strategisch

Globaler Reset - unwahrscheinlich, aber denkbar

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Die globale Verschuldung lastet auf dem Wirtschaftswachstum. Könnte die Politik zum großen Befreiungsschlag ansetzen? Zum globalen Reset? Wie ein radikaler Schnitt in den Währungsbewertungen wirken würde.

Währungen Quelle: dpa

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle schon die Vermutung aufgestellt, dass ein ablehnendes Votum der Italiener keineswegs die Kapitalmärkte in ein Chaos stürzen muss. So legte der Euro nach einem kurzen Verlust zu und das sicherlich nicht, weil in Österreich die Präsidentschaftswahlen aus Sicht der EU so glimpflich ausgegangen sind.

Hintergrund dürfte die nicht so falsche Annahme sein, dass die Euro-Retter nun noch drastischere Maßnahmen ergreifen werden, um Italien in EU und Euro zu halten.

Großzügige Unterstützung bei der Bankenrettung, weitgehende Toleranz bezüglich der Staatsverschuldung, perspektivisch europäische Konjunkturprogramme direkt finanziert von der EZB. Im Wahljahr 2017 wird alles daran gesetzt werden, die Illusion einer rettbaren Währungsunion ohne Verluste für irgendjemanden aufrecht zu erhalten.

Da stellt sich natürlich die Frage, wohin das führt und ob es keine Alternative gäbe. Wohin es führt, kann man in Japan sehr schön beobachten: keine wirkliche Belebung der Wirtschaft, deutlich gestiegene Staatsschulden, die letztlich nur durch eine völlige Monetarisierung durch die Bank of Japan aus der Welt geschaffen werden können. Wie das monetäre Experiment ausgeht, ist dabei völlig offen. Ist es erfolgreich, kommt es zu keiner Inflation und Dank der gesunkenen Schuldenlast zu einer Belebung der japanischen Wirtschaft – wobei auch diese Maßnahme natürlich nichts an der Stagnation ändern kann, gegeben die schrumpfende Erwerbsbevölkerung. Scheitert das Experiment, dürfte am Ende eine zerrüttete Währung stehen. Spannend ist es auf jeden Fall.

Nun ist Japan nicht alleine mit dem Schuldenproblem. Praktisch alle großen Volkswirtschaften der Welt – die USA, Europa, China und Japan – stehen vor derselben Herausforderung. Sie versuchen, das Wirtschaftswachstum zu beleben mit dem Ziel, die Schuldenlast tragbar zu machen, kämpfen dabei jedoch gegen die Folgen der hohen Verschuldung und die fundamentalen Gegenwinde schrumpfender Erwerbsbevölkerungen und sinkender Produktivitätszuwächse.

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
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Damit wären wir beim zweiten Teil der Frage: Gibt es eine Alternative zu diesem langwierigen Prozess, der ja schon sieben Jahre andauert? Das Naheliegendste wäre ein radikaler Schnitt, eine Art globaler „Reset“. Wie bei einem Computer könnten die Politiker und Notenbanker versuchen, in einer koordinierten Aktion die Weltwirtschaft zu entschulden und das Wachstum wieder anzuregen.

Sicher: Besonders wahrscheinlich ist diese Alternative nicht, aber auch nicht ganz auszuschließen. Haben die G20 doch bei ihrem Meeting in Shanghai auch eine Einigung gefunden, auf die Abwertung der eigenen Währung zu verzichten, um die Wirtschaft zu Lasten anderer zu beleben.

Spinnen wir doch mal ein bisschen: Die Notenbanken sind in der Bewertung ihrer Aktiva frei. Mit selbst geschaffenem Geld, welches sie unbegrenzt herstellen, können sie alles kaufen, was sie wollen, egal zu welchem Preis. Idealerweise ein Gut, welches einen dauerhaften Wert hat und nicht verfällt. Wie beispielsweise Gold.

Trotz der Verkäufe der letzten Jahrzehnte, halten viele Notenbanken erhebliche Goldvorräte. Länder wie Russland und China haben sie deutlich erhöht. Die Notenbanken könnten über Nacht erklären, alles Gold der Welt zu einem bestimmten Preis aufzukaufen. Damit würde auch das Gold, welches die Notenbanken besitzen, auf einen Schlag wertvoller – zumindest in Euro, Dollar, Franken, Yen und Renminbi gerechnet. Man könnte auch sagen, die Notenbanken werten ihr eigenes Geld gegenüber dem ultimativen Zahlungsmittel Gold ab.

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