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Stelter strategisch
Steht der US-Dollar vor dem Comeback? Quelle: REUTERS

US-Dollar: Totgesagte leben länger

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Vor einem Jahr war das Interesse am Dollar groß, heute ist der Euro der Liebling der Märkte. Wie lange noch?

Zugegeben, der Titel des Beitrages würde noch besser auf den Euro passen. Viele Beobachter – ich gehöre dazu – hätten sich im Jahre 2010 nicht träumen lassen, dass es den Euro heute noch gibt, dass keine Länder aus der Eurozone ausgeschieden sind und schon gar nicht, dass der Euro zum neuen Star am Wechselkurshimmel wird, während der US-Dollar verfällt. Offensichtlich hat der Euro alle Kritiker widerlegt, während der US-Dollar das macht, was er seit Jahrzehnten tut: an Wert verlieren.

Das exorbitante Privileg

Die USA haben ein einmaliges Privileg. Sie verschulden sich massiv für staatlichen und privaten Konsum, importieren seit Jahrzehnten mehr als sie exportieren, bauen dennoch Auslandsvermögen auf und bezahlen für alles in der Weltwährung US-Dollar, die sie beliebig erzeugen können und die trotz nachhaltiger Entwertung immer gefragt bleibt. Donald Trump vergisst diesen Zusammenhang, wenn er über den unfairen Handel klagt. Die USA profitieren in Wahrheit, konsumieren sie doch letztlich umsonst mehr, als sie aus eigenem Einkommen eigentlich könnten.

Wie lange dieses Privileg Bestand hat, muss sich noch erweisen. Ursprüngliche Hoffnungen, der Euro könnte dem US-Dollar Konkurrenz machen, haben sich zerschlagen. Der Euro hat einen Anteil an den Weltwährungsreserven wie früher die D-Mark. Da französischer Franc, spanische Peseten und selbst italienische Lira früher auch noch eine Rolle spielten, muss man sich eingestehen, dass das Gewicht Europas insgesamt abgenommen hat.

Die Kritiker der US-Dominanz setzen nun auf dem chinesischen Renminbi. In der Tat hat China immer mehr Handelsverträge in eigener Währung abgeschlossen, so zum Beispiel mit Russland. Manche Beobachter sehen in den umfangreichen Goldkäufen der Chinesen (und der Russen) ebenfalls Anzeichen für eine Strategie, die jeweilige Währung international attraktiver zu machen. Dies mag auf lange Sicht erfolgreich sein, vorerst sollten wir die Dominanz des US-Dollar als gegeben ansehen.

Seit einem Jahr unter Druck

Waren sich die Beobachter vor einem Jahr noch sicher, bald die Parität zwischen Euro und Dollar zu sehen, so ist die Stimmung heute – nachdem der Dollar gegenüber dem Euro rund 20 Prozent verloren hat – eine völlig andere. Nach einer mehrjährigen Zwischenerholung scheint der US-Dollar wieder auf den Kurs des dauerhaften und nachhaltigen Verfalls geschwenkt zu sein. Dabei wird er an den Märkten als noch unattraktiver angesehen, als der Euro.

Die Mehrheit der Marktteilnehmer wettet auf einen weiter starken Euro bzw. einen dauerhaft tiefen US-Dollar. Alleine diese Tatsache spricht aus meiner Sicht für eine Erholung des US-Dollars. Aus dem gleichen Grunde – nur in umgekehrter Richtung – habe ich vor einem Jahr auf eine Schwäche des US-Dollars gesetzt. Allerdings hat auch mich das Ausmaß der Dollar-Schwäche bzw. der Euro-Stärke überrascht.

Theoretisch war ein stärkerer Dollar zu erwarten

Dabei waren die Überlegungen, die zur Erwartung eines stärkeren Dollars führten, gar nicht so falsch. Stärkeres Wirtschaftswachstum, anziehende Inflation und ein größerer Finanzierungsbedarf des Staates sollte zu steigenden Zinsen in den USA führen und damit zu einer relativ höheren Attraktivität des US-Dollars. Befördert werden sollte dies durch die Steuerreform in den USA, die nicht nur zu Wirtschaftswachstum, sondern auch zu einer Rückkehr von im Ausland geparktem Geld in die USA führen sollte und damit einer steigenden Nachfrage nach US-Dollar. Nicht zuletzt wurde und wird erwartet, dass die US-Notenbank Fed ihre Bilanz verkürzt, also als Käufer für Staatsanleihen ausfällt und die Zinsen erhöht. Alles für sich genommen gute Gründe, auf eine steigende Attraktivität des US-Dollars zu setzen.

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