Kryptowährung: 1200 Prozent Gewinn bis 2030? Die Ripple-Roadmap entfacht wilde Kursfantasien bei XRP
In der Welt von Kryptowährungen sind starke Kursbewegungen an der Tagesordnung. In den letzten Monaten aber stellte eine Digitalwährung so ziemlich alle anderen in den Schatten: der Ripple-Coin XRP. Innerhalb kürzester Zeit schoss der Kurs von um die 0,50 Cent zwischenzeitlich auf ein neues Allzeithoch bei über drei Dollar. Mittlerweile liegt ihr Wert noch bei 1,94 Dollar (Stand: Dienstag, 8. April).
In den letzten Tagen litt auch der XRP-Kurs unter den Zoll-Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump. Trotzdem: Seit Anfang November liegt die Kryptowährung um die 270 Prozent im Plus.
Nach Jahren des Stillstandes feierte XRP also ein Comeback. Auslöser war vor allem: Donald Trumps Rückkehr als US-Präsident. Schon im Wahlkampf ist der Republikaner mit kryptofreundlichen Versprechen auf Stimmenfang gegangen – und installierte kurz nach seiner Amtseinführung im Januar kryptofreundliche Entscheidungsträger in wichtigen Institutionen.
Vor wenigen Wochen trat dann das Szenario ein, auf das viele XRP-Anleger spekuliert hatten: Die US-Börsenaufsicht SEC ließ Ende März eine langwierige Klage fallen, die über Jahre wie ein Damoklesschwert über XRP schwebte und den Kurs in der Spitze um 90 Prozent einbrechen ließ.
Im Dezember 2020 hatte die SEC Ripple Labs – dem Unternehmen hinter der Kryptowährung XRP – wegen unerlaubter Wertpapiergeschäfte verklagt. Im Kern ging es um die Frage, ob XRP als Wertpapier einzustufen sei. Hierfür wäre eine Registrierung bei der SEC nötig gewesen – und die lag nicht vor.
Ripples Roadmap für den Billionen-Markt: Kommt jetzt der XRP-Superzyklus?
Nachdem öffentlich geworden war, dass die SEC die Klage fallen lässt, war der Kurs zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent gestiegen. Doch das Kursfeuerwerk war nur von kurzer Dauer. Obwohl der größte Belastungsfaktor für XRP nun endgültig vom Tisch ist, tritt der Kurs auf der Stelle.
Für Markus van de Weyer, Geschäftsführer der Frankfurter Vermögensverwaltung Alpha Beta Asset Management, ist das keine Überraschung: „Mit Sicherheit wurde bei XRP schon einiges eingepreist.“ Spätestens mit Trumps Wahlsieg im November sei absehbar gewesen, dass die SEC-Klage Geschichte sei.
Der jüngste Kursrückgang sollte Anleger ebenfalls nicht wundern: Starke Korrekturen sind im Kryptomarkt normal. Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen rund um Trumps Zollpolitik, die aktuell die Märkte belasten.
Vor allem zwei Trends dürften bestimmen, wie es langfristig mit XRP weitergeht.
1. Kommen die XRP-ETFs?
Die Entspannung um Ripple ruft auch die Vermögensverwaltungen auf den Plan. Mehrere Anbieter – darunter etwa Wisdom Tree und 21Shares – haben bei der US-Börsenaufsicht bereits Anträge für XRP-ETFs eingereicht. Mit diesen Indexfonds könnten erstmals institutionelle Investoren wie Family Offices und Pensionskassen in die inzwischen viertgrößte Kryptowährung investieren. Dass die SEC den Anträgen stattgibt, halten viele Beobachter für wahrscheinlich. Im vergangenen Jahr hat die Aufsichtsbehörde bereits ETFs für Bitcoin und Ether zugelassen.
Spannend dürfte werden, wie die XRP-ETFs vom Markt angenommen würden. Die Bitcoin-ETFs haben sich als großer Erfolg erwiesen und innerhalb von etwas mehr als einem Jahr Anlegergelder in Höhe von fast 100 Milliarden Dollar eingesammelt. Die Ether-ETFs stoßen auf deutlich geringeres Interesse.
2. Kann Ripple im Billionen-Dollar-Markt Fuß fassen?
Das Ripple-Netzwerk gilt als Dinosaurier der Kryptowelt, denn es besteht schon seit 2012. Die Idee hat sich seitdem nicht verändert: Ripple will eine Zahlungsinfrastruktur schaffen, die schneller und günstiger ist als die herkömmlichen Wege. Tatsächlich nutzen bereits heute viele Banken – darunter etwa die spanische Großbank Santander – die Ripple-Technologie. So hat XRP den Spitznamen „Banker-Coin“ bekommen. Und das, obwohl der Coin selbst dabei gar nicht zum Einsatz kommt.
Ripple zielt voll auf die institutionelle Adaption. Das zeigt sich auch in der Roadmap für dieses Jahr, die Ripple Ende Februar vorgestellt hat. Mit neuen Features sollen mehr Großinvestoren bewogen werden, den XRP-Ledger zu nutzen – also die Blockchain-Technologie aus dem Hause Ripple. Die Blockchain ist das digitale Datenprotokoll, auf dem alle Transaktionen mit einer Kryptowährung gespeichert werden.
Im Fokus steht dabei die Tokenisierung: Hierbei werden materielle und immaterielle Güter in digitale Token auf der Blockchain umgewandelt. So können zum Beispiel Immobilien oder Kunstwerke in kleinen Stückelungen handelbar gemacht werden. Aber auch Aktien oder Anleihen lassen sich so von Sender zu Empfänger schicken – ganz ohne Zwischeninstanzen wie Broker oder Clearingstellen.
Das Problem: Zwar sind solche Transaktionen über die Ripple-Technologie an sich jetzt schon möglich. Aktuell lässt sich im Orderbuch aber noch nicht verifizieren, von wem genau die Liquidität gerade kommt. Im Kryptobereich treten Nutzer schließlich nicht mit Klarnamen auf. Stattdessen werden bei Transaktionen nur die Wallet-Adressen angezeigt, quasi die IBANs der Kryptowelt. Institutionelle Investoren müssen aber wissen, wo das Geld herkommt: Damit sie keine regulatorischen Probleme bekommen, müssen strenge KYC-Standards (Know your customer) und Anti-Geldwäsche-Regeln eingehalten werden.
Hier will Ripple ansetzen und hat deshalb zwei Erweiterungen als Art Berechtigungsnachweis in den XRP-Ledger integriert – einem digitalen, dezentralen Hauptbuch, das alle Transaktionen und Kontostände speichert. Mit zwei Erweiterungen wurden ‚dezentrale Identitäten‘ (DIDs) und Credentials eingeführt. DIDs sind eine Form der digitalen Identität, die nicht zentral von einer Behörde verwaltet wird, sondern dem Nutzer selbst gehört und von ihm kontrolliert wird – gewissermaßen ein digitaler Fingerabdruck. Hinter den Credentials stecken die KYC-Daten. Die Kombination aus beiden ermöglicht es Nutzern, ihre Identität zu verifizieren.
Die Frage ist nur: Reicht das für eine strahlende Zukunft? Im dezentralen Finanzwesen (DeFI) ist Ripple bislang ein kleiner Fisch. Aktuell umfasst der Gesamtmarkt rund 100 Milliarden Dollar, gerade einmal 80 Millionen Dollar davon laufen über das Ripple-Ökosystem. Und das, obwohl XRP die viertgrößte Kryptowährung überhaupt ist. Angeführt wird der DeFi-Sektor von Ethereum. Die Blockchain der zweitgrößten Kryptowährung beherrscht mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar mehr als die Hälfte des Marktes.
Drei Szenarien für den XRP-Kurs
Für die weitere Entwicklung des XRP-Kurses ist die Akzeptanz im Bereich Tokenisierung entscheidend. Mehr Aktivität auf der XRP-Blockchain führt zu höheren Transaktionsgebühren, was sich wiederum preistreibend auswirken könnte. Glaubt man dem Vermögensverwalter van de Weyer, hat der Markt noch viel Luft nach oben: „Wir stehen noch ganz am Anfang der Blockchain-Revolution. In den nächsten Jahren werden hier noch gigantische Summen bewegt.“ Marktexperten betrachten den Tokenisierungsbereich als Billionen-Markt. Einer der prominentesten Fürsprecher ist Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock.
Wie es mit XRP weitergeht, steht und fällt damit, wie dieser Markt die Kryptowährung und ihr Netzwerk annimmt. Die Investmentfirma Bitwise hat in einer neuen Berechnung drei Basisszenarien für den XRP-Kurs fürs Jahr 2030 entwickelt. Wenn es XRP nicht gelingt, sich in diesem Bereich zu etablieren, wird in diesem Bären-Szenario ein Crash auf bis zu 0,13 Dollar vorhergesagt. Das entspräche einem Rückgang von 94 Prozent.
Im Bullen-Szenario prognostiziert Bitwise einen XRP-Kurs von 12,70 Dollar. Und im Maximal-Szenario – also wenn XRP den Tokenisierungs-Markt dominiert – stellen die Analysten ein Kursniveau von 29,30 Dollar in Aussicht. Das entspräche einem Anstieg um über 1200 Prozent bis 2030.
All diese Prognosen sind letztlich nicht mehr als ein Blick in die Glaskugel. Vermögensverwalter van de Weyer ist dennoch optimistisch, dass Ripple seinen Siegeszug weiter fortsetzen kann: „Das ist wie mit einer Ketchup-Flasche: Am Anfang kommt nichts und am Ende ist der ganze Teller voll.“
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 6. April. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.
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