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Kryptowährung1200 Prozent Gewinn bis 2030? Die Ripple-Roadmap entfacht wilde Kursfantasien bei XRP

Trump schickt den Ripple-Coin XRP auf Talfahrt. Experten sind sich aber sicher: Für die Kryptowährung kommt es langfristig auf zwei Trends an.Philipp Frohn 08.04.2025 - 16:39 Uhr aktualisiert
Die Ripple-Kryptowährung XRP feiert ihr Comeback. Foto: IMAGO/YAY Images

In der Welt von Kryptowährungen sind starke Kursbewegungen an der Tagesordnung. In den letzten Monaten aber stellte eine Digitalwährung so ziemlich alle anderen in den Schatten: der Ripple-Coin XRP. Innerhalb kürzester Zeit schoss der Kurs von um die 0,50 Cent zwischenzeitlich auf ein neues Allzeithoch bei über drei Dollar. Mittlerweile liegt ihr Wert noch bei 1,94 Dollar (Stand: Dienstag, 8. April).

In den letzten Tagen litt auch der XRP-Kurs unter den Zoll-Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump. Trotzdem: Seit Anfang November liegt die Kryptowährung um die 270 Prozent im Plus.

Nach Jahren des Stillstandes feierte XRP also ein Comeback. Auslöser war vor allem: Donald Trumps Rückkehr als US-Präsident. Schon im Wahlkampf ist der Republikaner mit kryptofreundlichen Versprechen auf Stimmenfang gegangen – und installierte kurz nach seiner Amtseinführung im Januar kryptofreundliche Entscheidungsträger in wichtigen Institutionen.

Vor wenigen Wochen trat dann das Szenario ein, auf das viele XRP-Anleger spekuliert hatten: Die US-Börsenaufsicht SEC ließ Ende März eine langwierige Klage fallen, die über Jahre wie ein Damoklesschwert über XRP schwebte und den Kurs in der Spitze um 90 Prozent einbrechen ließ.

Im Dezember 2020 hatte die SEC Ripple Labs – dem Unternehmen hinter der Kryptowährung XRP – wegen unerlaubter Wertpapiergeschäfte verklagt. Im Kern ging es um die Frage, ob XRP als Wertpapier einzustufen sei. Hierfür wäre eine Registrierung bei der SEC nötig gewesen – und die lag nicht vor.

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Nachdem öffentlich geworden war, dass die SEC die Klage fallen lässt, war der Kurs zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent gestiegen. Doch das Kursfeuerwerk war nur von kurzer Dauer. Obwohl der größte Belastungsfaktor für XRP nun endgültig vom Tisch ist, tritt der Kurs auf der Stelle.

Für Markus van de Weyer, Geschäftsführer der Frankfurter Vermögensverwaltung Alpha Beta Asset Management, ist das keine Überraschung: „Mit Sicherheit wurde bei XRP schon einiges eingepreist.“ Spätestens mit Trumps Wahlsieg im November sei absehbar gewesen, dass die SEC-Klage Geschichte sei.

Der jüngste Kursrückgang sollte Anleger ebenfalls nicht wundern: Starke Korrekturen sind im Kryptomarkt normal. Hinzu kommen die geopolitischen Spannungen rund um Trumps Zollpolitik, die aktuell die Märkte belasten.

Vor allem zwei Trends dürften bestimmen, wie es langfristig mit XRP weitergeht.

1. Kommen die XRP-ETFs?

Die Entspannung um Ripple ruft auch die Vermögensverwaltungen auf den Plan. Mehrere Anbieter – darunter etwa Wisdom Tree und 21Shares – haben bei der US-Börsenaufsicht bereits Anträge für XRP-ETFs eingereicht. Mit diesen Indexfonds könnten erstmals institutionelle Investoren wie Family Offices und Pensionskassen in die inzwischen viertgrößte Kryptowährung investieren. Dass die SEC den Anträgen stattgibt, halten viele Beobachter für wahrscheinlich. Im vergangenen Jahr hat die Aufsichtsbehörde bereits ETFs für Bitcoin und Ether zugelassen.

Spannend dürfte werden, wie die XRP-ETFs vom Markt angenommen würden. Die Bitcoin-ETFs haben sich als großer Erfolg erwiesen und innerhalb von etwas mehr als einem Jahr Anlegergelder in Höhe von fast 100 Milliarden Dollar eingesammelt. Die Ether-ETFs stoßen auf deutlich geringeres Interesse.

2. Kann Ripple im Billionen-Dollar-Markt Fuß fassen?

Das Ripple-Netzwerk gilt als Dinosaurier der Kryptowelt, denn es besteht schon seit 2012. Die Idee hat sich seitdem nicht verändert: Ripple will eine Zahlungsinfrastruktur schaffen, die schneller und günstiger ist als die herkömmlichen Wege. Tatsächlich nutzen bereits heute viele Banken – darunter etwa die spanische Großbank Santander – die Ripple-Technologie. So hat XRP den Spitznamen „Banker-Coin“ bekommen. Und das, obwohl der Coin selbst dabei gar nicht zum Einsatz kommt.

Ripple zielt voll auf die institutionelle Adaption. Das zeigt sich auch in der Roadmap für dieses Jahr, die Ripple Ende Februar vorgestellt hat. Mit neuen Features sollen mehr Großinvestoren bewogen werden, den XRP-Ledger zu nutzen – also die Blockchain-Technologie aus dem Hause Ripple. Die Blockchain ist das digitale Datenprotokoll, auf dem alle Transaktionen mit einer Kryptowährung gespeichert werden.

Im Fokus steht dabei die Tokenisierung: Hierbei werden materielle und immaterielle Güter in digitale Token auf der Blockchain umgewandelt. So können zum Beispiel Immobilien oder Kunstwerke in kleinen Stückelungen handelbar gemacht werden. Aber auch Aktien oder Anleihen lassen sich so von Sender zu Empfänger schicken – ganz ohne Zwischeninstanzen wie Broker oder Clearingstellen.

Wir stehen noch ganz am Anfang der Blockchain-Revolution
Markus van de Weyer
Geschäftsführer Alpha Beta Asset Management

Das Problem: Zwar sind solche Transaktionen über die Ripple-Technologie an sich jetzt schon möglich. Aktuell lässt sich im Orderbuch aber noch nicht verifizieren, von wem genau die Liquidität gerade kommt. Im Kryptobereich treten Nutzer schließlich nicht mit Klarnamen auf. Stattdessen werden bei Transaktionen nur die Wallet-Adressen angezeigt, quasi die IBANs der Kryptowelt. Institutionelle Investoren müssen aber wissen, wo das Geld herkommt: Damit sie keine regulatorischen Probleme bekommen, müssen strenge KYC-Standards (Know your customer) und Anti-Geldwäsche-Regeln eingehalten werden.

Hier will Ripple ansetzen und hat deshalb zwei Erweiterungen als Art Berechtigungsnachweis in den XRP-Ledger integriert – einem digitalen, dezentralen Hauptbuch, das alle Transaktionen und Kontostände speichert. Mit zwei Erweiterungen wurden ‚dezentrale Identitäten‘ (DIDs) und Credentials eingeführt. DIDs sind eine Form der digitalen Identität, die nicht zentral von einer Behörde verwaltet wird, sondern dem Nutzer selbst gehört und von ihm kontrolliert wird – gewissermaßen ein digitaler Fingerabdruck. Hinter den Credentials stecken die KYC-Daten. Die Kombination aus beiden ermöglicht es Nutzern, ihre Identität zu verifizieren.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Die Frage ist nur: Reicht das für eine strahlende Zukunft? Im dezentralen Finanzwesen (DeFI) ist Ripple bislang ein kleiner Fisch. Aktuell umfasst der Gesamtmarkt rund 100 Milliarden Dollar, gerade einmal 80 Millionen Dollar davon laufen über das Ripple-Ökosystem. Und das, obwohl XRP die viertgrößte Kryptowährung überhaupt ist. Angeführt wird der DeFi-Sektor von Ethereum. Die Blockchain der zweitgrößten Kryptowährung beherrscht mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar mehr als die Hälfte des Marktes.

Drei Szenarien für den XRP-Kurs

Für die weitere Entwicklung des XRP-Kurses ist die Akzeptanz im Bereich Tokenisierung entscheidend. Mehr Aktivität auf der XRP-Blockchain führt zu höheren Transaktionsgebühren, was sich wiederum preistreibend auswirken könnte. Glaubt man dem Vermögensverwalter van de Weyer, hat der Markt noch viel Luft nach oben: „Wir stehen noch ganz am Anfang der Blockchain-Revolution. In den nächsten Jahren werden hier noch gigantische Summen bewegt.“ Marktexperten betrachten den Tokenisierungsbereich als Billionen-Markt. Einer der prominentesten Fürsprecher ist Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock.

Wie es mit XRP weitergeht, steht und fällt damit, wie dieser Markt die Kryptowährung und ihr Netzwerk annimmt. Die Investmentfirma Bitwise hat in einer neuen Berechnung drei Basisszenarien für den XRP-Kurs fürs Jahr 2030 entwickelt. Wenn es XRP nicht gelingt, sich in diesem Bereich zu etablieren, wird in diesem Bären-Szenario ein Crash auf bis zu 0,13 Dollar vorhergesagt. Das entspräche einem Rückgang von 94 Prozent.

Im Bullen-Szenario prognostiziert Bitwise einen XRP-Kurs von 12,70 Dollar. Und im Maximal-Szenario – also wenn XRP den Tokenisierungs-Markt dominiert – stellen die Analysten ein Kursniveau von 29,30 Dollar in Aussicht. Das entspräche einem Anstieg um über 1200 Prozent bis 2030.

All diese Prognosen sind letztlich nicht mehr als ein Blick in die Glaskugel. Vermögensverwalter van de Weyer ist dennoch optimistisch, dass Ripple seinen Siegeszug weiter fortsetzen kann: „Das ist wie mit einer Ketchup-Flasche: Am Anfang kommt nichts und am Ende ist der ganze Teller voll.“

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 6. April. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.

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