Kryptowährungen: Darum feiern Krypto-Anhänger Donald Trump
Viele Bitcoin-Anhänger sehen in Donald Trump den nächsten "Krypto-Präsidenten".
Foto: APEinfache Sätze, markige Töne, große Versprechen: Das ist Donald Trump. Als der republikanische Präsidentschaftskandidat am Wochenende vor Tausenden Menschen spricht, bleibt er seiner gewohnten Rhetorik treu. In Nashville im US-Bundesstaat Tennessee steht er auf der Bühne der „Bitcoin 2024“, einer der größten Krypto-Konferenzen der Welt. Knapp 50 Minuten lang schimpft er über den Krypto-Kurs der derzeitigen Regierung, erklärt seine Positionen und spart nicht an Superlativen.
Der Ex-und-vielleicht-bald-wieder-Präsident will einen Bitcoin- und Kryptobeirat ins Leben rufen, der Regeln für Kryptowährungen in den USA entwerfen soll. Er will eine strategische Bitcoin-Reserve etablieren. Und er will „am ersten Tag“ seiner eventuellen neuen Amtszeit den Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gery Gensler, feuern. Der gilt als kryptoskeptisch und hatte im vergangenen Jahr Kryptounternehmen mit einer Klagewelle überzogen. Als Trump Genslers Entlassung in Aussicht stellt, tobt das Publikum.
„Der Bitcoin hat sich zusehends zum Wahlkampfthema in den USA entwickelt“, erklärt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. „Anleger hoffen, dass ein kryptofreundlicher Präsident in Zukunft die größte Volkswirtschaft der Welt regiert und unter anderem die regulatorischen Daumenschrauben lockert.“ Krypto-Anhänger sehen in dieser Rolle: Donald Trump. Seit dem Attentat auf den Republikaner ist der Bitcoin-Kurs um gut 18 Prozent auf zuletzt 69.800 Dollar gestiegen und damit nur noch wenige Prozentpunkte von seinem Rekordhoch im März entfernt.
In den sozialen Netzwerken feiern Fans der Kryptowährung Trump als Heilsbringer, vor allem auf X (ehemals Twitter). Auf jener Plattform also, die inzwischen dem Krypto-Liebhaber und Trump-Unterstützer Elon Musk gehört. „Bullish für Trump und Bitcoin“, schreibt ein Nutzer. „Wenn du Bitcoin hast und nicht dumm bist, dann solltest du Trump wählen“, rät ein anderer. Trump, der Krypto-Präsident.
„Bitcoin ist Geld für Kriminelle“
Doch manche Beiträge erwecken den Anschein, dass die Bitcoin-Jünger hier nicht immer fair spielen. Ein Twitter-Account einer Bitcoin-Webseite postete ein mittlerweile tausendfach geteiltes Bild von der möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris mit der Überschrift: „Kamala Harris sagt: ‚Bitcoin ist Geld für Kriminelle‘.“ In den Kommentaren stimmen viele Nutzer zu, bezeichnen Harris selbst als Kriminelle.
Nur: Ob Harris diese Aussage tatsächlich getätigt hat, ist fraglich. Der Chef eines Branchenmediums und Organisator der Bitcoin-Konferenz erklärt in einem X-Beitrag, er habe von einem „wichtigen Spender der Demokraten gehört“, dass Harris diesen Satz in einer privaten Unterhaltung gesagt hätte. Verifizieren lässt sich das nicht. Es gibt – abgesehen von der anonymen Stimme – keine Quellen, die die Aussage bestätigt. Stille Post in Krypto-Land.
Unter Joe Biden hatte es die Kryptoindustrie schwer. Harris aber hat sich bislang kaum zu Kryptowährungen geäußert. Klar ist nur: Um Trump zu schlagen, darf sie es sich nicht mit zu vielen Wählergruppen verscherzen. Und immerhin 17 Prozent der Amerikaner besitzen Kryptowährungen.
Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass Harris auf einen kryptofreundlichen Kurs einschwenkt. Laut „Financial Times“ ist sie zu einem „Neustart“ mit der Branche bereit. Ihr Team führt demnach gerade Gespräche, unter anderem mit der Kryptobörse Coinbase und dem Bezahldienst Ripple. Würde Harris eine kryptofreundliche Politik ausloten, wenn sie im Bitcoin doch nur Geld für Kriminelle sieht?
Trump übrigens erklärte noch vor wenigen Jahren in einem Internetbeitrag: „Ich bin kein Fan von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, die [...] auf dünner Luft basieren.“
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