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Zschabers Börsenblick
Politische Börsen, so sagt man, haben kurze Beine. Seit Beginn der Ära Trump können diese Beine aber durchaus auch etwas länger ausfallen. Quelle: AP

Der Handelskrieg eskaliert – so schützen sich Anleger

Politische Börsen, so sagt man, haben kurze Beine. Seit Beginn der Ära Trump können diese Beine aber durchaus auch etwas länger ausfallen. Anleger sollten darauf vorbereitet sein.

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Phasen politischer Turbulenzen setzen die Kurse an den Aktienmärkten in der Regel nur für kurze Zeit unter Druck. Weil die Konflikte oft eine psychologische Komponente haben und die Frage "Was wäre wenn...?" schwerer wiegt als der eigentliche Konflikt. Das drückt die Kurse zwar, aber oftmals stellt sich später raus: Alles halb so wild. Die Börsen erholen sich entsprechend schnell wieder und erreichen in diesem Zug ihr ursprüngliches Niveau.

Die politische Unruhe, für die US-Präsident Donald Trump derzeit sorgt, ist da allerdings von ganz anderem Kaliber. Dass er zurzeit an mehreren Fronten zündelt, ist dabei nicht ungewöhnlich – wenn etwas an ihm berechenbar ist, dann schließlich seine Unberechenbarkeit. Doch die Strafzölle, die den Handelsstreit zwischen den USA und China heraufbeschworen haben, verfügen selbst für Trump’sche Verhältnisse über eine enorme Dimension. Apropos: Mit solchen Vergleichen sollte man zwar nicht zu inflationär umgehen, aber das derzeitige tägliche Wettrüsten an Maßnahmen und Gegenmaßnahmen lässt tatsächlich keinen anderen Ausdruck als „Handelskrieg“ zu.

In jedem Fall hat dieser aktuelle Konflikt das Potenzial einer längeren Halbwertzeit. Weil er unmittelbar die Wirtschaft betrifft. Und weil im Zuge einer globalisierten Welt die Kausalkette entsprechend lang ist. Ein deutsches Unternehmen, das einen chinesischen Produzenten beliefert, der wiederum beim Export in die USA Strafzölle leisten muss, wird in Form von sinkender Nachfrage in Mitleidenschaft gezogen. Die Spirale dreht sich immer weiter, und die Weltwirtschaft gerät in Schieflage.

Vor wenigen Monaten noch, Anfang des Jahres, ließ sich in allen drei komplexen Volkswirtschaften – USA, Europa, Asien – ein starkes Wachstum feststellen. Trumps Aktivitäten haben einen Unfrieden gestiftet, der sich realwirtschaftlich niederschlagen wird. In Zahlen lässt sich der Schaden noch gar nicht seriös beziffern, doch Unternehmen werden ihre Gewinnprognosen reduzieren. Die daraus resultierende Verunsicherung beeinflusst wiederum das allgemeine Investitionsklima negativ. Es besteht kein Zweifel: Die komfortable Aufstellung der Weltwirtschaft wird vorerst ein Ende finden.

Jetzt für schwächere Börsen positionieren

Angesichts dieser Turbulenzen halten sich die weltweiten Aktienindizes zwar noch vergleichsweise stabil. Doch Anleger sollten sich auch präventiv positionieren. Chancen bieten hier Asien, speziell China, also Volkswirtschaften, die sich mit ihrem starken Binnenkonsum vergleichsweise gut den Strömungen der Weltwirtschaft entgegenstemmen können. Auch dass die US-Wirtschaft boomt – was ja Trumps oberstes Ziel ist, das er mithilfe einer umfassenden Steuerreform erreicht und dem er quasi den Zustand der globalen Wirtschaft opfert –, können Börsianer ausnutzen. Denn der dortige stabile Arbeitsmarkt, die hohe Investitionsquote und die Kapazitätsauslastung lassen die US-Bürger bislang nicht gegen Trump aufbegehren. Im Gegenteil: In den USA lassen sich die Verbraucher nicht vom Geldausgeben abhalten.

Der Anleger, der dem Aktienmarkt aus naheliegenden Gründen nicht den Rücken zuwenden will – und das auch nicht sollte; Niedrigzinsphase und Anlagenotstand lassen grüßen –, sollte zweierlei Strategien fahren: Zum einen sollte er sich in defensiveren, konjunkturunabhängigeren Branchen positionieren, so etwa in den Sektoren Telekommunikation, Energie und Nahrung; am sinnvollsten via ETF. Zum anderen kann er die aktuelle Stärke des Konsumsektors in den Staaten nutzen – und beispielsweise auf den US-Konsumwerte-Index Russell 2000 setzen.

Vor dem Hintergrund, dass mit dem Brexit schon das nächste politische Feuer mit dem Potenzial eines Flächenbrands schwelt, könnte der Anleger auch schon einen Schritt weiterdenken und sich fragen, wer in diesem Umfeld in den kommenden Wochen schwächeln könnte – um anschließend wieder zuzulegen. Da sind vor allem Technologiewerte: Diese sind zwar gut durch die vergangenen Wochen gekommen, in denen die großen Leitindizes schon die eine oder andere Feder lassen mussten. Sollten die Turbulenzen an den Börsen jedoch zunehmen und auch diese Branchen in Mitleidenschaft gezogen werden, ergeben sich hier gute Chancen, zu günstigen Kursen zum Zuge zu kommen und – unter langfristigen Aspekten – in aussichtsreiche Unternehmen zu investieren. Anzeichen einer Erholung könnten dann (auch hier allein schon aus Risikogründen über ETFs auf Nasdaq und TecDAX) für den Einstieg genutzt werden – um die Kapriolen von Donald Trump zu den eigenen Gunsten, in diesem Fall für eine langfristig gute Performance, auszunutzen.

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