Stelter strategisch
Die Börsenentwicklung passt nicht zu Rezession und drohendem Handelskrieg. Quelle: dpa

Explosiver Mix aus Rezession, Handelskrieg und Rekordbörse

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Clevere Anlageprofis, auch als „Smart Money“ bezeichnet, bringen ihre Schäfchen ins Trockene. Zu Recht, denn die Börsenentwicklung passt nicht zu Rezession und drohendem Handelskrieg. Womit Anleger rechnen müssen.

Die US-Börse hat in den vergangenen Jahren alles in den Schatten gestellt. Nimmt man den S&P 500 als Maßstab und vergleicht die Entwicklung mit dem MSCI-Index anderer Regionen, ergibt dies ein eindeutiges Bild. Es hat sich in keinem Markt außerhalb der USA gelohnt aktiv zu sein. Über fünf Jahre gerechnet, liegt die übrige Welt erheblich hinter den USA zurück (jeweils gemessen am entsprechenden Indexfonds bzw. ETF):

- Euro Stoxx – 32,5 Prozent
- Emerging Markets – 32,6 Prozent
- Japan – 23,7 Prozent
- Deutschland – 29,6 Prozent
- Schweiz – 35 Prozent

Auf kürzere Sicht ist es nicht besser. Der US-Markt hat es in den vergangenen sechs Monaten geschafft, besser abzuschneiden als der Rest der Welt. Global gesehen haben wir es mit einer Konzentration auf die Börse in den USA zu tun.

Schon im vorigen Jahr habe ich mit Blick auf das hohe Bewertungsniveau eher zu Aktien aus Japan, den Schwellenländern und Europas geraten, als zu jenen aus den USA. Eine völlige Fehleinschätzung, wie sich zeigt. Die Wall Street hat, obwohl sie zu den teuersten Märkten gehört, weiter zugelegt. Die anderen Märkte wurden relativ noch billiger, vor allem die Schwellenländer. Letzteres erklärbar durch die Dollarstärke und den ungebrochenen Willen der US-Notenbank Fed, die Zinsen nach oben zu treiben, was zunehmend zu Problemen bei den in Dollar verschuldeten Unternehmen in den Schwellenländern führt.

Hinter der Entwicklung an der Wall Street stehen vor allem die Unternehmen selbst. Gut achtzig Prozent der Kursentwicklung ist von den Aktienkäufen der Unternehmen getrieben, sei es für den Rückkauf eigener Aktien, sei es für die Übernahme von Wettbewerbern. Manager schauen dabei nicht auf das Bewertungsniveau, sondern eher, wie die Übernahme auf den Gewinn pro Aktie wirkt, was angesichts der immer noch tiefen Opportunitätskosten (Zinsen) keine allzu hohe Hürde darstellt. Solange die Unternehmenslenker optimistisch in die Zukunft blicken, geht die Party weiter.

Wenige Werte ziehen die Weltbörsen

Hinzu kommt, dass auch an der Wall Street schon seit langem nicht mehr der gesamte Markt steigt. Nur noch der Technologie- und der Konsumgütersektor liegen im Plus. Rechnet man bei letzterem Netflix und Amazon heraus, liegt auch dieser im Minus.

In den vergangenen zwölf Monaten haben die FAANGs (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google) über 50 Prozent zugelegt, verglichen mit einem Anstieg des S&P 500 von zwölf Prozent. Die FAANGs haben mittlerweile eine historisch einmalige Bedeutung für die US-Börse erzielt: alleine auf diese fünf Werte entfällt 10,6 Prozent der gesamten US-Marktkapitalisierung. Während Apple mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18 nicht teuer erscheint, sind die anderen vier Werte mit einem durchschnittlichen KGV von 133 und einem Marktwert von 2,3 Billionen US-Dollar sicherlich kein Schnäppchen.

Man kann es nicht anders sagen: die weltweite Börsenentwicklung war wohl noch nie so auf ein Land und einen Sektor konzentriert und dominiert von einigen wenigen Papieren. Natürlich steht dahinter der enorme Erfolg dieser Unternehmen. Andererseits habe ich an dieser Stelle schon früher darauf hingewiesen, dass selbst diese Marktstellung nicht jedes Bewertungsniveau rechtfertigt.

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