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Zukunft des Zahlens Das Geld ist ja nicht weg - nur woanders

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Augenscan und Fingerabdruck fürs Bezahlen


Nachdem die Zahlapp schon den chinesischen Markt dominiert, soll sie ab Juli auch in Europa verfügbar sein.
Kunden in China können damit bereits online und im Laden zahlen. Nun will Alipay chinesischen Kunden auch im Ausland die gleichen Zahlvarianten ermöglichen. Händler integrieren Alipay in ihre Kassensystem, chinesische Touristen können dort dann wie gewohnt mit ihrer App bezahlen – sie lassen dazu einen Barcode auf dem Display des Telefons scannen.

Um sich zu verifizieren bietet die App ihren Kunden auch schon die Möglichkeit, mit einem kurzen Selfie die Augen zu scannen. Statt Pin oder Fingerabdruck wertet der US-Anbieter Eyeverify für Alipay die Aderstrukturen der Augen aus. Nach Angaben des Konzerns eine so sichere Variante wie der Scan des Fingerabdrucks.

Nur Zahlfunktionen anzubieten reicht aber nicht, die Super-App soll auch Restaurantempfehlungen geben, Shopping-Rabatte bieten und viele weitere Dienste integrieren. Noch ist der Konzern in Europa auf der Suche nach Partnern. Aber Liu ist sich sicher, dass ihr Produkt zum Erfolg wird, als eine Art Rund-um-sorglos-Paket. Und so könnten bald chinesische Touristen exklusiv die Zukunft des Zahlens auf dem europäischen Markt neu definieren.



Michael Moritz von Sequoia Capital ist ganz begeistert ob der Entwicklungen Alipays. „Auch chinesische Firmen haben keine Chance, gegen Alipay in China anzukommen.“ Sein Fonds ist bei Klarna investiert. Dass Klarna eine Chance hat, seinen Dienst nach China zu bringen, glaubt er nicht. „Mit Klarna würden wir niemals versuchen, auf den chinesischen Markt zu drängen“, sagt auch Klarna-Gründer Siemiatkowski. „Es ist so beeindruckend, was Alipay macht, damit können wir nicht konkurrieren.“

Unüberschaubares Angebot

Doch je mehr Dienste auf den Markt drängen und um den Konsumenten kämpfen – desto unüberschaubarer wird das Angebot. Schon jetzt stehen mit Bargeld, EC- und Kreditkarte, NFC-Zahlungen über das Smartphone, Rabattkarden und anderen Apps genug Varianten zur Auswahl.

„Wir dürfen uns nicht verzetteln“, sagt Jan Madsen, Vorstand für das operative Geschäft bei der dänischen Handelskette Coop. „Niemand braucht sechs bis acht verschiedene Zahlmöglichkeiten an der Kasse, das hält nur auf. Händler und Kunden brauchen eine verlässliche Option.“

Ist am Ende also alles nur ein Hype, eine schreckliche Blase in der Finanzindustrie?
Mit 19,1 Milliarden Dollar wurde 2015 so viel in Fintechs investiert wie nie, zeigen Daten von KPMG und CB Insights. 2016 sollen die Investitionen auf knapp 30 Milliarden Dollar ansteigen.

Davon ist auch Investor Michael Moritz überzeugt: „Es ist wie eine völlig neue Industrie, die sich hier gerade entwickelt.“ Deshalb sei der Enthusiasmus völlig berechtigt. Mittelfristig würden natürlich einige Firmen wieder vom Markt verschwinden.
Aber die Zukunft unseres Umgangs mit Geld hat gerade erst begonnen.

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