Immobilien: Hier ist Wohnen noch bezahlbar
Ein Einfamilienhaus in Deutschland kostet im Schnitt 223.000 Euro. Das ist fünf Mal so viel, wie ein Bundesbürger an Einkommen im Jahr zur Verfügung hat. Rechnet man die Hauskosten durch das Jahreseinkommen, erhält man die Kaufpreis-Einkommens-Relation. Je nach Region kann sie stark variieren: Während ein Hausbesitzer im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge zweieinhalb Mal so viel für sein Haus bezahlt, wie er im Jahr verdient, muss ein Münchener das Zehnfache seiner Jahreseinkommens für das Eigenheim ausgeben. Als günstig gilt ein Kaufpreis-Einkommens-Verhältnis von unter 4,5. Rund 45 Prozent aller Kommunen in Deutschland bieten Investoren Immobilien, die das Kriterium erfüllen. Viele von ihnen liegen im Norden und Osten des Landes.
Foto: dpa-dpawebDagegen müssen Menschen, die im Süden Deutschlands wohnen, wesentlich mehr Geld relativ zu ihrem Einkommen für ihre Häuser und Wohnungen aufbringen. Rund ein Fünftel aller Städte und Kommunen hat eine Kaufpreis-Einkommens-Relation, die höher als sechs liegt. Betroffen sind vor allem Großstädte wie Hamburg und München. Aber auch Ballungsräume in Nordrhein-Westfalen sowie Kommunen nahe am Meer in Schleswig-Holstein sind für ihre Bewohner tendenziell teuer.
Foto: dpaUnter den teuren Großstädten liegt München mit einer Kaufpreis-Einkommensrelation von 10,6 ganz vorn. Es folgen die Städte Frankfurt am Main (7,9) und Stuttgart (7,8). Berlin liegt auf Platz drei mit einem Verhältnis von 7,4. Etwas günstiger wohnen die Nordlichter. In Hamburg liegt die Kaufpreis-Einkommensrelation bei 6,4 und Bremer wohnen mit einem Verhältnis von 4,3 sogar unter dem bundesweiten Schnitt (5,1).
Foto: dpaWer sich fragt, in welcher Kommune sich ein Hauskauf lohnt, sollte sich auch deren Zukunftsfähigkeit anschauen. Wie gut eine Gemeinde für die Zukunft gerüstet ist, berechnet das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos. In seinem Zukunftsatlas 2013 hat Prognos anhand von Daten wie etwa der demografischen Entwicklung, der Entwicklung des Arbeitsmarktes und des Wohlstandes innerhalb einer Kommune die zukunftsfähigsten Städte, Landkreise und Dörfer identifiziert. Manche von ihnen haben außerdem eine günstige Kaufpreis-Einkommens-Relation für ihre Immobilien.
Foto: dpaIm Westen Deutschlands ist das zum Beispiel der Landkreis Dingolfing-Landau im Südosten Bayerns. Der Kreis lebt hauptsächlich von der Autobranche. Im Dingolfinger Werk baut BMW seine Autos, eine Reihe von Zulieferern hat sich in dem Landkreis niedergelassen. Er schneidet im Prognos-Ranking sowohl bei der demografischen Entwicklung als auch in den Kategorien „Wohlstand“ und „Innovation“ gut ab. Dagegen ist die Kaufpreis-Einkommensrelation von 4,1 noch günstig. Weitere Kommunen mit hohen Zukunftschancen und einem günstigen Preis-Einkommensverhältnis: Landkreis Tutlingen in Baden-Württemberg (3,7), Landkreis Stade in der Nähe von Hamburg (3,7) und Landkreis Rhön-Grabfeld in Bayern.
Foto: dpaFür Kommunen im Osten der Republik rechnen die Prognos-Studienmacher dagegen keine ganz so starken Zukunftschancen aus. Auch müssen die Menschen, die dort wohnen, in der Regel mehr Geld im Verhältnis zu ihrem Jahreseinkommen für ihre Häuser aufwenden, als in den am besten bewerteten Gemeinden in Westdeutschland. Dennoch gibt einige Orte die Chancen bieten. Etwa der Landkreis Mittelsachsen. Dieser bietet seinen Investoren einen ausgeglichenen Chancen-Risiko-Mix und eine Kaufpreis-Einkommens-Relation von 3,9. Auch im sächsischen Dahme-Spreewald sind die Risiken und Chancen ausgeglichen. Wer dort wohnt, muss im Schnitt viereinhalb Mal so viel für sein Haus bezahlen, wie er im Jahr verdient.
Foto: dpa-dpawebInteressant für Immobilieninvestoren ist auch, wie viele der Häuser und Wohnungen in einer Gemeinde bereits „vergeben“ sind. In 70 Prozent aller Kreise und kreisfreien Städte liegt die Eigentümerquote über dem Bundesdurchschnitt (46 Prozent). Dabei besitzen westdeutsche Bürger häufiger Immobilien, die Eigentümerquote liegt bei 49 Prozent. In Ostdeutschland liegt sie dagegen mit 34 Prozent unter dem deutschlandweiten Schnitt.
Foto: dpaIn den großen deutschen Städten sind die Eigentümerquoten noch sehr niedrig – die meisten Berliner, Hamburger und Münchener wohnen zur Miete. Die Hauptstadt hat dabei mit 16 Prozent die geringste Eigentümerquote unter den Metropolen. Danach folgen Hamburg und München mit 24 und 25 Prozent. Nur Stuttgarter ziehen Eigentum der Miete deutlich vor. Mehr als ein Drittel (33 Prozent) besitzt eine Wohnung oder ein Haus, das ist die höchste Großstädter-Eigentümerquote.
Foto: dpaWer dagegen in einen der Landkreise mit hohen Zukunftschancen ein Haus kaufen möchte wird feststellen: Das haben schon viele andere gemacht. Die Landkreise haben besonders hohe Eigentümerquoten. So liegen 68 Prozent der Immobilien im Vorzeigekreis Dingolfing-Landau bereits in Eigentümerhand. Im ostdeutschen Dahme-Spreewald sind es immerhin Prozent.
Foto: dpaDie Kaufpreis-Einkommensrelation ist ein guter Schätzwert dafür, wie stark Immobilien in einem Ort gefragt sind. Sie sagt allerdings nichts über den absoluten Durchschnittspreis der Häuser und Wohnungen aus. Ein Ort mit hohen Einkommen und teuren Häuser kann genau das gleiche Verhältnis haben wie eine Gemeinde, in der die Immobilien zwar günstig sind, die Menschen aber wenig verdienen. Im Fall von München zeigt aber sowohl dieser Indikator als auch der absolute Durchschnittspreis für Immobilien an: Es ist teuer. 679.000 Euro kostet ein 110 bis 150 Quadratmeter großes Einfamilienhaus in der bayerischen Landeshauptstadt. Danach folgen Stuttgart und Düsseldorf mit einem Durchschnittspreis von 440.000 und 413.000 Euro. Wieder wohnen die Bremer günstig: 205.100 Euro kostet dort ein Haus im Schnitt.
Foto: dpaAuch bei den Eigentumswohnungen hat München die Nase vorn. 4750 Euro pro Quadratmeter kostet eine 50 bis 90 Quadratmeter große Wohnung in der Stadt am Starnberger See. Selbst die Hauptstadt ist mit einem Quadratmeterpreis von 2300 Euro noch günstiger, aber noch deutlich über dem bundesweiten Schnitt. Dieser liegt bei 1880 Euro.
Foto: dpaDoch es sind nicht nur die Immobilien, die in Deutschland immer teurer werden. Preise steigen auch für den Grund, auf dem sie gebaut werden. 9,5 Prozent der verfügbaren Grundstücke haben einen als „sehr hoch“ bewerteten Preis. Dieser liegt bei mehr als 280 Euro pro Quadratmeter. Weitere 13,9 Prozent des Baulandes haben einen „hohen“ Preis von 180 bis 280 Euro pro Quadratmeter. Zugleich sind zehn Prozent der Grundstücke besonders günstig. Auf ihnen kosten ein Quadratmeter weniger als 30 Euro. Solche Preise findet man zum Beispiel im sächsischen Landkreis Elbe-Elster. Dort zahlen Bauherren gerade einmal sieben Euro pro Quadratmeter Bauland.
Foto: dpaWer in eine Immobilie investiert, möchte in der Regel auch Nutzen aus ihr ziehen. Blöd nur, wenn es in der gewünschten Gemeinde nicht genug Mieter gibt und die Wohnung oder das Haus leer stehen müssen. In jeder sechsten Gemeine in Deutschland (15,9 Prozent) ist die Leerstandquote sehr hoch. Als sehr hoch gilt eine Quote von über 6,4 Prozent. Vor allem in vielen ostdeutschen Gemeinden stehen die Immobilien leer. In Dessau Roßlau in Sachsen-Anhalt stehen beispielsweise 14 Prozent aller Wohnungen leer. Zugleich wird in den Ballungsräumen der Wohnraum immer knapper: 6,5 Prozent aller Gemeinden melden eine sehr niedrige Leerstandquote von weniger als 2,4 Prozent.
Foto: dpaZur Wohnraumknappheit trägt außerdem bei, dass immer weniger Menschen neue Wohnungen bauen. Wurden in Deutschland 1995 noch 6,4 Wohnungen auf 1000 Einwohner neu gebaut, sind es heute nur noch 2,1. Die Fertigstellungsquote ist auf einem historisch niedrigen Stand. Gründe dafür sind die Finanzkrise 2008, welche den Investoren zugesetzt hat, sowie die Abschaffung der Eigenheimzulage, die auch den Häuslebauern das Bauen vermieste. Dabei gilt: Wo es mehr Einkommen und Nachfrage gibt, wird mehr gebaut. Und das ist vor allem der Süden und Westen des Landes.
Foto: dpaEs wirkt oft so, als habe der Immobilienboom in den deutschen Metropolen alle Stadtteile erfasst und die Kosten des Wohnens in unbezahlbare Höhen getrieben. Doch das ist falsch. Trotz des starken Anstiegs von Kaufpreisen und Mieten gibt es in den Großstädten noch Stadtteile, die gut bezahlbaren Wohnraum bieten.
Beispiel Berlin: Während im Postleitzahlen-Bereich 10119, zwischen Hackeschem Markt und Kollwitzkiez gelegen, das 2,4-fache Berliner Durchschnittseinkommen nötig wäre, um die Miete einer 80-Quadratmeter-Wohnung gut schultern zu können, würde etwa in vielen Postleitzahl-Bereichen von Marzahn/Hellersdorf schon das 1,1-fache Durchschnittseinkommen reichen.
Klar, nicht jeder Stadtteil kommt wirklich infrage. Doch ein Blick auf die günstigeren Lagen kann sich durchaus lohnen. Wir haben uns daher auf die Suche nach solchen Ausweichvierteln gemacht. Wie sich in deutschen Städten insgesamt deutlich mehr bezahlbarer Wohnraum schaffen ließe, lesen Sie in der Titelgeschichte der WirtschaftsWoche: Ein Zehn-Punkte Plan (mit WirtschaftsWoche-Digitalpass kostenlos).
Eine detaillierte Auswertung der WirtschaftsWoche auf Basis von Daten des Marktforschers empirica-systeme zeigt, wo das Wohnen vor Ort auch für Normal- oder Geringverdiener schon jetzt tragbar ist. Angesetzt haben wir die Durchschnittsmiete einer 80-Quadratmeter-Wohnung im Bestand (also kein Neubau) der verschiedenen Postleitzahl-Bereiche.
Wann ist eine Miete tragbar?
Als gut tragbar gilt eine Miete, die nicht mehr als 30 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens nach Steuern ausmacht. Für jeden Postleitzahl-Bereich haben wir daher verglichen, wie hoch das dort zur Miete nötige Mindesteinkommen im Verhältnis zum stadtweit durchschnittlich verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen inklusive eventueller staatlicher Zuschüsse ist.
Die Auswertung basiert also jeweils auf dem stadtweiten Durchschnittseinkommen, nicht auf den lokalen Einkommen im Postleitzahlen-Bereich – schließlich suchen wir gerade nach Vierteln, die für Bewohner anderer Stadtbereiche oder Zuzügler attraktiv sind.
Beträgt der ermittelte Wert 1,8, heißt das, dass ein Haushalt dort 1,8-Mal das stadtweite Pro-Kopf-Einkommen bräuchte, damit er sich die Miete einer 80-Quadratmeter-Wohnung im jeweiligen Postleitzahlen-Bereich leisten könnte. Schafft der Haushalt aber nur das einfache Pro-Kopf-Einkommen, etwa weil nur ein Elternteil einen durchschnittlich bezahlten Job ausübt, wäre das Wohnen dort zu teuer.
Trotz der hohen Mieten ist die Lage in München oft entspannter als etwa in Frankfurt. Dies hat einen simplen Grund: Da die Münchner mit fast 30.000 Euro verfügbarem Pro-Kopf-Einkommen auch deutlich besser verdienen als die Frankfurter (nur gut 20.000 Euro pro Kopf), können sie auch teureren Wohnraum eher bezahlen.
Hamburg
Ähnlich wie München, wenn auch nicht so stark, profitiert der Hamburger Immobilienmarkt davon, dass die Hansestädter vergleichsweise gut verdienen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei rund 22.000 Euro im Jahr. Das hält Mietwohnungen trotz ordentlicher Mieten bezahlbar. Selbst in Top-Lagen (wie PLZ 20149 in Harvestehude) braucht ein Haushalt für die Miete einer 80-Quadratmeter-Wohnung „nur“ das 2,2-fache Pro-Kopf-Einkommen der Stadt. Im Durchschnitt aller Postleitzahl-Bereiche Hamburgs liegt der Wert bei 1,5. Das ist vergleichsweise niedrig und zeigt, dass der Hamburger Immobilienmarkt noch nicht überhitzt ist.
Berlin
Mit unter 20.000 Euro Pro-Kopf-Einkommen nach Steuern und staatlichen Transfers sind auch die im Vergleich eigentlich nicht sonderlich hohen Mieten für Berliner oft schwer zu schultern. Die teuren Lagen ziehen sich vom Zentrum in den Südwesten. Stadtrandlagen in Nord und Ost sind die günstigen Ausweichmöglichkeiten.
Köln
Der Kölner Immobilienmarkt ist vergleichsweise solide. Mehr als das 1,8-fache Pro-Kopf-Einkommen bräuchte ein Haushalt in der Domstadt in keinem Postleitzahlen-Bereich, um eine 80-Quadratmeter-Wohnung zu mieten. Das ist im Vergleich zu anderen Großstädten ein sehr niedriger Maximalwert. Auch in Köln sind die teureren Lagen vom Zentrum ausgehend im Westen/Südwesten zu finden, etwa in Lindenthal.
Frankfurt
Nicht München, sondern Frankfurt ist die Stadt des teuren Wohnens, wenn man Mieten und Einkommen ins Verhältnis setzt. Im Zentrum braucht ein Haushalt hier das 2,4-fache Pro-Kopf-Einkommen der Stadt, um eine 80-Quadratmeter-Wohnung finanziell tragbar mieten zu können. Das zeigt: Normal- oder gar Geringverdiener haben hier keine Chance. Selbst in etwas zentrumsentfernter gelegenen Stadtteilen bleibt der Wert mit 1,6 bis 1,8 oft noch hoch. Im Durchschnitt aller Frankfurter Postleitzahl-Bereiche liegt er bei 1,9. Das ist der Rekord der deutschen Top-Metropolen.
München
München ist für besonders teures Wohnen bekannt. Doch im Durchschnitt braucht ein Haushalt in den Münchner Postleitzahl-Bereichen nur das 1,7-fache Pro-Kopf-Einkommen der Stadt, um eine 80-Quadratmeter-Mietwohnung gut zahlen zu können. Dieser Wert liegt unter dem von Frankfurt (1,9), den hohen Münchner Einkommen sei Dank. Anders als in den meisten Großstädten ziehen sich die teureren Lagen nicht in den Südwesten, sondern vom Zentrum in den Osten. Je weiter weg vom Zentrum, desto weniger Einkommen ist für die Miete nötig. Unter 1,3 (PLZ 80999, Allach-Untermenzing) fällt der Wert aber nirgendwo.