Städteranking 2017: "Der Druck auf den Wohnungsmarkt nimmt zu"
Platz 10: Hamburg
Die Hansestadt schafft es wie im Vorjahr noch in die Top Ten. Der Hafen und Unternehmen wie Beiersdorf und Airbus sorgen an Elbe und Alster für gut bezahlte Jobs. Immer wieder sorgt Hamburg in internationalen Ranglisten als attraktivste Stadt Deutschlands für Furore – die neue Elbphilharmonie hat dem Tourismusboom sicher auch nicht geschadet.
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Quelle: Städteranking von WirtschaftsWoche, ImmobilienScout24 und der IW Consult Köln
Foto: dpaPlatz 9: Darmstadt
Heimat einer der stärksten Technischen Universitäten des Landes, verbunden mit mehreren weiteren leistungsfähigen Forschungsinstituten und einer Menge IT-Know-how in Unternehmen – eine gute Mischung. Der hier ebenfalls ansässige Pharmariese Merck tut sein Übriges.
Foto: DPA/Picture-AlliancePlatz 8: Ulm
Ein gutes Beispiel für die Standortqualität, die Deutschland auch abseits der großen Metropolen bietet: Ulm profitiert von seiner exzellenten Lage in einer starken Mittelstandsregion an der Grenze von Bayern und Baden-Württemberg.
Foto: dpaPlatz 7: Wolfsburg
Natürlich, der Volkswagen-Konzern hat schon bessere Tage gesehen. Aber die niedersächsische Autostadt lebt weiterhin mehr als gut vom Konzern, der für hunderttausende Arbeitsplätze, üppige Steuereinnahmen und hohe Forschungsinvestitionen steht.
Foto: dpaPlatz 6: Regensburg
Nicht gerade die Stadt, an die man als erste denkt, wenn es um die prosperierenden Städte Deutschlands geht. Im WiWo-Ranking aber überzeugt die Universitätsstadt an der Donau mit einer besonderen Stärke: sie hat keine Schwäche. Leben auf gehobenem Niveau also.
Foto: DpaPlatz 5: Frankfurt
Die Finanzindustrie ist am Main traditionell der ökonomische Platzhirsch. Wegen des drohenden Brexits dürfte das ohnehin schon ziemlich kosmopolitische "Mainhattan" in den kommenden Jahren sogar noch an Attraktivität und Anziehungskraft gewinnen.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 4: Erlangen
Von Platz zwei auf Platz vier geht es für Erlangen. Was allerdings ein Abstieg auf hohem Niveau ist: Im Teilranking Arbeitsmarkt steht die Stadt ganz oben. Außerdem ist die Zahl der Straftaten je Einwohner außer in Fürth nirgendwo niedriger. Das bringt einen Pluspunkt in Sachen Lebensqualität.
Foto: dpaPlatz 3: Stuttgart
Die schwäbische Metropole klettert in diesem Jahr gleich zwei Plätze nach oben, was beim Niveau schon eine ziemliche Leistung ist. Den Aufstieg verdanken die Stuttgarter vor allem ihrer immer besser laufenden Wirtschaft – Daimler, Porsche und Co. sorgen trotz Abgasskandal noch immer für Wohlstand.
Foto: dpaPlatz 2: Ingolstadt
Auch Platz zwei geht in diesem Jahr an Bayern. Ingolstadt kann im Vergleich zu 2016 sogar noch eine Position nach oben klettern. Arbeitsmarkt und Unternehmen strotzen nur so vor Kraft. Die 135.000-Einwohner-Stadt ist die Heimat des Autobauers Audi.
Foto: dpa/picture-alliancePlatz 1: München
Die bayrische Landeshauptstadt und Hochburg der Dax-Konzerne landet auch in diesem Jahr im Niveau-Ranking ganz oben. Renommierte Weltmarken wie BMW oder Siemens garantieren hochbezahlte Jobs, zu allem Überfluss floriert in München aber auch die Gründerszene. Das zusammen genommen reicht für den unangefochtenen Platz an der Spitze.
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Foto: dpaWirtschaftsWoche: Herr Hebecker, wie lange hält der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt noch an?
Jan Hebecker: Die Lage am Wohn- und Büroimmobilienmarkt ist sehr gut – und es gibt momentan keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändert. Alle Signale sprechen für ein weiterhin stabiles Wachstum.
Jan Hebecker, Leiter der Abteilung Märkte und Daten bei Immobilienscout24.
Fotograf: Max Threlfall
Foto: PRManche Ökonomen warnen vor einer gefährlichen Blase am Immobilienmarkt. Ist diese Angst berechtigt?
Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine Immobilienblase. Dagegen spricht vor allem, dass das Volumen der Kreditvergabe für Immobilien insgesamt stabil ist. Zudem steigen die Preise dort am meisten, wo die größte Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt besteht. Das zeigt doch, dass hier ganz normale Marktkräfte wirken.
In welchen Städten brummt der Immobilienmarkt am stärksten?
In den Metropolen - allen voran Berlin. Hier gibt es eine hohe Gründungsdynamik, neue Technologien und Dienstleistungen. Das zieht Arbeitskräfte, Gründer und Investoren gleichermaßen in die Hauptstadt.
Nicht nur in Berlin, sondern auch in vielen anderen Städten ist es sehr schwierig geworden, eine Wohnung zu finden. Wo entstehen denn derzeit die meisten neuen Wohnungen – und wo tut sich zu wenig?
Die meisten Wohnungen sind in den vergangenen Jahren bezogen auf den Wohnungsbestand in Heilbronn, Potsdam und Frankfurt am Main entstanden. Geplant werden derzeit die meisten Vorhaben in Potsdam, Berlin, Trier und Offenbach. In diesen Städten wird entweder eine aktive Baulandpolitik durch die Gemeinden betrieben. Oder die Wohnungswirtschaft sieht so viel Nachholbedarf, dass sie aktiv in den Markt eingestiegen ist, wie zum Beispiel in Berlin.
Gleichzeitig reichen die geplanten und bestehenden Wohnungen nicht aus, um den bestehenden Bedarf zu decken. Die Städte, wo sich am meisten tut, sind also gleichzeitig die, in denen die Nachfrage größer ist als das Angebot. Das liegt auch daran, dass Wohnungsbau in Deutschland ein komplexes Unterfangen ist. Man muss den Grund kaufen, aufwendige planungsrechtliche Verfahren durchlaufen und kann dann erst loslegen.
Welche Prognose haben Sie für Großstädte mit Wohnungsmangel? Nach Ihren Schilderungen hört es sich nicht so an, als ob die Situation in den nächsten Jahren besser werden könnte.
Das ist korrekt. Der Druck auf den Markt nimmt zu. Vor allem im mittleren Preissegment sagen viele Ökonomen, dass wir einen neuen sozialen Wohnungsbau brauchen. Natürlich nicht so wie in den Siebziger- und Achtzigerjahren, als Stadtrandsiedlungen gebaut wurden. Aber in der Innenstadt von großen Metropolen muss der Bedarf besser gedeckt werden.
Das ist sehr schwierig, weil die Grundstücke dann aktiv von den Kommunen subventioniert werden müssten. Und dafür sind in den städtischen Haushalten meist nicht die Spielräume vorhanden.
Haben Sie einen Lösungsvorschlag?
Die Kommunen sollten darauf Wert legen, die Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung oder ihres Studiums in den zentralen Lagen der Städte zu halten. Es ist nicht der Fall, dass die meisten aufs Land abwandern möchten. Es besteht häufig das Bedürfnis, dort zu arbeiten, wo man studiert hat. Um das zu erfüllen, wird man mehr Neubau schaffen müssen. Kommunen könnten kommunale Wohnungsunternehmen beauftragen, mehr Wohnungen zu bauen. Und man muss auch darüber diskutieren, nach welchem Standard man baut, weniger ist hier manchmal mehr. Auch ein verstärkter Hochhausbau wäre eine Option, obwohl das in Deutschland ein schwieriges Thema ist. Durch den sozialen Wohnungsbau in der Vergangenheit, durch den auch viele Groß-Siedlungen entstanden sind, ist das Image sehr schlecht. Aber wenn man innerstädtisch mehr Wohnraum schaffen möchte, kommt man an einer Nahverdichtung nicht vorbei.
Im aktuellen Städteranking liegen im Immobilienbereich die Städte an der Spitze, in denen die Mieten besonders hoch und der Wohnraum knapp sind. Was ist die Logik dahinter? Für Mieter und Käufer vor Ort sind hohe Preise ja ein Nachteil.
Der Immobilienmarkt ist ein Spiegel der wirtschaftlichen Entwicklung eines Ortes. Wo die Preise steigen, ist die Nachfrage sehr hoch. Das ist positiv für den Wohnungsmarkt und ein positiver Indikator für die Attraktivität einer Stadt.
Welche Stadt wird Ihrer Einschätzung nach in den nächsten fünf Jahren zum Aufsteiger im Immobilienmarkt?
Städte wie Berlin, die jetzt vorne liegen, werden weiter wachsen. Spannend wird es auch in Frankfurt, mit einer positiven Aussicht vor dem Hintergrund des Brexit. Nachdem die Stadt von der Finanzkrise besonders stark betroffen war, entwickelt sich der Immobilienbereich dort aktuell sehr positiv.
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