Top-Kanzleien: Anwälte für die perfekte Scheidung
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„Alles aus! Droht jetzt ein Scheidungskrieg um ihre vier Kinder, die Villen und die 50 Millionen Euro?“, titelte „Bild“, als TV-Model Heidi Klum und Sänger Seal vor einigen Wochen ihre Scheidungsabsicht kundtaten. Wer keinen Ehevertrag hat, riskiert Rosenkriege und sein Vermögen. So wie US-Schauspieler Mel Gibson, der gerade seiner Ex-Frau die Rekordsumme von über 400 Millionen US-Dollar zahlen muss. Wer reich abgefunden wird, kann auch ordentlich was ausgeben. So wie Heather Mills, die Ex von Paul McCartney, die binnen zwei Jahren die gesamte 30-Millionen-Euro-Abfindung des Ex-Beatles verprasst haben soll.
Täglich über 35.000 Euro, rechnete ihr das britische „Heat Magazine“ vor. Was schwerreiche Showstars noch verkraften können, kann so manches Familienvermögen durchaus zerstören. Damit zum Beispiel familieneigene Unternehmen wegen einer Scheidung nicht unter den Hammer kommen, bieten auch hierzulande etliche Anwälte Asset Protection an – am besten übersetzt mit „Vermögensschutz für Wohlhabende“.
Top-Kanzleien für Vermögensschutz und Ehevertragsrecht
Die Vorteile des Ehevertrags
Das Ziel der Anwaltsleistung: „Familienvermögen sollen generationsübergreifend erhalten und auf rechtlich zulässige Weise geschützt werden“, sagt Christian von Oertzen, Partner bei Flick Gocke Schaumburg in Bonn. „Ehegatten und Kinder sind die natürlichen Feinde jedes Vermögens“, meint von Oertzen. „In GmbH-Verträgen sollte für die Gesellschafter immer eine Pflicht zum Ehevertrag stehen, damit das Gesellschaftsvermögen vom Zugewinn ausgeschlossen bleibt“, rät Vermögensschutzspezialist Elmar Uricher, Anwalt in Konstanz.
Ohne Ehevertrag haben Ehepartner Anspruch auf Zugewinnausgleich, also auf die Hälfte dessen, was ein Vermögen während der Ehe an Wert gewonnen hat. Eine Firma mit zwei Inhabern, deren Wert binnen 20 Jahren von 0 auf 20 Millionen Euro gestiegen ist, kann so durch eine Scheidung in eine Liquiditätskrise geraten: Weil der eine Inhaber für den Zugewinnausgleich der Ex-Gattin fünf Millionen Euro auftreiben und dafür womöglich seinen Anteil verkaufen oder der Bank abtreten muss, sagt Uricher. Um solche Probleme von vorneherein auszuschließen, schreiben angelsächsische Großkanzleien in ihren Sozietätsverträgen ihren deutschen Partnern explizit vor, dass sie mit ihren Ehegatten Gütertrennung vereinbaren müssen.
Gute Anwälte helfen bei einer Scheidung, das Vermögen zu schützen
Foto: Pressebild
Cooper-Hohn gegen Hohn
Jamie Cooper-Hohn wird durch die Scheidung reich: Von ihrem Ex-Mann Christopher Hohn, einem bekannten Londoner Hedgefondsmanager, erstritt sie am 27. November 2014 nach 17 Ehejahren die gigantische Summe von 530 Millionen Dollar, umgerechnet 425 Millionen Euro. Christopher Hohn leitet "The Children's Investment Fund Management", kurz TCI und damit einen der erfolgreichsten Hedgefonds der vergangenen Jahre. Sein Vermögen wird auf 1,3 Milliarden Dollar geschätzt. 2013 soll TCI ein Plus von 47 Prozent erreicht haben, nach 29 Prozent Steigerung im Jahr zuvor. Für die 49-jährige Cooper-Hohn also ein guter Zeitpunkt für eine Scheidung. Es wart die bislang teuerste Scheidung, die je ein britisches Gericht verkündete.
Foto: REUTERSMichael Douglas
Bereits sechs Wochen, nachdem sie sich kennenlernten, heirateten Michael und Diandra Douglas im Jahr 1977 - Und ließen sich 21 Jahre später wieder scheiden.
Den Hollywood-Star kostete das 45 Millionen Dollar.
Foto: ReutersPaul McCartney
Monatelang wurde die Trennung zwischen dem Ex-Beatles-Sänger und Heather Mills in den Medien ausgetragen, am Ende kam McCartney die Scheidung im August 2008 doch nicht so teuer zu stehen wie geschätzt. "Nur" etwa 45,2 Millionen Dollar musste er seiner Ex-Frau zahlen.
Foto: APPhil Collins
Phil Collins trennte sich 2006 von der Schweizerin Orianne Cevey - und zahlte dafür 25 Millionen Pfund, also damals rund 46 Millionen Dollar.
Foto: ReutersJames Cameron
James Camerons dritte Ehe hielt nur zwei Jahre - 1999 ließ er sich von seiner Frau Linda Hamilton scheiden. Für sie hatte sich die kurze Ehe in finanzieller Hinsicht mehr als gelohnt - mehr als 50 Millionen Dollar wurden ihr zugesprochen.
Foto: dapd
Kevin Costner
Nach 16 Jahren Ehe und drei gemeinsamen Kindern bekam Costners Ex-Frau Cindy Silva 1994 über 80 Millionen Dollar zugesprochen.
Foto: APHarrison Ford
2004 war es zwischen dem Schauspieler und der Drehbuchautorin Melissa Mathison nach 18 Jahren Ehe aus. Bei der Scheidung ging es um 85 Millionen Dollar.
Foto: Reuters
Steven Spielberg
1989 trennte sich Spielberg nach nur vier Jahren Ehe von der Schauspielerin Amy Irving. Für sie war die kurze Ehe äußerst rentabel - 25 Millionen Dollar bekam sie für jedes Ehejahr zugesprochen, insgesamt also 100 Millionen Dollar.
Foto: ReutersNeil Diamond
Die 1994 vollzogene Scheidung liegt schon einige Jahre zurück - aber schon damals einigte man sich auf eine stattliche Summe. Über 150 Millionen Dollar erhielt seine Frau Marcia Murphey nach 25 Ehejahren.
Foto: APMichael Jordan
Jordan trennte sich im November 2007 von der ehemaligen Bankangestellten Juanita Vanoy und musste bei seiner Scheidung sogar mehr als die vorherige Schätzung von 150 Millionen Dollar aus seinem 350-Millionen-Dollar-Vermögen bezahlen - über 168 Millionen Dollar bekam seine Ex-Frau zugesprochen.
Foto: ReutersRoman Abramowitsch
Als sich der russische Multimilliardär 2007 von seiner Frau Irina trennte, sah es zunächst nach der teuersten Scheidung aller Zeiten aus - auf 1,5 Milliarden Dollar wurde der Scheidungsbetrag geschätzt. Letztendlich einigte man sich auf eine Zahlung von 300 Millionen Dollar.
Foto: dpa-dpawebMel Gibson
Nachdem das Paar schon drei Jahre getrennt gelebt hatte, reichte Robyn Gibson 2009 die Scheidung ein - und die kam den Schauspieler teuer zu stehen. Da das Paar zu ihrer Hochzeit im Jahr 1980 keinen Ehevertrag abgeschlossen hatte, stand der Arzthelferin die Hälfte des gemeinsamen Besitzes zu - was laut Medienberichten 325 Millionen Dollar und damit die mit Abstand teuerste Hollywood-Scheidung aller Zeiten gewesen sein soll.
Foto: ReutersTiger Woods
Weil er angeblich mit Callgirls und Bardamen fremd ging und offenbar Sex-süchtig war, wollte sie die Scheidung: Golf-Profi Tiger Woods musste an seine Ex, das schwedische Model Elin Nordegren, Millionen von Dollar abdrücken. US-Medien spekulierten über wahnwitzige Abfindungen von bis zu 750 Millionen US-Dollar (594 Millionen Euro). Forbes hielt diese Zahl für übertrieben. Demnach sei Woods' Vermögen zu stark geschrumpft: Der Rekord-Golfer habe nach den Sex-Skandalen weniger Turniere gespielt, Werbeverträge und Börsengeld verloren. Mindestens 100 Millionen dürften für die betrogene Ehefrau aber drin gewesen sein.
Foto: REUTERSTed Turner
Mit Aerobic wäre sie wohl soweit nie gekommen: Turnerlegende Jane Fonda kassierte 850 Millionen Dollar (knapp 640 Millionen Euro) von ihrem Ex-Mann, dem CNN-Milliardär Ted Turner. Für zehn Jahre ist das ein stattliches „Gehalt“.
Foto: REUTERSHoward Haralson
Richter Howard Haralson stand in dem langwierigen Prozess vor der unliebsamen Aufgabe, den Erfolg eines Milliardärs – und dessen Beteiligung daran – bis auf den letzten Penny auszurechnen. Und das tat er dann auch: Sue Ann erhält nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters 995 Millionen Dollar – das wären dann etwas weniger als vier Millionen Euro pro Ehejahr. Das Vermögen schätzte er dabei laut Bloomberg auf 16,1 Milliarden Dollar. Das war erst mal ein Sieg für Harold Hamm, der die Kontrolle über sein Imperium behält. Anleger hatten eine weit höhere Entschädigung für Sue Ann befürchtet. Auch andere Scheidungen wurden reichlich teuer...
Foto: REUTERSHarold Hamm
Etappensieg im Rosenkrieg: Im Berufungsverfahren zu einem der teuersten Scheidungsprozesse in der US-Justizgeschichte hat nun ein Gericht in Oklahoma dem Öl-Milliardär Harold Hamm recht gegeben. Seine Ex-Frau Sue-Ann Arnall hatte schon eine knappe Milliarde Dollar erhalten. Doch das reichte ihr nicht: Zwar löste sie den Scheck über 975 Millionen vergangene Woche ein. Das sei aber nur ein kleiner Teil des Vermögens, das sie und Hamm in mehr als zwei Jahrzehnten Ehe aufgebaut hätten, ließ Arnall über ihre Anwälte jetzt mitteilen. Weil sie den Scheck akzeptiert hatte, wurde nun jedoch ihre Berufung abgelehnt. Nach Arnalls Darstellung beträgt das eheliche Vermögen bis zu 18 Milliarden Dollar.
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Rupert Murdoch
Über eine Milliarde Dollar soll Medien-Mogul Rupert Murdoch seiner Ex-Frau Anna Torv Murdoch-Mann gezahlt haben. Das Ehepaar war mehr als 30 Jahre verheiratet.
Foto: REUTERSDmitrij Rybolowlew
Nach 27 Jahren Ehe trennten sich der russische Oligarch Dmitrij Rybolowlew und seine Frau Elena. Sechs Jahre dauerte das Verfahren, dass zu der "teuersten Scheidung der Geschichte" geführt hat, wie Elena Rybolowlews Anwalt Marc Bonnant dem Guardian sagte. Laut dem US-Magazin Forbes ist Rybolowlew mehr als 9,5 Milliarden Dollar (6,9 Milliarden Euro) schwer. Rund 3,3 Milliarden Euro sowie Wertgegenstände und das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter fallen jetzt Elena Rybolowlew zu.
Foto: imago / panoramic
Hilfreich sind zum Beispiel modifizierte Zugewinngemeinschaften. Uricher: „Dabei wird das Unternehmer- und Immobilienvermögen ausgeschlossen, stattdessen wird dem Ehepartner zum Ausgleich ein eigenes Vermögen aufgebaut zum Beispiel in Form einer Lebensversicherung.“
Einfach aufzuspüren sind die Vermögensschutzanwälte hierzulande nicht, geht es doch um ein verschwiegenes Geschäft. Meist sind es spezialisierte Einzelkämpfer oder kleinere Sozietäten – darunter auffällig viele Frauen. Die Spanne der Stundenhonorare liegt zwischen 250 und 800 Euro. Auch Großkanzleien nehmen dieses Geschäft gern mit, wenngleich sie es nicht eigens bewerben und um Himmels willen nicht das Feld Familienrecht besetzen wollen.
Kampf mit harten Bandagen
Sie mögen mit den üblichen Schlammschlachten bei Scheidungen oder Familienzwistigkeiten nichts zu tun haben. Denn „70 Prozent der Scheidungen sind Rosenkriege“, schätzt Uricher. Gekämpft wird mit harten Bandagen. Ein beliebtes Muster: Dem wirtschaftlich schwächeren oder verlassenen Partner fällt plötzlich ein, dass der andere Konten im Ausland hat, die dem Fiskus nicht bekannt sind. Asset Protection ist eine Herausforderung für Juristen, weil verschiedene Rechtsgebiete ineinandergreifen: „Nicht nur gesellschafts- und steuerrechtliche Aspekte spielen ein Rolle, sondern auch erb- und familienrechtliche Fragen – und vor allem das Verständnis für familiendynamische Prozesse“, gibt Tom Rüsen, Leiter des Instituts für Familienunternehmen von der Uni Witten-Herdecke, zu bedenken.
Ihm fallen immer wieder zwei Anwalts-Typen auf: „Einmal die Weitblickenden und dann diejenigen, die ausschließlich kurzfristige Interessen vertreten – ohne Rücksicht auf das Unternehmen.“ Rüsen findet: Anwälte dürften nicht nur ein einzelnes Problem lösen, sondern müssen auch über den Tellerrand schauen und erkennen, dass durch allzu harte Interessenvertretung einer Seite auch Unternehmen gefährdet werden können. Heikel wird es für Vermögende, wenn abtrünnige oder verlassene Ehepartner mit ausländischem Recht taktieren: Briten erkennen nämlich voreheliche Eheverträge nach deutschem Muster nicht an, berichtet Rainer Lorz von Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz in Stuttgart. Er vergleicht: „Britische Richter machen Bestandsaufnahme und gehen über Eheverträge stets glatt hinweg.“
Ein Ehevertrag ist insbesondere für Selbstständige sinnvoll, um das Unternehmen oder den Betrieb vor Schaden zu bewahren.
Foto: gms
Den Anwalt wegschnappen
Wer zuerst auf den von beiden bevorzugten Anwalt zugeht, blockiert ihn für Scheidungsgegner. Das kann den Scheidungsgegner nicht nur ärgern, sondern auch hilfreich sein, wenn der Anwalt die Familien- und Vermögensverhältnisse so genau kennt, dass Flunkereien der Gegenseite ins Leere laufen. Um den Anwalt der Gegenseite wegzuschnappen, genügt schon ein Beratungsgespräch. Manche Anwälte lehnen deswegen ein Beratungsgespräch ohne Mandat ab und nehmen nur Vertretungsverträge für Scheidungsverfahren an.
Wohnung ausräumen
Der Versuch, sich Einrichtungsgegenstände, Erinnerungsstück oder auch Dokumente schon vorzeitig zu sichern, treibt immer wieder Scheidungswillige dazu, das gemeinsame Heim leer zu räumen. Rechtlich ist die Entwendung Hausrats aber nicht zulässig. Die Gegenseite kann gegen solche eine Aneignung des gemeinsamen Eigentums auch rechtlich vorgehen. Dann teilt ein Gericht den Hausrat auf, echte Vorteile hat das ganze nicht. Inventarlisten, die bereits im Vorfeld geführt wurden, helfen langwierige Streits zu vermeiden.
Einkünfte frisieren
Vor allem Selbständige können ihre Einkünfte relativ einfach klein rechnen, dadurch soll der Unterhalt sinken. So kann er etwa Investitionen vorziehen, Rückstellungen bilden oder Einnahmen nicht deklarieren. Wer sich dagegen wehren will, braucht einen kundigen Anwalt und eventuell das kostspielige Gutachten eines Wirtschaftsprüfers.
Psychische Probleme unterstellen
Um sich das Sorgerecht zu sichern, wird der Ex-Partner als psychisch krank oder unfähig der Fürsorge hingestellt und somit der Eindruck erweckt, er sei außerstande, die Sorge für das Kind zu übernehmen. Für eine erfolgreiche Abwehr empfehlen Anwälte gerne den Gegenschuss durch die Beantragung des alleinigen Sorgerechts. In der Folge sind ärztliche Gutachten gefragt. Die Leidtragenden des Ganzen sind die Kinder, der Nutzen höchst fraglich.
Neue Lebensgefährten in Verruf bringen
Um Besuche der gemeinsamen Kinder zu verhindern, wird behauptet, der neue Partner des Scheidungsgegners sei schlechter Umgang für den Nachwuchs. Auch hier sind vor allem die Kinder die Leidtragenden. Der Verleumdete kann dagegen halten, indem er sein Umgangsrecht vor Gericht einfordert.
Ehevertrag anfechten
Klauseln in Eheverträgen, die einen Partner klar übervorteilen, sind sittenwidrig und damit unwirksam. Mit einer unwirksamen Klausel fällt oftmals der gesamte Ehevertrag vor Gericht durch. Viele Verträge taugen vor Gericht wenig, weil der ausstellende Notar unerfahren oder schludrig war oder sie neuerer Rechtsprechung widersprechen. Die Anfechtung eines Ehevertrags kann die Gegenseite also ordentlich ins Schwitzen bringen. Allerdings ist das Risiko für beide Seiten hoch. Im Zweifel muss ein Kompromiss gefunden werden oder eine Seite muss sich freikaufen.
Lebensversicherung auflösen
Eine Seite beantragt während des Scheidungsverfahrens die Auszahlung einer Lebens- oder Rentenversicherung. Ist Gütertrennung vereinbart, geht die Gegenseite leer aus. Verhindern lässt sich dies am besten, indem ein Ehevertrag die Aufteilung des ausgezahlten Kapitals schon vor dem Scheidungsverfahren regelt. Ansonsten hilft es eventuell, den Ehevertrag anzufechten.
Foto: dpa/dpaweb
Schenkungen vorgaukeln
Nachträglich wird erklärt, das vermeintlich gemeinsame Vermögensgegenstände Schenkungen für nur eine Seite waren. Schenkungen unterliegen nicht dem gesetzlichen Zugewinnausgleich und werden daher im Scheidungsfall auch nicht aufgeteilt. Gibt es Zweifel an den Schenkungen, kann das Gericht Zeugen befragen, etwa die angeblichen Gönner. Falschaussagen sind natürlich strafbar.
Vermögen verprassen
Bevor es zum Zugewinnausgleich im Scheidungsverfahren kommt, verprasst eine Seite teilweise oder ganz das vorhandene Geld und genießt das Luxusleben. Dadurch soll die Übertragung von Vermögen im Zuge des Zugewinnausgleichs zum eigenen Vorteil reduziert werden. Das kommt auch vor, wenn im Vorfeld der Scheidung Erlöse aus dem Hausverkauf einseitig verjubelt werden. Hat die Gegenseite seinen Erlösanteil zur Seite gelegt, muss dieser trotzdem aufgeteilt werden. Die Gegenseite kassiert dann doppelt. Ein Treuhandkonto für solche Vermögensbeträge, auf dem das Geld bis zum Richterspruch eingefroren bleibt, kann dies verhindern. Ansonsten ist dieser miese Trick rechtlich zulässig.
Ausspionieren
Während sich die Trennung anbahnt, sichert sich ein Partner den Zugriff auf Informationen über Konten, kopiert Akten zu Bankgeschäften, Versicherungen und Geldanlagen oder über das Geschäft des anderen, um die wirtschaftlichen Verhältnisse genauestens zu dokumentieren. Ist die Ehekrise da, helfen Dokumente in Bankschließfächern und geänderte Passwörter.
Sie teilten einfach auf, was da sei – egal, woher es komme. Er erzählt vom Fall einer vermögenden Deutschen, die mit ihrem Mann, einem Investmentbanker, Gütertrennung vereinbart hatte und nach London zog. Als er aber nach der Trennung plötzlich lieber Kunst studierte und vorm britischen Gericht auf Unterhalt klagte, guckten die Richter erst in oberster Instanz den Ehevertrag an.
Neben Scheidungen können auch Firmenpleiten große Familienvermögen gefährden. So wie im Fall der Drogistenfamilie Schlecker. „Es ist nichts mehr da“, machte Tochter Meike klar, nachdem die Familie aus ihrem Privatvermögen angeblich einen dreistelligen Millionenbetrag in die Rettung der Firma gepumpt hat.
Eine neue Kundengruppe
Der Fall ist typisch, findet von Oertzen: „Immer wieder haben Firmeninhaber auch private wirtschaftliche Schwierigkeiten, weil sie um keinen Preis ihre Jahresabschlüsse offenlegen wollen und deshalb für ihre Firma keine haftungsbegrenzenden Rechtsformen wie eine GmbH oder GmbH & Co. KG wählen.“
Hinzugewonnen haben die Asset-Protection-Juristen in den letzten Jahren eine neue Kundengruppe: Vorstände und Geschäftsführer, die Heim und Hof sowie das Familienvermögen rechtzeitig auf Frau und Kinder übertragen – bevor ihr Arbeitgeber versucht, sie für Managementfehler in Millionenhöhe zur Kasse zu bitten.